Rauschenberg ist eine Stadt im Norden des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf.
Geografie Geografische Lage Rauschenberg liegt am Südostrand des Burgwalds, nordöstlich von Marburg und nördlich von Kirchhain. Einige Ortsteile der Gemeinde werden von der Wohra durchflossen.
Im Hundsbachtal bei Ernsthausen befinden sich die Reste der Burg Hundsbach.
Nachbargemeinden Rauschenberg grenzt im Norden an die Stadt Rosenthal (Landkreis Waldeck-Frankenberg) sowie die Gemeinden Wohratal (Landkreis Marburg-Biedenkopf) und Gilserberg (Schwalm-Eder-Kreis), im Osten an die Stadt Stadtallendorf, im Süden an die Stadt Kirchhain, im Südwesten an die Gemeinde Cölbe, sowie im Westen an die Stadt Wetter (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf).
Stadtgliederung Rauschenberg besteht aus den Stadtteilen Albshausen, Bracht, Ernsthausen, Josbach, Rauschenberg, Schwabendorf und Wolfskaute.
Geschichte mini|Rauschenberg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655
Ortsgeschichte Schon um das Jahr 1000 wurde im heutigen Gebiet von Rauschenberg die Burg Rauschenberg erbaut, in deren Schutz sich dann die Siedlung entwickelte. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Orts erfolgte unter dem Namen Ruschenberg im Jahr 1254 in einer Urkunde des Klosters Haina.
Durch einen Brand am 8. Mai 1266 wurde die Siedlung Rauschenberg nahezu vollständig zerstört. Graf Gottfried V. von Ziegenhain räumte dem Ort zum Wiederaufbau besondere Befugnisse ein und verlieh ihm am 25. Mai 1266 die Stadtrechte.Martin Röhling: Die Geschichte der Grafen von Nidda und der Grafen von Ziegenhain. (Niddaer Geschichtsblätter Heft 9) Niddaer Heimatmuseum e. V., Nidda, 2005, ISBN 3-9803915-9-0 (S. 33) Rauschenberg war Sitz des Amtes Rauschenberg. Als 1450 das Geschlecht der Grafen von Ziegenhain im Mannesstamm erlosch, fielen die Grafschaft Ziegenhain und damit auch Burg und Stadt Rauschenberg zunächst als Wittum an die Witwe Elisabeth des verstorbenen letzten Ziegenhainer Grafen Johann II. und nach ihrem Tod 1462 endgültig an die Landgrafschaft Hessen. Bald darauf wurde die Burg zum Jagdschloss erweitert.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Rauschenberg durch schwedische Truppen geplündert. Nachdem zwei Jahre vor Kriegsende das Schloss im Zuge des hessischen Erbfolgekriegs auf Geheiß eines Kasseler Obristen gesprengt wurde, steht dort heute nur noch eine Ruine.
Zur Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen 1806–1813 war Rauschenberg Verwaltungssitz des Kantons Rauschenberg. Bis 1932 bestand das Amtsgericht Rauschenberg.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 den freiwilligen Zusammenschluss der Stadt Rauschenberg und den Gemeinden Albshausen, Bracht, Ernsthausen, Josbach, Schwabendorf und Wolfskaute im damaligen Landkreis Marburg zu einer Stadt mit dem Namen Rauschenberg. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Franz Berthoud Zur Zeit des Nationalsozialismus arbeitete Franz Berthoud (1894–1977) als Pfarrer an der Stadtkirche zu Rauschenberg. Er war ein engagierter Gegner des Nationalsozialismus. Als einer der Wenigen weigerte er sich – zusammen mit seiner Frau – 1933 die NSDAP zu wählen. Als dies öffentlich bekannt wurde, bekam er Schwierigkeiten mit der örtlichen SA und geriet unter Druck. Dieser verschärfte sich, als Berthoud 1934 einen sterbenden Juden in der Nachbarschaft besuchte. Dieser Vorgang – im Pfarrarchiv als „Fall Plaut“ dokumentiert – führte zu einem ernsten innerkirchlichen Konflikt, zunächst mit dem Kirchenvorstand, dann aber auch mit der landeskirchlichen Leitung in Kassel. Berthoud blieb standhaft, engagierte sich aktiv als Obmann der Bekennenden Kirche im Kirchenkreis Kirchhain und blieb allen juristischen Verfolgungen bzw. Denunziationen zum Trotz über den Krieg hinaus seiner Kirchengemeinde treu. 1956 verließ er aus gesundheitlichen Gründen die Pfarrstelle und arbeitete als Pfarrer in Hofgeismar und später in Ottrau, wo er 1977 verstarb.Gernot Schulze-Wegener: Pfarrer Franz Berthoud (1894–1977); Ein Leben zwischen Anpassung und Widerstand. In: Hessisches Pfarrblatt, Juni 2012, Herausgeber und Verleger: Ev. Pfarrerinnen- und Pfarrerverein in Hessen und Nassau e. V., Frankfurt, und Pfarrverein Kurhessen-Waldeck, Marburg, S. 56–64 (ekkw.de PDF; 242 kB).
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rauschenberg angehört(e):
vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Rauschenberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt RauschenbergDie Zugehörigkeit des Amtes Rauschenberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Rauschenberg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Rauschenberg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Rauschenberg ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Rauschenberg ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74Trennung von Justiz (Justizamt Rauschenberg) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Rauschenberg 4466 Einwohner. Darunter waren 129 (2,8 %) Ausländer, von denen 45 aus dem EU-Ausland, 45 aus anderen europäischen Ländern und 36 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 5,6 %.) Nach dem Lebensalter waren 759 Einwohner unter 18 Jahren, 1824 zwischen 18 und 49, 990 zwischen 50 und 64 und 894 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1871 Haushalten. Davon waren 495 Singlehaushalte, 462 Paare ohne Kinder und 663 Paare mit Kindern, sowie 189 Alleinerziehende und 42 Wohngemeinschaften. In 318 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1245 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1570: 122 Bürger • 1577: 178 Hausgesesse • 1629: 115 Hausgesesse • 1723: 212 Familien • 1747: 205 Haushalte, 964 Einwohner • 1838: Familien: 274 nutzungsberechtigte, 5 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 39 Beisassen
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 1099 evangelisch-lutherische, 214 evangelisch-reformierte, 14 römisch-katholische, 66 jüdische Einwohner. • 1885: 1086 evangelische (= 93,70 %), 22 katholische (= 1,90 %), 50 jüdische (= 4,31 %), ein anderer (= 0,09 %) Einwohner • 1961: 1515 evangelische (= 91,16 %), 114 katholische (= 6,86 %) Einwohner • 1987: 3771 evangelische (= 86,69 %), 338 katholische (= 7,77 %), 241 sonstige (= 5,54 %) Einwohner • 2011: 3318 evangelische (= 74,29 %), 437 katholische (= 9,79 %), 711 sonstige (= 15,92 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1784: Erwerbspersonen: 13 Bäcker, 7 Schneider, 7 Krämer, 6 Metzger, 8 Schuhmacher, 5 Schmiede, ein Schlosser, ein Sattler, 5 Leineweber, 6 Strumpfweber nebst zwei Fabriken, ein Wollkämmer, ein Posamentier, zwei Schreiner, ein Drechsler, zwei Wagner, 1 Büttner, drei Zimmerleute, drei Maurer, ein Glaser, ein Töpfer, zwei Nadelmacher, zwei Chirurgen, 5 Gastwirte, ein Weinschenk, 12 Branntweinbrenner und -schenker, zwei Wassermüller, ein RoßmüllerRoßmüller In: Historische Berufe., ein Musikant, 41 Tagelöhner(innen), 7 Lohnschäfer. • 1838: Familien: 94 Ackerbau, 99 Gewerbe, 40 Tagelöhner • 1961: Erwerbspersonen: 227 Land- und Forstwirtschaft, 289 Produzierendes Gewerbe, 99 Handel und Verkehr, 127 Dienstleistungen und Sonstiges
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Rauschenberg erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 FBL Freie Bürgerliste 32,3 7 33,6 8 29,7 7 20,2 5 20,4 5 20,8 5 29,3 7 28,8 7 26,1 6 32,0 7 32,9 8 30,7 7 22,2 5 20,0 4 23,1 5 28,2 7 36,4 8 38,8 9 16,3 4 17,7 4 21,1 5 19,5 4 10,4 2 9,8 2 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 59,0 53,2 51,4 51,4 52,4 58,8
Bürgermeister mini|Das Rathaus der Stadt Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Rauschenberg neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sechs weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeisterin ist seit dem 1. April 2025 Alexandra Klusmann (SPD). Sie wurde als Nachfolgerin von Michael Emmerich (CDU), der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 27. Oktober 2024 in einer Stichwahl bei 57,0 Prozent Wahlbeteiligung mit 56,7 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeister-Stichwahl am 27. Oktober 2024 in Rauschenberg
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden - Votemanager: Wahltermine Stadt Rauschenberg, seit 1995; Hinweis: Bürgermeisterwahlen vor 2006 sind nicht aufbereitet 2025–2031 Alexandra Klusmann (SPD)Alexandra Klusmann: Über mich - Stadt Rauschenberg, 28. Oktober 2024: Alexandra Klusmann zur neuen Rauschenberger Bürgermeisterin gewählt: „Frau Klusmann übernimmt ihr Amt am 1. April 2025 von Bürgermeister Michael Emmerich, der für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung stand.“ 2013–2025 Michael Emmerich (CDU)op-online, 28. Februar 2024: Rauschenbergs SPD will in jedem Falle Kandidaten aufstellen: „Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) hört am 31. März 2025 auf“ 1995–2013 Manfred Barth (SPD)Manfred Barth Berufserfahrung: „Bürgermeister Stadt Rauschenberg, Apr. 1995–März 2013, 18 Jahre“