Walter Vogt (* 31. Juli 1927 in Zürich; † 21. September 1988 in Muri bei Bern) war ein Schweizer Schriftsteller und Psychiater. Er verfasste seit 1965 unter anderem Romane, Erzählungen und Essays. Zudem schuf er Bilder und Kunstobjekte, etwa im Stil der Psychodelic Art.

Leben Walter Vogt, Sohn von Maria Vogt, geborene Wirth, und des promovierten Juristen Werner Vogt, ging in Bern zur Schule, wo er 1956 zum Dr. med. promoviert wurde. Danach arbeitete er als Röntgenarzt am Berner Tiefenauspital. Ende der 1960er Jahre bildete er sich zum Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie weiter. Anschliessend führte er eine Facharztpraxis in Muri bei Bern. Vogt war reformiert, verheiratet ab 1954 mit Elisabeth Vogt, geborene Schwarz, und hatte drei Kinder (Christoph, Michael und Katrin). Seine Gattin, eine Pflegefachfrau, bewahrte Vogt bei seinen Drogenexperimenten einmal vor dem Erfrieren und hielt die Familie über Wasser.

Walter Vogt begann 1961 nach einer Krankheit schriftstellerisch tätig zu werden.Andreas Mettenleiter: Selbstzeugnisse, Erinnerungen, Tagebücher und Briefe deutschsprachiger Ärzte. Nachträge und Ergänzungen III (I–Z). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 22, 2003, S. 269–305, hier: S. 299. Mit seinem ersten Roman Wüthrich, einer Satire auf Ärzteschaft und Krankenhauswesen, erzielte er einen Skandalerfolg. In vielen seiner späteren Werke näherte sich Vogt ab der 1970er Jahre immer mehr der autobiografischen Selbstreflexion (Vergessen und Erinnern, Altern).Reinhardt Gutsche: Schizogorsk ist überall. Hommage Walter Vogt, sarkastischer Chronist „helvetischer Depressivität“ und „latenter Schizophrenie“ des Schweizer Patriziats, wäre am heutigen 31. Juli 90 Jahre alt geworden. In: Der Freitag. 31. Juli 2017 Die Themen von Drogenabhängigkeit, Existenz des psychiatrischen Patienten in der Klinik, sexuelle Identität (Maskenzwang), Bisexualität, Homosexualität und Tod vor dem Hintergrund von AIDS durchziehen sein gesamtes Werk, seien es Kriminalromane nach Dürrenmattschem Vorbild, Reisereportagen oder Prosaerzählungen. Zwischen 1963 und 1980 experimentierte Vogt mit der Berner Mundart.«zbäärn repme bäärndütsch» Artikel bei derbund.ch vom 7. April 2018.

Im Jahr 1978 war Vogt erster Swiss writer in residence an der University of Southern California, Los Angeles. Er war Gründungsmitglied der «Gruppe Olten» – von 1976 bis 1980 deren Präsident – und gehörte dem Deutschschweizer PEN-Zentrum an. Als deren Mitglied unterstützte er die internationale Vereinigung «Ärzte gegen den Atomkrieg». Im Jahr 1982 war er als Gastdozent der Universität Fribourg (Schweiz) tätig. 1986 trat er als Sprecher der «AIDS-Hilfe Bern» an die Öffentlichkeit, die er von 1987 bis zu seinem Tod leitete.Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann: Biographisches Lexikon. Suhrkamp, 2001, S. 712–713.

Einzelne Werke wurden ins Chinesische, Französische, Italienische, Polnische und Tschechische übersetzt.

Sein Nachlass wird im Schweizerischen Literaturarchiv aufbewahrt. Darunter sind das grossformatige Porträtgemälde von 1988 sowie eine umfangreiche Serie von Porträtzeichnungen des Schweizer Künstler Stefan Haenni, die kurz vor Vogts Tod entstanden sind und in seinem letzten Tagebuchroman Schock und Alltag kommentiert werden.Walter Vogt: Schock und Alltag, Nagel & Kimche, Zürich 1992, S. 286

Auszeichnungen 1972: Literaturpreis der Stadt Bern 1979: Vizepräsidentschaft PEN-Club Schweiz 1980 und 1985: Literaturpreis der Stadt Bern in der Kategorie «Buchpreis» 1986: Grosser Literaturpreis des Kantons Bern 1986: Bürgerpreis der Marktgemeinde Rauris

Werke Buchveröffentlichungen

Werkausgabe Bd. 1: Wüthrich. Der Wiesbadener Kongreß. 1991, Nagel & Kimche Verlag, Zürich. Bd. 2: Melancholie. Schizogorsk. 1991. Bd. 3: Vergessen und Erinnern. 1996. Bd. 4: Schock und Alltag. 1992. Bd. 5: Das Fort am Meer. 1993. Bd. 6: Die sibirische Reise und andere Erzählungen. 1994. Bd. 7: Die roten Tiere von Tsavo. 1994. Bd. 8: Altern. 1997. Bd. 9: Die Betroffenen. 1993. Bd. 10: Schreiben als Krankheit und als Therapie. 1992.

Theaterstücke Aimez-vous Gotthelf, Bern 1966. Höhenluft, Theater am Neumarkt Zürich 1966. Die Königin des Emmentals, Zürich 1967. Der große Traum der Dame von Pioch-Badet, Theater Heddy Maria Wettstein, Zürich 1968.Theater im Alleingang. Theater-Uraufführung "Der grosse Traum der Dame von Pioch-Badet" von Walter Vogt im Zimmertheater Heddy-Maria Wettstein. In: Schweizer Radio und Fernsehen SRF, ANTENNE, 30. Januar 1968. Spiele der Macht, Bern 1971. Faust X, Solothurn 1972. Typhos, Bern 1973. Die Betroffenen, Theater am Neumarkt Zürich 1988. Pilatus und andere Masken, Wabern bei Bern 1992. Der Anruf, Theater am Neumarkt Zürich 1993.

Hörspiele/Radiosendungen/TV Vier Dialoge. Radio DRS 2, 1969. Spiele der Macht. Mit René Deltgen und Heinrich Gretler, Regie: Joseph Scheidegger. Fernsehen DRS, 1970. Inquisition. Radio DRS 2, 1972. Weihnachten im Herz. Radio DRS, 1972. Pilatus vor dem schweigenden Christus. Regie: Max Peter Ammann. Fernsehen DRS, 1974. Erben. Regie: Heinz Schirk. Fernsehen DRS, 1976. Die Inquisition. Fernsehspiel. Regie: Josef Scheidegger. Fernsehen DRS, 1977. Amos. Der Prophet und sein Gott. Sprechstück. Radio DRS 2, 1979. Jesaia. Sprechstück. Radio DRS 2, 1981. Die Betroffenen. Sender Freies Berlin, 1991.

Literatur

Vogt, Walter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1286. Reinhardt Gutsche: Schizogorsk ist überall. Hommage Walter Vogt, sarkastischer Chronist «helvetischer Depressivität» und «latenter Schizophrenie» des Schweizer Patriziats, wäre am heutigen 31. Juli 90 Jahre alt geworden. In: Der Freitag vom 31. Juli 2017 (online).

Weblinks Nachlass Walter Vogt in der Datenbank HelveticArchives bzw. als Online-Inventar (EAD) des Schweizerischen Literaturarchivs

Eintrag im Lexikon der Schweizer Autorinnen und Autoren der Stiftung Bibliomedia Walter Vogt in Viceversa Literatur. www.literapedia-bern.ch

Einzelnachweise

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