Die Schlacht von Shiloh (auch Schlacht bei Pittsburg Landing), die am 6. und 7. April 1862 etwa 22 Meilen nordöstlich der Kleinstadt Corinth im US-Bundesstaat Tennessee geschlagen wurde, war mit rund 24.000 Gefallenen und Verwundeten eine der verlustreichsten des amerikanischen Bürgerkriegs. Die von den Generälen Ulysses S. Grant und Don Carlos Buell kommandierten Unionstruppen der Tennessee- und der Ohio-Armee besiegten trotz höherer Verluste die konföderierte Mississippi-Armee unter Albert S. Johnston und Pierre Beauregard. Die Union verlor 13.047 verwundete und getötete Soldaten, die Konföderation 10.699 Mann, darunter General Johnston.
Die strategische Bedeutung der zweitägigen Kämpfe lag darin, dass sie der Union die Kontrolle über große Teile Tennessees sicherten, ihren Armeen den Zugang zu wichtigen Flüssen wie dem Tennessee River und Mississippi öffneten und die Konföderierten auf dem westlichen Kriegsschauplatz in die Defensive gedrängt wurden.
Historiker der Nordstaaten benannten die Schlacht zunächst nach Pittsburgh Landing, dem von der Unionsarmee verteidigten Punkt. Durchgesetzt hat sich aber die südstaatliche Bezeichnung Shiloh. So hieß eine kleine Kirche, nahe der Stelle des ersten Angriffs. Deren Name wiederum geht auf das Hebräische zurück und soll „Stätte des Friedens“ bedeuten.
Vorgeschichte Nach den Verlusten der Konföderation in Tennessee stieg in den Augen des Südens die Gefahr, den Krieg zu verlieren. Albert Sidney Johnston, dessen Kritiker immer lauter wurden, plante daher zusammen mit General Pierre Gustave Toutant Beauregard eine Offensive zur Rückeroberung von Tennessee. Beauregard ließ in Corinth, dem wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt im nördlichen Mississippi, 42.000 Mann zusammenziehen; 27.000 aus den Flügeln von Johnstons Armee sowie 15.000 Mann aus New Orleans und Mobile, Alabama unter Führung von Braxton Bragg.
Nach der Einnahme der Forts Henry und Donelson durch Ulysses S. Grant und Andrew H. Foote wurde Henry Wager Halleck zum Oberbefehlshaber des westlichen Kriegsschauplatzes ernannt. Halleck befahl dem inzwischen zum Generalmajor beförderten Grant, mit seinen Truppen nach Pittsburg Landing am Tennessee zu marschieren, wo Don Carlos Buells Ohio-Armee sich mit Grants Tennessee-Armee vereinen sollte. Diese Armee von 75.000 Mann wollte Halleck dann nach Süden führen, um Corinth einzunehmen. Noch bevor sich die Armeen von Grant und Buell vereinen konnten, wollte Beauregard Grant angreifen. Dazu entwarf er einen Plan, die Mississippi-Armee am 4. April in Gefechtsposition zu bringen, um dann einen Überraschungsangriff gegen Grants ahnungslose Tennessee-Armee zu führen. Sie bestand aus den vier Korps der Generalmajore Leonidas Polk, Braxton Bragg, W. J. Hardee und Brigadegeneral J. C. Breckinridge. Da Beauregard jedoch nur über unerfahrene Truppen und Stabsoffiziere verfügte und strömender Regen die Straßen in Morast verwandelte, dauerte es bis zum Abend des 5. April, die konföderierten Soldaten in Ausgangsstellungen zu bringen. Durch diese Verzögerungen glaubte Beauregard mittlerweile, das Überraschungsmoment verloren zu haben, und wollte den geplanten Angriff abbrechen. Da die konföderierte Armee inzwischen aber zur Attacke bereit war, konnte Johnston ihn von der Durchführung des Angriffes überzeugen.
Grant, der davon ausging, dass Johnstons Armee völlig demoralisiert sei, sah derweil keinen besonderen Anlass zur Eile und erwartete keinen Angriff. Weder bemühte er sich um ein schnelles Zusammenziehen seiner Divisionen, noch ließ er Verteidigungsanlagen errichten. Einzig der Division unter Lew Wallace, die 8 Kilometer flussabwärts kampierte, empfahl er besondere Wachsamkeit.McPherson: Battle cry of freedom, Oxford University Press, Oxford New York, 1988 S. 405ff.
Schlachtordnung Union Tennessee-Armee Oberbefehlshaber Generalmajor Ulysses S. Grant 1. Division unter dem Kommando von Generalmajor John Alexander McClernand 2. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral William H. L. Wallace 3. Division unter dem Kommando von Generalmajor Lew Wallace 4. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral Stephen A. Hurlbut 5. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral William Tecumseh Sherman 6. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral Benjamin M. Prentiss
Ohio-Armee Oberbefehlshaber Generalmajor Don Carlos Buell 2. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral Alexander McDowell McCook 4. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral William „Bull“ Nelson 5. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral Thomas L. Crittenden 6. Division unter dem Kommando von Brigadegeneral Thomas J. Wood
Konföderation
Mississippi-Armee Oberbefehlshaber General Albert Sidney Johnston I. Korps unter dem Kommando von Generalmajor Leonidas Polk II. Korps unter dem Kommando von Generalmajor Braxton Bragg III. Korps unter dem Kommando von Generalmajor William J. Hardee Reservekorps unter dem Kommando von Brigadegeneral John C. BreckinridgeDaniel: Shiloh, Simon & Schuster, New York, 1997 S. 319ff.
Die Schlacht Der erste Tag der Schlacht mini|Schlacht von Shiloh – der erste Tag
Der Morgen Fraley und Seay Field Everett Peabody, der Kommandeur der 1. Brigade der 6. Division, war besorgt angesichts von Meldungen über die Anwesenheit der Konföderierten. Am frühen Abend des 5. April führte er eine Nachbesprechung mit einer Patrouille des 25. Missouri Regiments durch. Der Kommandant der Einheit, Major James Powell, meldete, dass er südlich der Lager eine große Gruppe von Konföderierten gehört habe. In den frühen Morgenstunden des 6. April befahl Peabody Powell daher eigenmächtig, mit drei Kompanien des 25. Missouri und zwei Kompanien der 12. Michigan Regiments eine weitere Erkundung durchzuführen. Um 03:00 Uhr formierte Powell fünf Kompanien und brach vorsichtig nach Süden auf. Um ca. 04:45 Uhr erreichte Powells Gefechtslinie das Fraley Field. Als sie es teilweise überquert hatte, eröffneten Vorauseinheiten der dritten Brigade des dritten Armeekorps unter Brigadegeneral Sterling Wood das Feuer. Powells Männer gingen auf der Ostseite des Feldes in Deckung und lieferten sich einen 60-minütigen Schusswechsel der jedoch nur geringen Verluste forderte. Gegen 5:30 Uhr vernahm Johnston in seinem Hauptquartier Schüsse vom etwa 3 Kilometer entfernten Fraley Field und befahl daraufhin einen Generalangriff. Es dauerte jedoch über eine Stunde, bis der Befehl Brigadegeneral Thomas Hindman erreichte. Nachdem Brigadegeneral Prentiss die Nachricht vom Angriff auf Powell erreicht hatte, befahl er Colonel David Moore, fünf seiner Kompanien der 21. Missouri Regiments zu nehmen, um Powell zu unterstützen. Um 06:30 Uhr bemerkte Powell, der sich mittlerweile im Seay Field befand, dass sich einige konföderierte Kavallerieeinheiten zu seiner Linken bewegten. Powell der befürchtete, dass er von der Flanke angegriffen wurde, befahl seinen Männern, sich zurückzuziehen. Kurz darauf traf er auf Moore. Dieser übernahm das Kommando über die Truppen und entsandte eine Nachricht an Peabody mit der Bitte ihm die restlichen fünf Kompanien des 21. Missouri Regiments zu schicken. Moore führte die Truppen erneut in Richtung Seay Field und als er die Hälfte des Feldes erreicht hatte, eröffneten die Konföderierten, die sich an der Westseite des Feldes versteckt hielten, das Feuer. Moore wurde am Bein verwundet und befahl bald darauf den Rückzug in die nordöstliche Ecke des Feldes. Hindmans Truppen, die nun aus der dritten Brigade unter Wood und der ersten Brigade unter Colonel Robert Shaver bestanden, stießen nach Norden vor, wobei Wood auf der linken und Shaver auf der rechten Seite den westlichen Arm des Shiloh Creek überquerten. Kurz darauf erreichten sie Seay Field, wo sie auf die Einheiten des 21. Missouri Regiments trafen, das sich nach einem kurzen Gefecht zurückzog. Peabody, der bereits viermal verwundet worden war, versuchte, seine Truppen zu sammeln, wurde aber durch einen Kopfschuss getötet. Gegen 09:00 Uhr war die Kombination aus konföderiertem Angriff und dem Tod ihres Kommandanten für die Unionstruppen nicht mehr zu bewältigen. Die Konföderierten hatten das erste Lager der Union eingenommen.Gudmens: Staff Ride Handbook for the Battle of Shiloh, 6-7 April 1862, Combat Studies Institute Press, Fort Leavenworth, 2005 S. 61ff.Daniel: S. 143–150
Rea Field Die Sichtung feindlicher Späher am Morgen des 5. April hatte den Kommandeur des 53. Ohio-Regiments, Colonel Jesse Appler, veranlasst, seine eigenen Späher über die Wachpostenlinie hinaus bis zum südlichen Ende von Rea Field auszusenden. Am Sonntagmorgen kehrten sie mit der Nachricht zurück, dass sich eine große feindliche Streitmacht vor ihnen befand. Die Rüge von Sherman am Vortag ließ Appler zögern. Als jedoch ein verwundeter Soldat das Lager mit den Worten die Rebellen kommen erreichte, gab Appler Befehl klarmachen zum Gefecht. Appler schickte einen Boten zu Colonel Hildebrand und General Sherman. Während Hildebrand zwei Kompanien zur Hilfe schickte, ließ Sherman Appler lediglich wissen: you must be badly scared over there.
Als Sherman immer mehr Berichte von Kämpfen erreichten, befahl er immer noch zweifelnd die gesamte dritte Brigade gefechtsbereit zu machen. Um 07:00 Uhr ritten Sherman und ein Ordonnanzoffizier zu Applers Linie. Während Sherman das Terrain untersuchte, griffen die Konföderierten an. Sherman, der nun endgültig überzeugt war, rief: My God, we are attacked. Sherman ritt zu Appler und forderte ihn auf, durchzuhalten, während er sich um Verstärkung bemühte. Appler konnte mit Hilfe einiger Artilleriegeschütze drei Angriffe abwehren, bevor er sich in die Nähe von Lost Field zurückziehen musste. Die Konföderierten konzentrierten sich nun auf die Unionstruppen westlich der Shiloh Church. Sherman war an diesem Morgen überall auf dem Feld gewesen, um die Männer zu versammeln und die Verteidigung zu koordinieren. Als er sah, wie sich Hildebrands Truppen zurückzogen, stellte er fest, dass seine Linie nicht mehr zu halten war und befahl seiner Division, sich zurückzuziehen und eine neue Linie entlang der Purdy-Hamburg Road zu bilden.Daniel: S. 156f.Gudmens: S. 67ff., S. 71.
Pittsburg Landing Während die Unionstruppen angegriffen wurden, weilte ihr Befehlshaber Ulysses S. Grant neun Meilen entfernt in seinem Hauptquartier. Durch das intensive Gefechtsfeuer aufgeschreckt, ließ er sich auf einem Depeschenboot nach Pittsburg Landing fahren. Dort erfuhr er von dem Angriff der Konföderierten und dass der rechte und der mittlere Flügel zurückgedrängt worden waren. Grant versuchte, etwas Ordnung in den Landeplatzsektor zu bringen. Er befahl dem 23. Missouri Regiment, sich der Division von General Prentiss, und dem 15. und 16. Iowa Regiment, sich seiner ersten Division unter Generalmajor McClernand anzuschließen. Während sich der Großteil von Buells Soldaten noch auf dem Weg von Nashville nach Savannah befanden, hatte die vierte Division unter Brigade General William Nelson Savannah bereits erreicht. Grant befahl Nelson, mit seiner Division auf der Ostseite des Flusses bis zu einem Punkt gegenüber von Pittsburg Landing zu marschieren, von wo aus sie mit der Fähre zum Schlachtfeld übergesetzt werden konnte. Außerdem ließ er nach der Division von Lew Wallace schicken, von dem er hoffte, dass er am frühen Nachmittag eintreffen würde.Eicher: The longest night, Pimlico, London, 2002 S. 224.
Hamburg–Purdy Road