Der brasilianische Verpackungsmarkt ist mit einem Umsatz von 35 Milliarden US-Dollar (1,5 % des BIP) für das Kalenderjahr 2014 der fünftgrößte weltweit. Dies steht grob in Korrelation zu Brasiliens Wirtschaftskraft, da Brasilien gemäß nominalem BIP der siebtgrößte Wirtschaftsraum der Welt ist.Claire I. G. L. Sarantópoulos et al.: Brasil PackTrends 2020. ITAL – Instituto de Tecnologia de Alimentos, Campinas – SP 2012, ISBN 978-85-7029-119-6, S. 10. Der Verpackungsmarkt umfasst die Herstellung von Verpackungsmaterialien aus Rohmaterialien, die Zulieferung dieser Verpackungsmaterialien an Produzenten, Verpackungsdesign sowie diverse Prozesse für Recycling und Wiederverwertung. Der Verpackungssektor orientiert sich stark an Umwelt- und Naturschutzorganisationen und versucht, Forderungen jener Organisationen nach umweltfreundlicherer Produktion gerecht zu werden. Sustainable packaging, d. h. der Einsatz nachhaltiger Verpackungsmaterialien, erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung und bietet viel Platz für Innovationen und zukunftsfähige Investitionsmöglichkeiten.
Marktentwicklung Über den Zeitraum 2011 bis 2016 wird ein durchschnittliches Wachstum des brasilianischen Verpackungsmarkts von 6,2 % erwartet. 2016 wird Brasiliens Verpackungsmarkt 34 Milliarden US-Dollar umsetzen, womit Brasilien Kanada abgehängt und mit Frankreich gleichzieht. Das konstante Wachstum des brasilianischen Verpackungsmarktes ist jedoch keine einzigartige Entwicklung, denn der globale Verpackungsmarkt wächst stetig. Die Gründe dafür sind reichlich. Unter anderem sorgen dafür die steigende Verstädterung, Investitionen im Baugewerbe sowie die Ausdehnung des Gesundheitswesens.Sarantópoulos et al.: Brasil PackTrends 2020. ITAL, 2012, S. 9. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Verpackungstypen steigt ebenfalls stark an seit den 2000er Jahren und das aufgrund von Innovationen in diesem Bereich entstehende Wirtschaftswachstum verstärkt diese Tendenz. Des Weiteren spielt das starke Wachstum der BRIC-Staaten, insbesondere in den Jahren 2000–2008, sowie in den frühen Jahren nach der Wirtschaftskrise eine große Rolle in der absoluten Marktentwicklung. Trotz der aktuellen Wirtschaftsschwäche der BRIC-Staaten – insbesondere die Volksrepublik China und Brasilien betreffend – können die höchsten Wachstumsraten in ebendiesen Staaten beobachtet werden. In absteigender Reihenfolge weisen China, Indien, Brasilien und Russland Wachstumsraten von 7,9 %, 7,7 %, 6,2 % und 4,9 % auf. Jene hohen Wachstumsraten sind insbesondere auf steigende Einkommen der Haushalte zurückzuführen. Die steigenden Einkommen führen zu einer größer werdenden Nachfrage nach einer immer breiteren Produktpalette, was letztendlich Wachstum für die Produzenten der Verpackungen jener Güter bedeutet. Trotz des starken jährlichen Wachstums für den Zeitraum 2011–2016 gehen Schätzungen davon aus, dass der Umsatz des Verpackungsmarktes zwischen 2014 und 2016 aufgrund der wirtschaftlichen Rezession des Landes um 2,9 % abnehmen und auf 34 billion US$ sinken wird.
+ Umsatz der Verpackungsmärkte je Land und Jahr (Quelle: Brasil PackTrends 2020 (2012))CountriesUmsatz 2008 (Milliarden US$)Ranking 2008Umsatz 2011 (Milliarden US$)Ranking 2011Umsatz 2016 (Milliarden US$)Ranking 2016 USA 129 1. 141 1. 164 1. China 50 2. 80 2. 117 2. Japan 70 3. 76 3. 87 3. Deutschland 33 4. 37 4. 42 4. Frankreich 27 5. 30 6. 34 5. Kanada 24 7. 27 7. 30 7. Brasilien 26 6. 32 5. 34 5. Vereinigtes Königreich 20 8. 22 8. 25 9. Russland 17 9. 21 9. 26 8. Indien 9 10. 17 10. 25 10. Andere 158 X 199 X 262 X Gesamt 559 X 675 X 845 X
Im direkten Vergleich zu 2005 ist der Export brasilianischer Verpackungsgüter um 42 % gestiegen. Insbesondere Metalle wie Aluminium und Stahl weisen einen sehr hohen Anstieg innerhalb des Neunjahrestrends auf. Verpackungen aus Plastik und aus Stahl waren 2013 die meist exportierten Verpackungstypen, mit Umsätzen von 268 Millionen bzw. 183 Millionen US-Dollar. Zusammengenommen stellten Verpackungen aus Plastik und Verpackungen aus Stahl 70 % der Verpackungsexporte. Holz ist das einzige Verpackungsmaterial, welches 2013 weniger exportiert wurde als 2005. Die Exporte sind um 32 % von 21 Millionen US-Dollar auf 15 Millionen US-Dollar zurückgegangen. Insgesamt hat Brasilien im Jahr 2013 Verpackung im Wert von 645 Millionen US-Dollar exportiert.
+ Verpackungsexporte je Material und Jahr in Millionen US$ (Quelle: DATAMARK)Verpackung20052008201120122013% Unterschied 2005/14 Plastik 195,1 282,6 269,3 256,9 267,5 +37,1 % Holz 21,0 33,3 20,2 18,8 14,3 −31,9 % Papier und Pappe 90,2 118,1 119,5 126,4 123,0 +36,3 % Glas 13,1 46,2 28,8 18,8 16,9 +29,0 % Stahl 127,6 251,8 221,7 212,3 183,4 +43,7 % Aluminium 5,5 24.9 17,8 31,6 40,2 +631,0 % Gesamt 452,5 756,9 677,3 664,8 645,3 +42,6 %
Die Importe aller aufgelisteten Verpackungsmaterialien sind zwischen 2005 und 2013 gestiegen. Die meist importierten Verpackungen bestehen aus Glas (560 % Wachstum) und Stahl (384 % Wachstum). Die Holzimporte sind lediglich um 30 % angestiegen und damit der einzige Verpackungstyp, dessen Wachstum nicht 200 % oder mehr beträgt. Insgesamt hat Brasilien im Kalenderjahr 2013 Verpackung im Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar importiert.
+ Verpackungsimporte pro Material und Jahr in Millionen US$ (Quelle: DATAMARK)Verpackung20052008201120122013% Veränderung 2005/14 Plastik 200,5 383,3 579,6 602,8 642,4 +220,4 % Holz 2,0 2,9 3,2 2,5 2,6 +30 % Papier und Pappe 59,2 141,5 245,0 236,0 252,4 +326,4 % Glas 20,1 31,0 112,8 131,8 132,7 +560,2 % Stahl 36,2 89,0 141,1 159,3 175,5 +384,48 % Aluminium 8,7 27,9 49,8 31,3 38,7 +344,8 % Gesamt 326,7 675,6 1131,5 1163,7 1244,3 +280,9 %
Rohstoffe In der Verpackungsindustrie finden viele verschiedene Rohstoffe Anwendung. Dennoch sind Wellpappe und Plastik die mit Abstand meist genutzten Materialien, da sie addiert über 50 % der Marktmenge und über 40 % des Marktwertes repräsentieren. Obwohl es 15 % der Marktmenge stellt, trägt Glas lediglich 4 % zum Gesamtmarktwert dazu. Das Gegenbeispiel sind flexible Materialien, da diese lediglich 3 % der Marktmenge, aber 22 % des Marktwertes beitragen.
+ Rohstoff Marktanteile 2014 (Quelle: DATAMARK)RohstoffMengeWert Wellpappe 31,6 % 12,7 % Plastik 22,6 % 29,5 % Glas 15,1 % 4,3 % Metall 13,3 % 18,4 % Duplex/Triplex 6,0 % 4,0 % Papier 4,5 % 4,2 % Flexible Stoffe 3,3 % 22,4 % LPB 3,6 % 4,5 %
2014 wurden zwei Drittel der Verpackungsrohstoffe zum Verpacken von Lebensmitteln verwendet und lediglich ein Drittel für Nichtlebensmittel. Stahl, Kraft und Duplex/Triplex sind die einzigen Materialien, die häufiger als Verpackungen von Nichtlebensmitteln als von Lebensmitteln eingesetzt werden. Aufgrund ihres leichten Gewichts werden Materialien wie Aluminium oder flexible Stoffe besonders gerne bei Lebensmitteln eingesetzt. 90 % des Glases wird für Lebensmittelverpackungen genutzt, größtenteils für Bier, aber auch für andere Getränke. Schaut man sich das Verhältnis von Wert und Menge an, fällt auf, dass flexible Stoffe und Aluminium die wertvollsten unter den aufgelisteten Materialien sind. Außerdem ist das Verhältnis von Wert und Menge generell am höchsten bei Lebensmitteln. + Materialkonsum 2014 (Quelle: DATAMARK)LebensmittelNichtlebensmittelKategorieMaterialMenge (1000 t)%Wert (Millionen US$)Menge (1000 t)%Wert (Millionen US$) Flexible Stoffe 653,7 88,6 % 7.714,84 83,9 11,4 % 1.661,1 Metall Aluminium 444,6 93,2 % 3.693,7 32,3 6,8 % 268,5 Weißblech 422,0 64,3 % 1.182,2 233,9 35,7 % 655,2 Stahl 8,7 2,9 % 17,8 289,2 97,1 % 593,2 Papier Kraft 211,7 43,3 % 618,4 277,6 56,7 % 849,4 Duplex/Triplex 219,8 33,8 % 474,4 430,5 66,2 % 929,2 Pappkarton 2.179,5 64,0 % 2.840,0 1.225,2 36,0 % 1.596,5 Plastik 1.946,0 72,6 % 7.687,5 734,6 27,4 % 2.850,6 Glas 1.239,9 89,7 % 1.150,6 142,4 10,3 % 132,2 Gesamt 7.325,9 68,0 % 25.379,5 3.449,58 32,0 % 9.536,0
Der größte Endmarkt für Verpackungsrohstoffe ist die Getränkeindustrie. Während Plastik und flexible Stoffe die meist genutzten Materialien für nichtalkoholische Getränke sind, werden für alkoholische Getränke größtenteils Metalle (insbesondere Aluminium) und Glas eingesetzt. Für Fleisch und Gemüse wird zum Großteil Hartplastik genutzt, jedoch holen flexible Stoffe immer weiter auf. Für chemische und landwirtschaftliche Produkte werden mit großem Abstand Plastik und Metall verwendet, da die Produkte auf beständige Verpackungstypen angewiesen sind. Die vergleichsweise sehr geringen Produktionskosten für Plastik und flexible Stoffe sind ein weiterer Grund für deren Beliebtheit im brasilianischen Verpackungssektor. + Endmärkte nach Wert 2014 (Millionen US$) (Quelle: DATAMARK)KategorieProduktFlexible StoffeMetallePaperPlasticsGlassTOTAL Nahrungsmittel Fleisch und Gemüse 1.284 625 401 2.228 136 4.675 Getreide- und Mehlprodukte 1.608 37 248 620 – 2.513 Zucker und Schokolade 640 77 296 307 18 1.339 Molkerei- und Fettprodukte 1.290 261 53 965 77 2.647 Getränke Alkoholische Getränke 51 2.986 34 146 980 4.196 Nichtalkoholische Getränke 3.003 1.024 62 3.194 224 7.507 Nichtlebensmittel Elektro- und Automobil 1 26 85 69 – 182 Gesundheit und Kosmetik 883 270 304 755 131 2.343 Freizeit 65 – 326 20 – 411 Putzen und Haushalt 221 128 226 844 – 1.418 Chemie und Landwirtschaft 480 1.093 200 1.162 1 2.947 Gesamt 9.537 6.527 2.235 10.311 1.568 30.177
Verpackungstrends Eine Analyse des brasilianischen Verpackungsmarktes zeigt eine Reihe an Produkten auf, deren Popularität insbesondere seit den späten 2000er Jahren stetig ansteigt. Des Weiteren finden sich fünf allgemeine Trends, die den brasilianischen Verpackungsmarkt umgeben.
Trends alt=The image provides a visual representation the five main trends in the packaging industry as well as the characteristics of packaging according to these trends, as is being mentioned in the article.|mini|390x390px|Die fünf Haupttrends in der Verpackungsindustrie. Darstellung in modifizierter Form gemäß Brasil PackTrends 2020 (2012). In ihrer Studie Brasil PackTrends 2020 (2012) hat das Brasilianische Institut für Lebensmittel und Technologie (ITAL) fünf Trends der Verpackungsindustrie herausgestellt: 1) Komfort und Einfachheit, 2) Ästhetik und Identität, 3) Qualität und neue Technologien, 4) Nachhaltigkeit und Ethik, und 5) Sicherheit und Regulierung.Sarantópoulos et al.: Brasil PackTrends 2020. ITAL, 2012, S. 72–73. Obwohl die folgenden Beispiele auf den brasilianischen Markt bezogen sind, sind die Trends an sich generell auf jeden Verpackungsmarkt anwendbar, so auch auf den US-amerikanischen, den französischen, oder den deutschen Markt.
Komfort und Einfachheit Die Konsumenten von heute schätzen Produkte, die ihnen das Leben erleichtern, die weder zeitintensiv noch umständlich zu benutzen sind. Das gleiche trifft auf Verpackungen zu; Verpackung sollte leicht zu öffnen, wiederverschließbar und leicht zu entledigen sein. Was Lebensmittel betrifft sind vor allem jene Verpackungstypen beliebt, die eine einfache Zubereitung des Essens ermöglichen (bspw. durch Zubereitung in der Mikrowelle). Verpackung sollte es vermeiden, dem Konsumenten ein unnötiger Dorn im Auge zu sein, wenn dieser sein Produkt verwenden möchte. Dazu gehört auch das Verpackungsdesign, insbesondere im Sinne von Sprache und Darstellungen auf der Verpackung. Der Konsument sollte essenzielle Information ohne große Umstände finden können, gleichzeitig aber nicht mit Informationen erschlagen werden. Des Weiteren müssen sich Verpackungshersteller an sozio-ökonomische Wandel anpassen. Aufgrund steigender Urbanisierung gibt es heutzutage viel mehr Einpersonenhaushalte als noch vor 20 Jahren und dies führt dazu, dass mehr Produkte in individuellen Portionen verpackt sein und einfache Zubereitungsmöglichkeiten bieten müssen.Sarantópoulos et al.: Brasil PackTrends 2020. ITAL, 2012, S. 70–71, 74.
Ästhetik und Identität