Louis Lucien Brasil (* 5. September 1865 in Paris im 13. Arrondissement;Laut Nachruf im Bulletin de la Societe Linneenne de Normandie S. 2 war er am 2. September 1865 geboren. Das steht im Widerspruch zum Eintrag der Geburt im Archive de Ligne in Paris. † 13. Oktober 1918 in Luc-sur-Mer) war ein französischer Geologe, Paläontologe, Zoologe und insbesondere Ornithologe.

Leben und Wirken Brasil arbeitete 21 Jahre an der wissenschaftlichen Fakultät der Universität Caen. Hier bekam er als Student seine wissenschaftliche Ausbildung, aus der er schließlich seine Karriere entwickelte. Am 7. Januar 1897 wurde er dort Präparator für Zoologie. Am 1. Juni 1906 war er unter der Schirmherrschaft von Jean Joyeux-Laffuie (1852–1917) verantwortlich für die Organisation einer zoologischen Konferenz. Bei derselben Konferenz am 1. Juni 1910 trat er als Dozent auf und wurde schließlich am 1. Januar 1911 Assistenzprofessor. Nach dem Tod von Joyeux-Laffuie im Oktober 1917 übernahm er die Leitung der Abteilung Zoologie.Alexandre Bigot (1918), S. 53.

Seine wissenschaftlichen Werke sind zahlreich und äußerst vielseitig. Geprägt von seinem Vater beschäftigte er sich zunächst mit den Forschungsgebieten Geologie und Paläontologie. Erfolgreiche Ausgrabungen im Tertiärgebiet von Cotentin und im Sand in der Gegend um Lisieux versorgten ihn mit zahlreichem Material für seine Forschungen. Hier publizierte er u. a. über Erdgeschichtliches aus der Normandie in der Zeit des Unterjura und Bajocium, sowie über Ammoniten aus der Region. Später verlegte er seinen Forschungsschwerpunkt auf die Naturkunde.

Nach dem Eintritt ins zoologische Institut in Caen widmete er sich voll und ganz dieser Disziplin. Seine Studien über Apicomplexa, Gregarinen und promovierte über den Verdauungstrakt der Vielborster. Seine Doktorarbeit aus dem Jahr 1904 trug den Titel Contribution à la connaissance de l’appareil digestif des Annélides Polychètes. L'épithélium intestinal de la Pectinaire.Alexandre Bigot (1918), S. 54.

Brasil bekam Zugriff auf die reichhaltige Sammlung des naturhistorischen Museums von Caen. Nach und nach publizierte er einen Katalog über die Wale im Museum und seine Beobachtungen jener an der Küste des Département Calvados. Zusammen mit Georges Pennetier (1836–1923) arbeitete er die Unterschiede eines Steppenzebras im Museum von Rouen im Vergleich zu anderen Publikationen heraus. Mit Henri Gadeau de Kerville (1858–1940) arbeitete er 1904 an einem Artikel über die Seeschnepfe (Centriscus scolopax) zusammen. Viele seiner ornithologischen Arbeiten erschienen in Revue française d’ornithologie. Außerdem publizierte er ein wichtiges Buch über die Vögel des Süßwassers, der Küsten und der Sümpfe Frankreichs, Belgiens und der britischen Inseln. So erwarb er sich unter den Ornithologen ein so hohes Ansehen, dass Philogène Auguste Galilée Wytsman (1866–1925) ihn für mehrere Kapitel für sein Werk Genera Avium gewann. Hierin bearbeitete Brasil die Kraniche (Gruidae) (Teil 19, 1913), die Kasuare (Casuariidae) (Teil 20, 1913), die Kagu (Rhynochetidae) (Teil 21, 1913), die Kiwis (Apterygidae) (Teil 22, 1913), die Emus (Dromaiidae) (Teil 25, 1914) und die Stelzenrallen (Mesitidae) (Teil 26, 1914). Am Ende seines Lebens arbeitete er an einem Werk über Vögel der pazifischen Inseln, das aber nicht mehr veröffentlicht wurde.

Brasil galt als ausgezeichneter Lehrmeister, der durch seine präzisen, abwechslungsreichen und praxisnahen Vorlesungen bei seinen Studenten sehr beliebt war. Für viele Forscher des Instituts gab er den Leitfaden zu einer erfolgreichen Forschung vor.

In den Kriegszeiten diente er trotz zusätzlichen Belastungen als Direktor der Abteilung Bakteriologie bei der Bekämpfung einer der schwersten Epidemien dieser Zeit. Seit 1911 gehörte er dem Hochschulrat an. Im Jahr 1907 bekam er den Orden L'Instruction publique und 1911 das Verdienstkreuz Ordre national du Mérite verliehen.Alexandre Bigot (1918), S. 55.

Am Ende seiner Karriere erkrankte Brasil schwer. Er hinterließ die Witwe Marie Blanche geb. Leforestier, die er am 30. Januar 1902 in Caen geheiratet hatte, und seine Töchter Adrienne Marie Louise Jeanne (1893-) und Susanne Adele (1894–1976).Alexandre Bigot (1918), S. 52. zentriert|mini|hochkant=4|Eintrag seine Geburt im 13. Arrondissement von Paris zentriert|mini|hochkant=4|Eintrag der Eheschließung von Louis Lucien Brasil mit Marie Blanche Leforestier am 30. Januar 1902

Mitgliedschaften Brasil war korrespondierendes Mitglied der American Ornithologists’ UnionTheodore Sherman Palmer, S. 449., seit 1917 ausländisches Mitglied der British Ornithologists’ UnionWilliam Lutley Sclater, S. 342., seit 1893 Mitglied der Société Linnéenne de Normandie, deren Präsident er im Jahre 1912 wurde.

Erstbeschreibungen durch Louis Lucien Brasil Brasil beschrieb eine Unterart des Götzenliests (Todiramphus sanctus canacorum (, 1916)) und des Tahitisturmvogels (Pseudobulweria rostrata trouessarti (, 1917)) neu für die Wissenschaft. Andere Unterarten wie beispielsweise der Australische Fischadler (Pandion haliaetus microhaliaetus (, 1916)) (entspricht der Nominatform), der Australien-Schleiereule (Tyto javanica lifuensis (, 1916)) (entspricht Tyto javanica delicatula), der Keilschwanzmilan (Haliastur sphenurus johannae (, 1916)) (entspricht Nominatform) und des Südsee-Sumpfhuhns (Zapornia tabuensis caledonica (, 1917)) stellten sich später als Synonyme heraus.

Dedikationsnamen Alexandre Bigot (1863–1953) ehrte ihn 1937 im Namen der fossilen marinen Schneckenart Oonia brasili.Alexandre Bigot (1937), S. 429–430, Tafel 25 Figuren 1-5.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Ornithologe Kategorie:Geologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Geologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Paläontologe Kategorie:Träger des Ordre des Palmes Académiques (Ausprägung unbekannt) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1865 Kategorie:Gestorben 1918 Kategorie:Mann