mini|hochkant|Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ mini|hochkant|Innenraum der Pfarrkirche mini|hochkant|Grabplatte des Berthold von Mässingen; † 1285 mini|hochkant|Ehemaliges Kastenhaus (und ehemalige Schule) mini|Ehemaliger Pfarrhof Am Kirchplatz 2 mini|hochkant|Nepomuk-Statue an der Schwarzachbrücke mini|Obermässinger Seldenhaus im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim
Obermässing ist ein Gemeindeteil der Stadt Greding und eine Gemarkung im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Obermässing hat eine Fläche von 8,289 km² und ist in 1196 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 6930,73 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Hofberg, Rotheneichmühle und Wirthsmühle.
Lage Das Pfarrdorf liegt westlich des Plateaus der südlichen Frankenalb, das sich zwischen dem Schwarzachtal und dem Sulztal im Naturpark Altmühltal ausdehnt, im Tal beiderseits der Schwarzach und am rechten Talhang. Obermässing liegt östlich der Bundesautobahn 9, die nächste Anschlussstelle ist Greding. Das Dorf liegt an der Kreisstraße RH 27. Die in Richtung Osten nach Kleinnottersdorf in Serpentinen hinaufführende Straße, die Kreisstraße RH 28, wurde 1926 gebaut; in Richtung Norden führt sie über Karm nach Meckenhausen. Hofberg ist von Obermässing aus über die Hofbergstraße zu erreichen.
Ortsnamensdeutung Karl Kugler deutet die Grundform „Mässing“ des Ortsnamens als „das Eigen des Mazzo“.Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch. Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, Eichstätt 1873, S. 124 (Nr. 365) Die Bezeichnung „Ober“mässing erhielt das Dorf zur Unterscheidung zu Unter- oder Niedermässing, „welches eine halbe Stunde davon weiter unten an dem Schwarzachflüßchen gegen Westen hin liegt.“Johann Kaspar Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. IV. Band, Ulm 1801, Spalte 195.
Geschichte Nördlich des heutigen Dorfes, wenige 100 m südöstlich des Weilers Hilpoltstein-Holzi, befand sich in der Schwarzachaue in karolingisch-ottonischer Zeit (ca. 10. oder frühes 11. Jahrhundert) die Wasserburg „Greuth“. Schriftliche Zeugnisse darüber sind nicht erhalten, laut archäologischen Befunden stellte sie eine bedeutende Verkehrsschnittstelle dar.Jorg W. E. Fassbinder, Roland Linck, Lena Lambers, Lukas Werther: Prospektionsarbeiten an der frühmittelalterlichen Niederungsburg Greuth im Schwarzachtal, Obermässing, Gemeinde Greding, Lkr. Roth, Mittelfranken. Der Ort wird mit der Schreibung „Mazzingen“ (gesprochen: Mássing-gen) am 2. April 1068 erstmals genannt, und zwar in der Dotationsurkunde der St. Johanneskapelle, die der Eichstätter Bischof Gundekar II. an der Südseite des Eichstätter Domes als seine Begräbniskapelle errichtet und 1062 konsekriert hatte; die Edle Richlint übergab Gundekar unter anderem ihr Gut im Dorfe, das Gundekar zum Stiftungsgut der Kapelle gab.Franz Heidingsfelder (Bearb.): Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt. Palm & Enke, Erlangen 1938, S. 82, Nr. 237/3.Pastoralblatt des Bistums Eichstätt. 3, 1856, S. 162.Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. II. Band, Eichstätt 1938, S. 288. Das Dorf war einer derjenigen Grenzorte, innerhalb derer König Heinrich IV. 1080 dem Bischof von Eichstätt den Wildbann schenkte.Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6: Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959, S. 22. Ab 1122 sind die Ortsadeligen von Mässingen nachweisbar. Mehrere Familienmitglieder traten dem Deutschen Orden in Ellingen bei. Daher vermachte 1281 der letzte Mässinger, Perchtold/Berthold, testamentarisch seinen Besitz in Obermässing und die Burg dem Deutschen Orden, der hier spätestens 1287 gemäß dem letzten Willen Bertholds eine Komturei errichtete. Der erste Komtur von Obermässing hieß Marquart. Die neue Ordensniederlassung festigte sich bald durch Schenkungen und Vermächtnisse benachbarter adeliger Familien, aber auch der Burggrafen von Nürnberg und der Herzöge von Bayern. Daher konnte zwischen 1307 und 1314 das Obermässinger Ordenshaus erbaut werden. Das notwendige Holz durfte in den Wäldern des Deutschen Ordens zu Ellingen und Nürnberg gefällt werden.Pastoralblatt des Bistums Eichstätt. 5, 1858, S. 175 f. Erster Obermässinger Komtur war Friedrich von Wemding (1308–1361).Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt. 39, 1924, S. 49. 1337 stifteten Konrad und Friedrich von Heideck eine Ewige Messe in Obermässing und gaben dazu unter anderem eine Hofstatt mit Garten und einen Acker in Obermässing. 1465 erwarb Bischof Wilhelm von Reichenau die Deutschordens-Kommende vom Obermässinger Komtur Burkhart von Erlingshofen mit Einwilligung des Ordens und mit Einwilligung des Landshuter Herzogs Ludwig dem Reichen, da die Burg unter seinem Schutz und Schirm stand.Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt. 91, 1998, S. 119f. Im Jahr darauf erwarb der Bischof den Blutbann über Obermässing und errichtete hier eine Hochgerichtsstätte. Er baute auf dem Hofberg ein neues Schloss als Sommersitz, wo er bei seinem letzten Aufenthalt erkrankte und am 14. November 1496 auch starb.Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6: Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959, S. 27 f, S. 30.Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt. 30, 1915, S. 69 f. 1521 gehörte Obermässing zu jenen vier eichstättischen Hochstiftsorten, in denen insgesamt „600 Eimer“ Wein gewonnen wurden.Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt. 12, 1897, S. 13 f., Anm. 2.
Im Bauernkrieg nahmen am 21. April 1525 aufständische Bauern, die sich im „Mässinger Haufe“ zusammengefunden hatten, durch eine List die Burg Hofberg ein, plünderten sie und richteten ein Lager ein. Auch das Kastenhaus im Dorf wurde ausgeplündert.Ludwig Krotter: Ortschronik von Obermässing. In: Heimgarten. Beilage zur Eichstätter Volkszeitung-Eichstätter Kurier. 22. Jg., Nr. 12, 24. März 1951.Georg Barth: Der ‚Mässinger Haufe‘ von 1525. In: Heimatkundliche Streifzüge. Heft 3, 1984, S. 37. Am 2. Mai 1525 eroberte Pfalzgraf Friedrich II. die Burg Obermässing zurück und ließ mehrere Hauptleute der Bauern an Ort und Stelle enthaupten; wenig später war die ganze Bewegung niedergeschlagen.Georg Barth: Der ‚Mässinger Haufe‘ von 1525. In: Heimatkundliche Streifzüge. Heft 3, 1984, S. 39 f..Petrus Bauer: Die Benediktinerabtei Plankstetten in Geschichte und Gegenwart. Plankstetten 1979, S. 30. 1566 baute Bischof Martin von Schaumberg einen neuen Pfarrhof. 1580 konnte das Hochstift seinen Besitz in Ober- und Niedermässing erweitern, indem es von Hans Konrad von Absberg die Vogtei, das Gericht und das Patronatsrecht erwarb. 1602 und 1623 ist ein Schulmeister erwähnt. 1768 wurde von Dominikus Salle ein neuer Pfarrhof erbaut. Im selben Jahr wurde das Schulhaus abgerissen und bis 1769 ein neues erstellt.Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. II. Band, Eichstätt 1938, S. 288–291.Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt. 53, 1937, S. 80.
Am Ende des Alten Reiches bestand Obermässing aus 68 Anwesen des Pfleg- und Kastenamtes Obermässing, nämlich aus 5 ganzen Bauernhöfen, 2 Halbbauern-Höfen, 20 Köblergütern, 29 Seldengütern, 1 Mühle, 8 Leerhäusern, 1 Baderanwesen, 1 Schmiede und 1 Hirtenhaus. Außerdem gab es an hochstiftischen Gebäuden die Kirche, den Pfarrhof, das Schulhaus, das bereits vom Deutschen Orden errichtete 36 Meter lange und drei Geschosse hohe Kastenhaus, das Pflegschloss auf dem Hofberg und das Forsthaus des hochstiftischen Försters.Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6: Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959, S. 128. Ein Obermässinger Seldenhaus steht heute im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim.
Nachdem im Zuge der Säkularisation in Bayern das Hochstift Eichstätt aufgelöst worden war, kam Obermässing mit dem ehemaligen unteren Hochstift 1802 an Großherzog Erzherzog Ferdinand III. von Toskana, der das Schloss Obermässing verkaufte,Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt. 65/66 (1972/73), S. 40. und 1806 an das neue Königreich Bayern und dort zum Landgericht Beilngries. Hier wurde 1808 ein Steuerdistrikt Obermässing gebildet, der 1811 in zwei Ruralgemeinden, nämlich Obermässing und Untermässing, geteilt wurde. Zur Gemeinde Obermässing gehörte das Pfarrdorf Obermässing mit dem Schloss, die Rotheneichmühle und die Wirthsmühle. Das Gemeindeedikt von 1818 beließ es dabei.Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6: Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959, S. 169, 229.
Im 19. und noch weit in das 20. Jahrhundert hinein lag die Zahl der Wohngebäude in Obermässing um die 80. 1826 erwarb die Gemeinde- und Kirchenstiftung Obermässing das ehemalige Kastenhaus und richtete hier eine Schule ein, die noch bis in die 1960er Jahre bestand und 1964/65 durch einen Neubau ersetzt wurde.obermaessing.de 1836 lebten in vier Häusern 22 Juden, 1875 nur noch fünf.Th. D. Popp: Matrikel des Bissthumes Eichstätt. Ph. Brönner, Eichstätt 1836, S. 125. 1846 schildert Eduard Vetter das Pfarrdorf so: „kath. 80 Häuser, 108 Fam(ilien), 468 Seelen, mit einer Pfarrei und Schule. 1 Bräuhaus, 1 Chirurg, 2 Müller, 1 Wirth, 1 Bader, 3 Bäcker, 1 Eisenhändler, 1 Hafner, 2 Schreiner, 5 Krämer, 1 Maurer, 2 Metzger, 1 Schäffler, 1 Schmied, 5 Schneider, 1 Schuster, 1 Seiler, 1 Wagner, 1 Hebamme.“Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Ansbach 1846, S. 53. 1871 gab es in Obermässing 426 Einwohner und (1973) 25 Pferde und 314 Rinder.
1857 wurden die beiden Gemeinden Obermässing und Untermässing mit weiteren sechs Gemeinden aus dem Landgericht Beilngries herausgenommen und dem näher liegenden Landgericht Greding zugeordnet.Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6: Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959, S. 182, 229. Die nächste Änderung erfolgte erst mit der Gebietsreform in Bayern: Zum 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Obermässing mit ihren Ortsteilen in die Stadt Greding eingemeindet.
In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bevölkerungszahl durch Flüchtlinge und Vertriebene vorübergehend stark angewachsen, sie betrug 1950 527. Durch neue Siedlungsgebiete seit den 1960er Jahren stieg die Bevölkerungszahl dauerhaft an. 1974 begann die Flurbereinigung, 1976 wurde im Ort die Kanalisation errichtet.
Hochstiftisches Pflegamt Obermässing