mini|Bruno Brehm, ca. 1929 Bruno Brehm (* 23. Juli 1892 in Laibach, Krain, Österreich-Ungarn; † 5. Juni 1974 in Altaussee) war ein österreichischer Schriftsteller (Pseudonym: Bruno Clemens) und von 1938 bis 1942 Herausgeber der Zeitschrift Der getreue Eckart. Brehm war Mitglied im Bamberger Dichterkreis.
Leben Bruno Brehm wurde als Sohn des 1916 (aufgrund der Regelungen über den systemmäßigen Adel) geadelten k.u.k. Offiziers Josef Joachim von BrehmArno Kerschbaumer, Nobilitierungen unter der Regentschaft Kaiser Karl I. / IV. Károly király (1916–1921), Graz 2016, ISBN 978-3-9504153-1-5, S. 83: Adelsstand für Josef Joachim Brehm, k.u.k. Oberst i. R., aufgrund Allerhöchster Entscheidung Kaiser Franz Josephs I. (Wien 13. Oktober 1916), Diplom ausgefertigt von Kaiser Karl I. (Wien 23. Februar 1917). in der Krain geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Brehm in den Garnisonsstädten Pilsen, Prag, Eger und Znaim. Nach seiner Reifeprüfung studierte Brehm in Wien ein Semester Germanistik.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich freiwillig und leistete zunächst seinen einjährigen Militärdienst bei der Feldartillerie in Wien ab. Während des Krieges wurde er zum Offizier befördert und geriet im September 1914 in russische Kriegsgefangenschaft, wo er den schwer verwundeten späteren Schriftsteller Edwin Erich Dwinger kennenlernte. 1916 wurde er gegen russische Gefangene ausgetauscht und kurz darauf bei Asiago erneut schwer verletzt., Graz 2017, S. 39/40
Studium und freier Schriftsteller
Als Hauptmann aus dem Krieg zurückgekehrt, studierte Brehm an der Wiener Universität Kunstgeschichte, später in Göteborg und Stockholm Kunst- und Urgeschichte. Das Studium beendete Brehm erfolgreich in Wien mit der Dissertation „Der Ursprung der germanischen Tierornamentik“. Nach seiner Promotion wurde er in Wien 1922 Verlagsbuchhändler und war auch kurzzeitig als Assistent an der Wiener Universität beschäftigt.
1928 ließ sich Brehm als freier Schriftsteller in Wien nieder. Unter dem Pseudonym „Bruno Clemens“ hatte er 1931 mit seiner Erzählung „Das gelbe Ahornblatt“ einen ersten Erfolg. Bekannt wurde er zunächst mit seiner teils nostalgischen, teils heiteren Auseinandersetzung mit dem Ende der Monarchie. Dabei entstanden in kurzer Folge mehrere Titel, die zu seiner Zeit sehr beliebt waren und seinen Erfolg begründeten. Die Bücher „Apis und Este“ (1931), „Das war das Ende“ (1932) und „Weder Kaiser noch König“ (1933) bilden eine Trilogie aus diesem thematischen Umfeld. Die Trilogie erschien während der NS-Zeit in einer Gesamtauflage von ca. 400.000 Exemplaren und wurde in einer gekürzten und überarbeiteten Fassung unter dem Titel Die Throne stürzen auch nach dem Krieg mehrmals neu aufgelegt.
„Anschluss“ Österreichs und Zweiter Weltkrieg Nach dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich, den Brehm in Versen im Bekenntnisbuch österreichischer Dichter (herausgegeben vom Bund deutscher Schriftsteller Österreichs)Bund Deutscher Schriftsteller Österreichs (Hrsg.), Bekenntnisbuch Österreichischer Dichter, Krystall Verlag, Wien 1938. gefeiert hatte, beantragte er am 25. März 1939 die Aufnahme in die NSDAP, wurde rückwirkend zum 1. Mai 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.290.074)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/4330212Tobias Weger: „Volkstumskampf“ ohne Ende? Sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955 (= Die Deutschen und das östliche Europa. Band 2). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-57104-0, S. 588. und wurde Ratsherr der Stadt Wien. Noch im selben Jahr übernahm er die Monatsschrift „Der getreue Eckart“, die er bis 1942 herausgab. 1939 erhielt Brehm für seine „Trilogie“ („Apis und Este“, „Das war das Ende“, „Weder Kaiser noch König“) den Nationalen Buchpreis. 1941 wurde er Präsident der Wiener Kulturvereinigung.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 76–77.
Während des Zweiten Weltkrieges war Brehm Ordonnanzoffizier in Griechenland, Russland und in Nordafrika. Brehms antisemitische Einstellung entsprach der Diktion der Nationalsozialisten. 1941 nahm er am Weimarer Dichtertreffen teil und sprach dabei von „jüdischen Hetzern“, die den Frieden verhinderten.Vollständiges Zitat bei Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 77. 1942 schrieb er: „Wenn sich die Juden über ihr Schicksal vor der ganzen Welt beklagen, dann müssen wir ihnen doch sagen, dass sie selbst es waren, die dieses Schicksal heraufbeschworen haben.“ Im August 1944, in der Endphase des Krieges, wurde Brehm von Hitler in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schriftsteller aufgenommen, was ihn vor weiterem Kriegsdienst und einem Fronteinsatz bewahrte. Anschließend hielt er Dichterlesungen, wobei noch für den 14. Jänner 1945 eine „Morgenfeier“ im besetzten Polen, dem sogenannten Generalgouvernement, vorgesehen war.
Nachkriegszeit 1945 wurde Brehm wegen seines politischen Engagements verhaftet, aber kurze Zeit später wieder entlassen. In Brehms Entnazifizierungsverfahren setzte sich der nach Palästina emigrierte Leo Perutz für ihn ein. Darüber schrieb Perutz 1947 in einem Brief an seinen Freund Hugo Lifczis:
In der Sowjetischen Besatzungszone wurden viele seiner Schriften auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt,polunbi.depolunbi.de auf die in der Deutschen Demokratischen Republik noch Die Grenze mitten durch das Herz (1938) folgte.polunbi.de
Brehm nahm von 1953 bis 1955 an den Pürgger Dichterwochen teil, die vom damaligen Landtagsabgeordneten der steirischen ÖVP Alfred Rainer, initiiert wurden. Dort soll Brehm dem Journalisten Friedrich Torberg, der sich mit den Worten „Friedrich Torberg, von der Neuen Zeit“ vorgestellt hatte, geantwortet haben: „Bruno Brehm, von der alten Zeit.“ Ab 1960 war Brehm Mitglied der rechtsextremistischen Gesellschaft für freie Publizistik.
In der Trilogie (1960–1961) Das zwölfjährige Reich versuchte Brehm, den Zweiten Weltkrieg und die Herrschaft Adolf Hitlers aufzuarbeiten. Im Gegensatz zu seiner erfolgreichen ersten Trilogie über den Zusammenbruch der Habsburgermonarchie wird dieses Werk formal und erzählerisch deutlich geringer eingeschätzt, vor allem Tempo und Dramaturgie seien mangelhaft.Jörg Jungmayr: Die Throne stürzen. Bruno Brehms Habsburger Trilogie. in: Marijan Bobinac et al. (Hrsg.): Europa im Schatten des Ersten Weltkriegs. Narr Francke, Tübingen 2021, ISBN 978-3-7720-8740-0, S. 298–322, hier S. 317f. Trotz der offenkundigen Tendenz zur Selbstrechtfertigung und der letztlich unkritischen Einstellung Brehms zur jüngeren Geschichte enthalte Das zwölfjährige Reich allerdings „wichtige Erkenntnisse über die anfängliche Attraktivität Hitlers bei großdeutsch eingestellten Konservativen in Österreich“.Anna Knechtel, Jörg Krappmann: Nachklang. in: Peter Becher et al. (Hrsg.): Handbuch der deutschen Literatur Prags und der böhmischen Länder. Metzler Verlag, Stuttgart, 2017, ISBN 978-3-476-02579-1, S. 255–261, hier S. 256
Im Alter von 82 Jahren starb Bruno Brehm am 5. Juni 1974 in Altaussee. Sein Nachlass befindet sich in Privatbesitz.
Auszeichnungen und Ehrungen 1929 Julius-Reich-Preis 1939 Nationaler Buchpreis (auch Stefan George-Preis genannt) 1943 Zinkmedaille zum 50. Geburtstag 1958 Nordgau-Kulturpreis der Stadt Amberg 1961 Peter-Rosegger-Preis 1963 Sudetendeutscher Kulturpreis
Werke (in Auswahl) Der Sturm auf den Verlag, 1925 Der lachende Gott, Roman, 1928 Susanne und Marie, Roman, 1929 (neubearb. Auf Wiedersehn, Susanne! 1939) Ein Graf spielt Theater, Roman, 1930 (neu: Ein Schloss in Böhmen, 1942) Wir alle wollen zur Opernredoute. Ein humoristischer Roman, 1930 Das gelbe Ahornblatt. Ein Leben in Geschichten, 1931 Apis und Este. Ein Franz Ferdinand-Roman, 1931 Das war das Ende. Von Brest-Litowsk bis Versailles, 1932 Denksäulen aus Österreich. Eine Studie, 1932 Weder Kaiser noch König. Der Untergang der Habsburgischen Monarchie, Roman, 1933 Britta, Roman, 1934 Die schrecklichen Pferde. Der Welserzug nach Eldorado, Roman, 1934 Zu früh und zu spät. Das große Vorspiel der Befreiungskriege, 1936 Die weiße Adlerfeder. Geschichten aus meinem Leben, 1937 Wien. Die Grenzstadt im deutschen Osten, 1937 Glückliches Österreich, 1938, Erstauflage, Verlag Diederichs in Jena, mit 32 Abbildungen Tag der Erfüllung, 1939 Der dümmste Sibiriak, Erzählungen, 1939 Die sanfte Gewalt, Roman, 1940 Der liebe Leser, 1940 Im Großdeutschen Reiche, 1940 Über die Tapferkeit. Brevier für junge Deutsche, 1940 Der König von Rücken. Geschichten und Geschautes, 1942 Der Reichsstil, 1942 Die Grenze mitten durch das Herz, 1944 Schatten der Macht. Von den Pharaonen bis zum letzten Zaren, 1949 Der Lügner, Roman, 1949 Am Rande des Abgrunds. Von Lenin bis Truman, 1950 Ein Leben in Geschichten, 1951 Heimat in Böhmen, Lebenserinnerungen, 1951 Aus der Reitschul’, Roman, 1951 Die vier Temperamente, Erzählungen, 1952 Der kleine Mozart ist krank, Laienspiel, 1953 Das Ebenbild. Menschen, Tiere, Träume und Maschinen, 1954 Historia Sancti Christophori. Gestalt, Legende, Kunst, 1956 Dann müssen Frauen streiken, 1957 Der Traum vom gerechten Regiment, 1960 Das zwölfjährige Reich (Trilogie) Band 1: Der Trommler, 1960 Band 2: Der böhmische Gefreite, 1960 Band 3: Wehe den Besiegten allen, 1961 Warum wir sie lieben. Kleine Stücke von Müttern, Blumen, Farben, Tieren, Kindern und Sonne, 1963 Am Ende stand Königgrätz. Historischer Roman um Preußen und Österreich, 1964 Der Weg zum Roten Oktober, 1967
Herausgebertätigkeit Soldatenbrevier, 1937
Literatur Buch des Dankes. Bruno Brehm zum fünfzigsten Geburtstag. Kraft, Karlsbad u. a. 1942. Österreichische Landsmannschaft: Schrifttum der Volkstreue, Eckartschriften Heft 54, Wien 1975 Gerd Schattner: Der Traum vom Reich in der Mitte. Bruno Brehm. Eine monographische Darstellung zum operationalen Charakter des historischen Romans nach den Weltkriegen. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1996, ISBN 3-631-30342-4 (Studien zur deutschen und europäischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts 34). Abdulkerim Uzagan: Fiktionalität und Realität in der Romantrilogie „Die Throne stürzen“ von Bruno Brehm. Univ. Diss., Bielefeld 1999, (online) Milan Tvrdík: „Vom Altösterreichertum zum Nationalsozialismus – Bruno Brehm (23. Juli 1892 – 5. Juni 1974)“. In: Walter Koschmal, Václav Maidl (Hrsg.): Hans Watzlik – ein Nazidichter? Wuppertal: Arco Wissenschaft, 2006, S. 91–111. Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 1992, S. 366 (Wappen v. Brehm), ISBN 3-205-05352-4. Brehm, Bruno, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 77 Jörg Jungmayr: Die Throne stürzen. Bruno Brehms Habsburger Trilogie. In: Marijan Bobinac et al. (Hrsg.): Europa im Schatten des Ersten Weltkriegs. Narr Francke, Tübingen 2021 S. 298–322
Weblinks Eintrag in der literarischen Landkarte der deutschmährischen Autoren (Palacký-Universität Olmütz)
Bruno Brehm und sein Verhaltenskodex für die deutsche Wehrmacht – Shoa.de Brehm im: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. Biographien, Analysen, Bibliographien. Hrsg. von Jürgen Hillesheim und Elisabeth Michael, Königshausen & Neumann, Würzburg 1993, ISBN 3-88479-511-2, S. 84–93. Audiointerview mit Bruno Brehm im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Teilnehmer der Weimarer Dichtertreffen Kategorie:Mitglied der Gesellschaft für freie Publizistik Kategorie:Mitglied des Deutschen Klubs (Verein) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Herausgeber Kategorie:Erzählung Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Historischer Roman