Die Paydirekt GmbH (Eigenschreibweise paydirekt) war ein deutscher Zahlungsdienstleister, der ab 2015 das gleichnamige Online-Bezahlverfahren deutscher Banken und Sparkassen betrieb. Seit Mai 2021 wurde das Bezahlverfahren unter dem Namen Giropay angeboten, nachdem zuvor der konkurrierende Zahlungsdienstleister übernommen und die Bezahlsysteme zusammengelegt wurden.
Zum Jahresende 2024 wurde Giropay eingestellt. Die Paydirekt GmbH wird im Laufe des Jahres 2025 abgewickelt.
Geschichte Der Bezahldienst Paydirekt ging im August 2015 unter Beteiligung von 40 Banken in die Pilotphase.Volksbank Ulm-Biberach testet das neue Bezahlsystem paydirekt Abgerufen am 25. September 2015. Beteiligt waren sowohl private Banken als auch die Genossenschaftsbanken sowie die SparkassenFragen zum Start von paydirekt Abgerufen am 19. September 2015.. Am 17. August 2015 wurde die erste Transaktion eines Kunden getätigt.Deutschlands Banken forcieren Paypal-Konkurrenten. computerwoche.de, 30. November 2015, abgerufen am 9. Dezember 2015.
Die Beteiligungen verteilen sich wie folgt: 33,33 % GIZS (für Sparkassen-Finanzgruppe) 33,33 % DZ Bank (für Volks- und Raiffeisenbanken) 16,67 % Commerzbank/Comdirect 16,67 % Deutsche Bank/Postbank
Am 15. Januar 2019 wurde bekannt, dass die paydirekt Beteiligungsgesellschaft privater Banken mbH (ING, HVB, Targobank, OLB, Degussa Bank und National-Bank, Santander, Südwestbank, Flessabank, MLP, Volkswagen Bank und Consorsbank) ihre 11,1 % Beteiligung an Paydirekt zum 31. Dezember 2019 gekündigt hat. In der Folge wurden die freigewordenen Aktienanteile der Poolbanken per 1. Januar 2020 von der Commerzbank und der Deutschen Bank jeweils hälftig übernommen. Sie erhöhten somit ihren jeweiligen Anteil von 11,1 % auf 16,67 %.
Zum 1. Dezember 2020 wurde Giropay von Paydirekt übernommen. Im Laufe der Zeit sollte es zu einer Verschmelzung beider Dienste kommen. Das gemeinsame Produkt wurde von der Paydirekt GmbH unter dem Markennamen Giropay betrieben. Unter diese Dachmarke wurde auch das Bezahlverfahren Kwitt integriert. Die mehrmonatige Verschmelzungsphase begann am 10. Mai 2021.
Zum 31. Dezember 2024 wurden die Bezahldienste Paydirekt/Giropay von der deutschen Kreditwirtschaft eingestellt. Im Laufe des Jahres 2025 soll die Paydirekt GmbH abgewickelt werden.Über uns. Startseite paydirekt.de in der Fassung vom 27. November 2024
Teilnehmende Banken Im August 2016 waren folgende Banken mit über 1.400 einzelnen InstitutenRolf Obertreis: Warum sich paydirekt kaum gegen PayPal und Co durchsetzt. In: Der Tagesspiegel, 24. August 2016, abgerufen am 23. Januar 2017. an Paydirekt angeschlossen:paydirekt jetzt auch bei der Postbank möglich (morgenpost.de vom 9. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015)Teilnehmende Banken. paydirekt.de, abgerufen am 29. Dezember 2015. 1822direkt,paydirekt geht in wenigen Wochen für 1822direkt-Kunden an den Start. 1822Direkt Weblog, abgerufen am 27. April 2016. Comdirect Bank,Online-Einkäufe bezahlen – natürlich mit dem Girokonto. comdirect.de, abgerufen am 10. Dezember 2015. Commerzbank,Online bezahlen – direkt vom Girokonto. commerzbank.de, abgerufen am 10. Dezember 2015.Commerzbank möchte paydirekt zügig ausweiten. swp.de, 29. Dezember 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015. Consorsbank, Degussa Bank, Deutsche Bank, Flessabank, Hypovereinsbank, paydirekt-kaeufer.hvb.de, abgerufen am 10. Dezember 2015. GLS Bank,paydirekt. gls.de, abgerufen am 10. Februar 2016. ING-DiBa, National-Bank, Norisbank,Mit paydirekt online und mobil bezahlen – direkt von Ihrem Girokonto. norisbank.de, abgerufen am 10. Dezember 2015. Oldenburgische Landesbank, Postbank,Online-Bezahlen mit paydirekt – transparent und sicher. postbank.de, abgerufen am 10. Dezember 2015. PSD Banken,Online Bezahlen mit dem eigenen Girokonto – direkt, sicher und einfach. psd-nuernberg.de, abgerufen am 10. Dezember 2015. Santander, Sparda-Banken,paydirekt: Einfach und sicher online einkaufen mit Ihrem Girokonto. sparda.de, abgerufen am 10. Dezember 2015. Sparkassen, Baden-Württembergische Bank, Südwestbank, Targobankpaydirekt: Das neue, sichere Online-Bezahlverfahren. targobank.de, abgerufen am 10. Dezember 2015. sowie Volks- und Raiffeisenbanken. zeit.de, 7. Januar 2016, abgerufen am 9. Januar 2016.paydirekt: Sicher, einfach und direkt beim Online-Einkauf bezahlen. vr.de, abgerufen am 10. Dezember 2015.
Die Targobank hatte die Teilnahme zum 31. Oktober 2021 gekündigt.
Betreiberunternehmen und teilnehmende Banken Die Paydirekt GmbH war verantwortlich für den Aufbau, den Betrieb und die Weiterentwicklung des Bezahlverfahrens. Sie beschäftigte ca. 130 Mitarbeiter und hatte ihren Sitz in Frankfurt am Main. Das Unternehmen ging am 25. Juni 2015 (Handelsregistereintragung) aus der 2014 gegründeten GIMB Gesellschaft für Internet- und mobile Bezahlungen mbH, Frankfurt am Main – durch Umfirmierung – hervor. Die Geschäftstätigkeit wurde in der 2. Jahreshälfte 2015 aufgenommen.paydirekt ist jetzt gestartet. In: Handelsblatt, 3. November 2015. Abgerufen am 7. Dezember 2015.
Funktionsweise des Bezahlsystems Paydirekt Um sich für Paydirekt erstmals registrieren zu können, benötigten die Kunden ein Girokonto bei einer teilnehmenden Bank oder Sparkasse mit einem Onlinebanking-Zugang. Über einen dort zu findenden Link gelangte der Kontoinhaber zur Paydirekt-Nutzerregistrierung, in der er seinen Nutzernamen und sein Passwort für Paydirekt festlegte. Anschließend konnte Paydirekt als Bezahlverfahren verwendet werden. Vor Abschluss eines Kaufs mussten Nutzername und Passwort eingegeben werden. Gelegentlich wurde die Bezahlung mittels TAN-Abfrage geprüft.
Genauso wie Giropay, aber im Unterschied zu anderen Bezahldiensten (z. B. Sofortüberweisung) war Paydirekt kein Drittanbieter, sondern eine Zusatzfunktion des Girokontos. Die Zahlung wurde direkt über das Girokonto des Käufers abgewickelt und an das Konto des Händlers gesendet. Die Konto-Informationen wurden dabei weder an den Händler noch an einen Drittanbieter weitergegeben. paydirekt fungierte als zentraler Softwaredienst zur Zahlungsabwicklung. Bei der Zahlungsabwicklung erhob Paydirekt Transaktionsdaten, die über den Umfang einer normalen Überweisung hinausgingen. Dazu gehörten beispielsweise Lieferadresse und gegebenenfalls die einzelnen Positionen eines Warenkorbs (sofern der Shop-Betreiber diese an Paydirekt übermittelte). Da das System in Deutschland betrieben wurde, galten der deutsche Datenschutz und das deutsche Bankgeheimnis.Onlinebezahldienst: Was bringt paydirekt? finanzen.net, 22. November 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015. Alle Zahlungen wurden auf dem Kontoauszug, im Onlinebanking und der Paydirekt-App angezeigt. Bei entsprechender Kontodeckung erhielt der Händler nach der Eingabe eine sofortige Bestätigung der Zahlung und konnte die Ware verschicken.Wie zahlen die Kunden künftig im Netz? abendblatt.de, 31. Dezember 2015, abgerufen am 4. Januar 2016.
Seit Anfang Juli 2017 konnten sich Nutzer des Dienstes zudem mit einer entsprechenden App gegenseitig Geld überweisen. Zunächst sollte die neue Funktion in einer Beta-Phase getestet werden und Kunden der Deutschen Bank, Commerzbank, Comdirect, Hypovereinsbank, Oldenburgischer Landesbank und Postbank zur Verfügung stehen. Schrittweise sollte der Service auch Kunden der genossenschaftlichen Finanzgruppe (Raiffeisenbanken und Volksbanken) zugänglich gemacht werden.
Die Paydirekt GmbH speicherte Transaktionsdaten von Paydirekt-Zahlungen. Diese Daten beinhalteten eine Transaktions-ID und eine Transaktionsreferenz. Zusätzlich wurden Informationen zum Inhalt des Warenkorbes gespeichert, die die Paydirekt GmbH vom Händler erhielt, sofern er dies unterstützte. Diese Daten ermöglichten der Paydirekt GmbH und der Bank eine Identifizierung der Transaktion, so dass eine sehr genaue Zuordnung zu dem jeweiligen Kunden möglich war.
Unter anderem zur Abwicklung von Rückerstattungen wurden Transaktionsdaten von der Paydirekt GmbH an die Bank übermittelt. Im Fall von Paydirekt-Zahlungen mit abgekürztem Kaufprozess übermittelte die Paydirekt GmbH die vom Teilnehmer hinterlegten Liefer- und Rechnungsadressen an den entsprechenden Händler, aus denen der Teilnehmer die gewünschte Adresse auswählen konnte. Die Bank autorisierte Zahlungen an den Händler durch Einschaltung der Paydirekt GmbH. Zahlungen mit Paydirekt wurden gern als bankinterne Funktion beworben.
Mitbewerber und Kritik
Der Online-Bezahldienst PayPal hat nach eigenen Angaben in Deutschland über 23 Millionen aktive Kunden (Stand: 2019). Knapp 900 der größten Online-Shops in Deutschland akzeptieren die Online-Bezahlung mit PayPal.„Branche muss paydirekt zum Erfolg machen.“ (handelsblatt.com vom 11. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015) Deshalb wurde Kritik laut, der Markteintritt komme zu spät, das Bezahlverfahren sei von den Banken anfangs nicht beworben worden und sei nicht nutzergerecht implementiert.paydirekt steckt noch in den Kinderschuhen (badische-zeitung.de vom 19. Dezember 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015)Erfolge und Fehlschläge „Das erste bedeutende Jahr für die deutsche Fintech-Szene“ / Was ich für 2016 erwarte (gruenderszene.de vom 28. Dezember 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015) Neben PayPal sind in Deutschland zahlreiche weitere Bezahldienste als Mitbewerber am Markt, beispielsweise Sofortüberweisung und Amazon Pay. Die Sparkassen versuchten 2017, über eine AGB-Änderung eine automatische Registrierung bei Paydirekt vorzunehmen. Dies wurde von den Landesdatenschutzbehörden untersucht.paydirekt: Datenschützer prüfen „Komfortregistrierung“ bei den Sparkassen heise.de vom 23. August 2017, abgerufen am 23. August 2017 2018 wurde bekannt, dass über Paydirekt monatlich lediglich etwa 40.000 Transaktionen getätigt werden. Laut einer von der Deutschen Bundesbank beauftragten Studie nutzten Käufer im Internet 2021 in 4 % der Fälle Paydirekt bzw. Giropay. 84 % gaben PayPal, 8 % Klarna an. Bei der Zahlung zwischen Personen (Person-to-Person / P2P) wurde in 7 % der Fälle Giropay genutzt.Zahlungsverhalten in Deutschland 2021 (PDF-Dokument), ältere Studien zum Thema auf bundesbank.de
In den Medien wurde 2017 die automatische Weitergabe von Stammdaten von Sparkassen-Kunden an Paydirekt kritisiert, sofern diese nicht explizit widersprachen.
Weblinks
Daniela Zimmer: paydirekt: Jahre zu spät oder Chance für Händler? In: t3n, 20. November 2015. Sebastian Wolff: Gemeinsam gegen Paypal. In: Frankfurter Rundschau, 10. November 2015.
Einzelnachweise
Kategorie:Online-Bezahlsystem Kategorie:Webanwendung Kategorie:Unternehmensgründung 2014 Kategorie:Finanzdienstleister (Frankfurt am Main)