mini|Neubaustrecke zwischen Hairatan und Masar-e Scharif
Die Bahnstrecke Termiz–Masar-e Scharif war die erste grenzüberschreitende Eisenbahnstrecke zwischen Usbekistan und Afghanistan.
Geografische Lage Die Strecke führt von Termiz (Usbekistan) zunächst über den Grenzfluss Amudarja und die Brücke der Freundschaft zum afghanischen Grenzbahnhof Hairatan. Nach Süden schließt sich wüstenhaftes Gebiet an. Bis Naiababad führt die Strecke in Richtung Süden entlang einer Hauptstraße und biegt dort nach Westen ab, wo der Endpunkt Gur-e Mar, 18 km östlich von Masar-e Scharif erreicht wird.
Geschichte Ursprüngliche Strecke Im Zuge des Sowjetisch-Afghanischen Krieges stellte das Fehlen einer Eisenbahnanbindung nach Afghanistan für die Streitkräfte der Sowjetunion ein erhebliches logistisches Problem dar. Um dem logistischen Defizit abzuhelfen, wurden seitens der Sowjetunion je eine Strecke von Turkmenistan und Usbekistan ein Stück über die afghanische Grenze hinweg geführt. Die Verbindung von Usbekistan war die etwa zehn Kilometer lange Strecke von Termiz nach Hairatan. Die Grenze verläuft hier im Amudarja und für den Grenzübertritt wurde die Brücke der Freundschaft zu einer kombinierten Straßen- und Eisenbahnbrücke ausgebaut. In: Railway Gazette International v. 1. Januar 2002., die am 12. Mai 1982 eröffnet wurde.Paul Waters: Afghanistan. In: HaRakevet 94 (September 2011), S. 10. Die Strecke wurde seitens Usbekistans aufgrund der politischen Situation 1996 geschlossen. 2001 wurde der Verkehr – zunächst für Züge mit Hilfsgütern – wieder aufgenommen.
Verlängerung Die Verlängerung der Strecke um 75 Kilometer vom afghanischen Grenzbahnhof Hairatan bis zum Flughafen Masar-e Scharif beruht auf einem Abkommen zwischen der Usbekischen Eisenbahn, Afghanistan und der Asian Development Bank (ADB).NN: Meldung. In: HaRakevet 96:09 H (März 2012), S. 14f. Die Strecke wurde von der der Oʻzbekiston Temir Yoʻllari (OTY), den Usbekischen Eisenbahnen, vom bisherigen Streckenende Hairatan in 10 Monaten errichtet und Ende 2010 eröffnet.NN: Bundeswehr in Afghanistan erhält Eisenbahnanschluss. In: Russland-Aktuell v. 17. November 2010.Dave McCombs: Afghanistan’s First Railroad Aims to Undermine Taliban Funding. In: Bloomberg v. 28. Oktober 2009. Das Projekt kostete 170 Millionen US-Dollar und wurde von der Asian Development Bank mit 165 Millionen US-Dollar finanziert, 5 Millionen US-Dollar stammen vom afghanischen Staat. Meldung. In: HaRakevet 96:09 H v. März 2012, S. 14. Zwischen der Afghanistan Railway Austority und der OTY besteht ein Abkommen über den Betrieb der Strecke durch die OTY.Oʻzbekiston Temir Yoʻllari: New Horizons in the Development of Railways in Uzbekistan. In: OSJD Bulletin 5/2024, S. 1–10 (3).
Technische Parameter Die eingleisige Strecke ist im Anschluss an die Gegebenheiten des ehemaligen sowjetischen Eisenbahnnetzes in Breitspur von 1520 mm ausgelegt. Ausgebaut wurde sie für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Sie ist im afghanischen Teil etwa 75 km lang. Alle 20 Kilometer wurde ein Kreuzungsbahnhof mit einem 1,7 Kilometer langen Ausweichgleis eingebautZabi Rashidi: . In: Demotix v. 2. Januar 2010 (abgerufen: 2. Januar 2011). und entlang der Strecke wurden 16 Sicherungsposten eingerichtet, die sowohl die schienengleichen Bahnübergänge überwachen, als auch die Strecke gegen Überfälle und Sabotage militärisch sichern.NN: Afghanistan. In: HaRakevet 2015 / 111:09, G: Afghanistan, S. 16 (Abschnitt: „Existing Railways“).
Betrieb Ende August 2011 erhielten die Usbekischen Eisenbahnen seitens der afghanischen Regierung eine zunächst auf drei Jahre befristete Betriebskonzession für die StreckeIBSE-Telegramm 256 (März 2012), S. 7. und nahmen damit formal den Verkehr auf.NN: First major Afghan railway completed. In: Railway Gazette v. 25. August 2011. Der erste Test-Güterzug fuhr am 21. Dezember 2011.HaRakevet 97 (Juni 2012), 97:08 Other Middle East Railways, B. Afghanistan, S. 13. Offiziell eingeweiht wurde die Strecke am 3. Februar 2012. An diesem Tag erreichte der erste kommerzielle Güterzug Masar-e Scharif.. In: Railway Gazette v. 3. Februar 2012. In den drei Jahren des usbekischen Betriebs der Strecke wurde afghanisches Personal ausgebildet, um den Betrieb zu übernehmen.HaRakevet 96 (März 2012) – Meldung 96:09 H, S. 14f. Heute betreibt die Strecke in dem auf afghanischem Territorium gelegenen Teil die Afghan Railway Authority (AfRA).NN: Afghanistan. In: HaRakevet 2015 / 111:09, G: Afghanistan (iv), S. 16. Es verkehren ausschließlich Güterzüge.
Hinter dem Betrieb stand in erster Linie der militärische Transportbedarf durch den Afghanistankrieg. Der Bahnanschluss Afghanistans sollte die Transportkosten für militärische Güter gegenüber der Luftfracht von circa 14.000 US$ auf 300–500 US$ je Tonne senken. Dazu wurde mit Russland und anderen Transitländern vereinbart, dass die Durchfahrt entsprechender Züge aus Westeuropa ermöglicht wurde. In: Eurasianet v. 4. Mai 2008. Über den militärischen Transportbedarf hinaus versprachen sich die Beteiligten durch den Ausbau der Strecke eine intensivere Verknüpfung zwischen den Wirtschaften der mittelasiatischen Republiken und der Afghanistans.Meldung. In: HaRakevet 96:09 H v. März 2012, S. 14f. Über die Bahnstrecke kamen 2011 etwa die Hälfte aller afghanischen Importe ins Land. Im September 2016 erreichte erstmals ein Güterzug aus China den Bahnhof Hairatan.red: Turkmenistan. In: IBSE-Telegramm 313 (12/2016), S. 14. Unterhalten wird die Strecke von Sogdiana Trans, einer Tochtergesellschaft der Usbekische Eisenbahn.Sogdiana Trans. Auf: Railways of Afghanistan. Afghan railroads, past, present and future; abgerufen am 17. Dezember 2023. Afghanistan Railway Authority: Railways of Afghanistan: Current Status and Development Prospects. In: OSJD Bulletin 4–5/2023, S. 20–26 (21).
Seit der Machtübernahme der Taliban 2021 ist der Verkehr unterbrochen, weil die usbekische Regierung eine Flüchtlingswelle fürchtet.HaRakevet 135 (Januar 2022), S. 24f. (25).
Zukunft Geplant ist, die Strecke sowohl östlich nach Tadschikistan (siehe: hier) als auch westlich nach Turkmenistan (siehe: hier) zu verlängern. Für eine Verlängerung Richtung Pakistan ist eine 647 km lange Strecke in Aussicht genommen, die über Samangan, Baglan, Bamiyan, Maidan Wardak, Lugar und Paktia führen soll. 2024 wurde eine Machbarkeitsstudie dafür angestrebt.NN: A memorandum of understanding signed to begin preparation of a feasibility study for the Afghan Trans railway projekt. In: OSJD Bulletin 2/2024, S. 40.
Einzelnachweise
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