mini|Topographische Karte von Neuguinea.In der rechten Bildhälfte das heutige Papua-Neuguinea mit Bismarck-Archipel; nicht abgebildet (da weiter östlich) die Insel Bougainville Die Geschichte Papua-Neuguineas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des Unabhängigen Staates Papua-Neuguinea von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Der Staat wurde 1975 unabhängig. Zuvor war der Ostteil der Insel Neuguinea während der Kolonialzeit und der Zeit der Weltkriege Kolonie und Protektorat verschiedener Großmächte, bei wechselnden Gebietsaufteilungen und Herrschaften (Deutsch-Neuguinea, Britisch-Neuguinea, Territorium Neuguinea, Territorium Papua und Neuguinea). Die Insel Neuguinea und damit das Staatsgebiet des heutigen Papua-Neuguinea ist seit etwa 60.000 Jahren von Menschen besiedelt. Bis heute gibt es auf der Insel ungefähr 800 Sprachen.

Vorkoloniale Zeit mini|Karte mit den eiszeitlichen Landmassen Sahul und Sunda

Die Insel Neuguinea wurde etwa vor 60.000 bis 50.000 Jahren von Südostasien aus besiedelt. Vor etwa 30.000 Jahren wurde das Hochland und einige Inseln besiedelt.

Seit etwa 9000 wird Ackerbau betrieben. Vor etwa 7000 Jahren wurde erstmals Zuckerrohr und Bananen im Hochland angebaut. Vor etwa 6000 Jahren wurden weite Küstengebiete überflutet, was das heutige Wissen über die frühen Küstenkulturen stark einschränkt.

Auf der Insel bildete sich eine starke Diversifizierung mit unzähligen kleinen voneinander isolierten Stämmen heraus, so dass es noch heute auf Neuguinea ungefähr 800 Sprachen gibt.

Verschiedene melanesische Völker besiedelten Neuguinea. Um 1000 v. Chr. besiedelten die austronesischen Völker Neuguinea während der Austronesischen Wanderungen. Es verbreitete sich die Lapita-Kultur.Volks Ploetz, Ozeanien und Neuseeland, S. 311Der große Ploetz, Ozeanien mit Neuseeland, S. 1231ff

Kolonialzeit

Anfänge mini|Karte Neuguineas, etwa 1600 Als erste Europäer entdeckten spanische und portugiesische Seefahrer zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Insel Neuguinea. Der Seefahrer Jorge de Meneses landete 1526 zufällig auf der Insel. Er soll das Land Papua benannt haben, nach einem malaiischen Wort für „kraus“, um das krause Haar der malaiischen Einheimischen zu bezeichnen. 1545 landete der spanische Seefahrer Íñigo Ortiz de Retes und nannte die Insel Neuguinea, weil sie ihn an die Küste des afrikanischen Guinea erinnerte, an der er zuvor vorbeigesegelt war.

Die Niederländer nahmen den Westteil der Insel Neuguinea 1828 in Besitz, während der Ostteil von kolonialen Bestrebungen noch unberührt blieb. Um 1860 begann das Unternehmen Johan Cesar Godeffroy & Sohn aus Hamburg an der Nordküste Ostneuguineas mit Kopra und anderen Kokosprodukten Handel zu treiben, um den enormen europäischen Bedarf an Kopra zu decken. Dieses Unternehmen gründete in Valparaíso auf den benachbarten Salomon-Inseln 1855 eine Faktorei und überzog die Südsee mit einem Netz von 45 Niederlassungen und Agenturen. Auf dem Ostteil Neuguineas gründete J.C. Godeffroy & Sohn weitere Niederlassungen. Deutsche Kapitäne und der Ornithologe Otto Finsch nahmen Gebiete an der Nordküste Ostneuguineas durch Hissen von Flaggen in eigenen Besitz. Auch britische Gesellschaften strebten Besitz auf Ostneuguinea an.

Ab 1884: Kaiser-Wilhelms-Land und Britisch-Neuguinea mini|Politische Karte der Insel von 1884 bis 1919: Niederländisch-Neuguinea (links), Kaiser-Wilhelms-Land (rechts oben) und Britisch-Neuguinea (rechts unten) 1884 einigten sich Großbritannien, das Deutsche Reich und die Niederlande auf die Aufteilung Neuguineas. Westneuguinea blieb niederländische Kolonie. Der Nordteil Ostneuguineas wurde unter dem Namen Kaiser-Wilhelms-Land ein deutsches Schutzgebiet und der Südostteil der Insel britisches Protektorat.Imanuel Geiss: Geschichte griffbereit. Band 3: Schauplätze. Die geographische Dimension der Weltgeschichte. (=rororo-Handbuch 6237), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 978-3-499-16237-4, S. 406. Die deutsche Kolonialgesellschaft Neuguinea-Kompagnie verwaltete das Schutzgebiet Kaiser-Wilhelms-Land. Die Papua kannten nicht die Nutzung von Metall und waren den Europäern unterlegen. Die deutsche Neuguinea-Kompagnie baute Siedlungen und deutsche Einwanderer kamen in das Schutzgebiet. Am 17. Mai 1885 erhielt die Neuguinea-Kompagnie einen Freibrief zum Landerwerb. Es begann die Missionierung durch die katholische und evangelischen Kirchen. Es wurden Plantagen gegründet, in denen Naturprodukte gewonnen wurden. Phosphatvorkommen wurden entdeckt und im Bergbau abgebaut. Die deutsche Neuguinea-Kompagnie machte schlechte Geschäfte und 1899 übernahm das Deutsche Reich das Schutzgebiet als deutsche Kolonie Deutsch-Neuguinea, die auch die Inselgruppen der Marianen, Karolinen, Palau, Nauru und Marshallinseln umfasste.Zur Geschichte Papua-Neuguineas als deutsche Kolonie vergleiche Gründer, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien. Paderborn; München; Wien; Zürich : Schöningh, 1985, S. 169–188 (UTB 1332)

Der Süden Ostneuguineas wurde am 6. November 1884 zum Protektorat Britisch-Neuguinea erklärt und am 4. September 1888 vom Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland annektiert. Durch britische Kolonisten wurde die anglikanische Konfession verbreitet. Die Anglikaner missionierten die Ureinwohner. Die Religion der Ureinwohner konnte sich bis heute halten. Nach der Unabhängigkeit Australiens wurde der Besitz 1902 an Australien übertragen und 1906 als „Territory of Papua“ unter australische Verwaltung unterstellt.Der Volks-Ploetz, 2. Folgen des 1. Weltkriegs Die Friedensverträge, S. 470Der Volks-Ploetz K. Australien, Neuseeland und Ozeanien a) Australien, S. 813

Erster Weltkrieg und Völkerbundsmandat Australiens

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 besetzten australische Verbände das Kaiser-Wilhelms-Land und den Bismarck-Archipel. Sie nahmen den größten Teil rasch ein.Zu Kriegsverlauf und Folgen des Krieges vergleiche Hiery, Hermann Josef: Das Deutsch Reich in der Südsee (1900–1921). Eine Annäherung an die Erfahrungen verschiedener Kulturen. Göttingen; Zürich : Vandenhoeck & Ruprecht, 1995, S. 303–324 (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London; Bd. 37) Nach der Zerstörung der Fernsprechanlagen in Simsonhafen und Herbertshöhe am 12. August 1914 durch australische Vorauskommandos erreichten die australischen Streitkräfte Anfang September 1914 das Kaiser-Wilhelms-Land und die vorgelagerten Inseln. Die Australier nahmen nach einem kurzen Gefecht die Funkstation Bita Paka bei Herbertshöhe ein. Die deutschen Verbände zogen sich ins Landesinnere der Insel Neupommern zurück und am 17. September 1914 entschloss sich Vizegouverneur Eduard Haber zur Kapitulation, am 21. September 1914 wurde die Kapitulation der deutschen Schutzmacht im nordöstlichen Neuguinea unterzeichnet. Am 11. Januar 1915 ergab sich in Morobe die letzte deutsche Regierungsstation in dem Schutzgebiet. Die Kapitulationsbedingungen waren milde. Die deutschen Kolonialisten wurden aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und konnten in das Deutsche Reich zurückkehren. In der Provinz Morobe versteckte sich der deutsche Hauptmann Hermann Detzner mit wenigen Mann im Busch und kapituliert erst am 11. November 1918 bei Kriegsende. Im Friedensvertrag von Versailles vom 28. Juni 1919 verzichtete das Deutsche Reich auf die Kolonie Deutsch-Neu-Guinea. 1920 erhielt Australien das ehemalige Kaiser-Wilhelms-Land im Norden Ostneuguineas als Völkerbundsmandat.

Der Völkerbund übergab Australien 1920 die beiden Gebiete, das ehemalige deutsche Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea (ohne Mikronesien) und das seit 1906 von Australien verwaltete Territorium Papua, in Treuhandverwaltung. Zunächst verwaltete Australien beide Gebiete getrennt.Der große Ploetz, Ozeanien von der Zeit der europäischen Entdeckungen bis 1945, S. 1244f

Zweiter Weltkrieg mini|hochkant|US-General Douglas MacArthur Während des Zweiten Weltkrieges besetzte nach dem Kriegseintritt Japan im Dezember 1941 im Rahmen des Pazifikkrieges den Nordteil Ostneuguineas. Die Zivilverwaltung wurde suspendiert. Am 23. Januar 1942 überwältigten die japanischen Verbände die australische Garnison von Rabaul und nahmen den Hafen ein. US-Verbände landeten zur Unterstützung Australiens 1942 in Papua. Am 7. Mai in der Schlacht im Korallenmeer verhinderten alliierte Verbände die Eroberung von Port Moresby durch die Japaner. Zeitweise wurde Port Moresby Hauptquartier des US-Generals Douglas MacArthur. Der Norden Ostneuguineas wurde Schauplatz von heftigen Kämpfen zwischen alliierten Verbänden und japanischen Verbänden. Die Japaner griffen mehrfach Port Moresby an. Am 20. Juli versuchten japanische Luftlandetruppen, bei Buna einen Brückenkopf zu errichten. Alliierte Luftangriffe behinderten die japanischen Truppentransporte. Die Japaner konnten Port Moresby nicht einnehmen. Am 12./13. August landeten die japanischen Verbände bei Buna und versuchten auf dem Kokoda Track, das Owen-Stanley-Gebirge zu überqueren. Die Japaner bombardierten zur Deckung die Milne-Bucht. Nach Beschuss durch die Flotte nahmen die Japaner am 23. August Nauru und am 26. August Ocean Island ein. In der Schlacht um die Milne-Bucht vom 24. bis zum 31. August konnten die US- und australischen Einheiten eine 1800 Mann starke japanische Landungseinheit zurückdrängen. Am 17. September stoppten zwei australische Brigaden den japanischen Vormarsch auf Neuguinea. Mitte Dezember 1942 verstärkten die Australier und Japaner ihre Einheiten auf Neuguinea. Die Japaner konnten Neuguinea nicht vollständig erobern.Der große Ploetz, Der ostasiatisch-pazifische Krieg (Dez. 1941 – Dez. 1942), S. 821f.

Die US-Luftwaffe bombardierte während des Jahres 1943 Bougainville auf den Salomonen, das zum australischen Treuhandgebiet Neuguinea gehörte. Am 1. November 1943 landeten US-Landetruppen auf Bougainville. Die Japaner landeten am 7. November mit Verstärkung auf Bougainville. US-Landetruppen landeten am 9. und 11. November in einer zweiten und dritten Welle auf Bougainville. Die japanische Luftwaffe startete zu Angriffen auf US-Verbände auf Bougainville. US-Trägerflugzeuge fingen japanische Bomber ab, ohne dass die Japaner Erfolge erzielen konnten. Daraufhin verstärkten die Japaner ihre Garnison auf Buka. Es kam zur Seeschlacht bei Kap St. George. Ab Dezember 1943 startete die US-Luftwaffe Bombenangriffe auf die japanischen Einheiten in Rabaul. Bis Anfang April 1944 nahmen die US-Bodentruppen die Insel Bougainville ein. Zuvor kam es zu langwierigen Dschungelkämpfen.Der große Ploetz, Der ostasiatisch-pazifische Krieg (Jan. 1943 – Juli 1944), S. 830f.

Bis 1945 dauerte der Kampf um Neuguinea. Am 11. Mai 1945 landeten australische Truppen auf Wewak auf Neuguinea und am 14. Mai eine weitere australische Division um den Flughafen einzunehmen. Bis zum 23. Mai nahmen die Australier die Halbinsel ein. Die alliierten Truppen nahmen am 13. September 1945 nach der japanischen Kapitulation den gesamten Ostteil der Insel Neuguinea ein.Der Volks-Ploetz, 3. Der Krieg in Ostasien und im Pazifik (1939–1945) b) Die Zeit der japanischen Erfolge, S. 544–545.Der große Ploetz, Der ostasiatisch-pazifische Krieg (Juli 1944 – Sept. 1945), S. 841f.

2011 wurden die Überreste des bis dahin offiziell als vermisst geltenden USAAF-Piloten Martin Murray identifiziert. Die amtliche Identifizierung dauerte 8 Jahre, nachdem ein Inselbewohner das Absturzgebiet 2003 entdeckte.68 Years Later, WWII Airman Martin Murray’s Body Found on South Pacific Island

UN-Mandatsgebiete ab 1946 mini|Flagge des Australischen Trust „Territory of Papua and New Guinea“ 1965–1970 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 1946 die beiden von Australien verwalteten Treuhandgebiete der UN-Treuhandverwaltung übertragen. 1949 wurden im „Papua and New Guinea Act“ die beiden Treuhandgebiete zusammengeschlossen und als Territorium Papua und Neuguinea gemeinsam verwaltet.