Insgesamt vierzehn Luftangriffe auf Plauen wurden im Zweiten Weltkrieg von dem britischen RAF Bomber Command und der 8th Air Force der United States Army Air Forces (USAAF) durchgeführt. Im Zeitraum vom 12. September 1944 bis 10./11. April 1945 warfen 1689 schwere, viermotorige Bomber und 50 Schnellbomber 4925 Tonnen Bombenlast auf die Stadt. Ziele waren Verkehrsanlagen, Industriebetriebe und die Wohnstadt. Mehr als 75 % der Gebäude von Plauen wurden zerstört, über 2358 Todesopfer (unvollständige Zahl), davon 54 % weiblich, waren zu verzeichnen.

Lage, Industrie und Verkehr Plauen, die vogtländische Hauptstadt, war 1942 eine Großstadt mit 111.000 Einwohnern, gelegen in einem Talhang der Weißen Elster. Plauen war der Mittelpunkt der traditionellen sächsischen Weißwaren-Industrie (Plauener Spitze) und verfügte über eine hochentwickelte metallverarbeitende Industrie. Die großen diesbezüglichen Anlagen befanden sich südwestlich der Stadt an der Elster: die Sächsische Zellwolle AG, die Vogtländische Maschinenfabrik („VOMAG“, die von Maschinen- und Fahrzeugproduktion auf die Fertigung von Panzern umgestellt worden war) sowie die Vometall (Tochter der Vomag, Flugzeugteile-Produktion). Plauen hatte einen Unteren Bahnhof im Südwesten und einen Oberen Bahnhof im Nordwesten der Stadt.

In den Fluren Kauschwitz und Syrau gab es ab 1925 einen Flugplatz Plauen, der ab 1936 militärisch genutzt wurde. Dort erfolgte ab Ende 1943 in einem Auslagerungsbetrieb der Leipziger Erla-Werke die Endmontage von Jagdflugzeugen des Typs Messerschmitt Bf 109.

Ziviler Luftschutz Bis 1943 war die Region durch ihre geografische Lage vor Luftangriffen einigermaßen geschützt.

Plauen verfügte über 25 Felsenkeller (z. B. unter dem Malzhaus), Stollen und Bunker, sowie über 20 Öffentliche Luftschutzkeller.Gerd Naumann: Plauen im Bombenkrieg 1944/1945. Plauen 2011. S. 24–27

Die größeren Industriebetriebe hatten werkseigene Schutzräume und einen Werkluftschutz. Die größten derartigen Anlagen befanden sich im Bereich der Vomag, drei unter den Hochbauten des Werks und ab 1944 in einer ausgedehnten unterirdischen Anlage (unter dem elsterlinksseitigen Felshang zwischen Weißem Stein und dem ehemaligen Härtelschen Steinbruch, heute berufliches Schulzentrum e.o. plauen). Diese Anlage fasste 7000–8000 Personen (Belegschaft Ende 1944: 6500 Personen, einschließlich Fremd- und Zwangsarbeiter). Sie hatte 4–5 befestigte/gasgesicherte Ein- und Ausgänge und eigene Strom- und Wasserversorgung. Die Anlage wurde von der Roten Armee gesprengt.Gerd Naumann: Plauen im Bombenkrieg 1944/1945. 2011. S. 179 ff

In der Syratalstraße am Schlosshang existiert seit 2005 ein Luftschutzmuseum „Meyerhof“, mit Exponaten aus der Kriegszeit. Es handelt sich um einen ehemaligen Bierkeller, der 1940 in das System der Luftschutzkeller der Stadt einbezogen wurde. Bis zum Jahr 2020 konnten 120.000 Besucher verzeichnet werden.MDR am 12. November 2020: Luftschutzmuseum Plauen

Als Schutz vor Luftangriffen lagerte das Stadtarchiv wertvolles Archivgut aus, die Lutherkirche ihren historischen Altar.

Die Luftangriffe Die 8th Air Force führte mit 1385 schweren Langstreckenbombern der Typen B-17 „Flying Fortress“ und B-24 „Liberator“, begleitet von einer großen Zahl an Langstrecken-Jagdflugzeugen/Jagdbombern (P-47 „Thunderbolt“, P-51 „Mustang“), elf Tagesangriffe vom 12. September 1944 bis 8. April 1945 durch. Dabei warfen sie 3697 Tonnen Bombenlast auf Plauen ab.

Das Bomber Command der Royal Air Force (RAF) beteiligte sich in drei Nachtangriffen vom 4. April bis 10./11. April 1945 mit insgesamt 50 Schnellbombern des Typs de Havilland DH.98 Mosquito und 304 schweren Langstreckenbombern vom Typ Avro Lancaster. Deren Flächenbombardement in der Nacht vom 10. zum 11. April war das schwerste, das Plauen erlebte. Die RAF warf insgesamt 1227 Tonnen Bomben über Plauen ab.

Die RAF führte eine Liste mit 94 deutschen Städten, die sie als besonders geeignet für Flächenangriffe hielt. Den Städten waren „Fisch-Decknamen“ zugeordnet. Plauen hatte den Codenamen „Brisling“ (Sprotte).Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Berlin 1990. S. 35

Die einzelnen Angriffe mini|Amerikanische B-17 beim Bombenwurf mini|Amerikanische B-24 in Formation Die 14 Angriffe werden besonders in Anlehnung an Gerd Naumann (2011) dargestellt.Gerd Naumann: Plauen im Bombenkrieg 1944/1945. Plauen 2011. S. 51–115, Zusammenfassung S. 140

12. September 1944: Von 12:50 bis 13:12 Uhr griff die 1st Air Division der 8th Air Force mit 30 B-17, begleitet von Jagdflugzeugen P-47 und P-51, Plauen als „Gelegenheitsziel“ an. Dabei wurden 82,5 Tonnen Sprengbomben geworfen. Gezielt wurde nach Pfadfinder-Methode visuell unter Einsatz des Norden-Zielgeräts. Die Schadensgebiete lagen in der Südvorstadt, Reinsdorf, der östlichen und nördlichen Bahnhofvorstadt (des Oberen Bahnhofs) und im Vomag-Gelände. Es gab 130 Tote. Das Ergebnis wurde im Report der 8th Air Force als „gering befriedigend“ eingestuft. 16. Januar 1945: Von 12:40 bis 12:53 Uhr griffen 36 B-17 der 3rd Air Division der 8th Air Force unter Einsatz des H2X-Bodenradars Plauen als „Sekundärziel“ an. Die Eskorte bestand aus Jagdflugzeugen vom Typ P-51. Dabei wurden 97,2 Tonnen Allzweck-(GP-)Sprengbomben und Stabbrandbomben geworfen. Schadensgebiete waren Oberer Bahnhof, Bärensteinviertel, südliches Haselbrunn und südöstliche Bahnhofsvorstadt, daneben die Friedhöfe 1 und 2. An Todesopfern mussten 132 gezählt werden.

Am 8. Februar 1945 erging ein Befehl der Stabschefs an die 8th Air Force und an das britische Bomber Command, dass Plauen eines der zehn Hauptziele für Angriffe gegen Militärtransporte und Flüchtlinge sei.Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Akademie-Verlag, Berlin 1990. S. 389

23. Februar 1945: Von 12:03 bis 12:10 Uhr wurde Plauen als Primärziel im Rahmen der Operation Clarion (Kriegstrompete) gegen Transporteinrichtungen in Deutschland angegriffen. 110 B-17 der 1st Air Division der 8th Air Force warfen 325 Tonnen GP-Sprengbomben ohne Bodensicht mit Hilfe des Bodenradars H2X ab. Die Schadensgebiete lagen besonders in der südöstlichen Bahnhofsvorstadt (Pauluskirchviertel) und im Syratalgebiet, aber auch im Westen der Innenstadt. 387 Tote mussten gezählt werden, 147 männlichen und 240 weiblichen Geschlechts. 3. März 1945: Von 12:03 bis 12:05 Uhr wurde die Stadt von elf B-17 Bombern der 1st Air Division der 8th Air Force als „Gelegenheitsziel“ angegriffen. Gezielt wurde visuell mit Hilfe des Bodenradars H2X und mit Norden-Zielgerät. 27,5 Tonnen GP-Sprengbomben wurden geworfen. Das Schadensgebiet war ein kleines Areal nordwestlich vom Oberen Bahnhof, das westliche Haselbrunn und ein Bahnstellwerk, daneben offenes Gelände. Es gab 21 Tote. 5. März 1945: Von 11:07 bis 11:41 Uhr griffen 24 B-17 Bomber mit P-51-Eskorte der 3rd Air Division der 8th Air Force Plauen als „Gelegenheitsziel“ an. 59 Tonnen GP-Sprengbomben und Brandbomben wurden geworfen, gezielt nach Pfadfinder-Methode und mit H2X-Bodenradar. Die Schadensgebiete waren die östliche Bahnhofsvorstadt, die Altstadt und der Krankenhaus-Bereich. 74 Tote wurden gezählt, darunter 51 weibliche. 17. März 1945: Von 12:03 bis 13:05 Uhr griffen 125 B-17 Plauen als „Gelegenheitsziel“ an, mit Eskorte von P-51 Jagdflugzeugen. Der Verband der 3rd Air Division der 8th Air Force warf unter Verwendung der Pfadfinder-Methode und von H2X-Bodenradar 350,9 Tonnen GP-Sprengbomben und Splitterbomben auf die Stadt. Die Schadensgebiete lagen weit verstreut: Innenstadt (Rathaus, Lutherkirche) und westlich davon, südwestlicher Stadtrand, Ostvorstadt bis Reusaer Wald, Reservelazarett „Erholung“, Wasserbehälter Tauschwitz, Flugplatz Syrau. Nicht getroffen wurde die vorgesehene Vomag-Panzerfabrik. 52 Todesopfer waren zu verzeichnen. 19. März 1945: Von 14:06 bis 14:39 Uhr erfolgte ein Angriff der 1st und 3rd Air Division der 8th Air Force auf Plauen als „Sekundärziel“. 436 B-17 mit Eskorte von P-51 warfen unter Verwendung von H2X-Bodenradar und Norden-Zielgeräten 1103 Tonnen GP-Sprengbomben und Splitterbomben ab. Die umfangreichen Schadensgebiete lagen in der Innenstadt (die auch das Zielgebiet war), und im Süden der Stadt einschließlich Südvorstadt bis Taltitz. 394 Tote waren zu beklagen. 21. März 1945: Von 9:50 bis 10:05 Uhr wurde Plauen als Sekundärziel von 107 B-17 der 3rd Air Division der 8th Air Force angegriffen. Als Zielverfahren kamen Norden-Zielgeräte zum Einsatz. 312 Tonnen GP-Sprengbomben wurden abgeworfen. Schaden entstand im Vomag-Werk und im Vomag-Panzerwerk, in der Umgebung des Unteren Bahnhofs bis zur Südvorstadt, in der Ostvorstadt bis Reusaer Wald, im Krankenhaus-Gebiet und der Östlichen Vorstadt. 43 Tote wurden geborgen. 26. März 1945: Um 14:07 bis 14:14 sowie zwischen 14:28 und 15:00 Uhr wurde Plauen als „Sekundärziel“ unter visuellem Zielverfahren mit Norden-Zielgeräten von 281 B-17 und 98 P-51 der 1st und 3rd Air Division der 8th Air Force bei klarem „Bombenwetter“ angegriffen. 734 Tonnen GP-Bomben verschiedener Kaliber, Splitterbomben sowie Stab- und Flüssigkeits-Brandbomben wurden geworfen. Das Vomag-Panzerwerk wurde total zerstört, Vomag getroffen, auch andere Industrieanlagen in Elsternähe, die südliche Altstadt und die Südvorstadt. 45 Tote waren zu bergen.

mini|Britischer Schnellbomber Mosquito 3./4. April 1945: Nachts von 0:06 bis 0:24 Uhr griffen acht Mosquitos der No. 8 Group des RAF Bomber Command mit 7,1 Tonnen Sprengbomben (32 zu je 250 kg) unter Verwendung des Zielverfahrens OBOE die Innenstadt an. Es handelte sich um einen leitstrahlgeführten Störangriff, der wohl der Vorbereitung des Flächenbombardements am 10./11. April diente (ein „Experiment“). Es gab 5 Tote. 5. April 1945: Von 11:37 bis 11:47 Uhr war Plauen das Ziel eines Angriffs der 2nd Air Division der 8th Air Force mit 151 B-24, unter Anwendung von bordgestütztem H2X-Bodenradar bei schlechter Sicht. 384,4 Tonnen GP-Sprengbomben, Container-, Stab- und Flüssigkeits-Brandbomben wurden geworfen, unter extrem breiter Streuung der Abwürfe. Schadensgebiete waren die Altstadt, die übrige Innenstadt, die Ostvorstadt bis Reusa, die westliche Bahnhofvorstadt (Unterer Bahnhof) und das Syratal. 85 Tote wurden geborgen. Ein Teil dieser Bomber soll Bayreuth als Ziel gehabt, und sich durch Navigationsfehler verflogen haben.

mini|Britische Lancaster beim Wurf von Radartäuschmitteln und danach Bombenwurf (Luftmine und Brandbomben) 8. April 1945: Von 12:13 bis 12:26 Uhr griff die 3rd Air Division der 8th Air Force mit 86 B-17 und P-51 als Eskorte Plauen an. 258,3 Tonnen GP-Sprengbomben, Container-, Stab- und Flüssigkeits-Brandbomben wurden geworfen, unter Verwendung von H2X-Bodenradar und Norden-Zielgeräten. Die Schadensgebiete lagen in der Innenstadt, der Neundorfer Vorstadt, im Pauluskirchviertel und der westlichen Altstadt. 60 Tote, darunter 40 weiblichen Geschlechts, mussten geborgen werden. 9. April 1945: Von 22:23 bis 22:38 Uhr griffen 37 Mosquitos der No. 8 Bomber Group des RAF Bomber Command mit 51,1 Tonnen Minen- und Sprengbomben weit gestreut die Innenstadt von Plauen an. Die Schnellbomber setzten dabei das Zielleitverfahren OBOE ein. Der leitstrahlgeführte Störangriff diente der navigatorischen Vorbereitung des Flächenbombardements in der nächsten Nacht. Es waren 40 Tote zu verzeichnen.