mini|Der auferstandene Christus in Santa Maria sopra Minerva Der auferstandene Christus ist eine Skulptur von Michelangelo Buonarroti, um 1520 geschaffen und in der Kirche Santa Maria sopra Minerva in Rom aufgestellt. Sie gilt als eines der Hauptwerke Michelangelos und ist eines der bedeutendsten Kunstwerke der italienischen Renaissance. Das Werk ist in zwei Fassungen erhalten.
Die Stifterin und der Auftrag an Michelangelo Die Stifterin Marta Porcari stammte aus einer wohlhabenden, alteingesessenen römischen Familie, die über enge Beziehungen in den Vatikan, insbesondere zu Papst Alexander VI., als auch zu der in Rom vertretenen Medici-Familie verfügte. Die Porcari sind seit dem 13. Jahrhundert im Rione Pigna nachweisbar, wo sie über umfangreichen Immobilienbesitz verfügten.Die Gründung der Kirche San Giovanni della Pigna im Rione Pigna geht vermutlich auf die Familie zurück. Ab dem 15. Jahrhundert fanden Mitglieder der Familie Porcari ihre letzte Ruhestätte in der Dominikanerkirche Santa Maria sopra Minerva. Eine eigene Grabkapelle in dieser Kirche erwarb Girolamo Porcari († 19. Oktober 1503)Girolamo Porcari war Bischof von Andria in Apulien, Kanonikus von St. Peter in Rom, Dekan der Römischen Rota sowie Günstling Papst Alexander VI. und ließ sie dem hl. Hieronymus, seinem Namenspatron (ital. Girolamo) weihen. Sie befand sich im linken Seitenschiff, neben dem heute verschlossenen Zugang zum Kreuzgang.heute: Kapelle Papst Pius V. (Cappella Pio V.)
Marta Porcari verstarb im Juni 1512, vermutlich 37-jährig und ohne direkte Nachfahren. In ihrem Testament vom 18. Februar 1512 verpflichtete sie ihre beiden Neffen, Pietro Paolo Castellani und Metello Vari, die sie unter der Bedingung zu ihren Universalerben machte, in Santa Maria sopra Minerva einen Altar für ihre Grablege errichten zu lassen. Die gestalterische Ausführung überließ sie ihren Erben. „Dem errungenen gesellschaftlichen Anstieg ein Denkmal zu setzen, mag nicht zuletzt das treibende Motiv hinter Martas Altarstiftung gewesen sein“.Gerda Panofsky: Michelangelos Christus, S. 41 Am 14. Juni 1514 schlossen die beiden Erben sowie der Kanoniker Bernardo Cenci als Testamentsvollstrecker einen Vertrag mit Michelangelo, der innerhalb von vier Jahren, bis Juni 1518, die Ausführung einer Marmorskulptur, darstellend einen Christus lebensgroß, stehend und nackt, mit einem Kreuz im Arm in jener Haltung, entsprechend der Vorstellung des genannten Michelangelo vorsah.un Cristo, grande quanto el naturale, ingnudo, ritto, chor una chroce in braccio, in quell'attitudine che parrà al detto Michelagniolo Michelangelo sollte dafür 200 Golddukaten erhalten.Der Vertrag ist im Original erhalten und befindet sich in der Biblioteca Medicea-Laurenziana, Florenz Die beiden Erben verpflichteten sich zusätzlich 30 Dukaten aus dem eigenen Vermögen beizusteuern, die wahrscheinlich für eine rahmende Ädikula vorgesehen waren.
Wie genau und über wen der Kontakt zu dem 39-jährigen Künstler zustande kam, der an dem Monumentalwerk des Grabmals für Papst Julius II. verpflichtet war, ist nicht erhalten – möglicherweise kam dieser über die den Dominikanern verbundene Medici-Familie zustande, die auch Auftraggeber von Michelangelo waren.Gerda Panofsky: Michelangelos Christus, S. 15 ff.
Der eine der Erben, Paolo Castellani, verstarb bereits 1519, sodass die Verantwortung für die endgültige Fertigstellung alleine von Metello Vari wahrgenommen werden musste. Der Auftrag ist in zahlreichen Notizen, einer Zeichnung MichelangelosVerkauf im Jahr 2000 an den Kunsthandel Bellinger, München für 20 Mill.DM (10,22 Mio.EUR) - siehe https://www.welt.de/print-wams/article86655/Das-diskrete-Geschäft-mit-Kunst-auf-Papier.html und Dokumenten zu Transport und Gehilfenrechnungen dokumentiert. In mehr als 68 Briefen, die zwischen Juni 1516 und August 1532 verfasst wurden – allein davon in 25 Briefen von Metello an Michelangelo – ist das Kunstwerk Gegenstand der Korrespondenz, da es bei der Ausführung, der Terminierung und der Abrechnung zu zahlreichen Problemen kam.Frank Zöllner ff.: S. 425 ff.
Erste Fassung – Der Christus von Bassano Romano mini|Der Christus von Bassano Romano mini|Die schwarze Ader Michelangelo begann 1514 mit dem Christus an einem Block aus Carrara-Marmor, der möglicherweise aus dem Grabmal Julius II. stammte und aufgrund der Reduzierung auf ein Wandgrab überzählig geworden war. Zu seiner großen Enttäuschung zeigte sich bereits 1515 im Zuge der Arbeiten eine markante schwarze Ader im Marmor, genau an der Stelle, wo das Gesicht vorgesehen war. Er ließ die Arbeit unvollendet in seiner Werkstatt, widmete sich wieder den Arbeiten am Julius-Grab, die er entgegen den vertraglichen Vereinbarungen nicht hätte unterbrechen dürfen, und arbeitete weiter an der zentralen Figur des Moses. 1516 kehrte er nach Florenz zurück, das er erst wieder 1534 für die Arbeit am Fresko Das jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle verlassen sollte.
Nach der Enthüllung der zweiten Fassung des Christus in der Minerva schenkte er im Januar 1521 die unvollendete Skulptur Metello Vari, der sich intensiv darum bemüht hatte. Im Gegenzug schenkte dieser Michelangelo als Zeichen des Dankes und der Anerkennung ein Fohlen und stellte das unvollendete Werk in seinem Garten auf. Der Gelehrte Ulisse Aldrovandi sah sie dort 1556 und beschrieb sie: „In einem kleinen Hof bzw. Gärtchen ist ein nackter Christus mit dem Kreuz an der rechten Seite zu sehen, nicht fertig gestellt wegen einer Ader, die man im Marmor des Gesichtes entdeckte; ein Werk des Michelangelo; er schenkte sie dem Metello. Eine weitere, dieser ähnlich, befindet sich jetzt in der Minerva“.…in una corticella, overo orticello, vedesi un Christo ignudo con la Croce al lato destro non fornito per rispetto d’una vena che si scoperse nel marmo della faccia, opera di Michel Angelo, et lo donò a M. Metello, et l’altro simile à questo, che hora è nella Minerva lo fece far à sue spese M. Metello al detto Michel Angelo
Über den weiteren Verbleib dieser ersten, unvollendeten Fassung des Werkes gab es bis vor wenigen Jahren nur vage HinweiseChristoph L. Frommel, S. 26ff.: 1607 gelangte die Skulptur auf den Antiken-Markt. Vom Maler Passignano aufmerksam gemacht, erwarb Michelangelo Buonarroti der Jüngere, ein Großneffe Michelangelos, die nur teilweise bearbeitete Statue… era nel medesimo grado questa borza che il Santo Matteo dell’Opera (Abb.) et i Prigioni di Pitti … (… war diese Rohbearbeitung in demselben Zustand, wie der Heilige Mattheus der Opera (del Duomo) und die Sklaven von Pitti …); Ludovica Sebregondi Fiorentini: Rivista dell'arte vol. 38, 1986, p. 49–86. 1618 erwog Kardinal Maffeo Barberini, der spätere Papst Urban VIII., ebenfalls nach einem Hinweis Passignanos, das Werk anzukaufen. Der Mäzen und Kunstkenner, Marchese Vincenzo Giustiniani dürfte dem Kardinal allerdings zuvorgekommen sein. Er erwarb die Skulptur als Bereicherung seiner bereits umfangreichen Galerie von antiken Statuen und ließ sie vollenden. Möglicherweise ist die Vollendung der Skulptur durch den jungen Gian Lorenzo Bernini erfolgt.Christoph L. Frommel: S. 27 1638, nach dem Tod des Marchese, ist sie jedenfalls im Inventar der Sammlung Giustiniani verzeichnet. 1644 wurde sie von Rom in die Kirche San Vincenzo in Bassano Romano überführt, wo sie bis 1970, gerahmt durch eine Ädikula, den Hochaltar zierte. Die Kirche war von Giustiniani ca. 1621 errichtet worden und zählte zu seinen Besitztümern im nördlichen Latium. Ab 1979 war die Figur in der Sakristei der Kirche aufgestellt und seit 2001, nach ihrer Wiederentdeckung, befindet sie sich in der rechten Seitenkapelle.Silvia D. Squarzina: Michelangelo & Sebastiano, S. 249
Lange Zeit galt diese erste Fassung als verloren bzw. waren ihre Provenienz und ihre Künstler in Vergessenheit geraten. Sie war nur noch aufgrund der Literatur bekannt. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Ausstellung Caravaggio e i Giustiniani 2001 in Rom entdeckten zwei Kunsthistorikerinnen diese erste Fassung des Christus in Bassano Romano.1997 entdeckten Silvia D. Squarzina und Irene Baldriga, Kunsthistorikerinnen an der La Sapienza-Universität, Rom und tätig in den Giustiniani-Archiven, die Statue der 1. Fassung Seither wird sie von den Benediktinern, die die Kirche und das Kloster betreuen, für Ausstellungen im In- und Ausland zur Verfügung gestellt, z. B. 2017 zur Ausstellung Michelangelo & Sebastiano in der National Gallery (London).
Zweite Fassung – Der auferstandene Christus in der Santa Maria sopra Minerva Obwohl die Erben den vereinbarten Vorschuss noch nicht gezahlt hatten, besorgte Michelangelo 1518 einen neuen Marmorblock, ähnlich groß, nur erheblich tiefer und begann 1519 in seiner Werkstatt in Florenz die Arbeit an der zweiten Fassung der Statue. Im April 1520 war diese fertig gestellt und zum Abtransport nach Rom bereit.Gerda Panofsky: Michelangelos Christus, Appendix I, Briefe in dt. Übersetzung Nach endgültiger Zahlung der Restsumme durch die Erben im Januar 1521 wurde sie im März auf dem Seeweg über Civitavecchia nach Rom transportiert, wo sie im Juni/Juli an der Ripa Grande eintraf. Pietro Urbano da Pistoia, ein Gehilfe Michelangelos, wurde mit der Begleitung, der endgültigen Bearbeitung der unfertigen Teile sowie der Aufstellung in der Basilika von Santa Maria sopra Minerva betraut. Im September 1521 schreibt Sebastiano del Piombo alarmierend seinem Freund Michelangelo, dass Pietro Urbano bei den Arbeiten den rechten Fuß, die rechte Hand, die Nase und den Bart verdorben habe.Aber ich kläre Euch auf, dass alles was er gearbeitet hat, das Ganze verhunzt hat, vor allem hat er den rechten Fuß verkürzt, was man deutlich an den Zehen sieht, die er verstümmelt hat; außerdem hat er die Finger der Hände gekürzt, besonders derjenigen, die das Kreuz hält , nämlich der rechten, sodass der Frizzi sagt, man meine er wäre bei Kringelbäckern angestellt gewesen: sie sehen nicht aus, als wären sie aus Marmor, sie sehen aus, als habe er sich bei jenen verdungen, die Backteig verkneten, so arg sind sie verwirkt. – aus dem Brief Sebastiano del Piombo aus Rom an Michelangelo - 6. September 1521 – Gerda Panofsky Michelangelo betraute daraufhin den florentinischen Bildhauer Federigo Frizzi, aus der Werkstatt Giovanni da Reggio mit der Fertigstellung der Skulptur. Dieser hatte bereits 1519 den Auftrag von Michelangelo erhalten, die Ädikula zur Aufstellung der Statue in der Kapelle Porcari zu entwerfen und auszuführen. Die Enthüllung des Christus erfolgte am 27. Dezember 1521. Da Michelangelo den ursprünglich vorgesehenen Ortdie Grabkapelle Porcari, heute Cappella Pio V. im linken Seitenschiff als zu düster empfand, einigte man sich mit den Auftraggebern den Christus an dem viel prominenteren Platz vor dem linken Chorpfeiler aufzustellen. Die Stifter verewigten sich in einer, heute verlorenen, InschriftMETELLUS VARUS ET P PAUL CASTELLANUS ROMANI MARTIAE PORCIAE TESTAMENTO HOC ALTARE EREXERUNT CUM TERTIA PARTE IMPENSARUM ET DOTIS QUAM METELLUS DE SUO SUPPLENS/ DEO OPT MAX DICAVIT (Die Römer Metello Varo und Paolo Castellani haben aus dem Testament der Marta Porcari diesen Altar errichtet mit einem Drittel der Kosten und einer Stiftung die Metello aus Eigenem ergänzt hat. Dem besten und größten Gott gewidmet) mitsamt deren Wappen. Im Zuge der Umgestaltung der Kirche und der Verlegung des Hauptaltars (1848–1855) wurden Altar, Ädikula und die Inschrift an der Statue entfernt. Damit erhielt sie die heutige Aufstellung.
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