mini|240x240px|Kirche St. Anna – Südansicht
Die römisch-katholische Kirche St. Anna befindet sich im Frankfurter Stadtteil Hausen und ist im Stil der Moderne gestaltet. Seit dem 1. Januar 2017 gehört sie zur Pfarrei Sankt Marien Frankfurt am Main, gemeinsam mit der Frauenfriedenskirche und den Kirchen St. Elisabeth, Christ-König und St. Antonius.
Lage Die Sankt-Anna-Kirche liegt am südöstlichen Rand der historischen Ortsmitte von Hausen in einem Wohngebiet der 1960er und 1970er Jahre. Auf dem großen, mit Bäumen bestandenen Grundstück mit der Adresse Am Hohen Weg 19 befinden sich neben dem freistehenden Kirchenbau nebst Glockenturm auch das Gemeindehaus, das Pfarrhaus und ein Kindergarten.
Geschichte
Vorgeschichte Erstmals erwähnt wird eine Kapelle in Hausen bereits im Jahr 1479, eine Abbildung findet sich 1536 als „Sankt-Jost-Kapelle“ auf dem Siegel des Hausener Ortsgerichtes.
Alte Kirche St. Anna Ende des 19. Jahrhunderts wurden die katholischen Christen in Hausen durch den Pfarrer in Rödelheim mitbetreut. 1897 formierte sich der Hausener Katholische Männerverein mit dem Ziel, eine selbständige Gemeinde in Hausen zu etablieren. 1901 wurde eine katholische Seelsorgestelle mit eigenem Geistlichen begründet, der erste Gottesdienst fand am ersten Advent desselben Jahres in einem extra hierfür eingerichteten Betsaal in der Evangelischen Volksschule Hausen (heute Kerschensteinerschule) statt.100 Jahre Katholischer Gottesdienst in Frankfurt am Main-Hausen. Sankt Anna 1901–2001. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Anna, Frankfurt am Main 2001. 1902 erwarb das Bistum Limburg in der Großen Nelkenstraße 37 ein Grundstück für den Bau einer Kirche. Sie wurde nach Plänen des Architekten Hans Rummel im neuromanischen Stil mit einem großen Querschiff errichtet. Geweiht wurde die dem Patrozinium der Heiligen Anna unterstellte Kirche am 11. September 1904. Das Vorhaben, die Kirche gemäß den ursprünglichen Plänen des Architekten später durch den Anbau eines dreischiffigen hohen Langhauses mit einem weiteren Querschiff, Apsis und Turm zu einer großen Basilika umzugestalten, die als Hauptkirche für den Nordwesten Frankfurts dienen sollte, wurde wegen der Inflation infolge des Ersten Weltkriegs und wegen derzeit nur noch gering steigender örtlicher Einwohnerzahlen nicht ausgeführt.
Mitte der 1930er erfolgte eine Renovierung mit einem Ausbau der Kirche. Während des Zweiten Weltkriegs am 22. März 1944 durch Bombenangriffe zerstört, wurde die Kirche vom Architekten Paul Göbbels wiederaufgebaut und am 28. Juli 1946 eingeweiht. Im Jahr 1952 erhielt die bisherige Pfarrvikarie den Status einer Pfarrei. Nachdem die Kirche im Laufe der Jahre zu klein geworden und größere Reparaturen nötig waren, wurden seit 1955 vom Architekten Harald Greiner verschiedene Konzepte zur Instandsetzung und Umgestaltung entwickelt, die jedoch nicht zur Ausführung gelangten. Im Januar 1961 beschloss der Kirchenvorstand einen Neubau in der Großen Nelkenstraße. Da auf Wunsch des Bistums in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche ein Studentenwohnheim und ein Altenpflegeheim errichtet werden sollten, entschied man sich für einen neuen Standort. Mitte der 1960er Jahre wurde die alte, inzwischen baufällige Kirche abgerissen.Sankt Anna – Pfarrkirche und Geschichte. In: Geschichte der Kirchen in Sankt Marien. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Marien, Frankfurt am Main 2017, , S. 5–18 (online, PDF)
=== Heutige Kirche St. Anna === Die Frankfurter Architekten Hermann Mäckler und Alois Giefer wurden mit der Planung der neuen Kirche beauftragt. Das Bistum erwarb etwas weiter südlich in der Straße Am Hohen Weg Ländereien, worauf von 1965 bis 1968 die Kirche erbaut wurde sowie das Pfarrhaus, das Gemeindehaus, der Kindergarten, das Studentenwohnheim Friedrich Dessauer Haus und das Altenzentrum Santa Teresa. Der erste Gottesdienst in der neuen Kirche fand am 25. März 1967 statt, geweiht wurde die Kirche am 11. Mai 1968 von Bischof Wilhelm Kempf.
Der zunächst im Altarraum befindliche Altar wurde in den 1980er Jahren in die Mitte der Kirche auf ein Holzpodium verschoben, nach einer grundlegenden Umgestaltung des Innenraumes nach Plänen des Architekten Ulrich Hahn im Jahr 1996 jedoch wieder näher zum Altarraum versetzt.Kath. Kirchengemeinde Sankt Marien Frankfurt am Main (Hrsg.): Geschichte der Kirchen in Sankt Marien. Selbstverlag, Frankfurt am Main 2017, S. 10–11. 1990 wurden die Außenwände unter Leitung des Architekten Horst F. Meyer energetisch saniert.
Seit Mai 2024 wird in der Pfarrei St. Marien über eine kirchliche Immobilienstrategie diskutiert und in diesem Rahmen die Aufgabe der Kirchenstandorte St. Anna und St. Elisabeth in Betracht gezogen. Begründet wird dies mit dem hohen finanziellen Erhaltungsaufwand und den sinkenden Einnahmen durch Kirchensteuern bei Rückgang der Zahl der Gemeindemitglieder.
Architektur mini|Eucharistische Anbetung (Juli 2025) mini|hochkant|Statue der Hl. Anna und Maria aus der alten Annakirche
Die Kirche ist im Stil des Brutalismus errichtet. Der im Grundriss kreuzförmige, polygonale Kirchenbau ist äußerlich ein nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichteter Zentralbau mit vier gleichen Fassadenseiten. Eine kaum wahrnehmbare Ausnahme bildet die eingeschossige Sakristei im rückwärtigen Grundstücksbereich. Der gewählte Gebäudetyp greift die Neuerungen im Kirchenbau seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf. Im Zentralbau nimmt der Altar der neuen Liturgie folgend nahezu die Gebäudemitte ein.
Die Grundfläche der Kirche misst etwa 30 Meter in Ost-West- bzw. Nord-Süd-Richtung. Die Fassaden bestehen aus winkelförmigen Außenwänden, zwischen denen gebäudehohe Glasflächen angeordnet sind, die die Eingänge markieren. Das flach geneigte, gefaltete Zeltdach betont die Gebäudemitte. Es ist mit Kupfer gedeckt, dessen Oberfläche Grünspan angesetzt hat. Die ursprünglich aus Sichtbeton bestehenden, geschlossenen Außenwände wurden 1990 mit einem hellen Naturstein verkleidet und damit wärmegedämmt. Sie werden von den dunklen Fensterflächen kontrastiert. Der seitlich angeordnete, etwa 30 Meter hohe freistehende Glockenturm aus Beton ist weiß angelegt und schließt mit einem einfachen Kreuz ab.
Betritt man durch das Hauptportal im Osten das Innere der Kirche, befindet man sich zunächst in einem Vorraum, ehe man nach einigen Schritten in den stützenlosen Innenraum gelangt. Auch im Innern ist die Raummitte betont. Das farbige Licht der blauen Glasfenster und Wände aus sichtbaren Ziegelsteinen prägt den Raum und die Belichtung. Der Altar ist als Volksaltar frei stehend platziert und von drei fächerförmig im Halbkreis angeordneten Bankblöcken umgeben. Beides betont den Charakter des Zentralbaus. Der Innenraum ist nach Westen ausgerichtet. Der dortige um zwei Stufen erhöhte Altarraum mit einem Kreuz vor einer hellen Wand lenkt den Blick auf sich. Die Wände aus Ziegelsteinen sind durch eine horizontale Bänderung gegliedert. Reihen mit Hochlochziegeln sind so vermauert, dass die Löcher der Steine sichtbar sind. Der Boden besteht aus dunklen Schieferplatten. Die Decke ist mit Holz verkleidet und lässt die Faltungen des Tragwerks erkennen. An der Wand im Eingangsbereich, die den Vorraum vom Hauptraum trennt, ist die Orgel angebracht.
Ausstattung Die großflächigen Buntglasfenster des Frankfurter Künstlers Georg Heck bestehen aus kleinen, quadratischen, unterschiedlich farbigen blauen und weißen Gläsern und erhellen den Raum von drei Seiten.Pfarrjournal Sankt Marien, Dezember 2019 Altarblock, Ambo, Sedilien und Taufstein bestehen aus hellem Naturstein. Das Taufbecken im südlichen Kirchenraum hat die Form eines Zylinders. Die rückwärtige Altarwand wurde von dem Künstler Wilhelm Gieß als Triptychon gestaltet, dessen mit Blattgoldauflage versehenes Zentrum von indigoblauen Seitenflügeln flankiert wird. Davor befindet sich mittig das Kreuz. Sowohl das Wandrelief Anna selbdritt als auch die Pietà sind ein Werk der Künstlerin Franziska Lenz-Gerharz. Die Statue der Hl. Anna mit der Hl. Maria als Kind wurde erst in den 2020er Jahren im Keller des Pfarrhauses wiederentdeckt und in der Kirche aufgestellt.
Fotogalerie
Pfarrer in St. Anna (Pfarrvikare, seit 1952 Pfarrer) 1901–1903: Johannes Wilhelm Belz 1903–1914: Johann August Sturm 1914–1917: Johann Baldus 1917–1918: Kaspar Wolf 1918–1920: Aloys Reichwein 1920–1928: Christian Rentz 1928–1932: Jakob Bentz 1932–1933: August Müller 1933–1935: Albert Büttner 1935–1973: Andreas Nikolai 1973–1975: Heribert Zerfas 1975–1986: Bernhard Gruber 1987–2004: Michael Weis 2004–2006: Vakanz 2006–2015: Karl-Heinz Diehl seit 2015: Holger Daniel
Literatur Sankt Anna, Frankfurt am Main-Hausen. In: Almut Gehebe-Gernhardt: Architektur der 50er Jahre in Frankfurt am Main – am Beispiel der Architektengemeinschaft Alois Giefer und Hermann Mäckler. Kramer, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-86539-675-4, S. 195–203. Sankt Anna – Pfarrkirche und Geschichte. In: Geschichte der Kirchen in Sankt Marien. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Marien, Frankfurt am Main 2017, , S. 5–18 (online, PDF) 100 Jahre Katholischer Gottesdienst in Frankfurt am Main-Hausen. Sankt Anna 1901–2001. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Anna, Frankfurt am Main 2001,
Weblinks
Website der Pfarrei Sankt Marien Frankfurt am Main
Einzelnachweise
Kategorie:Frankfurt-Hausen Anna Frankfurt Frankfurt Frankfurt Frankfurt am Main Anna Kategorie:Bauwerk der Moderne in Frankfurt am Main Kategorie:Bauwerk aus Beton Kategorie:Zentralbau in Deutschland Kategorie:Kirchengebäude in Europa