Die Toná ist eine andalusische Gesangsform im Flamenco ohne Gitarrenbegleitung. Sie gilt als Urform, als erster Palo, laut Caballero als Kristallisationspunkt des Flamenco, bevor er sich entwickelte und verbreitete. Geschichte Toná ist die andalusische Form des Wortes Tonada („Lied, Weise“). Diese traditionelle Liedform war vom 17. bis ins 19. Jahrhundert in Spanien populär. Es ist jedoch umstritten, ob über diese reine Namens-Übereinstimmung hinaus eine Kontinuität von der Tonada zur Toná besteht. Der Musikwissenschaftler Manuel García Matos sieht eine solche Kontinuität in mehreren Tonadas und Tonás, deren Namen sich entsprechen. Es ist jedoch unsicher, ob diese Stücke auch jeweils musikalisch einander entsprechen, da die Tonás des entsprechenden Namenspaares verloren gingen. Der unterschiedliche musikalische Charakter von Gitano-Musik und anderer spanischer Folklore lässt dies eher unwahrscheinlich erscheinen.

Die Toná gilt als archaische, primitive Form. Schon 1881 nannte Demófilo die Tonás „alte Lieder, kaum mehr in Gebrauch“.«cantes viejos casi caídos en desuso» Erstmals erwähnte sie Serafín Estébanez Calderón 1831; er nannte sie Tonadas de Sevilla. Das lässt darauf schließen, dass sie in Triana entstanden. Domingo Manfredi Cano behauptete, ohne seine Gründe zu nennen, dass Tonás ursprünglich als Begleitung zum Tanz gesungen wurden, sich dann aber als eigenständige Gesangsform davon gelöst hätten. 1969 präsentierten José Blas Vega und Manuel Ríos Ruiz 30 Tonás. Die ältesten vier davon werden Tío Luis el de la Juliana zugeschrieben, einem Mitte des 18. Jahrhunderts geborenen Sänger.

Wie andere Cantes primitivos wurde auch die Toná ohne Gitarrenbegleitung gesungen.

Varianten Die Toná stand in enger Beziehung zur Liviana. Demófilo präsentierte 1881 eine Sammlung von 26 Gesängen mit dem Titel Tonás y Livianas. Der Autor José Manuel Caballero Bonald bezog die vier Tonás litúrgicas ein, die am Gründonnerstag traditionell in La Puebla de Cazalla (Provinz Sevilla) gesungen wurden. Sie handeln von Judas, von Pilatus, vom Engel und vom Garten Gethsemane. Er vermutete, dass es regionale Varianten der Tonás gab, die nicht nur von Gitanos gesungen wurden. Möglicherweise entwickelten sich auch die Carcelerasspan. cárcel, Gefängnis aus Tonás, die im Gefängnis gesungen wurden, ebenso wie die Martinetes

Verse Auch wenn angezweifelt wird, dass die Tonás in der Gitano-Kultur der „andalusischen Zigeuner“ ihre Wurzeln haben,Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN=3-518-45824-8, S. 11 f. wie 1963 noch der Journalist Molina und der Sänger Antonio Mairena schrieben,Ricardo Molina, Antonio Mairena: Mundo y Formas del Cante Flamenco. 1963; Neuausgabe Sevilla 1997, S. 160. so ist doch evident, dass die Calé die meisten ihrer Interpreten stellten und stellen. Die Inhalte der sogenannten Tonás gitanas spiegeln die schwierigen Lebensumstände der Gitanos wider, die Diskriminierung, die Verfolgung, die Haft in Gefängnissen. Eine typische Strophe ist diese: Los gerés por las esquinas con velones y farol en voz alta se decían mararlo que es calorró. Die Geréskastilische Spanier an den Ecken mit Umhang und Puffärmeln sagten einander mit lauter Stimme der CalorróGitano soll getötet werden.

Caballero Bonald schrieb:

Musikalische Merkmale Wie bei vielen anderen Palos orientiert sich die Interpretation der Toná an der andalusischen Kadenz. Bestimmte Abwandlungen, beispielsweise Martinetes, werden in Dur gesungen. Da die Toná a cappella gesungen wird, richtet sich der Grundton nach der Stimmlage der Sängerin oder des Sängers. Der Rhythmus (compás) entspricht dem der Seguiriya.

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Anmerkungen

Kategorie:Palo des Flamenco