Johann Heinrich Otto Eduard Tarnogrocki (* 6. Juni 1875 in Lobsens, Kreis Wirsitz/Provinz Posen; † 17. Dezember 1946 in Nienhagen bei Rostock) war ein deutscher Maler und Illustrator.

Leben mini|Märztag

Tarnogrocki war der Sohn des Rektors der evangelischen Schule Lobsens, dem heutigen Łobżenica in der polnischen Wojewodschaft Großpolen, Otto Tarnogrocki und dessen Ehefrau Anna, geborene Otto. Er wuchs in Strasburg, Ulm und Dessau auf. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler begann er 1893 ein Studium an der Königlichen Kunstschule in Berlin. Er wechselte 1894 an die Kunstschule Weimar zu Franz Bunke. Zu Studien unter Bunkes Leitung war er gemeinsam mit weiteren Schülern, u. a. Alfred Heinsohn, mehrmals im mecklenburgischen Schwaan. In der Heimatstadt Bunkes bildete sich Ende des 19. Jahrhunderts aus diesen Besuchern und den aus Schwaan stammenden Malern wie Peter Paul Draewing und Rudolf Bartels (beide hatten ebenfalls in Weimar ihre Ausbildung erhalten) eine Künstlerkolonie.

Zu Ende seiner Ausbildung war Tarnogrocki an der Kunstakademie in Stuttgart bei Carlos Grethe. Studienreisen führten ihn durch Europa, so etwa nach Paris, hier kopierte er im Louvre und arbeitete in der Académie Colarossi. 1905 nahm er seinen Wohnsitz in Stettin, war aber weiterhin in Verbindung zu den Schwaaner Malern. 1923 heiratete er die 1888 in Stettin geborene Elisabeth Holste.

In seiner Wahlheimat Stettin entstanden in den verschiedenen Techniken wie Aquarell, Ölgemälde oder Tuschezeichnung zahlreiche impressionistisch gestaltete Hafenmotive sowie pommersche Stadtansichten und Landschaften. Ebenso fertigte er Zeichnungen mittels Schuhcreme und Bürste, die in Schwarz auf Weiß und mit Graustufen gehalten, Winterlandschaften oder Schiffsdarstellungen zeigen. Auch als Illustrator war er tätig. So lieferte er für einige Bücher sowohl Zeichnungen als auch den Buchschmuck.

Tarnogrocki war Mitglied des Pommerschen Künstlerbunds und in der Zeit des Nationalsozialismus obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Es ist für diese Zeit die Teilnahme an der Ausstellung „Der schaffende Mensch“ 1935 in Stettin bekannt.

Bei einem Bombenangriff im August 1944 wurde eine Vielzahl seiner Werke vernichtet, weitere werden seitdem vermisst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Tarnogrocki 1945 auf der Flucht mit seiner Frau nach Nienhagen im Landkreis Rostock. Die Umsiedlung hatten nur wenige seiner Bilder überstanden. Tarnogrocki starb 1946 in seinem 72. Lebensjahr an „Herzmuskelschwäche“.

Werke (Auswahl) mini|Bucheinband:Stettin: ein Werbebuch, 1919 Maler Hafenszene, Öl/Leinwand Stadthafen, Öl/Leinwand Märztag, Öl/Leinwand Birken im Winter, Mischtechnik Schiffe auf Reede, Mischtechnik Dorf auf Usedom, Mischtechnik, alle Kunstmuseum Schwaan

Illustrator

Stettiner Verkehrsverein (Hrsg.): Stettin: ein Werbebuch. Bauchwitz, Stettin 1919. (Buchschmuck) Ferdinand Hirts deutsches Lesebuch für Pommern. Hirt, Breslau 1925. (Zeichnungen)

Ausstellungen 1936: Stettin, Stadtmuseum: „Das Stadtbild Stettins“, Okt. / Nov. 1936 2025: Schwaan, Kunstmühle: „Landschaft im Licht. Zum 150. Geburtstag von Otto Tarnogrocki“, 17. Mai – 27. Juli 2025

Literatur

Lisa Jürß: Otto Tarnogrocki. In: Kunstmuseum Schwaan: Bestandskatalog 2012. Hinstorff, Rostock 2012, ISBN 978-3-356-01557-7. S. 100–105. Lisa Jürß, Heiko Brunner: Otto Tarnogrocki: ein Malerleben in Mecklenburg und Pommern. Kunstmuseum Schwaan 2015, ISBN 978-3-88132-972-9.

Weblinks

Der Maler Otto Tarnogrocki beim Kunstmuseum Schwaan Werke von Otto Tarnogrocki bei artnet

Einzelnachweise Ahnenforschung.Net: 1872: Regierungs-Bezirk Bromberg: Otto Tarnogrocki – Predigtamts-Candidat, nach Ablegung des Examens pro rectoratu an der evangel. Schule in Lobsens, Kreis Wirsitz als Rector angestellt. Standesamt Stettin III, Eheregister, Nr. 506/1923 sowie Standesamt Lichtenhagen, Sterberegister, Nr. 92/1946. Abfragen bei Ancestry. Stettiner Adressbuch und Umgebung – 1915. 1. Teil, S. 324: „Tarnogrocki, Otto, Kunstmaler, Pölitzer Str. 80 II, Atelier Friedrich-Karl-Str. 7 IV, Eing. Preußische Str.“

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