Tim White-Sobieski (* 1961 in Warschau) ist ein polnischer Video- und Installationskünstler, der in New York City und Berlin tätig ist.
Leben und Werk Tim White-Sobieski wurde 1961 in Warschau geboren und emigrierte in den frühen 1990er-Jahren in die Vereinigten Staaten. Er besuchte die New York University und Parsons The New School for Design, bevor er sich entschied, eine Kunst-Karriere zu starten.Kunstaspekte Biografie
Weiterhin ist er ein ausgebildeter Architekt, widmete sich jedoch der bildenden Kunst und dem Filmemachen; im Laufe seiner Karriere entdeckte er die Malerei, Bildwerk, Fotografie, Video- und Lichtinstallation für sich. In den frühen 1990er-Jahren begann er mit Ausstellungen in New York und zeigte die Blue Paintings,Nancy Princenthal. Tim White in Blue, Katalogartikel, NY 1995 die das ästhetische Fundament für seine zukünftigen Œuvres bilden und die in Foto- und Videowerken wie Presence, Runner und Queen Mary wiedergefunden werden können. Die Rolle des Unbewussten als Schwerpunkt seiner Malereien hatte Ähnlichkeiten mit dem visuellen Abstraktionismus und dem literarischen Existenzialismus. Viele seiner Werke beschäftigen sich mit menschlichen Erfahrungen und der Beziehung zu sich selbst und dem Universum, im Detail wird der energetische Zusammenhang zwischen Licht, Geist und dem Selbst analysiert. Ein Großteil der Werke bezieht sich auch auf die literarischen Werke, die den Künstler inspiriert haben; in seinen Installationen wurden oft Ikonen der amerikanischen Literatur dargestellt.Lehmann, Ulrike, (16. Mai 2006) Schriftsteller wie Walt Whitman, John Steinbeck, John Updike, Kurt Vonnegut, J.D. Salinger, William Faulkner und Robert Penn Warren werden in Tim White-Sobieskis Werken sichtbar, da sie einige der innersten Mysterien der menschlichen Natur verdeutlichen und die Schönheit sowie Komplexität des Geistes aufzeigen.Zybok, Oliver, Idyll: Illusion and Delusion, 2007 White-Sobieski komponiert die meisten seiner Filme und Video-Soundtracks selbst,Traces of Light, Fernández-Cid, Miguel, 2003 er nimmt in seinen Werken aber auch Zeitgenossen wie Brian Eno, David Byrne, Robert Fripp, Pierre Schaeffer, Pierre Boulez, und Steve Reich sowie klassische Meister wie Henry Purcell, Giovanni Battista Pergolesi und Johann Sebastian Bach auf.
Tim White-Sobieski wurde 2005 eingeladen (zusammen mit Künstlern wie James Turrell und Olafur Eliasson), ein Kunstwerk für das neue Louis Vuitton Flagship-Store an den Champs-Élysées in Paris zu gestalten.Anne Petersen, Kunst und Mode sind eine gute Partie, Die Welt, 12. Dezember 2008Susanne Haase, Vuitton und die nackten Frauen, 2. Oktober 2006 Das Projekt bestand aus einer 24 Meter langen, programmierten Faseroptik-Videowand, die zurzeit einmalig auf der Welt ist – nicht nur in Bezug auf die Größe. Eine weitere großformatige Videowand wurde am Petit Palais montiert, um die Inbetriebnahme zu feiern. Dies war eine einmalige Zusammenarbeit dreier Künstler und Architekten (Peter Marino, Architekt aus New York und Eric Carlson/Carbondale, Architekten aus Paris). 2006 lud das Unternehmen Louis Vuitton Tim White-Sobieski wiederholt ein, bei einer Ausstellung mit dem Titel Icons (Icones) teilzunehmen, einer Interpretation der ikonischen Logo-Taschen.Gerschel, Stephane and Marc Jacobs. Louis Vuitton: ICONS. Assouline, New York, 2007 Weitere Künstler waren Marc Jacobs, Zaha Hadid, Ugo Rondinone, Sylvie Fleury, Shigeru Ban, Robert Wilson und Andrée Putman.
2008 erstellte und konstruierte White-Sobieski eine Videoinstallation für eine Videowand mit 144 synchronisierten vertikalen LCD-Monitoren für den Flughafen Gimpo in Korea, die zurzeit die größte Videowand der Welt ist. Das Projekt wurde Water and Earth (Wasser und Erde) genannt, um die universellen Themen der Elemente zu vermitteln, die das Gefühl des Fliegens enträtseln. Der Künstler fuhr damit fort, neue Methoden des Kontrollierens und Abbildens von Videos zu entwickeln, mit dem Zweck, ein bewegtes Bild innerhalb des architektonischen Innenraums und jeglicher Konturen, Formen und Materialien zu integrieren. Das Video-Inventar des Künstlers besteht zurzeit aus mehr als 60 Titeln, mit Multikanal synchronisierten Videoinstallationen und eigenständigen Single-Theater-Präsentationen. Seine Videos, Fotografien, Malereien, Skulpturen und Installationswerke gehören folgenden Kollektionen an: CGAC Santiago de Compostela, Denver Art Museum, Domus Artium 2002 (Salamanca), Elgiz Museum of Contemporary Art (Istanbul), Museo de Bellas Artes de Bilbao (Santander), Museo Reina Sofía (Madrid), Stiftung kunst:raum Sylt Quelle (Sylt), Nomas Foundation (Rom), Kunstverein Wiesbaden (Wiesbaden).
Arbeiten Videoinstallationen Bewegliche Malereien/Bewegliche Zeichnungen (1993 – heute) 1993 begann White-Sobieski mit der Arbeit an Projekten mit den Namen Moving Paintings und Moving Drawings als eine Reihe von Experimenten von Bildanimationen, die teilweise auf der Lingo-Skriptsprache basierten, die in Macromedia-Applikationen verwendet werden. In diesem Zeitraum studierte der Künstler Filmmusik und interessierte sich speziell für musikalische Architektur der Stille von John Cage. Als Antwort auf das Ansinnen Cages, Klänge „durchzuhören“ und sie nicht bloß anzuhören, erstellte White-Sobieski seine unendlichen Animationen von Malereien und Zeichnungen als paralleles Leben eines Kunstwerkes, ein „Bild im Prozess“.For the Birds, John Cage in Conversation with Daniel Charles. Boston, Boyars, 1981 White-Sobieski schrieb die Skripte, um unendliche Wege der Verhaltenskontrolle von Konturen, Farben und Bild-Parameter in einem Videobild (und in einem digitalen Bild, wenn nicht Video) zu programmieren; ein Großteil der Werke wurde in mehreren Veranstaltungsorten finalisiert und ausgestellt, viele von ihnen bestehen weiterhin. Zeitgenössische und experimentelle Musik hat weiterhin großen Einfluss auf die Werke White-Sobieskis und Komponisten wie Pierre Schaeffer, Pierre Boulez, Steve Reich, Brian Eno, David Byrne, und Robert Fripp kamen in seinen späteren Projekten vor. Eines der erfolgreichsten Experimente in der Verbindung von Moving Paintings-Animationsgrundsätzen mit Echtzeit-Videoeditierungs- und Renderingtechniken war das Projekt I Repeat Myself When Under Stress aus dem Jahr 1999,Hommage an Robert Fripp, Soundtrack aus King Crimsons „Indiscipline“ („Discipline“ 1981) ausgestellt in New York, Chicago und Turin. Später wurde die gleiche Methode in von Hand gerenderten Filmen des Projekts Terminal entwickelt. Fast jedes Videobild der Reihe wurde handgezeichnet, und, wenn zusammengesetzt, wurden halbabstrakte bewegliche Kompositionen erstellt. Diese Projekte erhielten Kritikerlob bei der Prague Biennale (2003), Lyon Biennale (2003) und Bucharest Biennale (2004).
Time of Adolescence Series (1998–2006) Die Thematik des genetischen Gedächtnisses und die des Kriegs wurden auch in Confession (2000–2002), Before They Were Beatles (2004) und Sweet Dreams (2002) erschlossen.Artpulse Magazine, mit Hans Op de Beeck, Herbst 2011 Ab Confession startete er eine Reihe von Videos mit einer visuellen Gedächtnis-Meditation und der Forderung, dass das „Gedächtnis womöglich genetisch von Generation zu Generation transferiert wird“.Tom Breidenbach, Tim White: Confession, Ausstellungskatalog, New York 2001 Während Confession eine multikanale narrative Sequenz hatte und von einer Zwillingsnomaden-Figur (als gespaltene Persönlichkeit) handelte, prüfen die späteren Videos des Künstlers auch Migranten-Charaktere in Closer to Fall, Awakening, Route 17N und The Sound and the Fury. 2007 beendete Tim White-Sobieski eine Reihe von Großflächenfotografien und ein Video mit dem Titel Awakening, 2008 als eine Erweiterung zur gleichen Thematik Route 17 North. Der schiere Wiederholungsrhythmus der Reihe erzielt eine erzählende Logik, während der Künstler das Bild einer amerikanischen Jugend vom Anfang des 21. Jahrhunderts aufzeigt, in einer Welt der postmodernen Simulakren. Beide Video- und Fotografieserien – bildlicher Natur – demonstrieren den Einfluss der Literatur und erzählenden Filmemachens auf den Künstler. 2009 beendete White-Sobieski seinen kurzen (20 Minuten) Multikanal-Film The Sound and the Fury nach dem ersten Teil des Romans William Faulkners. Die erste Version des Films wurde in Barcelona als Seventh Heaven (basierend auf dem Untertitel des literarischen Werkes April Seventh von 1928) gezeigt. Ab Deconstructed Reality, wo Zeit nicht sequentiell, sondern simultan erscheint, kombiniert White-Sobieski in Seventh Heaven widersinnig Elemente; geometrische Abstraktion über semiabstrakte menschliche Gestalt gelegt. Das Werk des Künstlers hat einen Bezug zu der anfänglichen Vorstellung des Autors, Faulkner lieh seinen Titel von Macbeth: „Es ist eine von einem Idioten erzählte Geschichte voller Schall und Wut, etwas nicht zu Bedeutendes“. In seinen Werken präsentiert der Künstler eine Videoübersetzung der nichtlinearen, nicht-interpretatorischen Sichtweise des Hauptcharakters.Lauren Meir, A Light in the Dark: The Innovative Kunsthalle Detroit Museum, MutualArt.com, 7. September 2011
Terminals Cycle (2000–2005) Terminals Cycle besteht aus einer Reihe von Videos: Terminal by Day (I), Terminal at Night (II), Terminal Dream (III), On the Wing (IV) und Terminal Heart (V). Terminal (I) entstand unmittelbar nach den Ereignissen des 11. Septembers in New York, wo sich der Künstler in unmittelbarer Nähe der Ereignisse befand und nur knapp der Katastrophe entkam. Das tragische Ereignis hatte einen wesentlichen Einfluss auf seine Kreativität und künstlerische Vision. Die darauffolgenden Jahre waren von den posttraumatischen Gefühl des Lebens in der Stadtmitte Manhattans beeinflusst. Gemeinsam mit den Farben Blau und Rot seiner pulsierenden Signatur, markierten diese Videos sein Engagement mit Ambiente-Musik diverser Komponisten wie Brian Eno, frippertronics von Robert Fripp und Experimente John Cages. Zwischen 2004 und 2006 erstellte Tim White-Sobieski mehrere abstrakt-figurative Videokompositionen: Unter ihnen waren Werke wie New York City Suite, Vertigo und Desire. Der Künstler arbeitete weiterhin im Bereich der musikvisuellen Synthese; neue Methoden und Algorithmen wurden entwickelt, um Farbe, Rhythmus und Animationen basierend auf Soundparametern zu generieren – weitere Entwicklungsideen, die im Moving Paintings-Projekt erforscht wurden.
Deconstructed Cities (2005–2014) mini|Tim White-Sobieski. Visor’d, 2008 (nach dem Roman von Walt Whitman). Reihe von Video-Leuchtkästen, Animationen in Faseroptik, Leiterplatten-Design, Multikanal-Videoprojektionen, LED, Skulpturinstallationen. Anfängliches Projekt mit 16-Kanal-asynchronem Video.