Die Junge Alternative für Deutschland (Kurzbezeichnung: JA; häufig nur als Junge Alternative bezeichnet) war von November 2015 bis zum 31. März 2025 die Jugendorganisation der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Auf dem AfD-Parteitag im Januar 2025 beschloss die Partei eine Trennung von der JA, welche zum 1. April 2025 wirksam werden sollte, sowie deren Ersetzung durch eine neue Organisation. Die JA beschloss auf einem Bundeskongress am 1. Februar 2025 die Selbstauflösung zum 31. März 2025, zu diesem Zeitpunkt hatte die Junge Alternative für Deutschland nach eigenen Angaben etwa 2400 Mitglieder.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte den Verein im Januar 2019 als „Verdachtsfall“ bezeichnet, attestierte ihm eine „migrations- und insbesondere islamfeindliche Haltung“ und stufte ihn im April 2023 als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Ein Antrag der JA und der AfD im Eilverfahren gegen diese Einstufung scheiterte im Februar 2024 vor dem Verwaltungsgericht Köln.

Geschichte Gründung und Anerkennung durch die Mutterpartei Die Junge Alternative (JA) wurde im Juni 2013 bei ihrem ersten Bundeskongress in Darmstadt gegründet. Im Juni 2014 erkannte der Landesparteitag der AfD Nordrhein-Westfalen die Delegierten der JA erstmals an.Alexander Häusler, Rainer Roeser: Die »Alternative für Deutschland« – eine Antwort auf die rechtspopulistische Lücke?. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin_Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 119. Zum Oktober 2014 hatten auch die Landesverbände Hamburg und Saarland die JA als Jugendorganisation anerkannt. Im Verlauf des Jahres 2015 waren es insgesamt zehn Landesverbände.Alexander Häusler, Rainer Roeser: Zwischen Euro-Kritik und rechtem Populismus. Merkmale des Rechtsrucks in der AfD. In: Andreas_Zick, Beate_Küpper: Wut, Verachtung, Abwertung. Rechtspopulismus in Deutschland. Hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer und Dietmar_Molthagen, Dietz, Bonn 2015, ISBN 978-3-8012-0478-5, S. 124–145, hier: S. 133. Auf dem vierten Parteitag im November 2015 in Hannover wurde die JA schließlich als Jugendorganisation des Bundesverbandes anerkannt.

Richtungsstreit 2015 und Abspaltung Junge Reformer Auf dem Bundeskongress in Bottrop setzte sich der liberal-konservative Kandidat Philipp Meyer gegen Markus Frohnmaier durch. Nach internem Streit wurde Meyer im Mai, fünf Monate nach seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden, seiner Funktion enthoben.Website der Wochenzeitung Die Zeit. Artikel vom 23. Mai 2015. Abgerufen am 26. November 2018. Meyer, der nach Angaben der Zeit als Lucke-Unterstützer galt, wurde u. a. vorgeworfen, dass er das Amtsenthebungsverfahren gegen den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke und die Gründung des Vereins Weckruf 2015, einer Plattform liberaler AfD-Mitglieder, durch seine Unterschrift unterstützt habe.

Im Juni 2015 traten 40 Mitglieder aus der Jungen Alternative aus. Darunter befanden sich auch zwei ehemalige Bundesvorsitzende.

Der erste Bundesvorsitzende Torsten Heinrich hatte nach eigener Darstellung bereits März 2014 seinen Austritt erklärt.

Bereits im Vorlauf des Essener Parteitags der AfD gab es eine Abspaltung innerhalb der Jugendorganisation. Am 28. Juni 2015 wurden die Jungen Reformer als Jugendorganisation der damaligen ALFA gegründet.

2016 – 2024 2016 berichtete der Spiegel, die russische Junge Garde (Molodaja Gwardija) hätte ein Bündnis mit der Jungen Alternative für Deutschland geschlossen. Dieses Bündnis dementierte die Junge Garde daraufhin sowohl auf ihrer Webpräsenz als auch in einem Interview ihres Vorsitzenden Dawydow mit der deutschsprachigen Onlinezeitung Russland.ru.http://www.russland.news/spiegel-afd-putinjugend-fake-video/

2021 empfahl die Arbeitsgruppe Verfassungsschutz der AfD dem Bundesvorstand der AfD, den Parteiausschluss des JA-Bundesvorsitzenden Marvin Neumann zu veranlassen. Neumann hatte zuvor rassistische Tweets veröffentlicht; u. a. hatte er geschrieben, dass schwarze Menschen keine Deutschen sein dürften.

Seit dem AfD-Bundesparteitag im Oktober 2022 ist die JA erstmals mit zwei Mitgliedern im AfD-Bundesvorstand vertreten.

Trennung von der Mutterpartei und Auflösung 2025 Am 12. Januar 2025 beschloss die AfD beim Bundesparteitag in Riesa, sich von der Jungen Alternative als ihrer Jugendorganisation zu trennen und eine neue zu gründen,AfD beschließt Gründung einer neuen Jugendorganisation, Bayern 2 Nachrichten, 12. Januar 2024 auf br.de für die der Name Patriotische Jugend vorgeschlagen wurde.Verfassungsschutzbericht Bayern 2024, S. 188 Die beschlossene Satzungsänderung trat zum 1. April 2025 in Kraft. Die JA würde ab diesem Zeitpunkt nur noch ein Verein ohne Parteibindung und damit als solcher auch anfälliger für ein mögliches Vereinsverbot sein.AfD beschließt Wahlprogramm und neue Jugendorganisation Die Zeit, 12. Januar 2025, Abruf am 19. Januar 2025 Auf ihrem Bundeskongress am 1. Februar im thüringischen Apolda beschloss die Junge Alternative schließlich die eigene Auflösung zum 31. März 2025.Junge Alternative löst sich auf Der Spiegel, 1. Februar 2025, Abruf am 1. Februar 2025 Zahlreiche Mitglieder der Jungen Alternative wurden daraufhin AfD-Mitglieder, sofern sie es noch nicht waren; in Schleswig-Holstein beispielsweise bereits 70 % am 1. April.

Bundeskongresse Der Bundeskongress der Jungen Alternative war das höchste Gremium der Organisation und konnte als Mitgliederversammlung oder Delegiertenversammlung durchgeführt werden.

+ Bundeskongresse der Jungen Alternative Nr. Datum Ort Land Ereignisse 1. 15. Juni 2013 Darmstadt Gründung und Wahl des Vorstandes 2. 1./2. Februar 2014 Fulda Neuwahl des Vorstandes, Programmatik 3. 12./13. Januar 2015 Bottrop Neuwahl des Vorstandes, Satzungsänderungen, Programmatik, Reden von Bernd Kölmel, Bernd Lucke, Marcus Pretzell, Richtungsstreit 4. 30./31. Mai 2015 Okarben Neuwahl des Vorstandes mit Tritschler und Frohnmaier zwei als „Luckegegner“ geltende JA-Vertreter zu den neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Frohnmaier war ein Erstunterzeichner der „Erfurter Resolution“, des Positionspapiers des rechtsnationalen Flügels der AfD. 5. 16. Juli 2016 Bingen am Rhein Auf dem Bundeskongress im Juli 2016 wurden Frohnmaier und Tritschler wiedergewählt. Ebenso beschloss die Junge Alternative eine Unvereinbarkeit mit der Identitären Bewegung. 6. 17./18. Februar 2018 Büdingen U. a. Neuwahl des Vorstandes. Der Bundeskongress im Februar 2018 wählte Damian Lohr zum neuen Bundesvorsitzenden der Jungen Alternative. 7. 2./3. Juni 2018 Seebach Programmatik: Verabschiedung des „Deutschlandplans“ der Jungen Alternative 8. 4. November 2018 Barsinghausen Auflösung des niedersächsischen Landesverbandes 9. 16./17. Februar 2019 Magdeburg Neuwahl des Vorstandes, Satzungsänderungen, Programmatik 10. 17./18. April 2021 Volkmarsen Neuwahl des Vorstandes 11. 16. Oktober 2022 Apolda Neuwahl des Vorstandes, Satzungsänderungen, Programmatik 12. 1./2. Februar 2025 Apolda Auflösung des Vereins

Mitglieder Mitglied konnte man ab 14 und bis zum 36. Lebensjahr werden, wobei Funktionsträger auch über die Altersgrenze hinaus erst mit dem Ende ihrer Amtszeit aus der JA ausschieden. Eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der AfD war nicht erforderlich. Im Gegenzug dazu waren Mitglieder der AfD, die jünger als 36 Jahre alt waren, nicht auch automatisch Mitglied der Jungen Alternative. Mitglieder des Bundesvorstands der JA mussten zwingend auch Mitglied der AfD sein.

Die Junge Alternative hatte im Januar 2016 über 1.000 Mitglieder, davon waren ungefähr 90 Prozent gleichzeitig Mitglied in der Alternative für Deutschland.Anna-Lena Herkenhoff: Rechter Nachwuchs für die AfD – die Junge Alternative (JA). In: Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6, S. 201–217, hier: S. 202. Im Juni 2018 hatte die JA rund 1.800 Mitglieder, nach eigenen Angaben waren 70 Prozent davon auch in der AfD. Laut dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler rekrutierte die Junge Alternative ihren Anhang bis 2015 aus dem burschenschaftlichen Milieu und Vertretern der Neuen Rechten.Alexander Häusler, Rainer Roeser: Zwischen Euro-Kritik und rechtem Populismus. Merkmale des Rechtsrucks in der AfD. In: Andreas_Zick, Beate_Küpper: Wut, Verachtung, Abwertung. Rechtspopulismus in Deutschland. Hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer und Dietmar Molthagen, Dietz, Bonn 2015, ISBN 978-3-8012-0478-5, S. 124–145, hier: S. 134.

Politische Positionen Häusler sah die JA als Befürworterin einer rechtspopulistischen Richtung, die als „Brückenkopf“ der Partei zur Neuen Rechten fungiert. Wie andere Jugendorganisationen versuchte sie, die Position der Mutterpartei zuzuspitzen.Marlis Schaum: Radikaler als die AfD (Gespräch mit Alexander Häusler) In: dradiowissen.de, 30. Januar 2015. Laut dem Sozialwissenschaftler David Bebnowski (Göttinger Institut für Demokratieforschung) stellt sich die Jugendorganisation als „antifeministische Kraft dar“.David Bebnowski: Die Alternative für Deutschland. Aufstieg und gesellschaftliche Repräsentanz einer rechten populistischen Partei. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-08285-7, S. 10. Entgegen dem Entschluss auf dem Bundeskongress 2016 kam es auf lokaler Ebene wiederholt zur Zusammenarbeit mit der rechtsextremen Identitären Bewegung.

Gemäß Anna-Lena Herkenhoff fielen Mitglieder der Jungen Alternative „immer wieder durch öffentliche Äußerungen auf, die an extrem rechte Diskurse ausgesprochen anschlussfähig sind.“ Die Soziologin führte Äußerungen von Markus Frohnmaier und Robert Wasiliew an, die exemplarisch zeigen würden, wie „die JA einen gängigen rechten, rassistischen Diskurs“ bediene und dabei einem „für die extreme Rechte typischen öffentlichkeitsstrategischen Vorgehen“ folgen würde.Anna-Lena Herkenhoff: Rechter Nachwuchs für die AfD – die Junge Alternative (JA). In: Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6, S. 201–217, hier: S. 203f. Ob die Junge Alternative auch „als Gesamtverband Affinitäten zu rechtspopulistischen oder extrem rechten Positionen hat“, stellt für Martin Langebach jedoch noch ein „Forschungsdesiderat“ dar.Martin Langebach: Rechtsextremismus und Jugend. In: Fabian Virchow, Martin Langebach, Alexander Häusler (Hg.): Handbuch Rechtsextremismus, VS Verlag 2016, S. 375–440.

„Offensiver als die Mutterpartei“ setzte sich die Junge Alternative nach Einschätzung von Häusler „für Kontakte zu anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa ein.“ So organisierte die JA beispielsweise 2014 eine parteiintern umstrittene Veranstaltung mit Nigel Farage, dem Parteichef der britischen UK Independence Party. Darüber hinaus hätten Frohnmaier und Tritschler auch „[f]rüher als die führenden Funktionäre ihrer Mutterpartei […] den direkten Kontakt zur FPÖ“ gesucht und unterhielten mittlerweile auch Kontakte mit der Jungen SVP sowie den Jugendorganisationen der Wahren Finnen und von Einiges Russland.Alexander Häusler, Rainer Roeser, Lisa Scholten: Programmatik, Themensetzung und politische Praxis der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). Eine Studie im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung. 2016, S. 134, PDF

Im Sommer 2014 bewarb die JA in einer Kampagne auf Facebook Selbstjustiz als „die neue Polizei“.

Im Mai 2019 kritisierte David Eckert, Vorsitzender der JA Berlin, die Klimawandelleugnung der Mutterpartei: Die AfD solle „von der schwer nachvollziehbaren Aussage Abstand nehmen, der Mensch würde das Klima nicht beeinflussen“. Daraufhin traten mehrere Mitglieder des Landesvorstandes zurück und machten so das Gremium arbeitsunfähig.