mini|Archäologischer Park von Aschkelon Die Geschichte der Stadt Aschkelon im Südbezirk Israels reicht bis in die Mittlere Bronzezeit zurück. Es gibt am Ort aber auch noch ältere Funde, etwa aus der Jungsteinzeit. Eine ältere deutsche Schreibung des Namens ist Askalon.

Altertum Wirtschaft mini|Ausgrabungen an einer früh-steinzeitlichen Fundstelle Aschkelon war schon in der Bronzezeit eine wichtige Handelsstadt. Lokal wurden Wein und Olivenöl produziert, die Stadt wurde aber vor allem durch den Zwischenhandel reich. Der Hafen diente dem Handel mit dem östlichen Mittelmeer, vor allem mit Phönizien im Norden und mit Zypern. Die Küstenstraße verband die Stadt mit Ägypten und Syrien. Wie Funde aus einem Wrack vor der spanischen Küste in Playa de la Isla, Mazarrón belegen, wurde Olivenöl aus Aschkelon in den typischen ovoiden Krügen auch in das westliche Mittelmeer exportiert.Iván Negueruela und andere: Seventh-Century BC Phoenician vessel discovered at Playa de la Isla. Mazarron, Spain. In: International Journal of nautical Archaeology, Band 24, 1995, S. 189–197. Das Jahr der Askaloniten begann am 1. Hyperberetaeus, dem 28. Oktober.

Religion Nach Ktesias war die wichtigste Göttin von Aschkelon Derketo, der an einem Teich in der Nähe der Stadt Opfer gebracht wurden. Sie hatte den Oberkörper einer Jungfrau und den Unterkörper eines Fisches und ist vermutlich phönizischen Meeresgottheiten wie Dagān und Aschera verwandt.

Ereignisgeschichte mini|Der Name Aschkelon wie er auf der Stele des Merenptah wiedergegeben wird. Aschkelon war eine Stadt der Kanaaniter und später der Philister. Um das 14. Jahrhundert v. Chr. gehörte sie zu Ägypten. In der Regierungszeit von Amenophis II. wird ein Botschafter aus Aschkelon am Hof des Pharao erwähnt. Erwähnt wurde Aschkelon auch 1285 v. Chr. anlässlich der Feldzüge Ramses II. gegen die Hethiter (Schlacht bei Kadesch). Die Stadt rebellierte und wurde unterworfen. Ramses III. ließ hier ein Heiligtum des Ptah errichten. Die Stele des Merenptah (ca. 1208 v. Chr.) erwähnt die Eroberung von Aschkelon, Gaza, Gezer und Yeno’am.Lawrence E. Stager: Merenptah, Israel and the Sea Peoples. New Light on an Old Relief. In: Eretz Israel 18, 1985, S. 56*–63*. Möglicherweise unternahm Merenptah im dritten Jahr seiner Regierung einen Feldzug gegen Israel. Im Laufe der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts v. Chr. wurde Aschkelon von Philistern besiedelt, wie Skarabäen von Ramses III. und Ramses IV. in der unmittelbar vorausgehenden bzw. der frühesten philistischen Schicht sowie mykenischer Keramik im Stil SH III C (Übergang früh/entwickelt) abzuleiten ist.Daniel M. Master, Lawrence E. Stager, Assaf Yasur-Landau: Chronological Observations at the Dawn of the Iron Age in Ashkelon. In: Ägypten und Levante. Egypt and the Levant 21, 2011, S. 261–280. Die Autoren datieren den Übergang von einer ägyptischen zu einer philistischen Siedlung „circa 1170“ v. Chr., wobei sie an anderer Stelle (S. 272, Anm. 8, mit weiterwen Belegen) betonen, dass die Datierung der mykenischen Keramik dieser Zeitstufen unsicher ist. Der Übergang von einer kanaanitisch-ägyptischen Siedlung zu einer philistischen verlief wahrscheinlich ohne Gewalt; Spuren eines Brandes wurden nur im Bereich eines kleinen Areals entdeckt.Daniel M. Master – Lawrence E. Stager – Assaf Yasur-Landau: Chronological Observations at the Dawn of the Iron Age in Ashkelon. In: Ägypten und Levante. Egypt and the Levant 21, 2011, S. 277f. Aschkelon wurde Mitglied im Stadtstaatenbund der Philister (Pentapolis) und einer ihrer fünf Fürstensitze. Das Territorium von Aschkelon reichte vom Fluss Nachal Lachisch im Norden bis zum Fluss Schikma im Süden. Eine Exklave im Norden umfasste die Städte Bet-Dagon, Jaffa, Bnei Berak und Hazor.

Tiglat-Pileser III. zog 743 gegen die Pentapolis und eroberte Gaza. 733 rebellierte Aschkelon. Tiglat-Pilesar setzte König Mitinti I. zugunsten seines Sohnes Rukubti ab. Nach dem Tod von Sargon II. rebellierte Aschkelon 705 erneut. König Rukubti wurde von seinen Untertanen abgesetzt und sein Bruder Zidqa bestieg den Thron. Sanherib eroberte Aschkelon 701, König Sidqa und sein Sohn Mitinti wurden nach Assyrien deportiert. Sanherib setzte Šarruludari, einen Sohn Rukubtis, zum König ein. Dieser trug einen assyrischen Namen und war vielleicht am assyrischen Hof erzogen worden. 679 wird Mitinti zusammen mit anderen philistäischen Königen (Ahim-milki von Aschdod und Ikausu von Ekron) im Zusammenhang mit Baumaßnahmen in Niniveh und Sidon erwähnt. Unter Assurhaddon zahlte Mitinti II. 677 Tribut, er war auch unter Assurbanipal tributpflichtig (667). Assurhaddon machte auf seinem Feldzug gegen Ägypten in Aschkelon Station, wie durch einen Orakeltext belegt ist. König Mitinti ist auch auf der Inschrift eines philistäischen Siegels belegt ('Abd-Ilib, Sohn von Schabeath, Diener des Mittit, Sohn des Zidqa'). Die Eponymenliste erwähnt 669 einen assyrischen Gouverneur, der die Könige der Philister beaufsichtigt. 640 zogen sich die Assyrer aus Palästina zurück, Aschkelon fiel wahrscheinlich an Ägypten.

Der griechische Historiker Herodot berichtet, dass die Skythen bis Ägypten vordrangen und auf dem Rückweg einige Marodeure den Tempel der Aphrodite Urania (Derketo) in Aschkelon ausraubten. Die Göttin schlug sie darauf mit „einer weiblichen Krankheit“ (I, 105). Ihre Opfer wurden Enaräer genannt, Transsexuelle.

Aschkelon wurde 604 von Nabu-kudurri-usur II. belagert und erobert, die Stadt „zu einem Hügel aus Ruinen und Schutt gemacht“, was die neubabylonischen Annalen nur bei ernsthaften Zerstörungen melden. Die Zerstörungsschichten enthielten zahlreiche verbrannte Pflanzenreste, besonders von Getreide, Hülsenfrüchten und Obst. Das Getreide kommt ausweislich beigemischter Unkrautsamen sowohl aus dem Bergland von Judäa, dem nördlichen Negev und dem nördlichen Palästina. Anscheinend waren vor der Belagerung Vorräte angelegt worden.Ehud Weiss, Mordechai E. Kislev: Plant remains as indicators for economic activity. A case study from Iron Age Ashkelon. In: Journal of Archaeological Science, Band 31/1, 2004, S. 1–13. Rationenlisten aus Babylon erwähnen Geiseln aus Aschkelon, darunter der Sohn des Königs Aga.

Während der Makkabäerzeit ab 104 v. Chr. war die Stadt selbständig. 37 v. Chr. eroberten die Römer sie. Die Stadt hatte für diese als Festung auf der Route zwischen Ägypten und Syrien strategische Bedeutung. König Herodes der Große, der die Stadt mit vielen Bauten ausstatten ließ, wurde vermutlich hier geboren. Flavius Josephus berichtet, im Jüdischen Krieg sei sie von judäischen Rebellen zerstört worden.Doch ist diese Darstellung widersprüchlich. Aschkelon ist in Josephus Bericht eine von elf rings um die judäischen Gebiete liegenden militärisch starken Städten und Regionen, die ihm zufolge dem Erdboden gleichgemacht wurden (Josephus, Jüdischer Krieg II 458–461), woraufhin die Bewohner der (vielleicht doch nicht zerstörten?) Städte ihrerseits die Judäer in ihrer Mitte getötet haben (Josephus, Jüdischer Krieg II 477f.). Vgl. Sean Freyne: The Revolt from a regional perspective. In: Andrea M. Berlin, J. Andrew Overman (Hrsg.): The First Jewish Revolt. Archaeology, history, and ideology. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-25706-9. S. 47: „a literary figment, possibly on the basis on the Maccabean-Hasmonean attacks on ‚the nations round about,‘ as described in 1 Macc. (Schwartz, 1991).“ Auch danach herrschten die Römer noch rund 500 Jahre über Aschkelon. Zuletzt war die Stadt Teil des oströmischen Byzantinischen Reiches. Während der Römisch-Persischen Kriege war die Region von ca. 615 bis 630 n. Chr. von Persern besetzt.

Wichtiges Exportgut war eine Zwiebelsorte, die Schalotten.

Könige von Aschkelon Mitinti I., bis 733 v. Chr. Rukubti, Sohn von Mitinti I., 733 v. Chr. – ? Zidqa, Sohn von Mitinti I. Scharruludari, Sohn Rukubtis, 701 v. Chr. – ? Mittit II., Sohn von Zidqa, ab 679 v. – mindestens 667 v. Chr. Aga, bis 604 v. Chr.

Bibel Aschkelon wird mehrfach in der Bibel erwähnt, z. B. in , wo der Prophet der Stadt die Zerstörung androht: „Und ich will die Einwohner aus Asdod und den, der das Zepter hält, aus Askalon ausrotten und meine Hand wider Ekron kehren, dass umkommen soll, was von den Philistern noch übrig ist, spricht der HERR.“

Mittelalter mini|Karte der Region um Askalon um 1870

Im Rahmen der Islamischen Expansion verloren die Byzantiner Aschkelon nach der Schlacht am Jarmuk 636 an die Araber.

Auch im Mittelalter hatte die Hafen- und Festungsstadt besondere Bedeutung für die Kontrolle des Landweges zwischen Ägypten und Syrien. Nachdem im Verlauf des Ersten Kreuzzuges das Königreich Jerusalem gegründet worden war, blieb Aschkelon gleichwohl noch lange im Besitz der ägyptischen Fatimiden. Zwar wurden die Ägypter 1099 von Gottfried von Bouillon in der Schlacht von Askalon besiegt, die Eroberung der Stadt gelang den Kreuzfahrern aber erst 1153.

Unter Bischof Absalom wurde das Bistum Ascalon eingerichtet und die Grafschaft Jaffa zur Grafschaft Jaffa und Askalon erweitert. 1187 sollten die Kreuzfahrer Askalon im Austausch für die Freilassung ihres Königs, Guido von Lusignan, an Sultan Saladin abtreten, der ihn in der Schlacht von Hattin gefangen genommen hatte. Aber bereits vor der Übergabe des Königs ergab sich die Stadt am 5. September 1187 nach elftägiger Belagerung durch ein Heer Saladins. Auf dem Dritten Kreuzzug wurde die Stadt 1192 durch Richard Löwenherz für das Königreich Jerusalem zurückerobert, doch neun Monate später im Rahmen der Waffenstillstandsvereinbarung mit Saladin wieder zurückgegeben. Während des Kreuzzugs der Barone 1239–1241 wurde Askalon ein letztes Mal für die Kreuzfahrer besetzt, wiederbefestigt und dem Hospitaliterorden übergeben. 1244 wurde die Stadt erfolglos von den Ayyubiden belagert. Im Sommer 1247 begann eine Belagerung durch die Mamelucken, die die Stadt am 15. Oktober 1247 eroberten und weitgehend zerstörten. Das Bistum wurde nach dem endgültigen Ende der Kreuzzüge 1291 bis zum II. Vaticanum als Titularbistum Ascalon vergeben. Die Stadt verfiel im 14. Jahrhundert.

Madschdal In der Nähe der antiken Stadt befand sich seit 1832 die arabische Siedlung Madschdal (auch Majdal geschrieben), die inzwischen ein Stadtteil des modernen Aschkelon geworden ist. Der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 sah vor, dass Madschdal im palästinensisch-arabischen Staat liegen soll. Madschdal hatte vor dem Palästinakrieg rund 10.000 Einwohner. Nach der ägyptischen Invasion stand die Stadt ab dem 24. Mai 1948 unter ägyptischer Kontrolle. Während der Operation Joav (ab 15. Oktober 1948) wurde es von der israelischen Armee aus der Luft und von See bombardiert. Die ägyptische Armee zog sich aus der Stadt zurück, und große Teile der arabisch-palästinensischen Zivilbevölkerung flohen. Als die ersten israelischen Truppen der Givʿati-Brigade den Ort am Abend des 4. Novembers erreichten, befanden sich noch rund 200 Bewohner dort, hauptsächlich Frauen und Kinder; 1000 weitere warteten in den Dünen außerhalb der Stadt auf die Möglichkeit zur Rückkehr. Die Israelis ermöglichten den Menschen zunächst, nach Madschdal zurückzukehren. Am 28. November wies Jigael Jadin das Südkommando an, einen Zensus durchzuführen und diejenigen Personen, die sich nicht am Tag der Eroberung in Madschdal befunden hatten, zu vertreiben. Der Befehl wurde am 1. Dezember ausgeführt; „rund 500 Flüchtlinge“ wurden in den Gazastreifen vertrieben.Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem revisited, S. 471 f. Am 30. November 1948 durchsuchten israelische Truppen die Dörfer rund um und südlich von Madschdal. Sie hatten den Befehl erhalten, die verbliebenen Palästinenser aus Hamama, al Jura, Khirbet Khisas, Ni‘ilya, al Jiyya, Barbara, Beit Jirja, Hirbiya und Deir Suneid in den Gazastreifen zu vertreiben und ihre Dörfer zu zerstören, um eine Rückkehr der früheren Einwohner zu verhindern.Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem revisited, S. 517 f.

Im heutigen Israel