mini|Lichtenthal-Piano, Brüssel, ca. 1830. Im Musikinstrumentenmuseum Brüssel Hermann Lichtenthal (* 1795 in Schlesien; † 15. Oktober 1853 in Sankt Petersburg) war ein Hersteller von Klavieren in Brüssel und später in Sankt Petersburg. Zahlreiche Patente gingen auf seinen Erfindergeist zurück.

Geschichte Lichtenthal öffnete zunächst um 1823 eine Werkstatt in Brüssel auf dem Waterloo-Boulevard 27. Wo er 1830 Bankrott vermelden musste,Olga Lossewa: Die Russlandreise Clara und Robert Schumanns (1844) 2004: – Seite 122, ISBN 978-3-7957-0507-7google.de auch Patentschwierigkeiten für neue Bauarten machten ihm zu schaffen.Erik Fischer (Hg.). Musikinstrumentenbau im interkulturellen Diskurs, Unter Mitarbeit von Annelie Kürsten (Red.), Sarah Brasack (Red.)Franz Steiner Verlag 2006, ISBN 978-3-515-08811-4, S. 46. Darum siedelte er nach Sankt Petersburg um und gründete dort 1840 eine eigene Fabrik, die bald 50 Arbeiter beschäftigte. Einer seiner Handwerkermeister war der aus Thüringen stammende Johann Tresselt, der spätere Eigner der J. Tresselt Pianofortefabrik.Ludwig Damböck: Bericht über die Gewerbe-Ausstellung des Russischen Reichs zu St. Petersburg im Jahre 1849. Gerold, 1849, S. 186 ().

Die Entstehung der Fabrik verdankte Lichtenthal der Russifizierungspolitik Zar Nikolaus’, bis zu dessen Tod im Jahre 1855. Die Gründung der Lichtenthal-Fabrik fiel in diese Modernisierungsphase der russischen Industrie. Restriktive Einfuhrzölle ab 1841 führten zu einem fast unbegrenzten Markt für inländische Instrumente. Weiterhin ermöglichten niedrige Löhne und Steuerersparnisse ein Monopol für in Russland hergestellte Klaviere. Lichtenthal hatte als Neuankömmling in Sankt Petersburg Becker, Tischner und Schröder in der Konkurrenz und ließ in seinem Ausstellungsraum der Fabrik deren Instrumente neben dem seinigen spielen, das in englischer Bauart mit Stoßzungenmechanik lauter und die Töne tiefer spielbar waren. Lichtenthal lud viele populäre Pianisten ein, seine Instrumente zu spielen. 1852 spielte sogar Anton Grigorjewitsch Rubinstein in Lichtenthals Konzertsaal, diese Konzerte kosteten viel Gage, führten aber zu einer signifikanten Steigerung der Verkaufszahlen.Neue Berliner Musikzeitung vom 19. Mai 1852. Gustav Bock Verlag Berlin. Sammelband, S. 167google.de

Um 1885 kulminierte sich das Oberzentrum des russischen Klavierbaus in Sankt Petersburg. Neben Lichtenthals gab es 60 weitere Manufakturen, Reparaturwerkstätten, Klavierhändler sowie größere und kleinere andere Fabriken, die sich dem Klavierbau verschrieben hatten. Bis auf wenige Ausnahmen waren das alles deutschbaltische oder aus Deutschland eingewanderte Instrumentenbauer. Namen wie Schröder, Mühlbach, Tischner, Becker oder Diederichs zierten die Klaviere.

Exponate in öffentlichen Sammlungen im Musikmuseum Moskau in Moskau befindet sich in der Dauerausstellung ein Lichtenthal Flügel. Glinka war einer der berühmtesten Kunden von Lichtenthalmusic-museum.ru Abgerufen am 6. September 2023. im Irkutsker Dekabristen Museum ist ein bespielbarer restaurierter Flügel von Lichtenthalwww-38rus-com.translate.goog Abgerufen am 6. September 2023. Dieser Flügel ist auch ein Zeitdokument für die Verbannung der Dekabristen nach Sibirien, die europäische Kultur, Bildung und Musik ins Nirgendwo brachten.Sophy Roberts: Sibiriens vergessene Klaviere. Auf der Suche nach der Geschichte, die sie erzählen. Zsolnay Verlag, Wien 2020, ISBN 978-3-552-07205-3, S. 6. im Landgut Museum Spasskoje-Lutowinowo des Schriftstellers Iwan Turgenew befindet sich ein Lichtenthal Flügel, den der Schriftsteller besessen hatte.vm1.culture.ru Abgerufen am 7. September 2023.

Einzelnachweise

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