mini|Ein GO 6 in der ausgestellten Antriebseinheit des SVT Kruckenberg Der GO 6 war ein schnelllaufender Dieselmotor der Maybach-Motorenbau GmbH zum Einbau in dreiteilige Schnelltriebwagen der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft und markierte dort den Einstieg in bzw. Umstieg auf dieselhydraulische Antriebe für Triebfahrzeuge.
Aufbau und Bauteile Der Motor ist eine Weiterentwicklung des GO 5, eine detaillierte Beschreibung des Aufbaus ist dort zu finden. Erkenntnisse und Verbesserungen aus dem Betrieb des GO 5 wurden übernommen, so die verstärkte Kurbelwelle mit sechs Gegengewichten und verstärkte Zylinderlaufbuchsen. Neu war der im Zylinderwinkel angeordnete Abgasturbolader, vergrößerte Kolben (Durchmesser 160 mm statt 150 mm), je Zylinder(kopf) zwei Ein- und zwei Auslassventile (statt zuvor je eins) und zentral darin angeordnete Einspritzdüse. Diese Änderungen ermöglichten eine Leistungssteigerung auf 600 PS bzw. 441 kW bei nur geringfügig höherem Gewicht und nahezu unveränderter Grundfläche des Motors.
Motoren mit elektrischer Kraftübertragung wurden über den als Lichtanlassmaschine nutzbaren Hauptgenerator elektrisch gestartet, Motoren mit hydrodynamischem Getriebe hatten mutmaßlich einen Ritzelanlasser. Wie beim Vorgänger konnte der Motor behelfsmäßig auch mit Druckluft gestartet werden. Ein interessantes Foto des einbaufertigen Motors mit hydraulischer Kraftübertragung befindet sich in der Literatur.Heinz R. Kurz "Fliegende Züge", EK-Verlag Freiburg, 1994, ISBN 3-88255-237-9, Seite 37
Technische Daten KenngrößeEinheitWertBemerkung Nennleistung kW 441 = 600 PS Drehmoment bei Nennleistung Nm 3.008 Nenndrehzahl min−1 1.400 Leerlaufdrehzahl min−1 800 Zylinderanzahl 12 Zylinderdurchmesser mm 160 Kolbenhub mm 200 Hubvolumen cm³ 48.255 Verdichtungsverhältnis 13,5:1 ohne Aufladung mittlere Kolbengeschwindigkeit m/s 9,3 mittlerer Arbeitsdruck bar 8,0 Steuerzeit:Einlassventil öffnet °vOT 52 Steuerzeit:Einlassventil Schließt °nUT 28 Steuerzeit:Auslassventil öffnet °vUT 38 Steuerzeit:Auslassventil schließt °nOT 52 Kraftstoffverbrauch g/kWh 242 bei Volllast Ölvorrat l 45 Minimum 25 l Kühlwasserinhalt Motor l 95 Kühlwasserinhalt Kühlsystem l 400 Motormasse kg 2.400 mit Zubehör, ohne Betriebsstoffe Abgasturbolader BBC-Büchi Ansaugvolumen Abgasturbolader m3/min 55,85 bei 20 °C Ladeüberdruck Abgasturbolader bar 0,42 Nenndrehzahl Abgasturbolader min−1 11.300 zulässige Abgastemperatur °C 550
Mit dem Motor zur Auslieferung ausgerüstete Fahrzeuge Die Schnelltriebwagen der Bauart SVT Leipzig, SVT Köln und SVT Kruckenberg wurden mit dem GO 6 erstausgerüstet. Zwei der SVT Leipzig sowie das Einzelstück SVT Kruckenberg erhielten dabei erstmals hydrodynamische Getriebe.
Betriebserfahrungen Anfangs erreichten die GO 6 eine ausbaufreie Laufleistung von 46.000 kmHeinz R. Kurz "Fliegende Züge", EK-Verlag Freiburg, 1994, ISBN 3-88255-237-9, Seite 92, der etwas geringere Wert gegenüber Saugmotoren mit Kurbelwelle und Gegengewichten wird in der Literatur nicht begründet, dürfte aber mutmaßlich auf die höhere Leistung des Motors zurückzuführen sein. Durch Maßnahmen in der Instandhaltung und Konstruktionsänderungen konnten die Motoren der Baureihe GO auf eine störungsfreie Laufleistung von 150.000 Kilometern gebracht werden.MTU Firmenchronik "Vom Zeppelin zum Fliegenden Hamburger", VHC-Video zum 50-jährigen Bestehen des Maybach-Motorenbau, EK-Verlag Freiburg 1988 Für die neu eingeführten Strömungsgetriebe wird im SVT Leipzig anfangs eine ausbaufreie Laufleistung von 50.000 km genannt.Heinz R. Kurz Fliegende Züge, EK-Verlag Freiburg, 1994, ISBN 3-88255-237-9, Seite 82
Weiterentwicklung 1938 wurde mit der Motortype G 6 versuchsweise eine Version mit Vorkammereinspritzung entwickelt. An der Position der Einspritzdüse war die Vorkammer zentral im Zylinderkopf angeordnet. Wie bei den Verbesserungen zuvor wurden auch diese weitergegeben an die Saug- und Reihenmotoren als G 56 von 1938 und G56h von 1939. Ob und in welcher Zahl diese drei Varianten noch vor der kriegsbedingten Stilllegung der Verbrennungstriebwagen eingesetzt wurden, ist unbekannt, jedenfalls hatten die nach Kriegsende entwickelten GTO-Motoren durchgängig Wirbelkammereinspritzung.
Die Maybach-Motorenbau GmbH brachte 1951 mit dem GTO 6 eine grundlegend überarbeitete Weiterentwicklung des GO 6, faktisch eine Neuentwicklung, heraus, mit der die Probleme im Bereich des Kurbeltriebs behoben wurden. Auch diese Änderungen wurden weitergegeben an die Saugmotoren als GTO 56, über den Fortgang bei den Reihenmotoren ist nichts bekannt.
Literatur Heinz R. Kurz "Fliegende Züge", 1994, EK-Verlag Freiburg, ISBN 3-88255-237-9
Weblinks Erwähnung des Motors GO 6 auf dem MTU-Report
Einzelnachweise
Kategorie:Motorenmodell (V-Motor) GO 06 Kategorie:Motorenmodell (Diesel) Kategorie:Schienenfahrzeugtechnik