Die Sonderfahndungsliste G.B. (Sonderfahndungsliste Großbritannien) war ein im Frühjahr 1940 im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zusammengestelltes Verzeichnis mit den Namen und Personalien von 2820 Personen, die im Falle einer erfolgreichen Invasion der britischen Inseln durch die deutsche Wehrmacht von dicht auf die Invasionstruppen folgenden Sonderkommandos der SS systematisch aufgespürt und verhaftet werden sollten.

Angelegt wurde die Liste im Zusammenhang mit der im Frühjahr von der deutschen Militärführung in Erwägung gezogenen Invasion der britischen Inseln durch die Wehrmacht (siehe Unternehmen Seelöwe).

Einige Exemplare der Sonderfahndungsliste wurden 1945 von den alliierten Besatzungstruppen in den Ruinen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) aufgefunden. Im englischsprachigen Raum wurde die Sonderfahndungsliste als the Black Book bekannt (wörtlich „das Schwarze Buch“, vgl. den Ausdruck „Schwarze Liste“).

Hintergrund Die Liste wurde von der Leitung des Reichssicherheitshauptamtes unter Leitung des SS-Geheimdienstexperten Walter Schellenberg zusammengestellt. Grundlage waren Einzelfahndungslisten, die verschiedene Amtsgruppen des Reichssicherheitshauptamts bei Schellenberg einreichten.

Zweck Die Liste wurde dem sogenannten „Informationsheft G.B.“ als Appendix mit einem Umfang von 104 Seiten beigefügt. Das Informationsheft G.B. war ein 144-seitiges Handbuch, das im Falle einer erfolgreich durchgeführten Besetzung der britischen Inseln durch das Deutsche Reich den in Großbritannien zum Einsatz kommenden deutschen Agenten, Besatzungsfunktionären usw. zur Orientierung mitgegeben werden sollte. Insgesamt wurden 20.000 Exemplare des Informationsheftes (und damit der angehängten Sonderfahndungsliste) gedruckt, die jedoch bei einem Luftangriff auf Berlin während der Kriegsjahre verbrannten.

Nach einer erfolgreichen Besetzung der britischen Inseln sollten Sonderkommandos der SS, die dicht auf die Invasionstruppen folgen sollten, Personen, die aus Sicht des deutschen Regimes als besonders wichtig oder gefährlich angesehen wurden, ausfindig machen und in Gewahrsam nehmen. Die Sonderfahndungsliste sollte diesen Kommandos als Checkliste dienen, um Personen, die in Berlin als besonders wichtige Zielpersonen angesehen wurden, besonders schnell und effektiv „abzuarbeiten“. Die Personen auf der Liste waren von der Leitung des RSHA mit besonderer Dringlichkeit gesucht. Die Liste sollte den in Großbritannien operierenden Menschenjagd-Kommandos als Handreichung mitgegeben werden, um es ihnen zu erleichtern, die in ihr angeführten Personen gezielt zu suchen, bzw. sie sollte von diesen genutzt werden, um die in ihr verzeichneten Personen als high-profile-Ziele aus größeren Gruppen von Gefangenen, die nach einer Invasion an vielen Orten gemacht werden würden, herauszufiltern.

Erhaltene Exemplare Zwei Originale der Sonderfahndungsliste wurden nach der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands von alliierten Besatzungstruppen in den Trümmern des Reichssicherheitshauptamtes aufgefunden. Auszüge aus diesen wurden noch 1945 in der britischen Presse veröffentlicht.

Auf diese Weise erfuhren einige der in der Liste verzeichneten Personen, dass sie auf der Schwarzen Liste der Nationalsozialisten gestanden hatten. Der Karikaturist David Low, der Adolf Hitler jahrelang mit ihn verspottenden Zeichnungen, die in britischen Zeitungen veröffentlicht wurden, lächerlich gemacht hatte, quittierte die Mitteilung, dass sich sein Name auf der Liste befinde, beispielsweise mit dem Kommentar: „Das geht schon in Ordnung. Ich hatte sie ja auch auf meiner Liste.“ („That is all right. I had them on my list too.“).„Nazi’s Black List Discovered in Berlin. Booklet of over 2,300 names“, in: Manchester Guardian, 14. September 1945.

Eines der in Berlin aufgefundenen Exemplare befindet sich heute im Imperial War Museum in London. Das Museum veröffentlichte 1989 eine Faksimile-Ausgabe der Liste mit einem erläuternden Vorwort und editorischen Erläuterungen.

Inhalt Gliederung Sonderfahndungsliste G.B. Zur Beachtung! (auf S. 1) [allgemeine Hinweise über den Aufbau des Buchs] Sämtliche in der Sonderfahndungsliste G.B. aufgeführten Personen sind festzunehmen. Inhaltsangabe (auf S. 3) I. Personenverzeichnis, S. 1–232 II. Sachverzeichnis, S. 233–296 III. Ortsverzeichnis, S. 297–376 Erläuterungen (auf S. 4) Die an erster Stelle hinter den Fahndungsangaben aufgeführten Dienststellen geben über die Originalvorgänge Auskunft.

Angaben zu gesuchten Personen mini|Seite 231 der Sonderfahndungsliste G.B. zum Buchstaben Z. Darunter:26. Carl Zuckmayer30. Konrad Zweig31. Stefan Zweig

Die Sonderfahndungsliste enthält in kompakter Form die Namen und weitere Daten zu den gesuchten Personen. Die Namen sind alphabetisch nach Nachnamen sortiert. Neben Angaben zur Funktion bzw. dem Tätigkeitsgebiet der jeweiligen Person enthalten die Einträge auch die Angabe, welches Referat des RSHA an der Person besonders interessiert war und an wen sie daher nach ihrer Verhaftung zu übergeben sei. Der Großteil der verzeichneten Personen hätte an die Amtsgruppe IV (Gestapo) übergeben werden sollen.

Gesuchte Personen Die Liste umfasst zwei Hauptgruppen von Personen: I.) Gesuchte Briten und II.) gesuchte Emigranten aus anderen Ländern, die in Großbritannien vermutet wurden.

Die erste Hauptgruppe besteht aus Einträgen mit den Namen und Daten führender Angehöriger der britischen Regierung, des britischen Parlaments, der britischen Armee und des öffentlichen Lebens in Großbritannien (Journalisten, Schriftsteller usw.), die nach einer Invasion Großbritanniens in Haft genommen werden sollten.

In der zweiten Hauptgruppe fand sich eine größere Zahl von Einträgen zu Emigrantinnen und Emigranten aus dem Deutschen Reich sowie aus den bis 1940 von Deutschland besetzten Staaten Europas, von denen angenommen wurde, dass sie sich in Großbritannien aufhielten. Das RSHA suchte diese Personen zumeist, weil es sie als besonders gefährlich oder wichtig ansah, obschon sie als Geflohene im Regelfall über keine nennenswerten Machtmittel verfügten, die sie gegen den NS-Staat einsetzen konnten.

Die Einträge zu Personen, die aus den ab 1938 von Deutschland besetzten Ländern stammten, umfassten belgische, französische, niederländische, polnische, österreichische und tschechoslowakische Politiker, Militärs usw., denen es gelungen war, sich bei der Besetzung ihrer Heimatländer dem Zugriff der Besatzungsmacht durch Flucht zu entziehen. Bekannte Beispiele hierfür sind der ehemalige tschechoslowakische Regierungschef Edvard Beneš und der französische General Charles de Gaulle.

Die in der Liste verzeichneten Persönlichkeiten aus Deutschland und Österreich waren größtenteils Politiker, Beamte, Journalisten, Kulturschaffende und Wissenschaftler, die in den 1930er Jahren ins Exil in Großbritannien gegangen waren und die den Nationalsozialisten aus ideologischen oder persönlichen Gründen besonders verhasst waren. Gründe für die feindliche Einstellung der Nationalsozialisten diesen Personen gegenüber waren beispielsweise, dass diese den Nationalsozialismus vor 1933 bekämpft hatten oder dass sie (bei Schriftstellern und Künstlern) in ihren Werken Ideen und Werte bzw. (bei Wissenschaftlern) Lehren vertraten, die die Nationalsozialisten als ihrer Ideologie entgegengesetzt betrachteten. Beispiele hierfür sind die Schriftsteller Heinrich Mann und Stefan Zweig, deren Werke in ihrem humanitär-liberalen Geist im Gegensatz zur nationalsozialistischen Weltanschauung standen, und der Psychologe Sigmund Freud, dessen Theorie (die Psychoanalyse) die Nationalsozialisten scharf ablehnten.

Insbesondere in Hinblick auf Wissenschaftler, die als Zielpersonen in der Liste verzeichnet standen, waren häufig, anstatt von ideologischen Gründen, pragmatische Gründe dafür bestimmend, dass diese in die Liste eingetragen wurden. Sowohl britische Wissenschaftler, als auch aus anderen Ländern stammende Wissenschaftler, die in Großbritannien vermutet wurden, waren ins Visier der SS-Nachrichtendienste geraten und auf die Liste gesetzt worden, weil sie als führende Experten auf ihren jeweiligen Gebieten über Know-how verfügten, das von deutscher Seite als kriegsrelevant angesehen wurde. Dies galt zumal für führende Physiker, Biologen und Chemiker sowie für Ingenieure und sonstige Techniker.

Erkennbar lag den Erstellern der Sonderfahndungsliste die 1936 von dem „Emergency Committee in Aid of Displaced German Scholars“ herausgegebene List of Displaced German Scholars vor und wurde von ihnen als Quelle benutzt: Zahlreiche Einträge der Sonderfahndungsliste, die Wissenschaftler betrafen, die aus Deutschland stammten, basierten nämlich ersichtlich auf dieser Publikation. Und zwar in der Weise, dass fast alle in der Displaced German Scholars-Publikation stehenden Personen, in den Einträgen zu welchen eine Adresse des/der Betreffenden in Großbritannien vermerkt ist, als zu verhaftende Personen in die Sonderfahndungsliste übernommen wurden und die in der Displaced German Scholars-Publikation stehende Adresse als ihr vermuteter Aufenthaltsort in die Sonderfahndungsliste übernommen wurde. Infolge dieser schematisch-automatischen Übernahme fast aller Personen aus dem Werk von 1936, zu denen ein Wohnsitz in Großbritannien angegeben wird, finden sich unter den zur Fahndung ausgeschriebenen deutschen Wissenschaftlern auch Forscher, die 1940 (noch) von eher nachrangiger Bedeutung in ihren Forschungsgebieten waren, nämlich junge Forscher, die damals noch am Anfang ihrer Laufbahn standen, und Personen des akademischen Mittelbaus, die es in die Emigration verschlagen hatte.

Weiter sind in der Liste Personen verzeichnet, von denen angenommen wurde, dass sie als Wissensträger über wichtige Kenntnisse zu bedeutsamen Vorgängen oder Projekten verfügten: Neben Personen (v. a. Wissenschaftlern), von denen vermutet wurde, dass sie kriegsrelevante Kenntnisse auf technischem Gebiet (Aufbau und Funktionsweise von Waffen, Kommunikationsmitteln etc.) besaßen, oder Personen, von denen aufgrund ihrer Tätigkeit im Staatsapparat angenommen wurde, dass sie Kenntnisse über aus deutscher Sicht wichtige Vorgänge (geheime Pläne der britischen Regierung etc.) besaßen, fielen in diese Kategorie auch Personen, wie Bankiers, die über den Verbleib von Vermögenswerten befragt werden sollten, die sie verschoben hatten, um sie vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen.

Zuletzt finden sich in der Sonderfahndungsliste auch eine Anzahl von der Öffentlichkeit praktisch unbekannten Namen. Ein Grund, weshalb solche Personen in die Liste aufgenommen wurden, war beispielsweise, das von ihnen angenommen wurde, dass sie sich vor 1939 in Deutschland als britische Agenten betätigt hatten.

In der Liste verzeichnete Personen

Hinweise zur Liste Die nachfolgende Liste wurde durch Rückübersetzung einer fehlerhaften englischen Übersetzung der Sonderfahndungsliste erstellt. Dies hat zur Folge, dass der Text an vielen Stellen nicht mit dem originalen Wortlaut übereinstimmt. Korrekturen und Ergänzungen wurden in eckigen Klammern […] hinzugefügt. Dennoch sind derzeit noch zahlreiche Fehler enthalten. Dies kann auch die Schreibweise von Namen oder das Geburtsdatum betreffen. Im Zweifel ist das originale deutschsprachige Dokument maßgeblich (ein Digitalisat ist unter #Weblinks abrufbar).

Kursiv sind Namen von Personen geschrieben, zu denen so wenig bekannt ist, dass es wahrscheinlich auch künftig keinen Wikipedia-Artikel zu der Person geben wird.