Die Kirche in Olszewo Węgorzewskie () ist eine der 14 ostpreußischen Jubiläumskirchen aus der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie zentrales evangelisches Gotteshaus für das Kirchspiel Olschöwen (1938 bis 1945: Kanitz) und ist heute Römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarrei Olszewo Węgorzewskie.
Geographische Lage Olszewo Węgorzewskie liegt im Nordosten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, drei Kilometer südlich der polnisch-russischen Staatsgrenze und ist von der polnischen Landesstraße DK 63 (einstige deutsche Reichsstraße 131) aus in nordöstlicher Richtung zu erreichen. Eine bis 1945 bestehende Bahnstation an der Bahnstrecke Angerburg–Gumbinnen existiert nicht mehr.
Die Kirche befindet sich im Südosten des Dorfes an der Straße nach Wężówko (Wensowken, 1938 bis 1945 Wensen).
Kirchengebäude miniatur|Die Kirche mit Turm und zusammenhängender Giebelfront Das einstige Olschöwen wurde erst am 1. Juni 1897 Kirchdorf, allerdings ohne eigene Kirche. Bis zum Jahre 1905 gehörte der Ort zur Pfarrkirche in Angerburg (). Allerdings wurden bis dahin in Olschöwen eigene Gottesdienste gehalten, zu denen sich die Gemeinde zunächst in einer Mietwohnung, später in der Schule traf.
Als man im Jahr 1901 das 200-jährige Bestehen des Königreichs Preußen feierte, wurde zu einer Geldsammlung für den Bau von Jubiläumskirchen in Ostpreußen aufgerufen. Der Ertrag reichte für den Bau von drei Kirchen, von denen eine in Olschöwen errichtet wurde.
Die feierliche Grundsteinlegung wurde am 26. Juli 1904 vorgenommen. Es entstand ein Ziegelbau auf FeldsteinfundamentWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen, 1968, S. 88, Abb. 353 und 354., zu dem der Berliner Architekt Oskar Hossfeld den Entwurf lieferte. Die Anlage war asymmetrisch mit abgesetztem Altarraum und einem seitlich gestellten Turm, in dem die vordere Giebelfront fortgeführt wurde.
Der Kircheninnenraum mit seitlicher und Orgelempore erhielt seine farbliche Ausgestaltung durch den Kunstmaler Ballin aus Berlin. Das Hauptschiff ist gewölbt, das Seitenschiff nur flach gedeckt, während die Apsis mit einem Sterngewölbe versehen ist.
Die Kanzel war reich geschnitzt, der Altar eher schlicht gehalten mit einem Kruzifixus, geschaffen von der Firma Gustav Kuntzsch aus Wernigerode,Julius Schnaubert u. a. (Hrsg.): Die Jubiläumskirchen in Ostpreußen. Kunstanstalt Albert Frisch, Berlin 1912, S. 29. auf dem massiven Unterbau.
Die Orgel war ein Werk des Orgelbaumeisters Bruno Goebel aus Königsberg. Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken.
Die Kirche überstand die Weltkriege des 20. Jahrhunderts nur wenig beschädigt. Nach 1945 wurde sie zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen enteignet. Man unterzog sie einer Restaurierung und passte sie im Innern an die liturgischen Erfordernisse römisch-katholischer Gottesdienste an. Unter dem Namen „Kreuzerhöhungskirche“ dient sie heute als Pfarrkirche mit einer Filialkapelle im Nachbarort Ołownik (Launingken, 1938 bis 1945 Sanden).
Kirchen-/Pfarrgemeinde Geschichtliches Im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert kam in der Region Olschöwen der dringende Wunsch nach einer eigenen Kirche auf. Bisher musste man lange Wege bis zur Kreisstadt Angerburg (), nach Engelstein (Węgielsztyn) bzw. Dombrowken (1938 bis 1945: Eibenburg, polnisch: Dąbrówka) bewältigen. Der Wunsch ging anfänglich in Erfüllung, als Olschöwen am 1. Juni 1897 zu einem evangelischen Pfarrdorf erhoben wurde. Noch im selben Jahr übernahm ein Pfarrer seinen Dienst im neu gebildeten KirchspielFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg, 1968, S. 104.. Im Jahre 1905 war die eigene Kirche erstellt und diente den Einwohnern des neun Ortschaften umfassenden Pfarrbezirks als evangelisches Gotteshaus.
Olschöwen war bis 1945 in den Kirchenkreis Angerburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedertWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen, 1968, S. 477.. Im Jahre 1925 zählte das patronatslose Kirchspiel 1500 Gemeindeglieder.
Das Dorf, das 1938 in „Kanitz“ umbenannt worden war, kam 1945 in Kriegsfolge zu Polen und heißt seither Olszewo Węgorzewskie. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließen das kirchliche Leben ersterben. Neue polnische und überwiegend römisch-katholische Bürger siedelten sich an und übernahmen die Kirche als ihr Gotteshaus. Es entstand vor Ort eine neue Pfarrei (), die jetzt zum Dekanat Węgorzewo im Bistum Ełk (Lyck) der Römisch-katholischen Kirche in Polen gehört. Zwischenzeitlich wieder angesiedelte evangelische Kirchenglieder gehören heute zur Kirchengemeinde in Węgorzewo, einer Filialgemeinde der Pfarrei Giżycko (Lötzen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Evang. Kirchspiel (bis 1945) Zum evangelischen Kirchspiel der Kirche Olschöwen (ab 1938: Kirche Kanitz) gehörten die Dörfer und Ortschaften: Name Änderungsname1938 bis 1945 Heutiger Name Alt Gurren Stare Góry Klimken Klimki Lingwarowen Berglingen Łęgwarowo Marienwalde Maryszki Neu Gurren Nowe Góry Olschöwen Kanitz Olszewo Węgorzewskie Petersberg Piotrówko Piontken Waldkerme KasatschjeDie Ortsstelle des heute nicht mehr existenten Dorfes liegt auf russischem Staatsgebiet. Wensowken Wensen Wężówko
Katholische Pfarrei (nach 1945) Zur heutigen katholischen Parafia Olszewo Węgorzewskie gehören die Dörfer: Polnischer Name Deutscher Name Góry Gurren Jakunowo Jakunowen1929–1945: Angertal Olszewo Węgorzewo Olschöwen1938–1945: Kanitz Ołownik Launingken1938–1945: Sanden Pawłowo Paulswalde Pochwałki Sandenfelde Sobiechy Sobiechen1938–1945: Salpen Wężówko Wensowken1938–1945: Wensen Wilkowo Wilkowen1938–1945: Geroldswalde
Pfarrer (bis 1945) In der Zeit der evangelischen Pfarrei Olschöwen (Kanitz) amtierten hier als Geistliche: Hugo Wichmann, 1897 Kurt Rudloff, 1898–1911 Max Monski, ab 1901 Kurt Becker, 1917–1924 Alfred Hüber, 1925–1929 Gerhard Schenk, 1931–1932 Horst Markowski, 1935 Heinz Klein, 1937–1943 Ernst Winter, 1943–1945
Kirchenbücher Die von 1897 bis 1945 geführten Kirchenbücher mit Taufen, Trauungen und Begräbnissen haben den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut 1905 Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Kreuzerhöhungskirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Budry Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Polen