Julian Marcuse (* 1. August 1862 in Posen; † 2. Dezember 1942 im Ghetto Theresienstadt) war ein deutscher Psychiater und Autor.

Leben

Marcuse war der Sohn von Therese Marcuse, geb. Asch, und Josef Marcuse. Julian Marcuse und seine Ehefrau Maria, geb. Kolb, hatten drei Kinder.So die Information der Sterbeurkunde: . Er studierte Medizin und wurde 1887 an der Universität Würzburg promoviert. Im Jahr 1905 begründete er das Sanatorium Ebenhausen, , Website der Inneren Mission München, abgerufen am 3. Januar 2016. dessen ärztliche Leitung er bis zum Jahr 1923 übernahm. Danach praktizierte er als Nervenarzt in München.Isidor Fischer (siehe Literatur), zitiert bei Heiner Fangerau: Das Standardwerk zur menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene von Erwin Baur, Eugen Fischer und Fritz Lenz im Spiegel der zeitgenössischen Rezensionsliteratur 1921–1941. 2000 (Dissertation, Universität Bochum), , S. 82.

Marcuse, der Mitglied im Bund für Mutterschutz und mit Helene Stöcker befreundet war, verfasste zahlreiche Schriften zum Thema Geburtenkontrolle.Verbrannte und Verbannte: https://verbrannte-und-verbannte.de/person/406 (abgerufen am 25. November 2015). In Partenkirchen leitete er um die Jahrhundertwende das Sanatorium Wigger.Helene Stöcker: Lebenserinnerungen. Hrsg. von Reinhold Lütgemeier-Davin und Kerstin Wolff. Köln: Böhlau, 2015, S. 155.

Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde Marcuse im Jahr 1938 die Approbation entzogen. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und ermordet.

Seit Juli 2025 erinnert die Stadt München mit einem Erinnerungszeichen (Wandtafel) in der Pfeuferstraße 20 an das Schicksal Julian Marcuses.

Schriften (Auswahl) Monographien: Hydrotherapie im Altertum. Eine historisch-medizinische Studie. Ferdinand Enke, Stuttgart 1900. Bäder und Badewesen in Vergangenheit und Gegenwart. Eine kulturhistorische Studie. Ferdinand Enke, Stuttgart 1903 (Digitalisat). Technik und Methodik der Hydro- und Thermotherapie (= Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen. Heft 2). Ferdinand Enke, Stuttgart 1907. Luft- und Sonnenbäder (= Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen. Heft 3). Ferdinand Enke, Stuttgart 1907. Geschlechtliche Erziehung in der Arbeiterfamilie. Vorwärts, Berlin 1911. Die Beschränkung der Geburtenzahl, ein Kulturproblem. Reinhardt, München 1913. Die Fruchtabtreibung in Gesetzgebung und ärztlichem Handeln. Pflaum, München 1924. Geburtenregelung, die Forderung der Zeit. Püttmann, München 1928. Warum Geburtenregelung? Abtreibung oder Verhütung? Mittel und Methoden der Verhütung. Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt, Berlin 1930.

Aufsätze: Abraham Kuhn, Professor der Ohrenheilkunde. In: Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. V. Band (1901). Berlin 1903. Geburtenregelung. In: Der sozialistische Arzt. Bd. V (1929), H. 1 (März), S. 15–19 (Digitalisat). Doktrin oder Leben? In: Der sozialistische Arzt. Bd. V (1929), H. 2 (Juni), S. 54–57 (Digitalisat). Arbeitgeberverbände und Krankenkassen. In: Der sozialistische Arzt. Bd. VI (1930), H. 3 (Juli), S. 98 (Digitalisat) IV. Internationaler Kongress für Geburtenregelung. In: Der sozialistische Arzt. Bd. VI (1930), H. 4 (Oktober), S. 181 f. (Digitalisat). Zur Psychologie des Sozialversicherten. Eine Erwiderung. In: Der sozialistische Arzt. Bd. VII (1931), H. 1 (Januar), S. 20–22 (Digitalisat). Die deutschen Gynäkologen und die Geburtenregelung. In: Der sozialistische Arzt. Bd. VII (1931), H. 7 (Juli), S. 184 f. (Digitalisat). Mieczyslaw Epstein †. In: Der sozialistische Arzt. Bd. VII (1931), H. 10 (Oktober), S. 268 f. (Digitalisat). Geschlecht gegen Rasse. In: Der sozialistische Arzt. Bd. VIII (1932), H. 2–3 (Februar–März), S. 54 f. (Digitalisat). Nationalsozialistische Rassenexperimente. In: Der sozialistische Arzt. Bd. VIII (1932), H. 4–5 (April–Mai), S. 76–78 (Digitalisat).

Literatur Isidor Fischer: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten 50 Jahre (1880–1930), Band 2. Urban & Schwarzenberg, Berlin 1933. Richard Kühl: Julian Marcuse. In: Volkmar Sigusch, Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Campus, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-593-39049-9, S. 456–459.

Weblinks

Einzelnachweise

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