Einwanderer aus dänischer Perspektive sind Menschen ausländischer Herkunft, die sich dauerhaft oder zumindest längerfristig in Dänemark niederlassen (). Dies können Flüchtlinge bzw. Asylbewerber, Armutsmigranten, Arbeitsmigranten, Nachzügler im Rahmen von Familienzusammenführungen und andere sein.

Die Einwanderungspolitik in Dänemark ist die Gesamtheit der politischen Leitlinien und Maßnahmen in Dänemark mit Bezug auf die Einwanderung in das Land. Noch in den 1980er Jahren galt die dänische Einwanderungspolitik als eine der liberalsten in Europa. Seit den 1990er Jahren wurde die Einwanderungspolitik immer weiter verschärftJohannes Andersen: Stabil aber nicht hegemonial: Populismus und parlamentarische Demokratie in Dänemark. In: Richard Faber, Frank Unger (Hrsg.): Populismus in Geschichte und Gegenwart. Königshausen & Neumann, 2008, ISBN 978-3-8260-3803-7, S. 131 ff, S. 138. und gilt heute als eine der restriktivsten in Europa.

2024 genehmigte die dänische Regierung lediglich 860 Asylanträge.orf.at

Möglichkeiten der Einwanderung nach Dänemark Es gibt verschiedene legale Möglichkeiten der Einwanderung nach Dänemark: Staatsbürger der Europäischen Union und der Schweiz können sich im Rahmen der EU-Grundfreiheiten bzw. des Assoziierungsabkommens mit der Schweiz bis zu drei Monate in Dänemark aufhalten, ohne dass hierfür weitere Genehmigungen notwendig sind. Danach wird eine Arbeitserlaubnis oder eine sonstige Aufenthaltserlaubnis benötigt (außer bei Staatsbürgern der übrigen nordischen Länder – siehe unten)nyidanmark.dk Staatsbürger der übrigen nordischen Länder (Norwegen, Schweden, Finnland, Island) können sich aufgrund einer entsprechenden Sonderregelung der fünf nordischen Länder ohne weitere Regelungen für unbestimmte Zeit in Dänemark aufhalten und dort arbeitennyidanmark.dk Staatsbürger aus Drittländern (Nicht-EU oder Schweiz) können sich längerfristig bzw. ggf. permanent in Dänemark aufhalten, wenn ihnen Asyl oder ein Aufenthalt aus humanitären Gründen gewährt wird, sie eine Arbeits- oder Studienerlaubnis haben oder aufgrund von Familienzusammenführungen. Daneben gelten einige weitere Sonderregelungen für ausländische Gastwissenschaftler, Au-pair-Mädchen oder Praktikanten. Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 kam es auch zu einer ungeregelten Einwanderung von Flüchtlingen nach Dänemark.

Historische Entwicklung der Einwanderung nach Dänemark Dänemark versteht sich nicht als klassisches Einwanderungsland. Historisch gesehen war Dänemark ein ethnisch, kulturell und sprachlich sehr homogenes Land.Steffen Jöhncke: Integrating Denmark: The Welfare State as a Nationa(ist) Accomplishment, in: Karen Fog Olwig (Hrsg.): The Question of Integration: Immigration, Exclusion and the Danish Welfare State, Cambridge Scholars Publishing, 2011, ISBN 1-4438-2795-9, S. 30 ff., S. 31. Bis Anfang der 1960er Jahre gab es keine nennenswerte Einwanderung. 1759 wanderten deutsche Familien unter anderem aus dem Odenwald und der Bergstraße nach Jütland aus. 59 Familien haben sich mittlerweile mit der örtlichen Bevölkerung vermischt. Die Kolonisten brachten unter anderem die Kartoffel nach Dänemark. Als Folge der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten kamen seit 1945 etwa 250.000 deutsche Flüchtlinge, die jedoch in den Folgejahren nach Deutschland übersiedelten.Karl-Georg Mix: Deutsche Flüchtlinge in Dänemark 1945–1949. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08690-0, Google Books

Die erste signifikante Einwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg bestand aus Flüchtlingen aus osteuropäischen Regimen. So flüchteten etwa 1500 Ungarn vor der sowjetischen Invasion im Jahr 1956 nach Dänemark. Die Zahlen blieben jedoch gering und da gleichzeitig eine Auswanderung aus Dänemark stattfand, war der Migrationssaldo bis 1958 sogar negativ.Nadine Mellis, Erik Magnus Sund: Dänemark. In: Wolfgang Gieler (Hrsg.): Handbuch Europäischer Migrationspolitiken. Die EU-Länder und die Beitrittskandidaten. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7509-1, S. 19.

Die erste Phase nennenswerter Einwanderung nach Dänemark wurde in den 1960er Jahren mit dem Zuzug von Gastarbeitern (Arbeitsmigration) eingeleitet. Ebenso wie andere europäische Länder erlebte Dänemark in den 1960er Jahren einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, aus dem ein erhöhter Bedarf an Arbeitskräften resultierte. Es kamen Gastarbeiter aus der Türkei, Jugoslawien, Pakistan und Marokko nach Dänemark. Außerdem kam es zu einer Zuwanderung von Arbeitskräften aus Westdeutschland.Nadine Mellis, Erik Magnus Sund: Dänemark. In: Wolfgang Gieler (Hrsg.): Handbuch Europäischer Migrationspolitiken. Die EU-Länder und die Beitrittskandidaten. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7509-1, S. 19.

Die Zahl der Einwanderer blieb zunächst allerdings relativ gering. So hielten sich im Jahr 1962 ca. 14.000 Einwanderer in Dänemark auf, im Jahr 1971 war deren Zahl auf ca. 34.500 gestiegen. Aufgrund der zunehmenden Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit der ersten Ölkrise wurde der Zuzug von Gastarbeitern 1973 von der dänischen Regierung gestoppt. Nur noch Einwanderung aus den übrigen nordischen Ländern sowie der EWG war fortan möglich. Viele der Gastarbeiter kehrten nicht wieder in ihre Heimatländer zurück. Sie erhielten in der Regel nach fünf Jahren oder sogar schon früher eine permanente Aufenthaltsgenehmigung. Wer sich seit mindestens fünf Jahren in Dänemark aufhielt, hatte weiterhin ein Anrecht darauf, seine Familie nach Dänemark nachzuholen (Familiennachzug), ein Recht, von dem sie auch Gebrauch machten. Vor allem die Familienzusammenführungen, die etwa ab Mitte der 1970er Jahre einsetzten, führten dazu, dass der Ausländeranteil trotz des Zuwanderungsstopps nicht etwa zurückging, sondern sogar noch stieg. Ein weiterer Faktor war hier die relativ hohe Geburtenrate der Einwanderer.https://img.kb.dk/tidsskriftdk/pdf/gto/gto_0070-PDF/gto_0070_71671.pdf S. 4–5Nadine Mellis, Erik Magnus Sund: Dänemark. In: Wolfgang Gieler (Hrsg.): Handbuch Europäischer Migrationspolitiken. Die EU-Länder und die Beitrittskandidaten. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7509-1, S. 19.Jana Sinram: Pressefreiheit oder Fremdenfeindlichkeit? Der Streit um die Mohammed-Karikaturen und die dänische Einwanderungspolitik. Campus Verlag, 2015, ISBN 978-3-593-50309-7, S. 95–96.

Seit den 1980er Jahren ist die Einwanderung nach Dänemark sowohl aus westlichen wie auch nichtwestlichen Ländern kontinuierlich gestiegen. Einerseits ließen sich immer mehr Arbeitsmigranten aus anderen EU-Ländern in Dänemark nieder, da die EU-Grundfreiheiten die Migration innerhalb der EU erheblich erleichterten. Andererseits kamen auch immer mehr Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und anderen Regionen nach Dänemark, die vor bewaffneten Konflikten in ihren Heimatländern geflohen waren (der Bürgerkrieg im Libanon, der Irak-Iran-Krieg und andere).Malene Fenger-Grøndahl: Den danske indvandrerdebat. Oktober 2013

1983 gab es etwa 60.000 nichtwestliche Einwanderer der ersten und zweiten Generation.Karen Fog Olwig, Karsten Paerregaard: "Strangers" in the Nation, in: Karen Fog Olwig (Hrsg.): The Question of Integration: Immigration, Exclusion and the Danish Welfare State, Cambridge Scholars Publishing, 2011, ISBN 1-4438-2795-9, S. 1 ff., S. 3. In der Dekade von 1985 bis 1994 belief sich die Zuwanderung im Durchschnitt auf etwa 20.000 Personen pro Jahr. 1995 stieg die Zahl wegen des Jugoslawienkriegs kurzzeitig auf fast 40.000 an, um sich in den Jahren bis 2004 bei etwa 30.000 bis 35.000 Einwanderern im Jahr zu stabilisieren. 2005 erreichte die Zahl der Einwanderer erstmals die Marke von 40.000. Im Jahr 2014 kamen fast 65.000 Einwanderer nach Dänemark, dies ist die bislang höchste Zahl an Einwanderern für ein einzelnes Jahr.nyhederne.tv2.dkDeborah Nusche, Gregory Wurzburg, Breda Naughton: OECD Reviews of Migrant Education OECD Reviews of Migrant Education: Denmark 2010. OECD Publishing, 2010, ISBN 978-92-64-08619-7, S. 14.

Im Jahr 2005 betrug der Einwandereranteil an der dänischen Gesamtbevölkerung etwa 7,2 % (389.000 Personen).„International Migration 2006“ (englisch), Vereinte Nationen, Department of Economic and Social Affairs, Population Division. United Nations Publication, Nr. E.06.XIII.6, März 2006. Zum 1. Januar 2014 lebten in Dänemark 476.059 Einwanderer. Bei einer Gesamtbevölkerung von 5,6 Mill. entspricht dies einem Anteil von 11,1 %. Hiervon stammten ca. 199.829 aus westlichen und 276.230 aus nichtwestlichen Ländern.http://www.dst.dk/Site/Dst/Udgivelser/GetPubFile.aspx?id=19004&sid=indv S. 11.

Die Einwandererpopulation in Dänemark ist sehr heterogen. Wichtigste Herkunftsländer nichtwestlicher Migranten sind: Türkei, Irak, Libanon, Pakistan, Somalia. Wichtige europäische Herkunftsländer sind Deutschland, Polen, Norwegen und Schweden.Deborah Nusche, Gregory Wurzburg, Breda Naughton: OECD Reviews of Migrant Education OECD Reviews of Migrant Education: Denmark 2010. OECD Publishing, 2010, ISBN 978-92-64-08619-7, S. 14 f. Ende 2018 wurde ein Gesetz verabschiedet, demzufolge die dänische Staatsangehörigkeit per Einbürgerung nur gegen Handschlag verliehen wird.

Sozioökonomie der Einwanderung Sozioökonomische Indikatoren Immigranten in Dänemark weisen im Durchschnitt einen niedrigeren sozioökonomischen Status auf und sind einem höheren Risiko von Armut oder Arbeitslosigkeit ausgesetzt als autochthone Dänen.Deborah Nusche, Gregory Wurzburg, Breda Naughton: OECD Reviews of Migrant Education OECD Reviews of Migrant Education: Denmark 2010. OECD Publishing, 2010, ISBN 978-92-64-08619-7, S. 7.

Bildung Die schulischen Leistungen von Schülern aus migrantischen Familien bleiben im Durchschnitt hinter den Leistungen dänischer Schüler zurück.Deborah Nusche, Gregory Wurzburg, Breda Naughton: OECD Reviews of Migrant Education OECD Reviews of Migrant Education: Denmark 2010. OECD Publishing, 2010, ISBN 978-92-64-08619-7, S. 7. Schüler aus nichtwestlichen Einwandererfamilien weisen einen deutlich niedrigeren Zensurendurchschnitt auf als dänische Schüler: 6,4 bzw. 7,0 für dänische Schülerinnen bzw. Schüler, 5,0 und 5,4 bei nichtwestlichen Schülerinnen bzw. Schülern. Auffällig ist hierbei, dass es sehr große Unterschiede innerhalb der Gruppe der Schüler mit nichtwestlichem Migrationshintergrund gibt. So schneiden Schüler mit vietnamesischem Hintergrund im Durchschnitt sogar etwas besser ab als Schüler ohne Migrationshintergrund, während Schüler mit nahöstlichem Migrationshintergrund im Durchschnitt besonders schlechte Noten haben (bspw. 4,3 bzw. 4,6 bei türkischem, 4,2 und 4,7 bei libanesischem Migrationshintergrund).http://www.dst.dk/Site/Dst/Udgivelser/GetPubFile.aspx?id=19004&sid=indv S. 8.

Auch beim Ausbildungsniveau liegen Schüler mit nichtwestlichem Migrationshintergrund unter dem dänischen Durchschnitt. Unter den 30-jährigen männlichen bzw. weiblichen Nachkommen der zweiten Generation besitzen 47 % bzw. 64 % eine abgeschlossene Berufsausbildung, bei Dänen und Däninnen betragen die Werte 72 % bzw. 80 %http://www.dst.dk/Site/Dst/Udgivelser/GetPubFile.aspx?id=19004&sid=indv S. 56.

Arbeitslosigkeit Die Teilnahme am Arbeitsmarkt ist bei Personen mit nicht-westlichem Migrationshintergrund geringer ausgeprägt als bei Dänen. Gegenüber der autochthonen Bevölkerung zwischen 16 und 64 Jahren weist die Gruppe der nichtwestlichen Einwanderer bzw. Nachkommen derselben zwischen 16 und 64 Jahren ein um 38 % niedrigeres Beschäftigungsniveau auf. Bei den Einwanderern aus westlichen Ländern liegt die Unterbeschäftigung gegenüber der einheimischen Bevölkerung bei 20 %.http://www.dst.dk/Site/Dst/Udgivelser/GetPubFile.aspx?id=19004&sid=indv S. 31.

Abhängigkeit von öffentlichen Versorgungsleistungen