Der Landkreis Sinsheim war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Geographie

Lage Der Landkreis Sinsheim lag im Nordwesten Baden-Württembergs.

Geographisch hatte er überwiegend Anteil am nördlichen Kraichgau. Die Kreisstadt lag etwa in der Mitte des Landkreises.

Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Nordwesten Heidelberg, Mosbach, Heilbronn, Vaihingen, Karlsruhe und Bruchsal.

Geschichte Das Gebiet des Landkreises Sinsheim gehörte vor 1803 überwiegend zur Kurpfalz. Dann kam es an das Land Baden, das 1806 zum Großherzogtum erhoben wurde. Es entstanden Ämter und so auch 1813 das Bezirksamt SinsheimGroßherzoglich Badisches Regierungsblatt Nr. XXII vom 30. Juli 1813, S. 137, das mit dem benachbarten Bezirksamt Neckarbischofsheim den überwiegenden Teil des späteren Landkreises Sinsheim abdeckte. 1840 wurde Sinsheim und das benachbarte Amt Eberbach zu Großherzoglich-Badisch-Fürstlich-Leiningischen Bezirksämtern erhoben. Gleichzeitig wurde für die Fürstlich-leiningischen Orte das Bezirksamt Hoffenheim eingerichtet, das jedoch bereits 1849 wieder aufgelöst wurde. 1864 wurde das Bezirksamt Neckarbischofsheim aufgelöst und sein Gebiet dem Bezirksamt Sinsheim zugeordnet, das zum Landeskommissärbezirk Mannheim gehörte. 1924 wurde das Bezirksamt Eppingen aufgelöst und ein Teil der Orte kam zum Bezirksamt Sinsheim. Wie alle badischen Bezirksämter erhielt das Bezirksamt Sinsheim 1939 aufgrund des „Gesetzes über die Landkreisselbstverwaltung“ die Bezeichnung Landkreis Sinsheim.

Der Landkreis Sinsheim kam 1945 mit dem nördlichen Teil des alten Landes Baden zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis Sinsheim zum Regierungsbezirk Nordbaden. Durch die Gemeindereform ab 1970 veränderte sich das Kreisgebiet in drei Fällen. Am 1. September 1971 wurde die Gemeinde Landshausen dem Landkreis Bruchsal zugeordnet, weil sie am gleichen Tag Teil der neu gebildeten Stadt Kraichtal wurde. Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Eichelberg und Tiefenbach in die Gemeinde Östringen eingegliedert und gehörten damit ebenfalls zum Landkreis Bruchsal.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Sinsheim schließlich aufgelöst. Der nördliche Teil und mit ihm die Kreisstadt Sinsheim wurde dem neu gebildeten Rhein-Neckar-Kreis, der südliche Teil dem Landkreis Heilbronn zugeordnet. Sechs Gemeinden kamen zum Landkreis Karlsruhe. Rechtsnachfolger des Landkreises Sinsheim wurde der Rhein-Neckar-Kreis.

Einwohnerentwicklung Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Einwohner 17. Mai 1939 51.550 31. Dezember 1945 63.417 13. September 1950 79.015 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 76.202 27. Mai 1970 88.254

Der starke Anstieg der Bevölkerung während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ist dem Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen geschuldet. Da während des Krieges der männliche Zustrom durch Verlagerungsverluste unter der männlichen Bevölkerung nahezu ausgeglichen wurde, während im selben Zeitraum von 1939 bis 1945 die weibliche Bevölkerung um rund 40 % zunahm, bestand in der Folgezeit ein deutlicher Frauenüberschuss.

Politik Landrat Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Bezirksamts bzw. Landkreises Sinsheim 1813–1972:

Wappen Das Wappen des Landkreises Sinsheim zeigte in Gold einen rot bewehrten, schwarzen Adler, belegt mit einem von Gold und Schwarz gespaltenen Brustschild, darin vorne ein roter Schrägbalken, hinten ein rot gekrönter, rot bewehrter und rot bezungter goldener Löwe. Das Wappen wurde dem Landkreis Sinsheim am 17. Mai 1956 durch das Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.

Das Wappen spiegelt die historischen Herrschaftsverhältnisse im Kreisgebiet wider. Der Adler symbolisiert die Reichsritterschaft Kraichgau, zu der einige Gemeinden des Kreises bis 1803 gehörten. Der Großteil gehörte jedoch zur Kurpfalz. Daher ist der kurpfälzisch-bayerische Löwe abgebildet. Der Schrägbalken ist dem badischen Wappen entnommen. Er wird auch im Eppinger Stadtwappen geführt, der zweitgrößten Stadt des Kreises.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Deutz-Traktor mit historischem Kennzeichen für den Landkreis Sinsheim, SNH Neben der Bundesautobahn 6 Mannheim-Heilbronn führen die Bundesstraßen 39, 45 und 292 durch das ehemalige Kreisgebiet. Bei der Schiene sind die Elsenztalbahn und die Bahnstrecke Steinsfurt–Eppingen zu nennen.

Gemeinden Zum Landkreis Sinsheim gehörten ab 1938 zunächst 52 Gemeinden, davon 4 Städte. 1945 wurde von der amerikanischen Besatzung die Stadt Bad Wimpfen, die bis dahin zu Hessen gehörte, dem Landkreis Sinsheim zugeordnet, doch kam diese 1952 auf Wunsch der Bevölkerung zum Landkreis Heilbronn.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang machte im Landkreis Sinsheim die Gemeinde Flinsbach, die sich mit Wirkung vom 1. Januar 1970 mit der Gemeinde Helmstadt vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Sinsheim schließlich am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Die größte Gemeinde des Landkreises war die Kreisstadt Sinsheim. Die kleinste Gemeinde war Bockschaft.

In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Sinsheim vor der Gemeindereform. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde heutiger Landkreis Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Adelshofen Eppingen Heilbronn 904 1009 Adersbach Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 363 349 Babstadt Bad Rappenau Heilbronn 574 548 Bad Rappenau Bad Rappenau Heilbronn 3899 5404 Bargen Helmstadt-Bargen Rhein-Neckar-Kreis 701 893 Berwangen Kirchardt Heilbronn 845 898 Bockschaft Kirchardt Heilbronn 115 110 Daisbach Waibstadt Rhein-Neckar-Kreis 748 920 Dühren Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 1112 1178 Ehrstädt Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 425 434 Eichelberg Östringen Karlsruhe 438 567 Eichtersheim Angelbachtal Rhein-Neckar-Kreis 1027 1384 Elsenz Eppingen Heilbronn 1580 1591 Epfenbach Epfenbach Rhein-Neckar-Kreis 1682 1931 Eppingen Eppingen Heilbronn 5501 6708 Eschelbach Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 1551 1787 Eschelbronn Eschelbronn Rhein-Neckar-Kreis 1973 2253 Flinsbach Helmstadt-Bargen Rhein-Neckar-Kreis 444 – Gemmingen Gemmingen Heilbronn 2017 2458 Grombach Bad Rappenau Heilbronn 866 941 Hasselbach Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 235 235 Helmstadt Helmstadt-Bargen Rhein-Neckar-Kreis 2110 2293 Hilsbach Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 1479 1521 Hoffenheim Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 2081 2469 Ittlingen Ittlingen Heilbronn 1600 1665 Kirchardt Kirchardt Heilbronn 1755 1952 Kürnbach Kürnbach Karlsruhe 1851 2096 Landshausen Kraichtal Karlsruhe 807 824 Michelfeld Angelbachtal Rhein-Neckar-Kreis 1710 1912 Mühlbach Eppingen Heilbronn 1467 1701 Neckarbischofsheim Neckarbischofsheim Rhein-Neckar-Kreis 2546 2843 Neidenstein Neidenstein Rhein-Neckar-Kreis 1092 1346 Obergimpern Bad Rappenau Heilbronn 1268 1333 Reichartshausen Reichartshausen Rhein-Neckar-Kreis 1226 1457 Reihen Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 1407 1443 Richen Eppingen Heilbronn 1154 1240 Rohrbach am Gießhübel Eppingen Heilbronn 1027 1176 Rohrbach bei Sinsheim Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 889 1051 Siegelsbach Siegelsbach Heilbronn 1224 1409 Sinsheim Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 6532 8056 Stebbach Gemmingen Heilbronn 668 717 Steinsfurt Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 2103 2266 Sulzfeld (Baden) Sulzfeld Karlsruhe 3385 4121 Tiefenbach Östringen Karlsruhe 805 833 Treschklingen Bad Rappenau Heilbronn 361 429 Untergimpern Neckarbischofsheim Rhein-Neckar-Kreis 579 582 Waibstadt Waibstadt Rhein-Neckar-Kreis 3151 3776 Waldangelloch Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 1070 1199 Weiler Sinsheim Rhein-Neckar-Kreis 1167 1365 Wollenberg Bad Rappenau Heilbronn 238 225 Zaisenhausen Zaisenhausen Karlsruhe 1394 1641 Zuzenhausen Zuzenhausen Rhein-Neckar-Kreis 1500 1715

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen SNH zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1972 ausgegeben. Ab dem 01. Oktober 2026 kann es für im Rhein-Neckar-Kreis zugelassene Fahrzeuge wieder anstelle des Kennzeichens HD ausgegeben werden.

Literatur Landkreis Sinsheim. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 13). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1965. PDF-Datei, 4,8 MB

Weblinks

Einzelnachweise

Sinsheim Kategorie:Geschichte (Rhein-Neckar-Kreis) Kategorie:Sinsheim Sinsheim Kategorie:Aufgelöst 1973