Karl Gottlieb Pfander (* 3. November 1803 in Waiblingen, Württemberg;Clinton Bennett: The Legacy of Karl Gottlieb Pfander. In: International Bulletin of Missionary Research. Band 20, Nr. 2, April 1996, S. 76–81, doi:10.1177/239693939602000207 (scribd.com). † 1. Dezember 1865 in Richmond, London) war ein deutscher evangelischer Missionar, der zunächst im Auftrag der Basler Mission, anschließend für die britische Church Mission Society arbeitete. Er sah seine Lebensziele darin, nebst der Bibel auch den Koran zu studieren, Muslimen historisches und theologisches Wissen in ihren Sprachen weiterzugeben und sie für den christlichen Glauben zu gewinnen.About Pfander, Pfander Center For Apologetics & Polemics, Website pfandercenter.org (2024, englisch, abgerufen am 19. September 2026)
Leben Karl Gottlieb Pfander wurde als eines von neun Kindern eines Bäckermeisters in Waiblingen geboren, wo pietistische Einflüsse beispielsweise von Johann Albrecht Bengel und Friedrich Christoph Oetinger die Familie und das Alltagsleben prägten. 1815, mit zwölf Jahren besuchte er zunächst eine Lateinschule, wurde konfirmiert, lernte das Bäckerhandwerk, und er erhielt ab 1819 eine Ausbildung in der neu errichteten Brüdergemeinde Korntal. Von 1821 bis im März 1825 ließ er sich an der Evangelischen Missionsgesellschaft in Basel zum Missionar ausbilden und lernte in dieser Zeit Persisch, Türkisch und Arabisch.
Nach seiner Ordination 1825 zum evangelisch-lutherischen Geistlichen wurde er nach Schuscha im transkaukasischen Bergkarabach entsandt, um Missionar Felician Martin von Zaremba zu unterstützen. Bis 1829 wandte er sich der Missionierung der islamischen Minderheit zu, während andere Mitarbeiter der Basler Mission ihren Schwerpunkt auf die Reform der Armenisch-Apostolischen Kirche legten. Armenische Geistliche, die ihren Einfluss schwinden sahen, bewirkten ein Verbot evangelischer Mission durch den Generalgouverneur von Grusien, General von Rosen, und auch beim Kaiser Nicolaus, der am 5. Juli 1835 einen entsprechenden Erlass veröffentlichte.
Nach einer zweijährigen Zusammenarbeit mit Anthony Norris Groves in Bagdad und einem kurzen Aufenthalt in Konstantinopel wurde er 1838 von der CMS nach Britisch-Indien geschickt, wo er seine Missionstätigkeit zuerst in Kalkutta und ab 1841 in Agra aufnahm. Hier erwarb er sich Bekanntheit durch einen öffentlichen Disput mit dem sunnitischen Gelehrten Rahmatallāh al-Kairānawī im April 1854. Der britische Kolonialbeamte und Islamwissenschaftler William Muir beschrieb das Streitgespräch zwischen Pfander und Kairanawi, bei dem unter anderem die Bedeutung des Barnabasevangeliums zur Sprache kam, unter dem Titel The Mohammedan Controversy im Jahre 1897.
1857 wurde er vom Erzbischof von Canterbury zum Doktor der Theologie ernannt. Nach einem dreijährigen Einsatz ab 1855 in Peschawar wurde er 1858 von der CMS nach Konstantinopel entsandt. Denn hier hatte der englische Gesandte Stratford-Canning den Sultan dazu bewegen können, einen Erlaß Hat Humajum auf freie Religionsausübung zu erteilen. Infolge Pfanders missionarischen Tätigkeiten und der Taufe eines Muslims 1862 wurde er, zusammen mit weiteren Missionaren, verhaftet und gefangen genommen. Nachdem der Konsul von Großbritannien die Entlassung der Gefangenen erwirken konnte, verbot das Osmanische Reich die Fortführung der evangelischen Tätigkeiten. Die britische Missions- und Bibelgesellschaft vor Ort wurden geschlossen und ihre Schriften verboten, konfisziert und teilweise vernichtet.
Pfander zog sich nach England zurück und ließ sich in Richmond bei London nieder, der Heimatstadt seiner zweiten Frau, wo er 1865 starb.
Werk Als sein Hauptwerk gilt die apologetische Schrift Mizan al-Haqq, die er aus dem deutschen Original unter dem Titel „Waage der Wahrheit“ übersetzt hatte und im Rahmen seiner Tätigkeit in weitere Sprachen übertrug, so 1831 ins Armenische, 1832 ins Türkische, 1835 ins Arabische und 1840, 1843 und 1850 in Urdu.Pfander, Carl, Gottlieb (b. Wurttemberg 1803-1865). Website faculty.ucmerced.edu (englisch, abgerufen am 19. September 2026) Spätere Ausgaben des Mizan referenzierte er mit Auszügen aus Gustav Weils biographischen Arbeiten über Mohammed. Nach seinem Tod 1878 konnte sein türkisches Neue Testament bei Bodlein Library Oxford in London erscheinen.Pfander, Carl, Gottlieb (b. Wurttemberg 1803-1865). Website faculty.ucmerced.edu (englisch, abgerufen am 19. September 2026)
Familie Pfander war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, Sophia Reuss aus Deutschland, heiratete er im Juli 1834 in Moskau, sie starb zehn Monate später in Schuscha im Kindbett. Mit seiner zweiten Frau, der Engländerin Emily Swinburne, die er 1841 in Kalkutta heiratete, hatte er drei Söhne und drei Töchter.
Ehrungen 1997 wurde in England zu Ehren von Pfander und seinen pionierhaften Verdienste ein Zentrum für Apologetik und Auseinandersetzung mit dem Islam gegründet. Es verfolgt gleiche Ziele, die Pfander bereits vor etwa 150 Jahren umgesetzt hatte: Studium aller relevanten Teile des Islams und des Christentums. Aufarbeitung, Kenntnisse und Weitergabe aller wesentlichen historischen und theologischen Inhalte. Christen sind so auszubilden, dass sie das Evangelium verständlich an Muslime weitergeben können.About Pfander, Pfander Center For Apologetics & Polemics, Website pfandercenter.org (2024, englisch, abgerufen am 19. September 2026)
Literatur
David A. Kerr: Pfander, Karl Gottlieb (1803–1865). In: Gerald H. Anderson: Biographical Dictionary of Christian Missions. 1999, S. 532 (). Clinton Bennett: The Legacy of Karl Gottlieb Pfander. In: International Bulletin of Missionary Research Band 20, Nr. 2, April 1996, doi:10.1177/239693939602000207, S. 76–81. Atanas Damianov: Die Arbeit der "Deutschen Orient-Mission" unter den türkischen Muslimen in Bulgarien von Anfang des 20. Jahrhunderts. 2003, S. 43, Anmerkung 138 (books.google.de Teilansicht). Adolf Dilger: Basler Missionsgesellschaft. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. Band 1: A–C. 3., völlig neu bearbeitete Auflage, J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1957, Sp. 914–916 ( – Leseprobe);Lexikon für Theologie und Kirche. Band 2: Barontus–Cölestiner. Herder, Freiburg 1958, Sp. 47–48 (). Christoph Friedrich Eppler: Geschichte der Gründung der armenisch-evangelischen Gemeinde in Schamachi. Basel 1873. Christoph Friedrich Eppler: Karl Gottlieb Pfander. Ein Zeuge der Wahrheit unter den Bekennern des Islam. Verlag der Missionsbuchhandlung, Basel 1888 (Dissertation London 1883). Hermann Goltz (Hrsg.): Deutschland, Armenien und die Türkei 1895–1925, Dokumente und Zeitschriften aus dem Dr. Johannes-Lepsius-Archiv, Drei Teilep, Saur, München 1998–2004. Teil 3: Thematisches Lexikon zu Personen, Institutionen, Orten, Ereignissen; zusammengestellt und verfasst von Hermann Goltz und Axel Meissner, Saur, München, ISBN 3-598-34409-0, S. 406 (books.google.de Teilansicht).
Hans J. Münk, Michael Durst: Christliche Theologie und Weltreligionen: Grundlagen, Chancen und Schwierigkeiten des Dialogs heute. 2003 (books.google.de Teilansicht). Gordon D. Nickel: Karl Gottlieb Pfander. In: Christian Muslim Relations Online II. Brill 2016–2025. Gordon D. Nickel: Life and writings of Karl Gottlieb Pfander. In: Christian-Muslim Relations: A Bibliographical History. Band 24: South Asia (1800–1914). 2026, ISBN 978-90-04-54360-7, doi:10.1163/9789004543607 (academia.edu) Christine Schirrmacher: Mit den Waffen des Gegners. Christlich-muslimische Kontroversen im 19. und 20. Jahrhundert; dargestellt am Beispiel der Auseinandersetzung um Karl Gottlieb Pfander „Mîzân al-ḥaqq“ und Raḥmatullâh Ibn Halîl al-ʿUtmânî al-Kairânawîs „Izhâr al-ḥaqq“ und der Diskussion über das Barnabasevangelium (= Islamkundliche Untersuchungen 162). Klaus Schwarz Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-87997-205-2 (Inhaltsverzeichnis),. Samuel Marinus Zwemer: Karl Gottlieb Pfander, 1841–1941. In: The Muslim World. Band 31, Nr. 3, Juli 1941, S. 217–226, doi:10.1111/j.1478-1913.1941.tb00929.x.
Weblinks Pfander, Carl, Gottlieb (b. Wurttemberg 1803-1865). Website faculty.ucmerced.edu (englisch). About Pfander, Pfander Center For Apologetics & Polemics, Website pfandercenter.org (2024, englisch).
Einzelnachweise
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