mini|Jocelyne Saucier auf dem Eden Mills Writers' Festival, Guelph 2015 Jocelyne Saucier (geboren am 27. Mai 1948 in Clair, Provinz New Brunswick)L’Île, L’Infocentre littéraire des écrivains québécois ist eine kanadische Schriftstellerin französischer Sprache. Sie lebt seit 1961 in Rouyn-Noranda im Westen der Provinz Québec.

Leben und Werk Saucier studierte Politische Wissenschaften an der Université Laval mit dem Abschluss Baccalauréatin Kanada, wie in Belgien, ein akademischer Abschluss, nicht wie im Mutterland Frankreich lediglich ein höherer Schulabschluss wie das deutsche Abitur und arbeitete dann als Journalistin in Abitibi. Ihr erster Roman La vie comme une image erschien 1996, der zweite Les héritiers de la mine 2001. Im Jahr 2006 publizierte sie Jeanne sur les routes. Einen unveröffentlichten Kinderroman hat sie 2007 zum Theaterstück umgeschrieben.

Sieglinde Geisler sieht in der NZZ am Sonntag eine Gemeinsamkeit der beiden bis 2019 auf Deutsch erschienenen Romane Sauciers:

Saucier ist Mitglied der „Union des écrivains du Québec“ (Schriftstellerverband der Provinz Quebec).

Ein Leben mehr (französisches Original Il pleuvait des oiseaux) Ihr Roman, 2011 in Französisch erschienen, wurde in Kanada für vierzehn Literaturpreise nominiert.Liste in der französischen Wikipedia zum Lemma Jocelyne Saucier Er liegt seit 2015 in Deutsch, ferner in anderen Sprachen vor.Niederländisch: Het regende vogels. Übers. Marianne Kaas. Meridiaan, Amsterdam 2015, ISBN 90-488-2216-5; Englisch: And the Birds Rained Down. Übers. Rhonda Mullins. (Für Nordamerika:) Coach House, Toronto 2012, ISBN 1-55245-268-9; (für Europa:) Coach House, London 2013, ISBN 1-55245-268-9 ; in Schwedisch: Det regnade fåglar. Übers. Magdalena Sørensen. Tranan, Stockholm 2013, ISBN 91-87179-04-0. Spanisch: Y llovieron pájaros Übers. Luisa Lucuix Venegas. Editorial Minuscula, 2018.

Die Erzählstränge des Romans sind der große Brand in Kanada 1916, das Matheson Firevgl. :en:Matheson Fire und , und , frz., einer von vielen Rodungsbränden jener Zeit, die zahlreiche Todesopfer forderten, illustriert an der Person eines Überlebenden, der gerade jetzt (also um das Jahr 2000) verstorben ist und viele gemalte Bilder hinterlassen hat; das Verschwinden von Aussteigern hohen Alters in den "Untiefen", dem Dickicht der kanadischen Wildnis, sie sind vom Leben gezeichnet, "lustvolle Einsiedler", die sich keinen Zwängen mehr unterwerfen, als der Härte und Intensität der freien Natur. Sie leben wie außerhalb von Raum und Zeit, in Freiheit und Staatsferne, jeder in einer eigenen Waldhütte. Nur ihre Erinnerungen an die alte Zeit, als sie damals noch in der Zivilisation lebten, sind noch da. Dem Tod gegenüber sind sie gelassen, sie spüren seine Nähe, sie spielen fast mit ihm, schicken ihn bisweilen fort. Ihr Zusammentreffen an diesem Ort ist eher zufällig, sie beginnen hier gleichzeitig ein "neues Leben",vgl. den Buchtitel indem sie das alte weit hinter sich lassen. Ihre Lebensader zur Außenwelt bilden zwei jüngere Männer, welche die technische Ausrüstung dazu haben. Sie sorgen auch dafür, dass die gesetzlichen Renten der Uralten diese erreichen.

eine Liebesgeschichte im Kreis ebendieser alten Männer, mit einer ebenfalls alten Frau, die dem psychiatrischen Zwangssystem des Staates nach vielen Jahrzehnten glücklich entkommen ist, die also ebenfalls aus dem "normalen" Leben verschwunden ist und ein neues Leben beginnt. Zum ersten Mal sieht sie einen Elch in seiner natürlichen Umgebung. und das auf lange Dauer angelegte Projekt einer jüngeren Fotografin, die gemalten Bilder des Überlebenden von 1916 und ihre eigenen Fotografien alter Menschen, die überwiegend zum Kreis der Überlebenden von großen Bränden gehören und inzwischen verstorben sind, in Toronto auszustellen, was ihr letztlich auch gelingt. Sie sammelt Gesichter und Geschichten aus der Zeit der großen Brände, will Zeitgenossenschaft ermöglichen.

Der Roman beschreibt das Leben der früher drei, nun noch zwei, knapp 90-jährigen Aussteiger im Wald, wozu auch der versteckte, illegale Anbau von Marihuana gehört. Der ruhige Tonfall des Romans spiegelt die abgeklärte Ideenwelt der alten Leute wider, auch ihre Beschäftigung mit dem Tod, den sie möglicherweise in nächster Zeit zu gewärtigen haben. Eine Strychnindose in jeder der Waldhütten markiert ihre Freiheit, ihrem Leben zu jenem Zeitpunkt ein Ende zusetzen, den sie selbst bestimmen. Saucier stellt vor allem die Idee menschlicher Freiheit dar, im Leben wie im Sterben. Das Symbol dieser Freiheit ist die Natur Nord-Kanadas, in ihrer Großartigkeit, aber auch Gefährlichkeit.Online "Der Roman greift die Großen Brände auf, ein Kunstgriff, der mit der Geschichte wenig zu tun hat, um eine eingängige moderne Parabel zu zeichnen, eine Parabel über die Freiheit und das Überleben durch Gegenseitigkeit und Wechselbeziehungen."

Radio Canada beurteilt das Buch aus Anlass des "Prix des lecteurs 2012", den es ihm verliehen hat:"Das Buch erzählt die Geschichte dreier altgewordener Freunde. Sie haben der übrigen Welt den Rücken gekehrt und sich im Wald vergraben. Saucier: Es ist ein Roman, der im Ton einem Märchen ähnelt. Es handelt von der Freundschaft, der Freiheit, vom Alter, vom Tod"

Die Autoren-Kollegin Marie Laberge meint zu diesem Buch:"Natürlich sehen wir in diesem Buch eine großartige Stylistin am Werk. Aber vor allem sehen wir ein grenzenloses Mitleiden mit der Menschheit und einen grenzenlosen Wunsch, den wahren Grund des Lebens zu erkennen... Es ist der Norden (Kanadas), aus dem ich Anregungen schöpfe. Wenn man diesen Geist der Freiheit fühlt, dann deshalb, weil es immer noch ein Neuland ist, in dem alles möglich ist."

Saucier betont, dass das Hauptthema des Buches das Altern darstellt"Wir sollten den Tod nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich hege die Befürchtung, dass allmählich alte Menschen den Eindruck erhalten, sie hätten kein Recht mehr auf das Leben, ja, dass man sie spüren lässt, es sei irgendwie unpassend, dass sie noch da sind. Altwerden ist ein Vorrecht, ein Vorrecht in reichen Ländern. Und überall gibt es Menschen, die sterben, ohne ihr Leben gelebt zu haben.

Die erste Hälfte des Buchs bilden Kapitel, in denen die Stimme je einer anderen Figur spricht; in der 2. Hälfte gibt es hingegen einen auktorialen Erzähler. Die deutsche Übersetzung Sonja Fincks wird von der ungenannten Rezensentin im Westdeutschen Rundfunk, WDR 5, als "sprachmächtig" besonders gelobt. Die Rezensentin in WDR 3 bezeichnet den Roman als packend, berührend und faszinierend in seiner Darstellung des Altwerdens.siehe Weblinks

Einige Motive des Romans erinnern deutlich an Henry David Thoreaus Roman Walden aus dem 19. Jahrhundert, insbesondere das Aussteiger-Motiv in einer Waldhütte und die kritische Sicht auf staatliche Organe, welche das freie Individuum viel zu stark einschränken.

Werke (in Deutsch) Ein Leben mehr. Roman. Übers. Sonja Finck. Insel, Frankfurt 2015, ISBN 3-458-17652-7 TB 2017, ISBN 978-3-458-36189-3 (Original: Il pleuvait des oiseaux. XYZ, Montréal 2011; Gallimard, Paris 2015) Hörbuch: 5 CDs Steinbach sprechende Bücher, 2015. Stimmen Wolfgang Berger, André Eckner, Beate Rysopp ISBN 3-86974-224-0. Deutsche Hörspiel-Fassung: Geschichten des Überlebens, durch Deutschlandfunk Kultur, Regie: Andreas Jungwirth; Sounds: Ulrich Lampen; Stimmen: Cristin König, Katharina Matz, Günter Lamprecht, Tilo Prückner, Oliver Stokowski, Matthias Matschke; Komposition: Bert Wrede; Ton: Alexander Brennecke. Produktion 2017, Dauer 70 min, Ursendung 28. Mai 2017 Die englische Übersetzung durch Rhonda Mullins erhielt den Governor General’s Literary Award in der Sparte "Translation: French to English", 2015 Übers. Sonja Finck, Frank Weigand: Niemals ohne sie. Insel, Frankfurt 2019 (Les héritiers de la mine, Éd. XYZ, 2001) Hörbuch: Niemals ohne sie. Random House Audio, 2019, 370 min. (Ungekürzt) Stimmen Devid Striesow, Claudia Michelsen, Anna Thalbach, Sabin Tambrea, Robert Stadlober, Benno Fürmann Englische Übers. Rhonda Mullins: Twenty-One Cardinals. Coach House Books, 2015

Rezensionen (in Deutsch)

Thomas Steinfeld: Kanadischer Roman: Einsame Spitze. Jocelyn Saucier entzündet Signalfeuer der Freiheit und erzählt von der Souveränität des Alters unter den Bedingungen der Wildnis. Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2015 Umfassende Rezension Ulrike Köhler: "Ein Leben mehr". auf der Website "Literaturtipps""Die Erinnerungen an die Großen Brände hängen noch immer über den nordkanadischen Wäldern, in denen drei alte Männer Zuflucht vor der Welt gefunden haben. Unter ihnen eine Legende, Ed Boychuck, der Junge, der durch die Flammen lief. Die Fotografin kennt die Geschichten und Gesichter der letzten Überlebenden der Tragödie. Als sie und eine alte Dame, ein zerbrechliches Vögelchen, in die Gemeinschaft der rauen Männer aufgenommen werden, geschieht ein Wunder aus Liebe und Hoffnung. „Ein Leben mehr“ ist ein kleines Buch von bezaubernder Wärme und Herzlichkeit..." Sophie Weigang: Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr. Auf der Website Literaturen Bories vom Berg: Wenn es Vögel regnet. Literaturzeitschrift, 11. Mai 2017 Jennifer Dummer: Ein Leben mehr. Zur Buchmesse Frankfurt 2020/2021: Rezension, auf "quelesen. Literatur aus Quebec", Oktober 2020

Preisträgerin (Auswahl) für Il pleuvait des oiseaux Canada Reads/Le combat des livres, Radio Canada, französische Sparte, 2013.Das Format besteht in beiden Sprachversionen aus der Bekanntgabe von fünf Buchtiteln zur öffentlichen Diskussion im Januar eines Jahres und einer Fernsehdiskussion, mit wechselnden Teilnehmern, im März. Die "Verteidigerin" dieses Buchs war Geneviève Guérard. Canada Reads, Radio Canada, englische Sparte, für die Übersetzung, Diskussion über anfänglich 5 Bücher, 2015.Das Thema dieser Diskussion war "One Book to Break Barriers", also Ein Buch, das Grenzen einreißt Die "Verteidigerin" dieses Buchs war Martha Wainwright. Prix littéraire des collégiens, 2012 Prix littéraire, France-Québec, 2012 "Prix des cinq continents de la francophonie", 2011, in Frz.

Sonstige Preisträgerin "Prix à la création artistique" des Conseil des arts et des lettres du Québec, CALQ, für die Region l’Abitibi-Témiscamingue, 2010

Weitere Medien zu "Ein Leben mehr" Hörbuch, Produzent: Bayerische Blindenhörbücherei, Stimme: Robert Valentin Hofmann (vollständige Fass. 5 h 56'), bundesweit ausleihbar oder zu erwerben bei Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen, Nr. 34033, sowie bei den entsprechenden Bibliotheken in Österreich und der Schweiz (Fernleihe) Outsiders films produziert seit Juli 2018 einen Film nach "Ein Leben mehr", zunächst in den beiden kanadischen Hauptsprachen. Das Drehbuch schrieben Catherine Léger und Louise Archambault. Mitwirkende sind Ginette Petit und Nathalie Bissonnette als Produzentinnen und Andrée Lachapelle, Rémy Girard, Louise Portal, Gilbert Sicotte, Ève Landry und Éric Robidoux als Darsteller; ihre Porträts gibt es auf den Seiten des Produzenten. Die Produktion kam im September 2019 in Kanada in die Kinos. Ein Trailer ist bei der Société Radio-Canada verfügbar.Trailer, frz. Hörspiel: Ein Leben mehr. Bearb.: Andreas Jungwirth, Regie und Sounds: Ulrich Lampen. Stimmen: Cristin König, Katharina Matz, Günter Lamprecht, Tilo Prückner, Oliver Stokowski, Matthias Matschke. Komposition: Bert Wrede, Ton: Alexander Brennecke. 70 min. Erstsendung 28. Mai 2017, in Deutschlandfunk Kultur (zugl. Produzent) 1. Oktober 2013: Die Autorin auf YouTube zum Roman. Rentrée littéraire 2013. In frz. Sprache Video auf Babelio, frz. Jocelyne Saucier ou l’ambivalence créatrice (frz.), Lettres québécoises No 148, Winter 2012, p. 3–72, Zugang über érudit 20, von André Brochu. Das abgebildete Titelbild zeigt ein Porträt der Autorin.

Verkaufserfolg