mini|300px|Kloster in Polling von Süden mini|300px|Polling um 1900 mini|300px|Polling bei Weilheim von Westen mini|300px|Polling von Nordosten

Polling ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.

Geographie Polling liegt in der Region Oberland. Durch das Gemeindegebiet fließt in Süd-Nord-Richtung die Ammer, der Tiefenbach, ein Zufluss der Ammer, durchfließt den Ort Polling.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus drei Gemarkungen, die den ehemaligen Gemeinden entsprechen, und hat acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Polling (Pfarrdorf) mit Längenlaich (Weiler) und Roßlaich (Weiler, PLZ 82380) Etting (Pfarrdorf) Oderding (Kirchdorf) mit Grasla (Weiler), Hungerwies (Einöde) und Kugelsbühl (Weiler)

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Erste Spuren einer Besiedlung im Ortsbereich Polling stammen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. In den Tuffsteinbrüchen kommen immer wieder Tongefäße und Werkzeuge aus dieser Zeit zum Vorschein.Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 2, S. 1049Walter Irlinger: Die Vorrömischen Perioden und das frühe Mittelalter. In: Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Karl M. Lipp Verlag, München 2003, Halbband 1 Teile davon sind auch im Heimatmuseum Polling sowie in der Archäologischen Staatssammlung in München ausgestellt.

Der Legende nach wurde Polling um das Jahr 750 gegründet. Herzog Tassilo III. von Bayern (geboren 741) jagte in der Gegend eine Hirschkuh.Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 2, S. 707 Diese blieb auf einmal stehen und scharrte am Boden. Dort fand man dann drei Holzkreuze. An dieser Stelle errichtete Herzog Tassilo dann das Benediktiner- und spätere Augustiner-Chorherrenstift Kloster Polling.

In der Klosterkirche befindet sich tatsächlich ein Holzkreuz, das aber nach Untersuchungen frühestens aus dem 9. Jahrhundert stammt. Gemäß Benediktbeurer Quellen soll aber die Gründung des Klosters durch Mitglieder der Huosi, einer einheimischen Adelsfamilie stattgefunden haben.Diese Version der Klostergründung wird beschrieben in: Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 2, S. 659–661Gemeinde Polling. In: Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau. Halbband 1 (Denkmäler in Bayern, Band I.23). München, 2003. ISBN 3-87490-585-3, S. 271–272 Die ersten schriftlichen Zeugnisse stammen aus dem 11. Jahrhundert.

Der Ort selbst war Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark, deren Sitz bis 1803 das Kloster Polling war. Zusammen mit dem Kloster wurde die Hofmark 1803 aufgehoben.

Mit dem Gemeindeedikt von 1818 entstand die Gemeinde Polling, die zum Landgericht Weilheim gehörte.

Im Frühjahr 2016 war im Ort eine große Überschwemmung nach starken Regenfällen.Land unter – Polling vor einem Jahr. In: Vis à Vis – das Magazin für die Region Weilheim, Penzberg, Starnberg, Dießen, Murnau, Ausgabe Nr. 12 vom Mai/Juni 2017, S. 28–29

Eingemeindungen Am 1. Mai 1978 wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform die Gemeinden Oderding und Etting eingemeindet.Gemeinde Polling. In Der Landkreis Weilheim-Schongau. Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau 2010, Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger), S. 74–75

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2734 auf 3461 um 727 Einwohner bzw. um 26,6 %. Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden folgende Einwohnerzahlen erreicht:Einwohnerzahl. In: Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 1, S. 339–340

Jahr EinwohnerKommunalstatistik von Polling, abgerufen am 21. September 2022 1840 1.012 1900 1.389 1939 1.462 1950 2.431 1961 2.061 Davon entfielen 1416 auf Polling, 390 auf Oderding und 255 auf Etting. 1970 2.139 Davon entfielen 1469 auf Polling, 375 auf Oderding und 295 auf Etting. 1987 2.629 1991 2.889 1995 3.023 2000 3.160 2005 3.247 2010 3.252 2015 3.307 2023 3.663

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Martin Pape (CSU), der bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 Felicitas Betz (Wahlgemeinschaft Polling) ablöste. Betz hatte das Amt der Bürgermeisterin vom 1. Mai 2014 bis 30. April 2020 inne. Amtsvorgänger waren in der Zeit von 2008 bis 2014 Helmut Böhm und Dominikus Weiß (Ehrenbürger und Altbürgermeister) von 1990 bis 2008.

Gemeinderat Aktuell gilt folgende Sitzverteilung im 16 Mitglieder umfassenden Gemeinderat:

+ Sitzverteilung im Gemeinderat Partei/Liste Wahl 2020 Wahl 2014Ergebnis der Kommunalwahlen 2014, abgerufen am 18. März 2014.Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 8. Wahl 2008 Wahl 2002Sitze Sitze Sitze Sitze CSU4 4 4 7 Wahlgemeinschaft Polling5 7 8 3 Wahlgemeinschaft Etting2 3 2 2 SPD – – – 2 Unabhängige Wählerliste Polling-Etting-Oderding3 1 1 1 Wahlgemeinschaft Oderding2 1 1 1 Sitze gesamt16 16 16 16

Wappen und Fahne

Der Gemeinderat beschloss am 10. August 1989 eine Fahne anzunehmen. Sie zeigt zwei Streifen in der Farbenfolge Rot – Gelb und soll mit aufgelegtem Wappen geführt werden. Die Regierung von Oberbayern stimmte der Annahme der Fahne am 8. Mai 1990 zu.Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Band I. Gemeinde Polling, Polling 1992, , S. 445.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Ehemaliges Kloster Polling Ehemalige Augustinerchorherrenstiftskirche Heilig Kreuz Seit 1975: Konzerte, veranstaltet von der Münchner Konzertdirektion Hörtnagel im restaurierten Pollinger Bibliotheksaal Im Besitz des Pollinger Heimatmuseums befindet sich ein bemaltes Walschulterblatt. Polling ist das fiktive Pfeiffering, einer der Schauplätze von Thomas Manns Roman Doktor Faustus. Der 2007 ausgewiesene „Dr.-Faustus-Weg“ berührt alle im Roman erwähnten Örtlichkeiten. Stoa 169, Künstlersäulenhalle Der Fischerbau von Johann Michael Fischer, ein ehemaliger Bierkeller, dient heute als Ausstellungsraum für Kunstwerke, darunter auch Werke von Dan Flavin.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Im Jahr 2020 gab es im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 35, im produzierenden Gewerbe 120 und im Bereich Handel und Verkehr 183 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 262 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1416. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen, im Bauhauptgewerbe sieben Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2016 49 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1679 ha. Davon waren 420 ha Ackerfläche und 1259 ha Dauergrünfläche.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2020 umgerechnet 3,732 Millionen €, davon waren 938.000 € (netto) Gewerbesteuereinnahmen.

In früherer Zeit waren die reichen Vorkommen an Pollinger Kalktuff wirtschaftlich sehr bedeutend. Viele Bauwerke in Polling und im Umkreis wurden mit diesem Kalktuff als Baumaterial errichtet. Heute existiert nur noch einer der einstmals zahlreichen Tuffsteinbrüche.

Verkehr Der Bahnhof wurde im Mai 1879 eröffnet und ist seit 1984www.pro-bahn.de: Artikel zur Stilllegung des Bahnhofs mit Quellenverweis auf: Münchner Merkur vom 16. März 1984, abgerufen am 22. Januar 2015 nur noch ein Betriebsbahnhof. Bis zur Einstellung des Personenverkehrs wurde er noch täglich von 100 bis 150 Fahrgästen genutzt. Er liegt an der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen.

Bildung Im Jahre 1999 gab es folgende Einrichtungen: Kindergärten: 160 Kindergartenplätze mit 149 Kindern Grundschule Polling mit 7 Klassen (Stand 2024) Volksschulen: eine mit neun Lehrern und 168 Schülern

Persönlichkeiten Ehrenbürger Georg Hörtnagel (1927–2020), Kontrabassist und Konzertagent Söhne und Töchter der Gemeinde

Gerhoch von Reichersberg (1092/93–1169), Kirchenreformer, Theologe und Regularkanoniker Clemens Prasser (1703–1770), katholischer Geistlicher und Propst des Stiftes Rottenbuch 1740–1770 Johann Landes (1831–1894), Unternehmer und Mitglied des Deutschen Reichstags Josef Landes (1841–1919), katholischer Geistlicher und Mitglied des Deutschen Reichstags Otto Reiser (1884–1957), Fußballspieler Kristina Schuster (* 1997), Fußballspielerin Weitere mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten Carla Mann (1881–1910), Schauspielerin und Schwester der Schriftsteller Heinrich und Thomas Mann; gestorben in Polling. Beigesetzt im Familiengrab auf dem Münchner Waldfriedhof. Johannes Schaaf (1933–2019), lebte in Polling Michael Kreuter (30. August 1940–18. März 2022) Maler und Kulturpreisträger 2021 der Gemeinde Polling Bernd Zimmer (* 1948), Künstler, lebt und arbeitet in Polling

Literatur Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Ein Wegweiser durch Geschichte und Gegenwart von Polling, Etting, Oderding. Zwei Bände, Gemeinde Polling 1992 Hans-Michael Körner, Alois Schmid (Hrsg.), Martin Ott: Handbuch der historischen Stätten. Band 7: Bayern I. Teilband 1: Altbayern und Schwaben (= Kröners Taschenausgabe. Band 324). Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-32401-6. Georg Rückert: Polling, Etting und Oderding. Ein Heimatbuch. Heimatverlag Polling 1931. Viktor Mann: Wir waren fünf: Bildnis der Familie Mann. Südverlag, Konstanz 1949. Die Auflage 2011 entspricht der 4. revidierten Auflage 1986. ISBN 978-3-87800-005-1 Brigitte Angelosanti (Herausgeberin): Dörfliches Leben – G´Schichten aus Polling, Estadruck, Polling, 1993 Brigitte Angelosanti (Herausgeberin): Pollinger Kochbuch Band 2 – Schmankerl aus dem Klosterdorf, Esta-Druck, Polling, 1992 Julia Mann/Rosemarie Eggert: Ich spreche so gern mit meinen Kindern: Erinnerungen, Skizzen, Briefwechsel mit Heinrich Mann. Aufbau Taschenbuch, Berlin, 1999, ISBN 978-3-7466-2415-0. Dominik von König: Polling – Das Malerdorf (Maler im Klosterdorf Polling in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach den Einträgen im Fremdenbuch der Klosterwirtschaft), ergänzende Auflage, Gemeinde Polling und Autor, Esta-Druck, Polling, 2021, ISBN 978-3-00-069042-6 STOA169 Stiftung, Bernd Zimmer (Herausgeber): STOA169 Die Künstlersäulenhalle, Hirmer Verlag, München, 2022, ISBN 978-3-7774-4064-4

Ein umfangreiches bibliografisches Verzeichnis von Literatur über die Gemeinde befindet sich im Pollinger Heimat-Lexikon, unter dem Eintrag „Schrifttum“ in Halbband 2 auf S. 977–1009.

Weblinks

(PDF; 1,2 MB)

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Katholischer Wallfahrtsort in Oberbayern Kategorie:Ort im Landkreis Weilheim-Schongau Kategorie:Gemeindegründung 1818

Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)