Lellichow ist ein Ortsteil im Gemeindegebiet der Stadt Kyritz im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg). Das mittelalterliche Dorf fiel wohl noch im 14. Jahrhundert wüst. Auf einem Teil der wüsten Feldmark wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts ein Etablissement errichtet und wenige Jahre später daneben auch eine Kolonie angelegt, der Kern des neuzeitlichen Dorfes. Der Ort wurde 1928 nach Ganz eingemeindet. Er bildete von 1957 bis 2002 zusammen mit dem Wohnplatz Bork die Gemeinde Bork-Lellichow, die zu Jahresende 2002 in die Stadt Kyritz eingemeindet und aufgelöst wurde. Seit 2003 ist Lellichow (und auch Bork) ein Ortsteil der Stadt Kyritz.
Geographie Lellichow liegt 11 km Luftlinie nordöstlich von Kyritz. Der Ortsteil bildet keine eigene Gemarkung, sondern hat eine gemeinsame Gemarkung mit Bork. Die Fluren 5,6,7 und ein Teil der Flur 1 entspricht der früheren Gemarkung des Dorfes. Der Ortskern liegt bei . Der höchste Punkt der früheren Gemarkung erreicht knapp , der tiefste Teil ist der Borker See mit einem mittleren Seespiegel von . Zum Ortsteil gehört ein Teil des Borker Sees und der Borker Mühlenteich. Im Nordwesten durchfließt die Klempnitz das Gebiet des Ortsteils, hier befindet sich ein weiterer kleiner Teich. Die Niederung der Klempnitz, der Borker Mühlenteich und der Borker See sind Abschnitte einer glazialen Schmelzwasserabflussrinne. Durch den Ort hindurch führt die L14 von Kyritz nach Herzsprung und Wittstock. Im Ort zweigt eine kleine Verbindungsstraße nach Bork ab.
Geschichte Der Ort wird 1307 als Lelechowe und Lelecow erstmals urkundlich erwähnt. Damals wurde in Lellichow eine Urkunde durch den brandenburgischen Markgrafen Hermann ausgestellt, in der er der Stadt Perleberg bestätigte, dass er in der Flutrinne (vlutrenne) bei Perleberg keine Mühle bauen würde. Dies wurde im selben Jahr auch von den Markgrafen Otto IV. und Waldemar bestätigt. Das lässt auf eine gewisse Bedeutung des Ortes schließen, jedenfalls auf markgräflichen Besitz. Der Name leitet sich von einer altpolabischen Grundform *Lelechov-, „Ort eines Lelech“, ab. Der Personenname gehört zu einer urslawischen Wurzel *lel- wie russisch lelejat, „hätscheln, verzärteln“, oder urslawisch *lelja in russisch lelja, „Pate“.
Besitzgeschichte Die Vogtei Fretzdorf, später auch Herrschaft Fretzdorf genannt, wurde 1438 vom Markgrafen Friedrich II. an Bischof Konrad von Havelberg vereignet. Die Feldmark des wüsten Dorfes grenzte (nach einer Beschreibung von 1704!) im Osten an Herzsprung, im Süden an Ganz, Teetz und Wulkow (richtigerweise sollte es Karnzow heißen), im Westen an Bork und im Norden an Königsberg und die Kattenstiegmühle. Im 16. Jahrhundert wurde die Feldmark des ehemaligen Dorfes gedrittelt, und insgesamt bildeten sich fünf Besitzanteile aus, die letztendlich zum Verlust von etwa zwei Dritteln der ursprünglichen Feldmark, verglichen mit der früheren Gemarkung des neuzeitlichen Lellichow, führten. Diese zwei Drittel gehören heute zu den Gebieten des Wohnplatzes Ganz und des Ortsteils Bork.
Bereits 1470 verlieh Bischof Wedigo von Havelberg die Mühle am Ausfluss des Mühlteichs (später Lellichowsche Mühle oder Borker Mühle genannt) zusammen mit dem Dorf Bork an die von Klitzing in Demerthin und Drewen. 1560 erhielten sie vom damaligen brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. auch ein Drittel der wüsten Feldmark (das Drittel gegen Bork und Karnzow gelegen). Dieses Drittel entspricht in etwa der Flur 4 der Gemarkung Bork-Lellichow. Die Mühle ist wahrscheinlich im 16. Jahrhundert eingegangen, denn 1598 und 1644 wurden sie mit dem mittleren Teich, der Teichstätte und dem Mühlenbaurecht belehnt. Seit 1662 befand sich dieser Besitzanteil im Besitz von Claus Ernst von Platen, der mit Anna Ehrentraut von Klitzing verheiratet war. Allerdings hatten sich die von Klitzing ein Wiederkaufsrecht gesichert. 1697 errichtete Heinrich von Platen eine neue Mühle an der Mühlenstätte. Die Mühle wurde auch von den von Jürgaß in Königsberg und den von Gühlen in Ganz beansprucht. Schließlich wurde sie 1745 endgültig dem Amt Wittstock zugewiesen. 1712 versuchten die von Klitzing, den Besitzanteil wieder einzulösen.
1504 belehnte der Bischof Johann V. von Havelberg Engelke und Thomas von Warnstedt auf Fretzdorf, Königsberg und Ganz mit einem Drittel der wüsten Feldmark Lellichow (in der Urkunde Telchow) und den halben See sowie die Mühlenstätte (Kattenstiegmühle) zwischen Lellichow und Herzsprung. Die von Warnstedt erhielten 1523 und 1574 die Bestätigung für diesen Besitzanteil. 1618/9 ging Ganz in den Besitz der von Gühlen über, Königsberg kam an die Familie von Jürgaß. Entsprechend wurden dieser Besitzanteil aufgeteilt. 1697 stritten sich die von Jürgaß auf Königsberg und die von Gühlen in Ganz mit den von Platen um die Lellichower Mühle (oder Borker Mühle). Die Mühle wurde letztendlich dem Amt Wittstock zugewiesen. 1698 bis 1710 hatten die von Jürgaß die Mühle in Erbpacht. Die von Gühlen hatten Anteile am Gericht sowie Jagd-, Holzungs- und Fischereirechte. Sie hatten außerdem Äcker und freie Hütung.
1487 verlieh Bischof Johann V. von Havelberg dem Wittstocker Bürger Trebbow das Straßengericht, vier Hufen (drei in Herzsprung, eine auf der Feldmark Lellichow) und die Fischerei im Lellichower See als Leibgedinge. Der Anteil fiel später wieder an den Bischof bzw. das Hochstift Havelberg zurück. Schon vor 1574 hatte das Amt Wittstock der Gemeinde Herzsprung und den von Krüsicke zu Dannenwalde und Herzsprung die Nutzung der früheren Dorfstätte und die Hütung auf der Feldmark Lellichow gegen eine Geldzahlung (Prästation) überlassen. Das bezog sich sicher nur auf das Drittel, das dem Amt gehörte. 1706 kamen die Hütungsrechte der von Krüsicke auf dem Erbwege an die von Stille in Fretzdorf.
Dem Amt Wittstock als Rechtsnachfolger des Bischofs von Havelberg verblieben noch ein Drittel der Feldmark Lellichow.
Dorfgeschichte Im Landbuch Karls IV. von 1375 wird der Ort unter der Burg Fretzdorf aufgelistet und wie folgt beschrieben:
Im Dorf Lellichow hatte der Landesherr also von 17 Hufen die Bede in Höhe je 16½ Pfennige, je zwei und zwei () gaben 1½ Viertel Roggen, 1½ Viertel Gerste und drei Viertel Hafer. Außerdem standen dem Landesherrn noch die Dienste zu. In der Summa betrugen die Abgaben 24 Schillinge, 4 Pfennige und 15 Scheffel Getreide oder ein Schock und 15 Groschen. Von den 17 Hufen waren allerdings nur 11 besetzt. Bis 1438 fiel das Dorf wüst; aus welchen Gründen ist unklar. Die Lage des mittelalterlichen Dorfes ist nicht gesichert; es lag sicherlich nicht an der Stelle des neuzeitlichen Lellichow. Südöstlich des Ortskerns von Bork und am Ostufer des Borker Sees etwa beim Wohnplatz Forstweg (auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils Bork) liegt die Flur Alten-Lellichow. Auf der Halbinsel, die in den Borker See hineinragt, verortet Joachim Herrmann einen spätslawischen Burgwall sowie spätslawische Kulturschichten. Andererseits hatte das Amt Wittstock 1574 der Gemeinde Herzsprung und den von Krüsicke zu Dannenwalde und Herzsprung die Nutzung der früheren Dorfstätte und die Hütung auf der Feldmark Lellichow gegen eine Geldzahlung überlassen. Das Drittel des Amtes entsprach in etwa der späteren Gemarkung des neuzeitlichen Lellichow. Das würde bedeuten, dass die Dorfstätte auch im Bereich des nördlichen Teils des Borker Sees oder des Mühlteichs gelegen haben kann.
Als im Jahr 1438 der brandenburgische Markgraf Friedrich II. die Vogtei Fretzdorf an Bischof Konrad von Havelberg übereignete, war Lellichow schon wüst gefallen. 1472 wird noch die Lellichower Mühle genannt, aber schon 1470 ist nur von einer Mühlenstätte die Rede. Wahrscheinlich war die Mühle ebenfalls schon wüst. 1555 nutzten die Bauern von Teetz ein Drittel der Feldmark Lellichow gegen eine Geldzahlung. 1560 war die Feldmark des ehemaligen Dorfes bereits in drei Teile geteilt. 1574 wurde die Dorfstätte von Lellichow von der Gemeinde Herzsprung als Heueracker (das heißt als Pachtacker) genutzt. 1596 überließ ein von Klitzing (s)ein Drittel der wüsten Feldmark Lellichow der Gemeinde Bork gegen Pacht als Entschädigung für Ländereien, die er selbst der Gemeinde Bork entzogen hatte. 1610/1 errichtete das Amt Wittstock eine Freiarche auf dessen Anteil der Feldmark Lellichow. In der Nähe der Freiarche wurden außerdem drei Fischteiche angelegt. Freiarche und Fischteiche wurden im Dreißigjährigen Krieg aufgegeben und verfielen. 1697 ließ Heinrich von Platen auf Demerthin am Mühlteich die Lellichower Mühle (später Borker Mühle genannt) erbauen. Dies gab viel Streit mit den Nachbarn. Das Recht zum Mühlenbau wurde ihm vom Amt Wittstock streitig gemacht und die Mühle entzogen. Sie wurde 1698 dem von Jürgaß auf Königsberg zunächst erbpachtsweise überlassen, ab 1710 auf Zeitpacht. 1745 stellten die von Klitzing auf Drewen Ansprüche auf die Borker Mühlen, die jedoch abgewiesen wurden. Sie blieb bis 1872 im Besitz des Amtes Wittstock.
mini|Lellichow auf dem Urmesstischblatt 2940 Blumenthal von 1841