360px|mini|Die Teilnehmer der Großostasiatischen Konferenz. Von links: Ba Maw, Zhang Jinghui, Wang Jingwei, Hideki Tōjō, Wan Waithayakon, José P. Laurel und Subhas Chandra Bose. Die Großostasiatische Konferenz (, Dai Tōa Kaigi) war ein internationaler Gipfel vom 5. bis 6. November 1943 in Tokio, zu dem das Kaiserreich Japan führende Politiker aus Ländern der sogenannten Großostasiatischen Wohlstandssphäre einlud. Der Anlass wurde auch als Tokio-Konferenz bezeichnet.
Die Konferenz sprach wenige Themen mit wichtigen Inhalten an, wurde aber als Propaganda-Schaustück geplant, um die Verpflichtung des Japanischen Kaiserreichs zu den Idealen der Panasienbewegung zu zeigen und um die Rolle als „Befreier“ Asiens vom westlichen Kolonialismus hervorzuheben.
Hintergrund Ab 1931 begründete Japan seinen Imperialismus im Zeichen des Panasiatismus. 1941, als Japan in den Krieg gegen die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Kanada und die Niederlande eintrat, stellten dies die Japaner als Krieg zur Befreiung aller Völker Asiens dar. Im Besonderen wurde Rassismus ausgeübt, als die japanische Regierung in Propaganda-Cartoons Amerikaner und Briten als „weiße Teufel“ oder „weiße Dämonen“ zeigten, ausgestattet mit Klauen, Fängen, Hörnern und Schwänzen.Dower, John War Without Mercy: Race & Power in the Pacific War, New York: Pantheon 1993, S. 244–246 Die japanische Regierung erklärte den Krieg zum Rassenkampf zwischen den wohltätigen Asiaten, selbstverständlich von Japan angeführt, und den üblen „Angelsachsen“, den USA und dem britischen Empire, welche als „Untermenschen“ galten. Bisweilen wirkten japanische Führer so, als glaubten sie ihre eigene Propaganda, wonach Weiße in einem Prozess der rassischen Degeneration seien und sich in die geifernden, knurrenden Kreaturen der Cartoons verwandeln würden.Dower, John War Without Mercy: Race & Power in the Pacific War, New York: Pantheon 1993 S. 244 Folglich sagte Außenminister Yōsuke Matsuoka 1940 während einer Pressekonferenz, dass es „die Mission der Yamato-Rasse sei, die Menschheit davor zu bewahren, teuflisch zu werden, sie vor der Zerstörung zu retten und sie zum Licht der Welt zu führen“.Dower, John War Without Mercy: Race & Power in the Pacific War, New York: Pantheon 1993 S. 244–245
Einige Bewohner der asiatischen Kolonien europäischer Mächte hießen die Japaner als Befreier willkommen. In Niederländisch-Indien prägte Nationalistenführer Sukarno 1942 die Formel von den drei As: Japan, das Licht Asiens; Japan, der Beschützer Asiens; Japan, der Anführer Asiens.Dower, John War Without Mercy: Race & Power in the Pacific War, New York: Pantheon 1993 S. 6 Obwohl die Großostasiatische Wohlstandssphäre ein Asien ankündigte, in dem alle Völker friedlich als Brüder und Schwester zusammenleben würden, zeigte die Planung im Dokument An Investigation of Global Policy with the Yamato Race as Nucleus von Juli 1943, dass sich die Japaner selbst als höhergestellte „Yamato-Rasse“ sahen, welche von Natur aus dazu bestimmt sei, die rassisch tiefergestellten Völker Asiens zu beherrschen.Dower, John War Without Mercy: Race & Power in the Pacific War, New York: Pantheon 1993 S. 263–264
Vor der Großostasiatischen Konferenz machte Japan den unterschiedlichen antikolonialistischen Organisationen, in den Gebieten unter seiner Kontrolle vage Unabhängigkeitsversprechen. Abgesehen von offensichtlichen Marionettenregierungen in China wurden diese Versprechungen nicht eingelöst. Nun, als sich die Fronten des Pazifikkriegs gegen Japan wendeten, drangen Bürokraten im Außenministerium und Unterstützer der panasiatischen Philosophie innerhalb der Regierung und des Militärs darauf, die „Unabhängigkeit“ einzelner Gebiete zu beschleunigen. Der einheimische Widerstand gegen die mögliche Rückkehr der westlichen Kolonialmächte sollte so erhöht werden, ebenso die Unterstützung für den japanischen Kriegseinsatz. Die japanische Militärführung stimmte dem prinzipiell zu, da sie den Propagandawert eines solchen Unterfangens verstand, doch das Maß an „Unabhängigkeit“, welches sie sich vorstellen konnten, entsprach nicht einmal jenem von Mandschukuo. Mehrere Bestandteile der Großostasiatischen Wohlstandssphäre waren davon nicht betroffen. Korea und Taiwan wurden vom Kaiserreich Japan als Außengebiete annektiert und es gab keine Pläne, ihnen irgendeine Form von politischer Autonomie oder gar eine nominelle Unabhängigkeit zu gewähren. Vietnamesische und kambodschanische Delegierte wurden nicht eingeladen, um das Vichy-Regime nicht zu brüskieren, da es Französisch-Indochina für sich beanspruchte und Japan weiterhin formell mit ihm verbündet war.
Die Situation im britischen Malaya und in Niederländisch-Indien war komplex. Weite Teile waren von der Kaiserlich Japanischen Armee oder der Kaiserlich Japanischen Marine besetzt. Die Organisatoren der Großostasiatischen Konferenz waren von der eigenmächtigen Entscheidung des japanischen Hauptquartiers bestürzt, diese Territorien am 31. Mai 1943 zu annektieren statt ihnen eine nominelle Unabhängigkeit zu gewähren. Dieses Handeln untergrub die Bemühungen, Japan als den „Befreier“ der asiatischen Völker darzustellen, beträchtlich. Die indonesischen Unabhängigkeitsführer Achmed Sukarno und Mohammad Hatta wurden kurz nach der Konferenz zu informellen Gesprächen nach Tokio eingeladen, durften allerdings nicht an der eigentlichen Konferenz teilnehmen.Smith, Changing Visions of East Asia, pp. 19–24 Sieben Staaten (Japan inklusive) waren schließlich vertreten.
Teilnehmer Sechs „unabhängige“ Teilnehmer und ein Beobachter waren an der Konferenz anwesend: Hideki Tōjō, Premierminister und faktischer Militärdiktator Japans Zhang Jinghui, Premierminister von Mandschukuo Wang Jingwei, Präsident der neuorganisierten Regierung der Republik China Ba Maw, Premierminister von Burma Subhas Chandra Bose, Führer der Provisorischen Regierung des Freien Indiens (Azad Hind) José P. Laurel, Präsident der Zweiten Philippinischen Republik Prinz Wan Waithayakon, Gesandter des Königreichs Thailand
Strikt ausgedrückt nahm Subhas Chandra Bose nur als „Beobachter“ teil, da Indien immer noch unter britischer Herrschaft stand. Außerdem sandte das Königreich Thailand Prinz Wan Waithayakon anstelle von Premierminister Plaek Pibulsonggram, um auszudrücken, dass Thailand kein Staat unter japanischer Vorherrschaft war. Der Premierminister sorgte sich auch, dass er abgesetzt werden könnte, falls er Bangkok verlassen würde.
Tojo begrüßte die Konferenzteilnehmer mit einer Rede, in der er die „geistige Essenz“ Asiens hervorhob, die im Gegensatz zur „materialistischen Zivilisation“ des Westens stünde.W. G. Beasley, The Rise of Modern Japan, p 204 ISBN 0-312-04077-6 Ihr Treffen war geprägte von Solidarität und Verurteilung des westlichen Kolonialismus, aber ohne praktische Pläne für eine wirtschaftliche Entwicklung oder Integration.Andrew Gordon, A Modern History of Japan: From Tokugawa to the Present, p211, ISBN 0-19-511060-9, Da Korea 1910 von Japan annektiert wurde, nahm keine offizielle koreanische Delegation an der Konferenz teil, jedoch eine Reihe von koreanischen Intellektuellen, darunter der Historiker Choe Nam-seon, der Romanschriftsteller Yi Kwang-su und Kinderbuchautor Ma Haesong. Sie waren Teil der japanischen Delegation und hielten Ansprachen, in denen sie Japan priesen und den Japanern für die Kolonisierung Koreas dankten.Kyung Moon Hwang A History of Korea, London: Palgrave, 2010 S. 191 Zweck dieser Ansprachen war es, andere asiatische Völker auf eine Zukunft in einer japanisch dominierten Großostasiatischen Wohlstandssphäre vorzubereiten. Die Tatsache, dass Choe und Yi einst koreanische Unabhängigkeitsaktivisten waren, welche verbittert gegen die japanische Herrschaft kämpften, machten ihre Anwesenheit an der Konferenz zu einem wahren Propagandacoup für die Japaner. Es schien zu zeigen, dass der japanische Imperialismus so vorteilhaft für die Völker war, dass sogar seine ehemalige Gegner ihren Fehler eingesehen hatten.Kyung Moon Hwang A History of Korea, London: Palgrave, 2010 S. 190–191 Zudem verurteilten die koreanischen Sprecher die „angelsächsischen“ Mächte USA und Großbritannien als die schlimmsten Feinde der asiatischen Zivilisation, die es je gegeben hat, und priesen Japan als Verteidiger Asiens gegen die „Angelsachsen“.
Themen Das Hauptthema der Konferenz war die Notwendigkeit, dass sich alle asiatischen Völker hinter Japan versammeln sollten und ein Beispiel der panasiatischen Idealismus gegen den „weißen Teufel“ bieten sollten.Dower, John War Without Mercy: Race & Power in the Pacific War, New York: Pantheon 1993 S. 6. Der amerikanische Historiker John W. Dower schrieb, dass die Delegationen „...den Krieg in den Kontext von Ost gegen West, Orient gegen Okzident, und schließlich auch Blut gegen Blut stellten.“ Ba Maw aus Burma hielt fest: „Mein asiatisches Blut hat immer zu anderen Asiaten gerufen... Es ist kein Zeitpunkt für andere Gedanken, es ist der Zeitpunkt, um mit unserem Blut zu denken, und dieses Denken hat mich von Burma nach Japan geführt.“ General Tōjō legte dar: „Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die Nationen Großostasiens in jeder Hinsicht durch eine untrennbare Verbindung zusammengehalten werden“.Horner, David The Second World War Part 1 The Pacific, London: Osprey, 2002 S. 71 José Laurel aus den Philippinen erwähnte in seiner Rede, dass niemand auf der Welt verhindern könne, dass eine Milliarde Asiaten ihr Schicksal an die eigene Hand nehmen würden.Horner, David The Second World War Part 1 The Pacific, London: Osprey, 2002 S. 71
In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten die Konferenzteilnehmer, dass die Länder Großostasiens die Stabilität ihrer Region durch gegenseitige Zusammenarbeit gewährleisten wollten, um eine gerechte Ordnung für Wohlfahrt und Zufriedenheit zu schaffen. Sie wollten die jeweilige Unabhängigkeit und die Traditionen respektieren und so die Kultur in Großostasien aufwerten. Die Länder wollten freundschaftliche Beziehungen zur ganzen Welt knüpfen und träten für die Abschaffung rassischer Diskriminierung zum Wohl der Menschheit ein.Joint Declaration of the Greater East Asia Conference
Folgen Die Konferenz und die Erklärung vom 6. November waren wenig mehr als propagandistische Bemühungen darum, regionale Unterstützung für den nächsten Abschnitt des Krieges zu sammeln und die Ideale, für die er geführt wurde, darzulegen. Andererseits stellte die Konferenz auch einen Wendepunkt in der japanischen Außenpolitik und der Beziehung zu anderen asiatischen Nationen dar. Die Niederlage der japanischen Streitkräfte in Guadalcanal und ein zunehmendes Bewusstsein für die Beschränktheit der militärischen Stärke Japans führten dazu, dass die zivile japanische Führung dazu überging, eine Struktur auf der Grundlage von Kooperation statt auf kolonialer Dominanz zu fördern, um damit eine größere Mobilisierung von Ressourcen gegen die Alliierten zu erreichen. Es war auch der Beginn des Bestrebens ein Rahmenwerk für eine Art von diplomatischem Kompromiss für den Fall eines militärischen Scheiterns vorzubereiten. Diese Bestrebungen kamen allerdings zu spät, um das Großreich zu bewahren, das sich weniger als zwei Jahren nach der Konferenz den Alliierten ergeben musste.