mini|Mannersdorf um 1617 mini|Mannersdorf gegen Norden mini|Gebiet um die Pfarrkirche in Mannersdorf mini|Mannersdorf (links oben) und seine Steinbrüche um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Mannersdorf am Leithagebirge ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich.

Geografie Die Stadt Mannersdorf am Leithagebirge liegt im Industrieviertel am Fuß des Leithagebirges im südöstlichsten Teil Niederösterreichs. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst Quadratkilometer. Davon sind 44 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 41 Prozent sind bewaldet.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohner, Stand ):

Mannersdorf am Leithagebirge () Sandberg () Wasenbruck ()

Mannersdorf besteht nur aus einer einzigen Katastralgemeinde, es besteht allerdings ein weiterer Ort etwa vier Kilometer nordöstlich von Mannersdorf, Wasenbruck mit rund 600 Einwohnern. Diese hauptsächlich von Pendlern bewohnte Ortschaft liegt zwischen der Leitha und dem von der Leitha abgezweigten Werkskanal für die mittlerweile geschlossene Teppich- und Filztuchfabrik in Wasenbruck.

Rund 6 Kilometer in nördlicher Richtung befindet sich der Ortsteil Sandberg, der durch die Leitha von Götzendorf getrennt wird.

Nachbargemeinden

Geschichte In der Flur „Reinthal Süd“ wurden um 1980 über 90 Gräber aus der Latènezeit ausgegraben und wissenschaftlich untersucht (siehe latènezeitliches Gräberfeld Mannersdorf). Die Grabbeigaben bestanden teilweise aus Silber, Gold und Korallen, eine Bronzesitula wird als Importstück aus Norditalien gesehen. Die Funde belegen Handelsbeziehungen, die vom mittleren Rhein und der Champagne bis nach Südosteuropa und Oberitalien reichten.Peter C. Ramsl: Das laténezeitliche Gräberfeld von Mannersdorf im Leithagebirge, Flur Reinthal Süd, Niederösterreich (= Mitteilungen der Prähistorischen Kommission. Band 74). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2011, ISBN 978-3-7001-6720-4.

Aus römischer Zeit stammt ein weiteres Gräberfeld auf Mannersdorfer Gemeindegebiet, das sich direkt östlich des Gräberfeldes aus der Latènezeit erstreckt.René Ployer: Das römerzeitliche Gräberfeld von Mannersdorf am Leithagebirge, Niederösterreich. Ein Beitrag zum Bestattungswesen und zur Demografie der Bevölkerung im Hinterland von Carnuntum während der römischen Kaiserzeit (= Der römische Limes in Österreich. Band 51). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2023, ISBN 978-3-7001-9011-0 (zur Lage S. 22).

Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Pannonien. Der Turmschädel von Mannersdorf wird als Beleg für die Anwesenheit von Hunnen im 5. Jahrhundert gewertet. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1233. 1786 wurde das bis dahin bestehende bekannte Bad in Mannersdorf durch ein Dekret von Kaiser Joseph II. aufgelöst. Das Bad war zu Mitte des 18. Jahrhunderts sehr populär gewesen und wurde sogar von Kaiserin Maria Theresia besucht. 1750 kam es in Mannersdorf vermutlich zu einer Begegnung von Joseph Haydn mit dem bereits arrivierten Komponisten Christoph Willibald Gluck, der den jungen Kollegen in dessen musikalischer Sendung bestärkt haben soll.Website der Gemeinde: HISTORISCHES – Joseph Haydn

In der Gemeinde liegt das Gebiet des Klosters St. Anna in der Wüste, seit 1986 ein Naturpark. Das 106 Hektar umfassende Klosterareal ist von einer 4,5 km langen Mauer umgeben, die teilweise noch zu sehen ist. Das 1783 von Kaiser Joseph II aufgelassene Kloster der Unbeschuhten Karmeliten wurde 1644 von Eleonora von Mantua gegründet, 1683 von den Türken niedergebrannt und später wieder aufgebaut. Die einstweilen restaurierte Kirche und ein Nebengebäude blieben erhalten. Die Mönchszellen sind verfallen. Aufgrund eines Stichs von L.M. Lerch von 1689 sind die Strukturen des Klosters gut erkennbar. Im Zentrum der Anlage, die auf einer weiten Lichtung liegt und über eine Lindenallee erreichbar ist, steht die Klosterkirche. An drei Seiten sind zwanzig Mönchszellen gruppiert. Diese bestanden aus jeweils einem Raum mit Gärtchen und Fenster nach draußen. Auf der vierten Seite liegen die Gemeinschaftsräume. Dem Kloster angeschlossen waren sieben Einsiedeleien, ein Meierhof, Obstgärten, ein Fischteich, sowie drei Steinbrüche und Kalkbrennereien. Ebenfalls noch gut erkennbar ist die Klosterpforte mit einem mächtigen Torbogen, der Leopoldskapelle und dem Pförtnerhaus.

Die Geschichte der letzten Jahrhunderte ist bis heute stark mit dem Kalkabbau im Leithagebirge verknüpft, so wurde im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der abgebaute Kalk gebrannt. Das Gestein wurde aber auch häufig in Wien beim Ringstraßenbau verwendet. 1894 erfolgte die Gründung der bis heute bestehenden Mannersdorfer Zementfabrik, in der bis jetzt der Kalk zu Zement verarbeitet wird.

→ Mannersdorfer Stein für den Stephansdom Mannersdorf wurde im Jahr 1990 zur Stadt erhoben.

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ehem. Kloster „St. Anna in der Wüste“ mini|Ehemalige Leopoldskapelle im Naturpark Mannersdorf-Wüste mini|Kalkschachtofen BAXA, 1893 mini|Lafarge Zementwerk – Österreichs größtes Zementwerk

Katholische Pfarrkirche Mannersdorf am Leithagebirge hl. Martin, mit Friedhof und Pfarrhof Schloss Mannersdorf am Leithagebirge mit der Hauptnutzung als Gemeindeamt Schüttkasten Mannersdorf am Leithagebirge mit der Nutzung als Museum Mannersdorf und Umgebung Maria-Theresien-Obelisk Ehemaliges Gerichtstöckl Perlmooser Hof mit Kapelle Ehemaliges Rathaus und Pfarrhof: heute Wohnhaus Schwabenhof: ausgedehnte mittelalterliche Hausanlagen Perlmooser Zementwerke mit 1986 eingerichtetem Werksmuseum und 1953 errichteter Werksiedlung Mannersdorf, geplant von dem Architekten Roland Rainer Baxa-Kalkofen mit Kalkofen- und Steinabbaumuseum Steinbrüche, Abbau bereits in römischer Zeit, Förderbandbrücke von 1917, Brechergebäude von 1929, Belegschaftshaus von 1939

Naturpark Mannersdorf-Wüste, darin: Ehemalige Karmeliter-Einsiedelei St. Anna in der Wüste Ruine Scharfeneck

Wirtschaft und Infrastruktur Im Jahr 2001 gab es 133 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten und 47 land- und forstwirtschaftliche Betrieben nach der Erhebung 1999. Nach der Volkszählung 2001 betrug die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort 1647. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 45,18 Prozent.

In Mannersdorf befindet sich ein Zementwerk von Lafarge Perlmooser. Es ist das größte Zementwerk Österreichs mit einer Produktionskapazität von 1,1 Millionen Tonnen. Zu diesem Werk gehört auch das höchste Bauwerk des Ortes, ein 118 Meter hoher Schornstein, der auch als Richtfunkstützpunkt dient.

Öffentliche Einrichtungen In der Gemeinde gibt es zwei Kindergärten, eine Volksschule und eine Neue Mittelschule.Schulensuche auf Schulen online, abgerufen am 6. September 2020

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hatte 23 Mitglieder und 25 Mitglieder ab dem Jahr 2025.

Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 18 SPÖ und 5 ÖVP. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 SPÖ, 4 ÖVP, 2 FPÖ und 2 PIP. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 17 SPÖ, 4 ÖVP und 2 FPÖ. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 18 SPÖ, 4 ÖVP und 1 FPÖ. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 SPÖ, 7 LIM, 2 ÖVP und 1 FPÖ. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 SPÖ, 9 LIM, 2 ÖVP und 1 FPÖ. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 SPÖ, 9 LIM, 3 ÖVP und 1 FPÖ. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 SPÖ, 9 LIM, 2 ÖVP und 2 FPÖ.

Bürgermeister

1916–1918 Franz Parrer (CSP) 1916–1918 Franz Parrer 1919–1921 Alexander Seracsin 1921–1922 Franz Zerzawy 1922–1934 Josef Haidn 1934–1938, 1945–1947 Karl Gottschy 1938–1945 Victor Rapp 1943–1944 Hugo Sekyra 1947–1950 Johann Karpf 1950–1960 Wilhelm Pretsch 1960–1969 Josef Stahl 1969–1975 Johann Ponath 1975–1995 Johann Strobl 1995–2004 Josef Richter 2004–2023 Gerhard David (SPÖ) seit 2023 Günther Amelin (SPÖ)

Stadtwappen Das Wappen zeigt in einem geteilten Schild eine Blätterkrone und eine heraldische Rose. Die Blätterkrone verweist auf die landesfürstliche Herrschaft und die oftmalige Anwesenheit von Kaiserin Maria Theresia. Mittig wird der Schild von einer Gegenstufenleiste geteilt, welches der kartographischen Darstellung eines Steinbruches entspricht, die für die Gemeinde von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Die Rose symbolisiert einerseits den Naturpark Wüste und dient andererseits als Reminiszenz an das alte Marktsiegel, in welchem eine Blume enthalten war. Die drei Wellenbalken verweisen auf die Mannersdorfer Thermalquelle. Farblich in Rot, Gelb und Blau gehalten, da sind die Farben des Burgenlandes (Rot und Gelb), als auch von Niederösterreich (Gelb und Blau) enthalten, wodurch die Lage Mannersdorfs an der Landesgrenze ausgedrückt wird.

Heraldisch wird das Wappen wie folgt beschrieben:

In einem durch eine goldene Gegenstufenleiste geteilten Schild oben in Rot eine goldene Blätterkrone, unten in Blau über drei goldenen Wellenbalken im Schildesfuß eine goldene heraldische Rose.

Persönlichkeiten

Edmund Adler (1876–1965), Künstler Michael Gampe (* 1950), Schauspieler und Theaterregisseur Richard Gebert (* 1939), Politiker, Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat Bernhard Hofstötter, Lautenist Johann Horvath (1900–1983), Politiker Friedrich Opferkuh (1923–1993), Steinmetzmeister und Bildhauer, Autor Franz Parrer (1875–1944), Bauer und Gastwirt und Politiker Karl Schmoll von Eisenwerth (1852–1936), Industrieller Heribert Schutzbier, Leiter des Mannersdorfer Museums, Autor Hugo Michael Sekyra (1941–1998), Manager Karl Martin Sukopp (* 1928), Bildhauer Karl Tschank, Leiter des Projektes „BAXA Kalkofen“, Forschungen: Mannersdorfer Stein für den Stephansdom

Literatur

Weblinks

Website der Stadtgemeinde Mannersdorf am Leithagebirge

BAXA Kalkofen- und Steinabbaumuseum Videos und Radiobeiträge über oder aus Mannersdorf im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (Steinmetzarbeiten,…) August Hanisch, Heinrich Schmid: Graeser, Wien 1901. (Online bei ALO). Die Karmeliter-Eremie St. Anna in der Wüste, von Dr. Anton Mayer. Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Bd. 34 (1900), 120-137

Einzelnachweise

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