mini|Body-Cam (Axon) der Polizei in Baden-Württemberg, 2017 mini|Body-Cam (Netco) bei der Polizei in Magdeburg, 2017 Body-Cams (auch Bodycam, für ) sind insbesondere von polizeilichen Einsatzkräften sichtbar getragene Videokameras, die der Dokumentation des Einsatzgeschehens – Handlungen von Bürgern und Polizeibeamten – dienen. Body-Cams werden seit 2005 von einzelnen Polizeieinheiten in Großbritannien verwendet, zuvor wurden sie bereits in Dänemark getestet. Inzwischen verwenden auch zahlreiche deutsche Polizeibehörden Body-Cams. Weiterhin sind diese Gegenstand aktueller Forschung sowie gesellschaftlicher Diskussionen, vorwiegend unter Aspekten des Datenschutzes.
Deutschland In Deutschland wurde erstmals im Jahr 2013 mit dem Einsatz von Body-Cams im Rahmen eines Pilotprojekts des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main begonnen. Aufgrund der als positiv bewerteten Erfahrungen erwägt nach 2015 gemachten Angaben des Leiters der rheinland-pfälzischen Arbeitsgruppe Body-Cam, Heiko Arnd, die Mehrheit der Bundesländer den Einsatz dieser Geräte.
Bundesebene Bundespolizei Seit Februar 2016 wurden bei der Bundespolizei in den Inspektionsbereichen Berlin-Ostbahnhof und Berlin-Hauptbahnhof Body-Cams im Einsatz getestet. Im Kontroll- und Streifendienst wurden täglichen 24 Stunden lang die Systeme eines britischen und deutschen Herstellers für mobile Kameraüberwachung geprüft. Die Geräte beider Hersteller weisen die gleichen Merkmale, wie beispielsweise Bauweise, Einhandbedienung, keine Daueraufzeichnung, Tonaufnahmen optional ein- und ausschaltbar sowie optische Anzeige bei Betrieb, auf.
Am 29. Januar 2016 begann ebenso die Erprobung innerhalb der Bundespolizeidirektion St. Augustin. In den Hauptbahnhöfen Köln und Düsseldorf wird durch die Mitführung der Body-Cams ein neues Einsatzmittel getestet, dem beispielsweise im Strafverfahren eine besondere Bedeutung zu kommen könnte. Im Bereich der Bundespolizeidirektion München werden nach Einweisung von Polizeibeamten die Body-Cams voraussichtlich am Haupt- und Ostbahnhof in München zum Einsatz kommen.
Bei der Bundespolizeidirektion Hannover startete am 10. Februar 2016 nach Einweisung der Beamten die Erprobung im Bereich der Bundespolizeiinspektion Hamburg. Im Brennpunkt der Testphase steht der Hamburger Hauptbahnhof. Die mitwirkenden Beamten nehmen freiwillig an der Erprobung teil. Die Videoaufzeichnung wird durch die Beamten aktiv ausgelöst und soll u. a. gegen gewalttätige Übergriffe in Kontrollsituationen schützen.
Die Bundespolizei speichert Daten aus Aufzeichnungen von Körperkameras mittels Cloud Computing bei Amazon Web Services. Das schrieb das Bundespolizeipräsidium in einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage des FDP-Abgeordneten Benjamin Strasser.
Größtenteils ab 2020 beschaffte die Bundespolizei 2420 Bodycams des Modells Si 500 von Motorola. Das Bundesinnenministerium begründete die Entscheidung damit, dass nur dieses mit dem vom selben Hersteller stammenden Funkgerät der Bundespolizisten kombiniert werden könne. Da der Service-Rahmenvertrag mit Motorola inzwischen abgelaufen war, das Unternehmen aber das Modell nicht mehr anbietet und auch sonst kein Gerät, das den Anforderungen der Bundespolizei entspricht, sollten sich die Geräte nur noch bis Ende 2023 nutzen lassen. Es sollten deshalb neue Geräte eines anderen Herstellers sowie neue Software zur Verarbeitung und Speicherung der gemachten Aufnahmen angeschafft werden.
Deutsche Bahn (DB) Im Juli 2016 wurde durch Bild am Sonntag bekannt, dass die DB einige Mitarbeiter ihrer DB Sicherheit auf Bahnhöfen testweise mit Body-Cams ausgestattet hat. Diese Mitarbeiter sind öfter Gewalt ausgesetzt, das Videobild wird auf einen Monitor übertragen, die Uniform der mit dieser Kamera Ausgerüsteten trägt die Aufschrift „Videoüberwachung“.
Nach erfolgreichem Pilotversuch werden seit Juli 2017 bundesweit Body-Cams für Mitarbeiter der DB Sicherheit auf großen Bahnhöfen und im Umfeld von Sport- und Großveranstaltungen angeschafft.
Landesebene Baden-Württemberg In Stuttgart, Mannheim und Freiburg wurde der Einsatz von Body-Cams, beginnend im Jahr 2016, für ein Jahr durch die Baden-Württembergische Landespolizei getestet. Innenminister Reinhold Gall erhoffte sich dadurch eine Abnahme von Gewalttaten gegen Polizeibeamte. Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde im April 2017 eine sechswöchige Erprobungsphase gestartet: Insgesamt 30 Body-Cams werden bei sechs großstädtisch geprägten Polizeirevieren im Streifendienst eingesetzt. Mit der Auswahl der Erprobungspräsidien sollen daher möglichst schnell erste Erkenntnisse zur Wirkung von Body-Cams erlangt werden.
Im Februar 2019 kündigte Innenminister Thomas Strobel an, Body-Cams landesweit auszurollen. Die Ausstattung sollte bis zum Sommer 2019 abgeschlossen sein. Mehr als 100 Dashcam-Systeme kamen ab Juni 2022 bei der Polizei Baden-Württemberg zum Einsatz, um Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr beweissicher dokumentieren zu können.
Bayern In Bayern testete die bayerische Polizei Body-Cams seit dem 2. November 2016 in München, Augsburg und Rosenheim. Zunächst war nur ein kleiner Teil der Beamten damit ausgestattet. Es wurden dabei drei verschiedene Systeme für ein Jahr getestet. Die Aufzeichnungen sollten dabei gezielt an gefährlichen Orten und bei kritischen Situationen eingesetzt werden. Laut Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer könnten das beispielsweise nachts die sogenannten Feiermeilen und Weggehviertel sein, bei denen es aufgrund hoher Alkoholisierung häufig zu Schlägereien komme. Nach Ansicht des bayerischen Innenministers Herrmann hat sich der Pilotversuch bewährt. Eine entsprechende gesetzliche Regelung ist mit Wirkung zum 25. Mai 2018 in Art. 33 des Polizeiaufgabengesetzes (PAG) eingeflossen.Klaus Kohnen: StMI: ‚Body-Cams‘ für mehr Schutz der Polizisten – Innenminister Herrmann plant nach erfolgreichem Pilotprojekt bayernweite Einführung (zu Body-Cams im PAG-Neuordnungsgesetz) Bayerischer Rechts- und Verwaltungsreport (BayRVR), 28. Februar 2018 Nach einem einjährigen Pilotversuch wurde die Bayerische Polizei im März 2019 dauerhaft mit Body-Cams ausgestattet. Gleichzeitig erfolgte die Beschaffung von 1400 Körperkameras im Wert von rund 1,8 Millionen Euro. Thomas Petri, der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Bayern, kritisierte die sogenannte Pre-Recording-Funktion, da dadurch auch völlig Unbeteiligte erfasst werden könnten.
Berlin Seit Dezember 2022 ist die Berliner Polizei mit 250 und die Berliner Feuerwehr mit 50 Body-Cams ausgestattet. Damit wird der Testbetrieb, der seit Dezember 2021 und bis 2024 läuft, von 30 ursprünglichen Aufnahmegeräten ausgeweitet. Es gelten bei der Einschaltung jedoch strenge Regelungen. Unter anderem sind Polizeibeamte verpflichtet, sie einzuschalten, wenn Zwang angewendet wird. Betroffene können die Einschaltung und später die Herausgabe zur Überprüfung verlangen. Das kann auch der unabhängige Polizeibeauftragte. Body-Cams dürfen nicht in Wohnungen oder auf Demonstrationen verwendet werden.
Brandenburg Die Polizei des Landes Brandenburg begann im Juni 2022 mit der praktischen Erprobung von Bodycams in der Polizeiinspektion Potsdam.Polizei Brandenburg testet Bodycams, Juli 2022
Hamburg In Hamburg gehen seit dem 19. Juni 2015 Beamte der Schutzpolizei in dem Gebiet des auch als Davidwache bekannten PK 15 jeweils am Wochenende in Fünfer-Teams auf Streife. Dabei ist einer der Beamten mit einer Schulterkamera und einem Aufzeichnungs- und Anzeigemodul ausgerüstet. Die Kamera wird dabei mit einer Funk-Fernbedienung am Handgelenk bedient.
Hessen Am 30. Mai 2013 begann beim Polizeipräsidium Frankfurt am Main als erste Polizeibehörde in Deutschland ein einjähriges Pilotprojekt zum „Einsatz mobiler Videoüberwachung“. Über die Erfahrungen bei der Verwendung der Körperkameras erstellte das Polizeipräsidium Frankfurt am Main am 1. Oktober 2014 einen Abschlussbericht.
Nach dem aus Sicht des Hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) erfolgreich verlaufenen Pilotprojekt werden für weitere Polizeidienststellen in Hessen, auch in Offenbach und Wiesbaden, Kamerasysteme beschafft. Eine gesetzliche Grundlage zum Einsatz der Body-Cams wurde mit der Änderung des § 14 Abs. 6 des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG) im September 2015 geschaffen.
Niedersachsen Nach dem Ende eines Pilotversuchs mit 20 Körperkameras von Dezember 2016 bis März 2017 kündigte Innenminister Boris Pistorius im November 2017 die Anschaffung von weiteren 500 Body-Cams für die niedersächsische Polizei an. Die Kosten hierfür wurden mit rund einer halben Million Euro angegeben. In Niedersachsen dürfen derzeit nur Bilder aufgezeichnet werden, Tonaufnahmen sind bislang nicht zugelassen. Die Kameras sollen an Brennpunkten und in Ballungsgebieten eingesetzt werden.
Barbara Thiel, die Landesbeauftragte für Datenschutz in Niedersachsen, kritisierte den Einsatz der Kameras als rechtswidrig, da bislang für deren Einsatz jegliche Rechtsgrundlage fehle, bis zum Erlass des Niedersächsischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (NPOG) im Jahr 2019.
Nordrhein-Westfalen mini|Die Fahrscheinkontrolleure der Düsseldorfer Verkehrsbetriebe wurden 2024 versuchsweise mit Body-Cams ausgerüstet 2017 wurden die Voraussetzungen für den Einsatz von Bodycams im Polizeigesetz geregelt. Im Februar 2019 erklärte das Düsseldorfer Landgericht Aufnahmen aus der Bodycam-Kamera einer Polizistin als Beweis vor Gericht für verwertbar.Welt.de: Landgericht bewertet Bodycam-Aufnahmen für verwertbar Seit Juni 2020 ist der Wachdienst der Polizei in Nordrhein-Westfalen mit Bodycams landesweit ausgerüstet.Polizei.nrw: Mit Bodycam auf Streife Seit 2023 besteht für uniformierte Polizisten im Außendienst eine generelle Tragepflicht.
Rheinland-Pfalz mini|Zepcam, Polizei Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz will als zweites Bundesland nach Hessen Körperkameras bei der Polizei einführen. Diese könnten Gewalttäter abschrecken und im Ernstfall Beweise sichern, so Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD). Hintergrund sei die wachsende Gewalt gegen Polizisten. Geplant sind vom 1. Juli 2015 an zunächst zwei Pilotprojekte in Mainz und Koblenz mit insgesamt 15 Body-Cams und 50 eigens geschulten Polizisten. Die reinen Anschaffungskosten beziffert das Ministerium auf 18.500 Euro. Nach positiven Erfahrungen in der Erprobung der Body-Cams in Koblenz und Mainz schaffte das Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur vor der Straßenfastnacht 2016 in Rheinland-Pfalz 80 weitere Kameras an und führte die Pilotprojekte in allen Ober- und Mittelzentren bis zum 1. Juli 2016 weiter durch.
Sachsen Mit der Verabschiedung des neuen Polizeigesetzes in Sachsen am 11. April 2018 erhält die Polizei die Möglichkeit Body-Cams einzusetzen.Leipziger Volkszeitung: Sachsen beschließt umstrittenes Polizeigesetz, abgerufen am 11. April 2019.
Sachsen-Anhalt Im Dezember 2022 ermöglichte der Landtag in Sachsen-Anhalt den zukünftigen Einsatz von Bodycams bei der Polizei.MDR.de: Polizei Körperkameras im Landtag beschlossen, Dezember 2022. Seit Dezember 2024 werden die ersten körpernah getragenen Aufnahmegeräte in den operativen Einsatzdiensten eingesetzt.
Private Sicherheitsunternehmen Bodycams werden zunehmend auch von Privatunternehmen eingesetzt. "Als Gründe führen sie z. B. Schutz der Beschäftigten vor Übergriffen, Beschaffung von Beweismitteln für zivilrechtliche Ansprüche oder eine abschreckende bzw. deeskalierende Wirkung an. Dem Einsatz von Bodycams stehen allerdings datenschutzrechtliche Bedenken entgegen."
Österreich Bundespolizei