310px|rechts mini|Münzporträt des Hadrian

mini|Befundskizze des Kastells mini|Blick vom oberen Rand des Steilhangs auf die Flussschleife des Irthing mini|Nordwestecke mini|Grundmauern der Basilika mini|Rekonstruktion des Westtors mini|Reste des Osttors mini|Südlicher Flankenturm des Osttores mini|Seitenpfeiler mit Bogenansatz am Osttor kurz nach seiner Freilegung, Gravur von John Storey, 1855 mini|Fensterbogen vom Osttor mini|Intervallturm an der Ostmauer mini|Überreste des Südtors mini|Rekonstruktionsversuch des Südtores von John Storey, 1855 mini|Reste des Südwalls mini|Südostecke mini|Überreste des nördlichen Horreums mini|Detailansicht des südlichen Horreums mini|Rekonstruktion des Doppelhorreums (2. Jahrhundert n. Chr.) mini|Rekonstruktion der frühmittelalterlichen Halle über dem nördlichen Getreidespeicher mini|Hadrianswall nahe Birdoswald mini|Keramikfunde aus Birdoswald mini|Statue der Fortuna, gefunden im Praetorium des Lagers mini|Farmhaus aus dem 17. Jahrhundert (heute Besucherzentrum und Museum Birdoswald)

Banna war ein römisches Kastell der Hilfstruppen im Nordwesten von England, County Cumbria, District Carlisle, Parish Waterhead, Ortsteil Birdoswald-Farm.

Das Lager gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli) und sicherte dessen westlichen Abschnitt. Zunächst nur eine einfache Holz-Erde-Befestigung, wurde es später in ein Steinlager umgebaut, das vermutlich vom 2. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. vom römischen Militär genutzt wurde. Man vermutet, dass im 6. Jahrhundert ein britischer Warlord das Kastell zu seiner Residenz ausbaute. Birdoswald war damit erneut zu einer wichtigen Festung in Nordbritannien geworden und behinderte die weitere Expansion des angelsächsischen Bernica nach Westen. Es zählt heute zu den am besten erhaltenen Wallkastellen und ist das einzige, an dem zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, dass es noch bis ins frühe Mittelalter bewohnt war.

Name Der römische Ortsname ist in Fachkreisen noch umstritten. In den antiken Quellen wird der in Frage kommende Ort entweder als Banna oder Camboglanna bezeichnet. Von den meisten Historikern wird ersterer bevorzugt. Banna stammt aus dem keltischen und kann „Gipfel“, „Horn“, „Sporn“ oder auch „Zunge“ bedeuten und bezieht sich eindeutig auf die topographische Auffälligkeit des Platzes. Dieser Begriff wurde in der Regel auch für die Benennung eines Vorgebirges verwendet. In der westlichen Notitia dignitatum scheint als Stationierungsort der ersten Dakerkohorte das Kastell Amboglanna auf. In der Kosmografie des Geographen von Ravenna wird Banna als ein Ort zwischen Esica (Great Chesters) und Uxelludamo (Stanwix) angegeben. Von den archäologischen Ausgrabungen weiß man zweifelsfrei, dass dort – abgesehen von Carvoran am Stanegate – zwei Wallkastelle standen. Leider gibt die Kosmografie keine weiteren Hinweise darauf, welcher von beiden mit Banna gemeint war. Auch beim Eintrag in der Notitia ist man sich in der Forschung nicht einig, ob damit nun das Lager in Birdoswald oder doch das benachbarte Castlesteads gemeint ist. Der Lösung dieser Frage kam man erst mit der Entdeckung zweier antiker Trinkgefäße in Wiltshire („Rudge-Cup“) und bei Amiens in Frankreich () einen großen Schritt näher. Auf beiden, vermutlich „Souvenirs“ von ehemals in der Wallzone stationierten römischen Soldaten, werden die Namen der Kastelle im Westteil des Walls angegeben. Dies lässt annehmen, dass Castlesteads Camboglanna und Birdoswald das antike Banna war. Ein in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Kastell aufgefundener Silvanusaltar, wurde lt. Inschrift von den „venatores Bannienses“ (siehe auch Abschnitt Garnison) gestiftet, ein weiteres wichtiges Indiz dafür, dass Birdoswald als Banna angesprochen werden kann.RIB 1905, Breeze/Dobson 1987, S. 272, Guy de la Bedoyere 1998, S. 103.

Lage Banna ist das elfte Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Das Kastellareal befindet sich im Nordosten der Grafschaft Cumbria, und zwar etwa elf Kilometer von der nächstgelegenen Stadt, Brampton (westlich) und 1,75 km von Gilsland (östlich) entfernt. Von Banna aus hatte seine Besatzung einen hervorragenden Ausblick auf das Flusstal, den Höhenzug der Whin Sills im Osten, zum Stanegate im Süden und über das Midgeholme Moss Moor bis zum Vorpostenkastell Bewcastle (Fanum Cocidi) im Norden. Die Festung lag an einer wichtigen römischen Fernstraße, dem Maiden Way. Eine von drei römischen Straßen, die in die Stammesgebiete nördlich des Walls führte. Sie endete in Bewcastle, etwa elf Kilometer von Birdoswald entfernt. Zwischen den beiden Festungen konnten mit Hilfe der Besatzungen von zwei an dieser Straße gelegenen Wachtürmen mit Licht- oder Rauchsignalen Nachrichten ausgetauscht werden. Die Befestigungsanlage steht auf einem über dem Fluss Irthing befindlichen, 80 Meter hohen, dreieckförmigen Geländesporn, der nach Nordosten hin leicht stufenförmig ansteigt, im Südwesten und Osten aber in sehr steil zum Fluss abfallenden Hängen ausläuft. Die Südostseite besteht außerdem größtenteils aus instabilem Sand und Lehm und ist noch dazu der Prallhang einer Flussschleife des Irthing. Dies führte dazu, dass er im Laufe der Jahrhunderte immer weiter abgetragen wurde. Die Lagerruine steht heute aufgrund der weit fortgeschrittenen Erosion schon gefährlich nahe am Abhang (Entfernung ca. 50 Meter). Das Bodenniveau an der Südmauer des Getreidelagers, nahe dem Westtor, ist zwei Meter höher als das von dem am Südtor. Das Erdmaterial wurde ebenfalls durch die jahrhundertelange Erosion dort angehäuft. Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Region zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.Tony Willmott 2001, S. 16, Guy de la Bedoyere 1998, S. 101.

Forschungsgeschichte und Fundspektrum Im Jahre 1599 wurde die Kastellruine erstmals vom Antiquar Reginald Bainbrigg beschrieben. Sein Bericht wurde von William Camden in die Britannia aufgenommen. Nach 1603 legte Lord William Howard, eine der Gründungsmitglieder der Society of Antiquaries, eine Sammlung von Fundstücken aus Birdoswald an, die er in seinem Stammschloss Naworth Castle aufbewahrte. Im 18. Jahrhundert hielt sich John Horsley im Kastell auf und berichtete, dass die Mauerreste der Kastellgebäude noch deutlich zu sehen waren. 1802 besuchte William Hutton bei einer Wanderung entlang des Hadrianswalls die Ruine. Eine erste Probegrabung wurde 1831 von Thomas Crawhall durchgeführt, dabei wurde von ihm das Westtor freigelegt. 1850 ließ Henry Norman weitere Teile der Mauern ausgraben. Mit Henry Glasford Potter und seinem Bruder H. W. Potter legte Norman im gleichen Jahr das Südtor und das westliche Seitentor frei. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen fanden zwischen 1896 und 1898 statt. Nach der Entdeckung des Holz-Erde-Walls im Jahre 1895 untersuchte Francis Haverfield den Wall (hier vor allem den Abschnitt zwischen dem Wallkastell und dem Meilenkastell Harrows Scar), um Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Elementen des Mauersystems zu dokumentieren. Er konnte dabei den Verlauf des Holz-Erde-Walls und des Vallum bis zum Fluss Irthing beobachten. Während dieser Arbeiten fand er auch die Reste eines römischen Gebäudes, das über dem zugeschütteten Vallum erbaut worden war – der früheste Beweis für die Existenz eines Lagerdorfes (Vicus) bei Birdoswald.

Weitere Untersuchungen folgten zwischen 1927 und 1933. In der östlichen praetentura wurden 1929 zwei Gebäude beobachtet. Von 1931 bis 1933 wurde das Baulager an der Südspitze des Geländesporns untersucht. Von 1949 bis 1950 konservierten Mitarbeiter des Ministry of Works die bis dahin freigelegten Mauern und Tore. Im Jahre 1959 wurde westlich des Kastells ein Gräberfeld entdeckt. Die archäologische Historie der Festung wurde bis 1961 von Eric Birley und bis 1978 von Charles Daniels zusammengefasst. Sie begannen mit den Ausgrabungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1987 und 1992 fanden unter der Regie des English Heritage umfangreiche Ausgrabungen im Gartenareal südlich des Farmhauses statt. Dabei wurden unter anderem die beiden Getreidespeicher, die Basilika (entdeckt 1989), das Westtor und der Damm über dem Südgraben untersucht. 1997–1998 wurden am Gräberfeld und im Kastellinneren geophysikalische Untersuchungen vorgenommen. Im Jahr 2000 legte das Time Team des Fernsehsenders Channel 4 einige Suchgräben im Vicus und im Gräberfeld an und rekonstruierte am Ufer des Irthing den Ablauf einer römischen Feuerbestattung (Experimentelle Archäologie). In den Jahren 1897, 1933 und 2000 wurden Grabungen auf dem Gelände der Zivilsiedlung vorgenommen.

Im Praetorium am Osttor stieß H. G. Potter 1852 im Badetrakt auf eine Sitzstatue der Göttin Fortuna (heute im Tullie House Museum). Um 1895 konnte eine vergoldete Statuette des Herkules geborgen werden. Eine bronzene Handgeldbörse mit 28 Silbermünzen aus hadrianischer Zeit wurde 1949 nördlich des Osttors unter der rückwärtigen Erdrampe der Mauer gefunden. Sie wurde vermutlich während der Entstehungszeit des Holz-Erde-Kastells dort verloren. Bei Ausgrabungen im Jahre 1931 wurde hinter der Principia – in einer der Mannschaftskasernen – ein Gefäß mit einem weiteren Münzhort entdeckt. Er stammte ebenfalls aus der frühen Regierungszeit des Hadrian und wurde wohl während der Besetzung des Holz-Erde-Kastells hier deponiert. Andere in Birdoswald entdeckte Fundmünzen waren unter anderem fünf Kupferstücke aus der Zeit des Trajan und drei Exemplare, die in die Jahre nach 375 datieren. Die bemerkenswertesten darunter sind: sechs Stücke aus der Zeit des Antoninus Pius (inkl. einer Silberprägung), drei Kupfermünzen des Konstantin I. und seines Nachfolgers Constantius II. Darunter auch Prägungen mit der Aufschrift Fel Temp Reparatio (Wiederherstellung der glücklichen Zeiten). Weitere Münzen wurden zwischen 1987 und 1990 entdeckt, nähere Details darüber sind jedoch nicht veröffentlicht worden. Im Gräberfeld bzw. Vicus wurden 2000 vom Time Team unter anderem ein Fingerring, Münzen und ein fast vollständig erhaltenes Brandgrab (bustum) entdeckt. Die Anwesenheit von Angelsachsen im Kastell wird durch eine Haarnadel mit scheibenförmigem Kopf aus dem 8. Jahrhundert bezeugt, die bei Konsolidierungarbeiten an der Ostmauer entdeckt wurde. Die meisten dieser Funde befinden sich heute in Carlisle.Tony Willmott 2001, S. 19–20, 86 und 74, Eric Birley 1961, S. 203, Guy de la Bedoyere 1998, S. 106., J. C. Bruce 1867, S. 257–259.

Entwicklung 122 befahl Kaiser Hadrian, im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor den ständigen Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und Mannschaften der Classis Britannica errichtet.

2. Jahrhundert