mini|Flagge der Republik Venedig mit dem Markuslöwen Zwölf Schweizer Truppen waren von 1573 bis 1719 in venezianischen Diensten. Im östlichen Mittelmeerraum konnten die militärischen Kräfte der Republik Venedigs, zu denen von 1573 bis 1719 immer wieder Schweizer Truppen gehörten, nicht verhindern, dass ihnen die Osmanen schrittweise Zypern, Kreta und den Peloponnes entrissen.
Schweizer Truppen in fremden Diensten hiess der von Behörden der Eidgenossenschaft mit Staatsverträgen geregelte Solddienst von geführten, ganzen Truppenkörpern im Ausland. Diese Verträge enthielten ein Kapitel, das die militärischen Angelegenheiten regelte: die sogenannte Kapitulation oder Privatkapitulation, wenn einer der Vertragspartner ein privater Militärunternehmer war.
Übersicht der Schweizer Truppen in venezianischen Diensten im Krieg mit den Osmanenum Zypern und Kreta 1571–1681#venBezeichnungJahr83. Doge Gerolamo Priuli 1559–15671Regiment Lussy 1560–157392. Doge Giovanni Bembo 1615–16182Regiment von Salis 1616–16193Kompanie von Salis 1617–162099. Doge Francesco Molin 1646–16554Regiment Werdmüller 1648–16515Regiment Escher ca. 1650–1660103. Doge Giovanni Pesaro 1658–16596Regiment von Weiss 1658–1661 im Krieg mit den Osmanenum den Peloponnes 1683–1719#venBezeichnungJahr106. Doge Alvise Contarini 1676–16847Kompanie Augsburger 1681107. Doge Marcantonio Giustinian 1684–16888Regiment von Roll 1686109. Doge Silvestro Valier 1694–17009Regiment Schmid 1696–1697111. Doge Giovanni II. Corner 1709–172210Regiment Müller 1716–171911Regiment von Stockar 1716–171912Regiment von Salis 1716–1719
Ausgangssituation: der Verlust von Zypern mini|Venezianische Kolonien und Stützpunkte Als sie 1573 zum ersten Mal eine Schweizer Truppe anforderte, war die Republik Venedig bereits auf dem absteigenden Ast. Zwei Generationen vorher hatte der Portugiese Vasco da Gama den Seeweg nach Indien erschlossen. Dies war der Anfang vom Ende für die Wirtschaft Venedigs, einst unbestrittener und prosperierender Dreh- und Angelpunkt der Handelsströme mit dem Orient über die Seidenstrasse.
1571, im August, begann der militärische Niedergang der Republik Venedig „Serenissima“ (italienisch: Serenissima Repubblica di San Marco, Erlauchteste Republik des Heiligen Markus). Nach einjährigem zähen Abwehrkampf verlor die Republik Venedig die Insel Zypern an die Osmanen. Klar folgte auch Venedig dem Aufruf von Papst Pius V. an die christlichen Mittelmeerländer, in einer Heiligen Liga der osmanischen Expansion entgegenzutreten, der bereits Spanien unter Philipp II., die Seerepublik Genua, alle oberitalienischen Herzogtümer, die Stadtrepublik Lucca und die Malteser Ritter angehörten. Der oberste Kriegsherr der Stadt, Doge Alvise Mocenigo I., war sogar in der Lage, aus dem Arsenal umgehend 110 der insgesamt 211 Schiffe der abendländischen Flotte unter dem Oberbefehl von Don Juan de Austria beizustellen, die im Oktober 1571 bei Lepanto auf die osmanische Flotte traf. Doch es sollte das letzte Mal sein, dass die stolze Republik im Konzert der Mächtigen eine Rolle spielte. In der Seeschlacht erlitten die Osmanen unter dem Befehlshaber Kaptan-i Derya Ali Pascha, der dabei den Tod fand, zwar eine vernichtende Niederlage. Doch seine finanziell und militärisch begrenzten Ressourcen und die schwindende Unterstützung durch Philipp II. zwangen Venedig 1573, Zypern in einem Separatfrieden endgültig den Osmanen zu überlassen.
Nach der Seeschlacht von Lepanto 1571 Die katholischen Orte bewilligten Venedig 1573 erstmals, einem früheren Vertrag von Nidwalden von 1560 folgend, den Auszug einer Innerschweizer Truppe nach Dalmatien. Bezeichnung, Einsatzdauer (1ven)Regiment LussyMoritz von Wattenwil: Die Schweizer in fremden Kriegsdiensten. Separatdruck aus dem Berner Tagblatt, Bern 1930 1560–1573Jahr, Vertragspartner 1560, PrivatkapitulationFranz Auf der Maur, Heiraten und Freundschaften: Nidwalden und Schwyz, Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, Band 83, 1991 von Landammann von Unterwalden und Oberst Melchior Lussi mit Venedig, von Unterwalden genehmigt. mini| Goldmünze Scudo aus dem 16. Jahrhundert In Friedenszeiten zahlte ihm die Republik Venedig jährlich 1200 Scudi für den Unterhalt von zwölf Hauptleuten, die er in Eid zu nehmen und stets zur Verfügung zu halten hatte. Im Kriegsfall hatte er innert eines Monats nach Empfang des Befehls zwölf Kompanien zu 300 Mann auszuheben, welche mit je 1500 Scudi im Monat besoldet wurden. 1000 Scudi waren für den Obersten und seinen Stab vorgesehen. Der Vertrag dauerte vier Jahre fest (mit einer Verlängerungsoption von zwei Jahren für Venedig). Nach dieser Frist hatte Lussi um Erneuerung nachzusuchen. Während der Vertrag lief, durften Lussi und seine Hauptleute nicht anderen Fürsten dienen. Sie mussten gegen jedermann kämpfen, ausgenommen gegen den Papst und seine Kirche, und, wenn es Not tat, sollte der eigene Kanton dem fremden Dienste vorgehen.
1573 KapitulationHeinrich Türler, Viktor Attinger, Marcel Godet, Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Vierter Band, Neuenburg, 1927 zwischen der Republik Venedig und den Kantonen Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zug, Solothurn, Freiburg. Bestand, Formation 1 Regiment mit einem Sollbestand von 3'000 Mann. Besitzer, Kommandant, Namensgeber Angeworben von Oberst Melchior Lussi aus Unterwalden, seit 1558 (bis zu seinem Tod 1606) mit einer venezianischen Pension versehen.Herkunft Kader, TruppeAngeworben in den katholischen Orten.
1571 nannte Lussi folgende Hauptleute: Hans Waser, Sohn Melchior Lussi, Bruder Wolfgang Lussi, alle drei von Unterwalden; Caspar Abyberg, Hans Gasser, Schwiegervater Jost Aufder Maur, Balthasar Luchsinger, genannt Mürdi, alle vier von Schwyz; die beiden Brüder Johannes und Walter Zumbrunnen sowie Ambrosius Büntener, alle drei aus Uri.Einsatz, Ereignisse1573 zum ersten Mal von Venedig angefordert, war der Dienst in der Garnison Zara (Zadar) in Dalmatien vorgesehen. Als Lussi mit 1'600 Mann und 1'085 Ruderknechten in Venedig einrückte, war der Separatfrieden mit den Osmanen jedoch bereits in Kraft. Er musste sein Regiment unverrichteter Dinge wieder in die Schweiz zurück führen.
Durch den wachsenden Einfluss Habsburgs in der Adria, das Vorrücken der Osmanen im östlichen Mittelmeer und die zunehmenden Spannungen mit dem Papst beunruhigt, suchte der Doge Leonardo Donà kurz nach der Jahrhundertwende über seinen Unterhändler Gregorio Barbarigo erneut Kontakt zu den Eidgenossen, diesmal zu den benachbarten Drei Bünden (heute: Graubünden) und den beiden grossen protestantischen Orten Bern und Zürich:
1606 schlossen die Drei Bünde mit Venedig einen formellen Offensiv- und Defensivvertrag mit 100 Jahren Gültigkeit ab. 1616 folgten Bern und Zürich mit einem eigenen Bündnis. Es wurde im folgenden Jahr vom venezianischen Grossen Rat ratifiziert und 1618 in Zürich feierlich beschworen.
Bezeichnung, Einsatzdauer (2ven)Regiment von Salis 1616–1619 Jahr, Vertragspartner 1616, Kapitulation zwischen der Republik Venedig und den Drei Bünden.mini|Hercules von Salis Bestand, Formation 1 Regiment von 3'000 Mann. Besitzer, Kommandant, NamensgeberAusgehoben von Oberst Hercules von Salis aus Grüsch. Herkunft Kader, Truppe Ausgehoben in den Drei Bünden. Einsatz, Ereignisse Einsatz gegen die Uskoken in Istrien und 1618 in Venedig bei der Aufdeckung der spanischen Verschwörung von (Manuel-)Pedro Girón de Velasco, Herzog von Osuna und Vizekönig von Neapel, und Alfonso de la Cueva-Benavides y Mendoza-Carrillo, Marquis von Bedmar und spanischer Botschafter in Venedig, die einen Handstreich von deutschen Landsknechten auf die Stadt geplant hatten.
Bezeichnung, Einsatzdauer (3ven)Kompanie von Salis 1617–1620 Jahr, Vertragspartner 1617, Kapitulation zwischen der Republik Venedig und den Drei Bünden. Bestand, Formation 1 Kompanie von 300 Mann. Besitzer, Kommandant, NamensgeberUnter Hauptmann Ulysses von Salis von Marschlins, Sohn des obgenannten Hercules von Salis aus Grüsch (Graubünden).mini|x100px|Kastell Gradisca Herkunft Kader, Truppe Ausgehoben in den Drei Bünden. Einsatz, EreignisseBelagerung von Gradisca während des Konfliktes mit Österreich.
Der Krieg mit den Osmanen um Kreta 1645–1669 1630 brach in der übervölkerten Stadt die Pest aus, kostete einem Drittel der Bewohner das Leben und beschädigte die venezianische Wirtschaft nachhaltig. Zudem begann 1645 ein 24-jähriger Konflikt mit den Osmanen in der Ägäis und in Griechenland, in dem schliesslich Kreta endgültig und auch Teile des Peloponnes an die Osmanen verloren gingen. Auch in diesem Zusammenhang griff Venedig auf seine eidgenössischen Verbündeten zurück.
Bezeichnung, Einsatzdauer (4ven)Regiment Werdmüller 1648–1651 Jahr, Vertragspartner 1648, Kapitulation zwischen der Republik Venedig und den Kantonen Bern und Zürich.mini|Johann Rudolf Werdmüller mit 62 von Matthäus MerianBestand, Formation 1 Regiment von 2'200 Mann in 2 Bataillonen mit 11 Kompanien (6 von Zürich und 5 von Bern). Besitzer, Kommandant, Namensgeber Ausgehoben von Oberst Johann Rudolf Werdmüller aus Zürich. Herkunft Kader, Truppe Teilweise zwangsrekrutiert (Missliebige, Delinquenten, Täufer u. ä.) in Bern und Zürich, was die Truppe für Desertion anfällig machte.Einsatz, Ereignisse eingesetzt in den festen Plätzen in Dalmatien gegen die Osmanen, geriet Werdmüller mit dem venezianischen Oberkommando in einen Zwist über die Einhaltung der Kapitulationsregel bezüglich Detachierungen, mit schlechter Verpflegung und Ausbleiben der Zahlungen als Folge. Es kam nicht zum Kampfeinsatz, aber die ungünstigen Verhältnisse, das ungewohnte Klima und Krankheiten liessen den Bestand auf etwa 800 Mann schmelzen, bevor das Regiment 1650 nach Venedig zurückkehrte und im nächsten Jahr entlassen wurde. Wegmüller hatte seine Truppe mit harter Hand geführt und musste sich dafür vor dem Zürcher Rat rechtfertigen. Die Regelung der ausstehenden Soldansprüche dauerte noch eine geraume Weile.
Bezeichnung, Einsatzdauer (5ven)Regiment Escher ca. 1650–1660 Jahr, Vertragspartner k. A.mini|Kreta mini|Republik Venedig mit Dalmatien Bestand, Formation 1 Regiment von 3'000 Mann. Besitzer, Kommandant, Namensgeber Ausgehoben von Oberst Johann Peter Escher aus Zürich, der vorher im 30-jährigen Krieg unter Gustav II. Adolf gedient hatte. Herkunft Kader, Truppe Zum grössten Teil aus deutschen Mannschaften gebildet. Einsatz, EreignisseEinsatz in Dalmatien und auf Kandia (Kreta).
Bezeichnung, Einsatzdauer (6ven)Regiment von Weiss 1658–1661 Jahr, Vertragspartner 1658, Kapitulation zwischen der Republik Venedig und den Kantonen Bern und Zürich.mini|Karte von Korfu Bestand, Formation 1 Regiment von 1'200 Mann in 2 Bataillonen. Besitzer, Kommandant, Namensgeber Ausgehoben von Oberst Gabriel von Weiss von Molens, Burger von Bern. Weiss war bereits von 1648–1651 mit dem Regiment Werdmüller in venezianischen Diensten im Einsatz gewesen. Herkunft Kader, Truppe k. A. Einsatz, Ereignisse Einsatz auf Korfu. 1665 fragte Venedig erneut in Zürich und Bern für ein Regiment von 2'000 Mann an. Durch die offensichtlich schlechten Erfahrungen in den beiden vorausgehenden Auszügen von Escher und Weiss gewarnt, schraubten die Kantone dabei die Anforderungen in der Kapitulation deutlich höher, was die Verhandlungen mit dem venezianischen Residenten in Zürich, Francesco Giavarino, in die Länge zog. Mit Georg Werdtmüller war bereits der Regimentskommandant bestimmt, als Venedig schliesslich doch auf die Werbung verzichtete. 1681 betrachtete Venedig sogar die Gefahr eines feindlichen Angriffes als nicht vorhanden und die jährlich 8'000 Dukaten Provision an die beiden Städte als zu hoch und kündigte den Vertrag. Das Bündnis mit den katholischen Kantonen lief jedoch weiter.
Die Kriege mit den Osmanen um den Peloponnes 1683–1699 und 1714–1718