Die Pfarrkirche St. Luzia Löf ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude des Bistums Trier in Löf. Sie ist der Lucia von Syrakus geweiht und dient als Pfarrkirche für die dortige römisch-katholische Gemeinde. mini|Nordseite mit dem ehem. St. Maximiner Hof mini|Südwestseite, im Hintergrund Burg Thurant

Geschichte Die Ursprünge einer Kirche in Löf stehen im Zusammenhang mit der bis in die Mitte des 7. Jahrhunderts zurückweisenden, urkundlich seit 893 überlieferten Grundherrschaft der Benediktinerabtei St. Maximin bei Trier. Die früheste urkundliche Erwähnung einer Kirche stammt aus dem Jahr 1140. Die unmittelbare Nachbarschaft von Kirchengebäude und dem Maxminischen Hofgut zeugt von dem engen Zusammenhang zwischen Grundherrschaft und der Pfarrei. Kirchengebäude und grundherrschaftliches Hofgut wurden von den Maximiner Mönchen wohl an der Stelle ehemaliger römischer und fränkischer Herrschafts- und Begräbnis-Anlagen errichtet, wie Ausgrabungen aus dem Jahr 1975 zeigten.Vgl. Back (1989) und Lammei (1975).

Kattenes mit seiner Filialkirche St. Anna gehört seit jeher zur Pfarrei Löf. Bis 1803 bildete Löf zudem für die weiteren umliegenden Orte Mörz, einen Teil von Moselsürsch, die Höfe und Mühlen des heutigen Brodenbach (mit Ehrenburgertal und der Ehrenburg) und bis zum Jahr 1616 auch für Alken samt der Burg Thurant eine Pfarrei.

Patrozinium, Patronat und Baupflicht Patrozinium Schutzpatronin der Löfer Kirche war ursprünglich die Muttergottes. St. Luzia war zunächst Nebenpatronin, der ein Seitenaltar gewidmet war, seit der Zeit um 1700 wird sie als Hauptpatronin genannt.

Patronat und Baulast Das Kirchenpatronat war von der Abtei St. Maximin um 1200 an den Archidiakon von Karden als Lehen ausgegeben, ging ihr aber bald darauf verloren und gelangte in die Hände der Ritter von Arras, die es bereits 1242 dem wenige Jahre zuvor gegründeten Kloster Machern (bei Zeltingen-Rachtig) schenkten. Die Zisterzienserinnen behielten das Patronat und damit das Präsentationsrecht bis zum Umsturz der Verhältnisse durch die Franzosen 1798; damit verbunden war auch das Recht auf den halben Zehnten sowie die Verpflichtung für Bau und Instandhaltung des Chores, der Sakristei und des Pfarrhauses. Die weltlichen Vogtherren (zunächst die Herren von Eltz, seit 1587 die Herren von der Leyen) erhielten die andere Hälfte des Zehnten und hatten die Baupflicht über das Kirchenschiff. Der Unterhalt von Turm, Glocken, Kirchhof, Beinhaus, Fenstern und Zierrat oblag der ganzen Kirchengemeinde.

Baugeschichte Aus römischer Zeit stammen eine Badeanlage aus dem 2.–4. Jahrhundert sowie ein später wiederverwendeter Sarkophag. Darüber fanden sich bei Renovierungsarbeiten im Herbst 1975 im westlichen Teil des Kirchenschiffes sieben fränkische Gräber aus dem 7. Jahrhundert.

Der quadratische gotische Kirchturm aus verputztem Bruchsteinmauerwerk mit einigen wenigen schießschartenartigen Schlitzen zeigt im Unterbau noch romanische Formen.Der Löfer Kirchturm wird von Otte (1868), Lehfeldt (1886), Hauptmann (1991) und Dehio (1911) als romanisch klassifiziert. Erst Gall (1938) beschreibt ihn als „gotischen Turm in romanischen Formen“. So auch Adenauer/Busley/Ney (1943), die ihn „zu jener Gruppe von Moseltürmen mit dem noch romanisch anmutenden Unterbau“ zählen. Die Glockenstube öffnet sich auf allen Seiten mit einer unter einem Blendbogen zusammengefassten Doppelarkade, deren mittlere Stütze aus zwei hintereinander angeordneten Dreiviertelsäulen ohne Kapitell in den romanischen Kämpfer übergeht. Der reich gegliederte achtseitige Helm ist jünger als der Unterbau und besitzt an den Ecken vier zierliche Nebenhelme. Erwähnt wird ein Turm erstmals in einer Urkunde von 1309. Der 1976 angebrachte weiße Anstrich des Turmes ist eine Rekonstruktion des Befundes auf dem alten Putz.

Das Langhaus wurde 1738 nach Plänen des aus Tirol gebürtigen kurtrierischen Werkmeisters Johann Georg Seitz (1689–1739, Vater von Johannes Seiz) im Auftrag der baupflichtigen Vogtherren, der Grafen von der Leyen, neu erbaut und dabei vergrößert. Der schlichte barocke Saalbau weist seitdem eine flache Holzbohlendecke und Flachbogenfenster auf.

Der gotische flach geschlossene Chor mit hölzernem Kreuzgewölbe wurde durch die Äbtissin von Machern anlässlich des Neubaus des Schiffes im Jahr 1738 wohl auch überholt, jedoch erst 1883/84 wegen Baufälligkeit niedergelegt und es wurde unter dem Trierer Architekten Wirtz im gleichen Stil ein neuer Chor errichtet. Hierbei kam es zu einer neugotischen Erweiterung des Schiffes um 2/5 der Länge, dessen Decke seither stuckverziert ist.

Innenausstattung Nach dem Neubau des Chores 1883/84 in neugotischem Stil wurde dem Zeitgeschmack gemäß die Innenausstattung mit Ausnahme der barocken Kanzel nahezu vollständig erneuert, wie berichtet wird: Ein neuer Hochaltar wurde 1889 konsekriert. Die 14 in Eichenholzrahmen eingefassten Ölgemälde an den Längsseiten des Kirchenschiffes mit den Stationen des Leidensweges Jesu wurden 1892 erworben.

Altäre Aus dem 17. Jahrhundert ist überliefert, dass in der Löfer Kirche vier Altäre vorhanden waren: ein Hochaltar zu Ehren Mariens, davor in der Mitte der Kirche ein Kreuzaltar, 1341 gestiftet und mit einer Wochenmesse dotiert, die ein eigner Altarist abhielt, auf der Evangelienseite ein Luzia- und auf der Epistelseite ein Antoniusaltar. Nachdem die hl. Luzia Hauptpatronin wurde, gelangte im Zuge des Kirchenneubaus 1738/1739 ein neuer Hochaltar zu Ehren der hl. Luzia in die Löfer Kirche, der Kreuzaltar wurde Seitenaltar.

Die Ausstattung von 1884 ging weitgehend bei Umgestaltungen in den 1960er-Jahren verloren, ehe die Löfer Kirche in den Jahren 1974 bis 1985 innen und außen vollständig restauriert wurde. Das heutige Retabel in neugotischem Stil wurde 1974 aus der ehemaligen Kapuzinerkirche in Cochem erworben. Hierin fanden die Figuren der Maria und Johannes des Täufers Aufstellung. Die barocke Luzienfigur des Hochaltars von 1744 wurde an der südlichen Stirnwand aufgestellt. Die hölzerne Figur des Erzengels Michael (mit Schwert und Waage) an der nördlichen Seitenwand stammt aus dem 18. Jahrhundert und stand vormals auf der nicht mehr vorhandenen Kanzel. Die Josefsfigur an der südlichen Seitenwand stand zuvor auf einer der beiden vormals noch vorhandenen Beichtstühle.

Kelche Zwei spätgotische vergoldete Silberkelche mit Sechspassfuß gehören noch zum Inventar. Die Inschriften hierauf lauten: sowie und .

Kreuzmonstranz von 1427 mini|Monstranzbild auf der Tafel links oben. Das Bild zeigt den Zustand Mitte des 19. Jh., vor den Ausstellungen in Köln 1876 und Paris 1878Eine jüngere Abbildung als Farbfoto erschien 2001 in: Volkshochschule Untermosel (Hrsg.): Kunstschätze und Sehenswürdigkeiten der Verbandsgemeinde Untermosel (= Mosel-Kiesel: 3). Volkshochschule Untermosel, Kobern-Gondorf, ISBN 3-9806059-1-4, S. 61. Kunsthistorisch besonders wertvoll ist die 43,5 cm große spätgotische Kreuzmonstranz aus vergoldetem Silber mit runder Schaukapsel, barockem Strahlenkranz und einer Pelikanfigur. Der ursprüngliche Zustand dieser Kölner Arbeit, die als eine Vereinfachung des bedeutenden Reliquienkreuzes von 1386 aus dem Kölner Augustiner-Eremiten-Kloster erachtet wird, ist aufgrund zahlreicher Restaurierungen im Verlaufe der Jahrhunderte nicht mehr rekonstruierbar. Das Medaillon zur Aufnahme der Hostie bestand ursprünglich aus Bergkristall. Ihre Sehenswürdigkeit und die Seltenheit dieses Monstranz-Types in Form eines Kreuzes„Meisterwerk gotischer Kunst“ (de Lorenzi 1887), „reizende Arbeit […] ungemein sauber gearbeitet“ (Lehfeldt 1886), „gehört zu den wichtigsten Vertretern dieses seltenen Types“ (Adenauer/Busley/Ney 1943), „Prachtstück“ (Schug 1966). ließ die Löfer Monstranz zu einem Ausstellungsstück auf der Kunsthistorischen Ausstellung in Köln 1876, der Pariser Weltausstellung 1878 sowie zuletzt der Trierer Schatzkunst-Ausstellung 1984 werden. Beim Transport nach Paris 1878 wurde sie beschädigt und der Bergkristall ging verloren. Der Strahlenkranz musste daher erneuert werden.

Die Monstranz wurde 1427 durch Else von Oberstein, der Witwe des verstorbenen Junkers Johann Schönenberg des Jüngeren von Ehrenberg, einem Enkel und Erbe des letzten Herren von Ehrenberg auf der Ehrenburg, zusammen mit einer Capa und einem Casel der Löfer Kirche geschenkt. Hierfür werden beide in die Löfer Bruderschaft „Unser lieben Frauen“ aufgenommen und vierteljährliche Seelenmessen für sie und ihre Eltern eingerichtet. Es wird angenommen, dass das Gerät zuvor als Kreuzreliquiar diente und erst zum Zwecke der Stiftung in eine Monstranz umgestaltet wurde. Bei der Stiftung am 26. Juli 1427 heißt es zu der Monstranz: „[…] ein silbernes Kreuz, übergoldet, da man das heilige Sakrament unseres Herrn Leichnam innen soll tragen“.

Die Ehe von Johann von Schönenberg zu Ehrenburg mit Else von Oberstein blieb kinderlos. Johann stattete Else 1421 auf ihre Lebenszeit mit reichlichem Genuss von Gütern aus, nach seinem Tode durfte sie noch ein Jahr lang auf der Ehrenburg wohnen bleiben und bei ihrem Fortzug alle beweglichen Habseligkeiten mitnehmen. Ritter Johann von Schönenberg verstarb 1426. Seine Witwe dürfte also im Zuge ihres Verlassens der Ehrenburg die Monstranz der Löfer Kirche gestiftet haben.

Unter Hinzuziehung der Stiftungsurkunde wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei einer Restaurierung des sechsseitigen Fußes eine Inschrifttafel neu angebracht, sie lautet: „Joannes von Ehrenberg et Elise von Oberstein ecclesiae paroch. in Lewe. sub Martino V. papa. anno 1427 dono dederunt“, „Johannes von Ehrenberg und Elise von Oberstein haben der Pfarrkirche in Löf unter Papst Martin V. im Jahre 1427 dies geschenkt“.

Orgel Im Herbst 1864 erhielt die Löfer Kirche auf Betreiben des damaligen Pfarrers Fendel ihre erste Orgel mit sieben Registern aus der Mainzer Werkstatt J.G. Finkenauer. Im Jahr 1924 wurde eine pneumatisch gesteuerte Kegelladenorgel mit 17 Registern auf zwei Manualen und Pedal der Firma H. Voit & Söhne aus Durlach angeschafft. 1978 wurde die Empore erneuert und die heutige mechanische Schleifladenorgel mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal aus der Werkstatt Oberlinger eingebaut.Bösken-Fischer-Thömmes: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins, Band 4/1 (2005), S. 629f. Eine fachmännische Vorstellung und Begutachtung der Orgel im Jahr 2021 wurde gefilmt und veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=tCY_sT_hmpA

I. Manual C–g3 1. Principal 8′ 2. Rohrflöte 8′ 3. Oktave 4′ 4. Schwiegel 2′ 5. Mixtur 4fach 6. Trompete 8′ II. Manual C–g3 7. Holzgedackt 8′ 8. Blockflöte 4′ 9. Principal 2′ 10. Sesquialter 2fach 11. Cymbel 2fach Pedal C–c1 12. Subbaß 16′ 13. Oktavbaß 8′ 14. Principalflöte 4′

Koppeln: II/I, I/P, II/P

Glocken Die vier ursprünglichen Glocken stammen aus den Jahren 1463 – Dm. 1,27 m; 1340 kg; Hauptton: f; Inschrift: „maria heyssen ich alle boysse wedder verdriven ich tilman van hachenburgh gausz mich in den iaren so man schreiff m ccc lxiii“; erinnert an das frühere Muttergottes-Patrozinium der Löfer Kirche 1727 – Dm. 1,12 m; 930 kg; Hauptton: fis; Weihe: 29. Oktober 1727; Inschrift: „S. MARIA, S. LUCIA PATRONAE IN LOEF ORATE PRO NOBIS ANNO MDCCXXVII ENGELBERT CREMEL VON MEYEN GOS MICH (1727)“ 1744 – Dm. 0,85 m; 375 kg; Ton: a; Weihe: 14. Juli 1744; Inschrift: „MATTIHAEUS MARCUS LUCAS JOHANNES LASST MICH GIESSEN DAS KIRCHSPEL LOEF HERR J. JACOB OSTER PASTOR DURCH JOH. JACOB SPECK VON KIRWEILER GOS MICH ANNO 1744“ 1727 – Dm. 0,45 m; 20 kg; Ton: h; Weihe: 11. Februar 1728; Inschrift: „OMNES SANCTI ET SANCTAE DIE INTERCEDITE PRO NOBIS“

Auch die Löfer Glocken wurden im Kriegsjahr 1943 requiriert, überstanden jedoch die Kriegszeit unversehrt und konnten 1948 nach Löf zurückgeführt werden.