mini|Ding Zilin, 2014

Ding Zilin (; * 20. Dezember 1936 in Shanghai) ist eine chinesische Bürgerrechtsaktivistin und ehemalige Professorin der Chinesischen Volksuniversität für Philosophie. Sie ist die Mutter eines der Getöteten des Tian’anmen-Massakers (3. und 4. Juni 1989) und leitet seitdem die Aktivistengruppe Tian’anmen-Mütter.

Leben und Wirken Details aus dem Leben Ding Zilins und ihrer Familie sind nur im Kontext ihres Engagements um das Tian’anmen-Massaker bekannt.

Ding Zilins Sohn Jiang Jielin nahm im Alter von 17 Jahren an den Protesten der Demokratiebewegung in der Nacht auf den 4. Juni teil, obwohl er von seiner Mutter vor der Gefahr der gewaltsamen Räumung, die auch im Staatsfernsehen angekündigt worden war, gewarnt wurde. An Informationen über Jiangs direkte Todesumstände gelangte Ding Zilin lediglich über Aussagen von Klassenkameraden, die ebenfalls an der Kundgebung teilgenommen hatten: Laut ihnen wurde er durch ein Geschoss in die Brust tödlich verletzt. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

In der direkten Folge versuchte Ding mehrfach, insgesamt sechs Mal, Suizid zu begehen, allerdings betrachtet sie ihr Leben seit August 1989 als Versuch erneut aufzustehen:

Ihre persönlichen Forderungen an die Regierung der Volksrepublik China entsprechen denen der Tian'anmen-Mütter: Eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse vom 4. Juni 1989, eine Erklärung an die Verwandten der Toten, wie diese gestorben sind; juristische Verfahren zum Tian-anmen-Massaker und gesetzmäßige Kompensationen für alle betroffenen Familien, Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen des Tian’anmen-Massakers.

Zusammen mit ihren Mitstreitern hatte Ding Zilin zwischen 1995 und 1998 sechs Petitionen an den Nationalen Volkskongress gesendet, zuletzt auch an den Staatspräsidenten.

Nach der Konfiszierung von Spendengeldern an Ding übermittelte sie dem lokalen Büro des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit einen Protestbrief, später folgte auch Protest an die Landesebene.

Über ihren Sohn sagt sie:

Repressionen Ihr Engagement in Form der Tian’anmen-Mütter führte zu Aufmerksamkeit durch die internationale Presse, was wiederum zu staatlichen Repressionen führte:

Im Zuge der Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo 2010 wurde Ding, zusammen mit mehreren anderen Unterstützern und Fürsprechern für das Anliegen der Charta 08 – politische Reformen und Demokratisierung in China, von der örtlichen Polizei entführt und als Politischer Gefangener festgesetzt.Cara Anna: , The Huffington Post — Website, 15. Oktober 2010. Abgerufen am 15. November 2015.

Vor dem 24. Jahrestag des Tian’anmen-Massakers prangerte Ding erneut die seit 1991 andauernde Observation an:

Nachdem Ding mit mehreren Intellektuellen und Aktivisten aus verschiedenen Nationen zum 25. Jahrestag einen Aufruf in Form des Projektes june4commemoration.org veröffentlichte, wurde sie — zusammen mit 19 anderen Aktivisten — unter Hausarrest gestellt; 18 weitere Personen wurden inhaftiert, 10 Personen waren mehrere Tage verschwunden, 10 Personen wurden durch die Polizei zur Ausreise in entfernte Städte gezwungen., Amnesty International — Website, 27. Mai 2014. Abgerufen am 15. November 2015.

Weblinks

Kristin Kupfer: 20 Jahre Tiananmen : „Wir müssen das Schweigen über Tiananmen brechen“, Die Zeit – Website, 3. Juni 2009. Rebecca MacKinnon: Ding Zilin: an advocate for the dead, CNN — Website, Juni 1999.

Einzelnachweise

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