mini|Außenansicht der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Essenbach von Südwesten mini|Innenraum Die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im niederbayerischen Markt Essenbach im Landkreis Landshut ist eine im Kern spätgotische Kirche, deren Chorgewölbe laut Inschrift an einem Schlussstein im Jahr 1470 fertiggestellt wurde. Durch mehrfache Erweiterungen entstand daraus im Laufe der Jahrhunderte eine dreischiffige Hallenkirche. Bemerkenswert ist die Ausstattung im Stile des Barock und Rokoko, die zum Teil von dem berühmten Landshuter Bildhauer Christian Jorhan dem Älteren stammt. Mariä Himmelfahrt ist ein nach der Haager Konvention geschütztes Kulturgut und als Baudenkmal mit der Nummer D-2-74-128-1 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingetragen. Sie bildet mit St. Dionysius (Mettenbach) und Mater Dolorosa (Mirskofen) die katholische Pfarreiengemeinschaft Essenbach im Dekanat Landshut des Bistums Regensburg.
Geschichte
Vorgängerbau Essenbach wurde im Jahr 831 erstmals urkundlich erwähnt, als Hitto, der Abt des Klosters Mondsee sein Gut zu Heisenbach dem Regensburger Domkapitel übereignete. Daraus muss sich ein kleiner Herrschaftssitz entwickelt haben, denn 1263 stifteten die Brüder Konrad und Friedrich von Perge im unmittelbaren Umfeld ihrer Wasserburg ein spätromanisches oder frühgotisches Gotteshaus, bestehend aus Langhaus und halbrunder Apsis. Der Turm, der ursprünglich als Bergfried dieser Burg diente und deshalb im unteren Bereich über rund zwei Meter dickes Füllmauerwerk zwischen zwei Backsteinschalen verfügt, besaß zu dieser Zeit noch keine Verbindung zum Kirchengebäude.Sixtus Lampl: Essenbach und seine Kirchen. Schlossverlag Valley, 2008. S. 4–6.Pfarramt Essenbach, Mettenbach + Mirskofen: Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Online auf www.pfarramt-essenbach.de; abgerufen am 22. Dezember 2019.
Entstehung des heutigen Kirchenbaus in Spätgotik und Barock Während der Blütezeit des Wittelsbacher Teilherzogtums Bayern-Landshut wurde um 1470 anstelle des spätromanisch-frühgotischen Vorgängerbaus eine spätgotische Kirche errichtet, die dem heutigen Chor und vier östlichen Jochen des Mittelschiffs entspricht. Außerdem wurde um diese Zeit der mittelalterliche Bergfried erhöht und zum Kirchturm ausgebaut; dabei erhielt er seinen Achteckaufsatz, die Galerie und den gemauerten Spitzhelm. Der Baumeister der Kirche ist unbekannt, kann aber aufgrund diverser Stilelemente der Landshuter Bauhütte zugeordnet werden, die zu dieser Zeit unter anderem an der Fertigstellung der Stiftsbasilika St. Martin arbeitete.
Ausgehend von einem Gelöbnis während des Dreißigjährigen Kriegs und da die Essenbacher Kirche letztendlich vor der Zerstörung verschont wurde, baute man um 1670 das nördliche Seitenschiff an und widmete es als Marien- oder Frauenkapelle der Mutter Gottes. Um dieses mit dem bestehenden Langhaus zu verbinden, wurden aus den Seitenwänden kurzerhand vier rundbogige Arkaden herausgebrochen. Im Jahr 1713 folgte schließlich das südliche Seitenschiff, welches in gleicher Weise mit dem Mittelschiff verbunden wurde. Dieses stellte endgültig die Verbindung zu dem zuvor freistehenden Turm her, welcher gegenüber dem Kirchenbau leicht verdreht ist. Eine ähnliche historische Entwicklung lässt sich beispielsweise bei der Basilika St. Emmeram in Regensburg oder bei der Pfarrkirche St. Florian und Wolfgang in Kirchberg feststellen.
Umbauten im 20. Jahrhundert und Erhebung zur Pfarrei 1922 In den Jahren 1910/11 wurden alle drei Schiffe in einer Mischung zwischen Neobarock und Jugendstil – etwa in der Art Heinrich Hauberrissers – um zwei Joche nach Westen verlängert. Außerdem wurde die heutige Empore errichtet und die spätgotische Sakristei um ein Joch nach Osten erweitert. 1922 erfolgte die Ausgliederung Essenbachs aus der Pfarrei Altheim und damit die Gründung der Pfarrgemeinde Essenbach. Erster Pfarrer wurde der spätere Dekan Josef Müller.Marktgemeinde Essenbach: Kirchen & Pfarrämter. Online auf www.essenbach.de; abgerufen am 22. Dezember 2019.
Renovierungsmaßnahmen seit den 1980er Jahren Im Jahr 1982 das Kirchengestühl unter Verwendung der barocken Wangen erneuert. 1988/89 wurde die Sakristei auf etwa die doppelte Grundfläche erweitert. Im Jahr 1994 baute man eine neue, barock disponierte Orgel einbauen und eine dem Zweiten Vatikanischen Konzil entsprechende Aufstellung von Volksaltar und Ambo vornehmen, ohne dass dabei in die bestehende Ausstattung des Chorraums eingegriffen wurde. Beide Ausstattungsstücke wurden den Rokokoaltären stilistisch angeglichen. 1997 wurde der Turm saniert. Dabei erfolgten auch der Einbau eines neuen Glockenstuhls mit Gegenpendelanlage und eine vollständige Erneuerung der Balustrade.
Von 2020 bis 2022 erfolgte eine umfolgte eine umfangreiche Innenrenovierung. Dabei wurden unter anderem die Heizungsanlage und die Elektroinstallationen erneuert, ein neues Lichtkonzept mit LED-Leuchten umgesetzt, der Putz ausgebessert und ein neuer Anstrich aufgetragen. Als besonders herausfordernd erwies sich die Restaurierung des Stuckaturen im nördlichen Seitenschiff. Außerdem wurde die knapp 30 Jahre alte Orgel grundgereinigt und neu intoniert.Landshuter Zeitung vom 18. November 2022: Der Markt hat seine Pfarrkirche wieder – Nach der großen Sanierung erstrahlt das barocke Gotteshaus in neuem Glanz
Architektur
Entstehung des heutigen Kirchenbaus Die Pfarrkirche ist heute der Bauform nach eine dreischiffige Hallenkirche, wobei das Mittelschiff mit dem nur leicht eingezogenen, geosteten Chor den spätgotischen Kernbau bildet. In barocker Zeit wurden die beiden Seitenschiffe angebaut. Alle drei Schiffe umfassten bis Anfang des 20. Jahrhunderts nur vier Joche; erst 1910/11 wurde der Bau um zwei Joche nach Westen verlängert. mini|hochkant=1|Außenansicht von Nordosten mini|hochkant|Turmoberbau
Außenbau Der noch aus spätgotischer Zeit stammende, außen unverputzte Chor besteht aus drei Jochen und einem Chorschluss in drei Achteckseiten, die jeweils spitzbogige Fensteröffnungen enthalten. Das mittlere Fenster, innen vom Hochaltar verdeckt, wurde in der Barockzeit zugesetzt. Der Außenbau des Altarhauses wird durch einmal abgesetzte Dreieckslisenen, Kaffgesims und einen inzwischen verputzten und weiß übertünchten Dachfries gegliedert. An der Nordseite des Chores ist die Sakristei angebaut, die im Laufe des 20. Jahrhunderts bereits zweimal erweitert wurde und deshalb heute in der Breite über das nördliche Seitenschiff hinausragt.Sixtus Lampl: Essenbach und seine Kirchen. Schlossverlag Valley, 2008. S. 7f.Anton Eckardt (Hrsg.): Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern – Bezirksamt Landshut. Oldenbourg, München 1914, S. 83ff. (Digitalisat).
Das Mittelschiff ist nur unmerklich breiter als der Chor und umfasst wie die beiden Seitenschiffe sechs Joche. Der gegenüber den Schiffen um wenige Grad verdrehte Turm springt merklich in das vierte und fünfte Joche des südlichen Seitenschiffs ein; im sechsten Joch wird die verringerte Breite beibehalten. Auch das rückwärtige Joch des nördlichen Seitenschiff wurde schmäler als die übrigen gestaltet. Die Breite der Seitenschiffe und die Bauform ihrer Bedachungen sind nicht nach den üblichen Proportionen der Spätgotik erfolgt; daher ist nicht nur ihre Ausstattung, sondern die Bauzeit dem Barock zuzuordnen. Alle drei Schiffe sind unter einem gemeinsamen Satteldach vereinigt, welches auch das Altarhaus mit einbezieht. Bis auf zwei kleine Fenster auf der Höhe der Orgelempore verfügt das Mittelschiff seit dem Anbau der Seitenschiff über keine eigenständige Beleuchtung mehr. Die Fenster in den Seitenschiffen sind oben und unten ausgerundet. Der Bau verfügt über drei Portale: jeweils im fünften Joch der Seitenschiffe und an der Rückwand des Mittelschiffs. Bis auf das Presbyterium ist der gesamte Außenbau gelb getüncht; lediglich die Fensterlaibungen sind in weißer Farbe gehalten.
Der Unterbau des massigen Turmes, der rund zwei Drittel der Gesamthöhe einnimmt, geht im Kern auf die romanische Vorgängerkirche zurück und weist rund zwei Meter starkes Füllmauerwerk zwischen zwei Backsteinschalen auf. Das weitgehend ungegliederte Äußere verweist noch auf die ursprüngliche Funktion als Bergfried. Erst unmittelbar vor dem Übergang zum Achteck befinden sich je Seite zwei Rechteckblenden mit Deutschem Band und abschließendem Rundbogenfries. Der gedrungene achteckige Oberbau ist an den Schrägseiten mit Spitzbogenblenden verziert; an den übrigen Seiten befinden sich die Turmuhren und die spitzbogigen Schallöffnungen. Den oberen Abschluss bildet wiederum Deutsches Band. Den spätgotischen Oberbau bekrönen eine einzigartige Tuffstein-Galerie mit Eckfialen, die wie eine Krone wirkt, jedoch im 20. Jahrhundert in Beton nachgebildet wurde, und ein gemauerter, achtseitiger Spitzhelm mit Kreuzblume. mini|hochkant=1|Gewölbe mini|hochkant=1|Schlussstein mit Kopfrelief
Innenraum Chor und Mittelschiff, beide etwa zur gleichen Zeit entstanden, werden von einem spätgotischen Rippengewölbe in sternförmiger Figuration mit Stichkappen überspannt. Rechteckige, gefaste Wandpfeiler mit halbrunden Diensten und gleichartige Schildbögen tragen das Gewölbe. Dessen Rippen entspringen ohne Vermittlung aus den halbrunden Diensten. Das Gewölbe verfügt über runde Schlusssteine, wobei der im Chor östliche Schlussstein ein Kopfrelief aufweist und der zweite von Osten die Jahreszahl der Erbauung (1470) trägt. Der spitze, beidseits gefaste Chorbogen ist leicht eingezogen und besitzt ebenfalls einen halbrunde Dienst, der ungewöhnlicherweise bis zum Scheitelpunkt des Bogens weiterläuft. Das Gewölbe im historischen Teil der Sakristei besitzt – wie in Chor und Mittelschiff – sternförmige Figuration und ruht auf halbrunden Profilkonsolen. Dem runden Schlussstein ist eine Rosette aufgelegt.
Rundbogenarkaden, die in der Barockzeit aus der Seitenwand des Mittelschiffs herausgebrochen wurden, vermitteln den Übergang zu den Seitenschiffen. Stehengeblieben sind rechteckige Pfeiler, welche die Scheidbögen tragen. Diese wurden mit barocken Gesimsen verziert. Beide Seitenschiffe werden von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überspannt. Das hinterste Joch des Mittelschiffs wird von der Chor- oder Orgelempore überdeckt.
Maße Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gibt in einer Grundrisszeichnung folgende Maße an:Sixtus Lampl: Essenbach und seine Kirchen. Schlossverlag Valley, 2008. S. 6. Innenlänge gesamt: 36,25 m Innenlänge des Chores: 10,90 m Innenlänge des Langhauses: 25,35 m davon Erweiterungsbau 1910/11: 9,60 m Innenbreite gesamt: 20,00 m Innenbreite des Chores: 8,00 m Innenbreite des Mittelschiffes: 8,75 m Innenbreite des nördlichen Seitenschiffes (1.–5. Joch): 4,60 m Innenbreite des südlichen Seitenschiffes (1.–3. Joch): 4,90 m Turmhöhe gesamt: 40,50 m Turmhöhe bis zur Glockenstube: 24,25 m
Ausstattung mini|Chorraum mini|Barocker Taufstein mini|Rosenkranzmadonna mini|Spätgotische Pietà Bemerkenswert ist die reichhaltige Ausstattung, die überwiegend im Stile des Barock und Rokoko gehalten ist. Besonders hervorzuheben sind die barocken Wandgemälde und Stuckaturen im nördlichen Seitenschiff aus der Zeit um 1670 sowie der Hochaltar und die beiden Chorbogenaltäre, die aus der Werkstatt des berühmten Landshuter Bildhauers Christian Jorhan d. Ä. stammen. Aus spätgotischer Zeit haben sich eine Figur der Mondsichelmadonna am Altar der nördlichen Seitenschiffs sowie eine Pietà im südlichen Seitenschiff erhalten.
Hochaltar