The Big Short (dt. etwa Das große Shorten oder Der große Leerverkauf) ist ein US-amerikanischer Film von Adam McKay, der am 12. November 2015 beim AFI Fest seine Premiere feierte und am 11. Dezember 2015 in ausgewählte US-Kinos kam. In Deutschland erschien der Film am 14. Januar 2016. Der Film basiert auf dem Buch The Big Short: Inside the Doomsday Machine von Michael Lewis.
Der Film wurde im Rahmen der Oscarverleihung 2016 in fünf Kategorien nominiert. Ausgezeichnet wurde er letztlich für das beste adaptierte Drehbuch.
Handlung Der Film verfolgt drei parallel verlaufende Handlungsstränge der Protagonisten Michael Burry, das Investmentteam um Mark Baum und das Fondsmanager-Duo Charlie Geller und Jamie Shipley.
Der schrullige Hedgefonds-Manager Michael Burry erkennt die sich anbahnende Blase am US-Immobilienmarkt und sieht die darauf folgende Finanzkrise kommen. Er analysiert die Lage akribisch und hinterfragt insbesondere die Praktik der großen Investmentbanken, sichere Hypothekenbestände mit risikoreichen Beständen zu vermischen und diese Pakete (CDOs) dann von den Ratingagenturen hoch bewerten zu lassen, um sie gewinnbringend an andere Finanzinstitute weiterzuverkaufen. Um dieses Wissen nun zu nutzen, versucht er schließlich, mit den Mitteln seines eigenen Fonds mit einem neu kreierten Finanzinstrument auf den abzusehenden Kurseinbruch zu wetten (siehe auch Long und Short). Seine Geschäftspartner aber, zumeist Mitarbeiter anderer Banken, belächeln ihn als Sonderling, bieten ihm jedoch in Anbetracht scheinbar sicherer Gewinne speziell aufgelegte Credit Default Swaps (CDS – eine Art Versicherung auf den Ausfall von Bonds) an, die Burry in großer Zahl in den Fonds aufnimmt. Auch Burrys Kunden ärgern sich über seine in ihren Augen falschen Annahmen und hohen Versicherungsprämien – die den Fondswert binnen sechs Jahren komplett aufzehren würden – und drohen ihm, ihr Kapital aus seinem Fonds abzuziehen.
Mark Baum ist der Leiter eines kleineren Investmentunternehmens, welches unter dem Dach von Morgan Stanley tätig ist. Seit dem Suizid seines ebenfalls im Finanzsektor tätigen Bruders ist er ein desillusionierter Zyniker. Die in seinen Augen heuchlerische und gierige Finanzbranche ist ihm verhasst, trotzdem arbeitet er weiterhin in der Branche. Durch eine Namensverwechslung kommen er und sein Team mit dem Makler Jared Vennett in Kontakt. Vennett arbeitet für die Deutsche Bank, kennt das Risiko der Immobilienblase und hat intern von den großen CDS-Transaktionen gehört, die irgendein Fondsmanager in Auftrag gegeben hat. Er selbst ist an den beträchtlichen Provisionen beim Verkauf der CDSs interessiert und trägt dabei kein Risiko. Er überzeugt Baum, ebenfalls CDSs in sein Portfolio aufzunehmen. Baum ist zunächst skeptisch. Baums Team recherchiert in Florida, wo sie zahlreiche leerstehende Häuser in einer Wohnanlage und einige Merkwürdigkeiten entdecken. So hat beispielsweise ein Hausdarlehensnehmer den Vertrag auf den Namen seines Hundes abgeschlossen. Anschließend sprechen sie mit zwei privaten Kreditvermittlern, die ihr Geld mit dem Verkauf von Immobilienkrediten verdienen. Ohne irgendeine Erfahrung haben sich die beiden darauf spezialisiert, vor allem Immigranten sogenannte „Ninja-Kredite“ (No Income, No Job, No Assetsassets: Vermögen (Online_Wörterbuch LEO https://dict.leo.org/englisch-deutsch/assets)) zu verkaufen, da diese oft nur schlecht Englisch sprechen und so die komplizierten Verträge nicht verstehen. Da die beiden für Kredite mit variablem Zinssatz die fünffache Provision bekommen, verkaufen sie ausschließlich diese, auch wenn ein Ansteigen des Zinssatzes bedeutet, dass die Schuldner den Kredit nicht mehr bedienen können. Das von ihnen vertriebene Geschäftsmodell ist auch für ihre Klientel – noch – lukrativ, da sie bei bisher steigenden Immobilienwerten und niedrigen Zinsen ihre Grundstücke und Häuser regelmäßig nachbeleihen können. Baum erkennt, dass der Markt nur unter diesen beiden Bedingungen weiter funktionieren kann. Und die Zinsen steigen zu diesem Zeitpunkt bereits, wenn auch moderat, während die Immobilienpreise stagnieren und zu fallen drohen. Als Extrembeispiel wird eine Stripperin genannt, die ohne geregeltes Einkommen oder Eigenkapital fünf Häuser und eine Eigentumswohnung komplett durch mehrere Darlehen finanziert hat.
Charlie Geller und Jamie Shipley sind zwei junge Fondsmanager, die mit einem geringen Startkapital ihr Portfolio über Jahre hinweg mühsam auf 30 Mio. USD aufgepäppelt hatten. Nun sind sie eigentlich auf der Suche nach einer Partnerbank, um größere Geschäfte tätigen zu können, als sie durch Zufall auf Vennetts Verkaufsunterlagen stoßen und mit Hilfe ihres Mentors Ben Rickert ebenfalls in das Geschäft der CDSs einsteigen. Indem sie gegen den Markt wetten, können sie mit geringen eigenen Mitteln potentiell gigantische Gewinne erzielen, vor allem da sie auch gegen relativ gut bewertete CDOs wetten, da die Ratingagenturen das tatsächliche Ausfallrisiko grob unterschätzten. In großem Stil setzen also alle Beteiligten darauf, dass zehntausende Familien ihre Häuser verlieren.
Baum durchschaut das Spiel. Die von ihm ausgesprochenen Warnungen vor dieser Blase werden jedoch vom Großteil der anderen Bankiers und Manager ignoriert oder belächelt, da der Immobilienmarkt „grundsolide“ sei. Im Entwicklungszeitraum des Filmes – einige Jahre – nimmt die Ausfallrate der Subprime-Kredite zunächst allmählich und schließlich mit steigender Rasanz zu. Im Verlaufe dieser Entwicklungen, aber noch weit vor der eigentlichen Krise, wird den Banken das Ausmaß der Zwickmühle klar, in der sie stecken: Sie verkaufen die eigenen faulen Papiere an nichtsahnende Kunden und wetten nun ebenfalls gegen den Häusermarkt. In Folge verharren die Werte der CDOs, und somit bleiben auch die CDS zunächst wertlos – von den Protagonisten schnell als Manipulation entlarvt, da die CDOs mit dem Verlauf der ihnen zugrunde liegenden Immobilienkredite korrelieren sollten. Charlie und Jamie versuchen, diese Erkenntnis publik zu machen, allerdings weigert sich ein befreundeter Redakteur des Wall Street Journal, die Geschichte zu publizieren. Zu unglaubwürdig scheint ihm die Idee, dass die Banken in derart großem Maßstab betrügen, und zu groß das Risiko, durch einen kritischen Artikel seinen guten Ruf zu verlieren. Baum – ebenfalls beunruhigt über das Verharren der CDS – stellt eine Managerin einer Ratingagentur zur Rede. Im Verlaufe des Gesprächs tritt zu Tage, dass die Ratingagenturen mindestens ahnungslos über die Ausfallsicherheit der CDOs sind, wahrscheinlicher aber parteiisch sind und die CDOs im Sinne der ausgebenden Banken zu positiv bewerten. Allen Hauptakteuren wird spätestens jetzt klar, dass praktisch niemand über das Ausfallrisiko der CDOs im Klaren ist und nur sehr wenige Personen wissen, was wirklich in den CDOs eingeschnürt ist („CDOs sind Hundescheiße, und Synthetic CDOs sind Hundescheiße, eingewickelt in Katzenscheiße.“).
Mitten in einer Expertenkonferenz zu dem Thema kommt es zum Eklat: Mark Baum debattiert mit Bruce Miller, einem Banker, der immer noch nicht an die Krise glauben will. Noch während der Konferenz stürzen die Aktien von Millers Bank, Bear Stearns, plötzlich ins Bodenlose.Bear Stearns - Bankenkrise stürzt Börse in Turbulenzen bei Spiegel Online, eingefügt am 30. Dezember 2019. Gleichzeitig werden die Zinsen für Interbankfinanzkredite angehoben, wodurch die Blase platzt: Da viele Hausbesitzer nun plötzlich ihre Kredite nicht mehr bedienen können, erweist sich Burrys Annahme als richtig. Er und die wenigen anderen Investmentbanker aber können durch ihre Shorts auf den Häusermarkt einen enormen Profit einstreichen. Die Investmentbanken, die vorher selbst mit ihren fragwürdigen Geschäftspraktiken zum Wachstum der Blase beigetragen haben, kommen dagegen nicht so glimpflich davon. Hunderte Banker werden arbeitslos. Selbst Morgan Stanley hält erhebliche Posten der CDOs und Mark Baum muss erkennen, dass er gegen seine eigene Bank gewettet hat und diese nun am Rande der Pleite steht. Die an sich werthaltigen CDS würden Bestandteil der Konkursmasse und somit ohne Nutzen sein. Baum veräußert – zunächst widerstrebend – die CDS vor dem erwarteten Zusammenbruch Morgan Stanleys, sodass sein Ressort innerhalb der maroden Bank einen erheblichen Gewinn verbucht und Baums Team zumindest eine Erfolgsprämie einfährt. Vennett streicht eine Provision von 47 Mio. USD ein. Geller und Shipley können ihre Shorts für immerhin 80 Mio. USD veräußern. Burrys Fonds erzielt eine Rendite von über vierhundert Prozent. Burry beschließt trotzdem, seinen Fonds aufzulösen.
Durch die massiven Kurseinbrüche, Banken-, Firmen- und Privatinsolvenzen aber gerät schließlich die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken: Die Weltwirtschaftskrise von 2007 hat begonnen. Getroffen werden dadurch vor allem die einfachen Amerikaner, repräsentiert durch eine Familie, die ihr angemietetes Haus verliert, obwohl sie stets pünktlich ihre Miete bezahlt hat. Deren Vermieter beglich die immens gestiegenen Darlehensraten nicht mehr. Ironischerweise und bezeichnend für die bizarre Gier nach immer neuen Krediten schloss der Vermieter ein Darlehen auf den Namen seines Hundes ab.
Die Banken kommen größtenteils ungeschoren davon, nur ein einziger Banker muss ins Gefängnis. Die Verursacher der Krise, die großen Banken, werden mit Staatsgeld gerettet. Allein in den USA verlieren acht Millionen Menschen ihren Job, sechs Millionen ihr Haus.
2015 beginnen große Banken erneut damit, CDOs als sogenannte „bespoke tranche opportunity“ zu verkaufen.
Hintergrund Die im Jahr 2007 beginnende Finanzkrise, die Teil der Weltwirtschaftskrise war, wurde im Sommer 2007 durch die US-Immobilienkrise eingeleitet. Sie war die Folge eines spekulativ aufgeblähten Immobilienmarktes in den USA. Sprunghaft ansteigende Zinsen für Interbankfinanzkredite bewirkten das Platzen der Blase am 9. August 2007.
Der Film basiert auf dem 2010 veröffentlichten Buch The Big Short: Inside the Doomsday Machine (dt. The Big Short: Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte) von Michael Lewis, das noch im selben Jahr den Sprung auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte und international beachtet wurde.Alexander Armbruster: Michael Lewis: The Big Short. Wenn keiner an die Krise glaubt, lohnt es erst recht, auf sie zu setzen In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juli 2010. Michael Burry, den Lewis in seinem Buch porträtiert, gibt es wirklich.The Big Short In: historyvshollywood.com. Abgerufen am 10. Januar 2016. Der Hedgefonds-Manager war der Gründer des Scion Capital LLC Hedge Fund, den er von 2000 bis 2008 verwaltete.Linette Lopez, Herbert Bauernebel und Carolin Ludwig: Dieser Banker prognostizierte die letzte Finanzkrise vor allen anderen: Jetzt warnt er vor dem nächsten Crash In: businessinsider.de, 30. Dezember 2015. Auch die im Film vorkommenden Figuren Atwood „Porter“ Collins, Danny Moses, Vincent „Vinny“ Daniel und Wing Chau sind reale Personen. Collins, Moses und Daniel waren bis 2006 Mitarbeiter im Team des Aktien-Gurus Steven Eisman und gründeten 2011 gemeinsam Seawolf Capital, einen Hedgefonds, der auf Investitionen in den Aktienmarkt spezialisiert istEisman’s Former FrontPoint Team To Go It Alone In: fin-alternatives.com, 14. September 2011 und von ihnen gemanagt wird.Porter Collins, Daniel Moses, And Vincent Daniel Bio, Returns, Net Worth In: insidermonkey.com. Abgerufen am 12. Januar 2016. Wing Chau, Präsident und Gründer von Harding Advisory, verklagte Steven Eisman und Michael Lewis später aufgrund der negativen Darstellung seiner Person im Buch The Big Short wegen Verleumdung.Courtney Comstock: Wing Chau Is Suing Michael Lewis Because „The Big Short“ Makes Him Look Like An Idiot In: businessinsider.com, 28. Februar 2011.