mini|Lithographie des jungen Batta auf dem Vorsatzblatt der zeitgenössischen Biografie von Eyma/de Lucy, Paris 1840. mini|Porträt Battas von Ernest Meissonier, 1859.Petrus Alexander Batta (* 9. Juli 1816 in Maastricht; † 8. Oktober 1902 in Versailles), bekannt unter dem Namen Alexander Batta bzw. französisch Alexandre Batta, war ein Violoncello-Virtuose und Komponist, der hauptsächlich in Paris wirkte.

Leben Alexander Batta war der älteste von drei Söhnen des Cellisten und Musiklehrers Pierre Batta (1793–1876) und seiner Frau Isabella Laguesse († 1851). Alle drei Brüder wurden Musiker: Alexander Batta Cellist, Jean-Laurent Batta (1817–1880) Pianist und Joseph Batta (1819 oder 1820–1892) Geiger.Lebensdaten der Brüder nach Sagers: Alexander Batta, 1902. Nach dem Geburtenregister von Maastricht ist Joseph 1819 geboren (online); Sagers gibt 1820 an, ebenso Flament im Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek. 1821 zog die Familie nach Brüssel, wo Pierre Batta am Konservatorium als Solfège-Lehrer arbeitete. Dort erhielt Alexander Batta auch seine Ausbildung als Violoncellist bei Nicolas-Joseph Platel. Bereits mit elf Jahren soll Batta, einer zeitgenössischen Biografie zufolge, erste öffentliche Konzerte gegeben haben; mit zwölf Jahren habe er Konzertreisen durch die Städte Belgiens und Hollands zusammen mit seinen beiden jüngeren Brüdern absolviert.Eyma/de Lucy: Écrivains et artistes vivants français et étrangers, S. 6 und 10.

1835 zog Batta nach Paris. Sein Durchbruch dort war im Januar/Februar 1837 eine Serie von vier Konzerten mit Franz Liszt (Piano) und Chrétien Urhan (Violine), unter anderem mit kammermusikalischen Werken von Ludwig van Beethoven. Er etablierte sich in Paris als Cellovirtuose und schuf sich dort bald einen großen Kreis von Freunden und Bewunderern, zu dem neben Liszt unter anderem die Komponisten Hector Berlioz, Giacomo Meyerbeer, Gioacchino Rossini, Charles Gounod und Gaetano Donizetti, die Schriftsteller Honoré de Balzac, Eugène Sue, Alexandre Dumas der Ältere und Alexandre Dumas der Jüngere sowie die Maler Ernest Meissonier, Eugène Delacroix und Jean-Baptiste Camille Corot gehörten.

Batta spielte in den angesehensten Salons, so bei Delphine de Girardin und bei Pierre-Antoine Berryer, und unternahm zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa. Seine eigene Vorliebe galt der großen französischen und italienischen Oper. Besondere Bewunderung brachte er den Opern Vincenzo Bellinis und vor allem dem Tenor Giovanni Battista Rubini entgegen, dessen Gesangsstil er als Vorbild für sein Cellospiel adaptierte. Zudem schrieb Batta eine Reihe von Kompositionen, meist für sein Instrument mit Klavierbegleitung, und transkribierte musikalische Werke anderer für das Violoncello. Häufig handelte es sich um Paraphrasen oder Fantasien zu Opernmelodien.

In den 1870er Jahren zog sich Batta vom Musikleben zurück und nahm seinen Wohnsitz in Versailles, wo er gelegentlich Musikkritiken für ein lokales Blatt verfasste.Bibliographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique, Supplementband 1, Firmin-Didot, Paris 1878–1880, Eintrag Batta (Alexandre), S. 53. Er war dort unter anderem als Kunstsammler bekannt, der Ölbilder und Grafiken unter anderem von Delacroix und Corot besaß, oft mit persönlicher Widmung. Nach seinem Tod wurde seine Sammlung versteigert.Siehe den Katalog der Versteigerung mit Auflistung aller Objekte, online auf Gallica. Batta hinterließ der Stadt Maastricht unter anderem sein von Jakob Josef Eeckhout gefertigtes Porträt (heute im Bonnefantenmuseum) sowie eine Geldsumme, mit der talentierte Musiker an der städtischen Musikschule gefördert werden sollten. Das „legaat Batta“ wurde jedoch nur viermal verliehen, zum letzten Mal 1911, aus bisher ungeklärten Gründen.Hans van Dijk: Henri Hermans (1883–1947), Uitgeverij Verloren, Hilversum, S. 43; siehe auch die betreffenden Dokumente im Archiv des Regionaal Historisch Centrum Limburg, Angaben online.

Verheiratet war der Musiker mit Clémentine Batta (geborene O’Mahony; 1819–1880), ebenfalls einer Musikerin, die selbst eine Reihe von Kompositionen für Klavier veröffentlichte.Gil Blas vom 20. Januar 1880, S. 1, online auf Gallica; Jules Lecomte: Courrier de Paris, in: Le Monde Illustré vom 10. März 1860, S. 162, online auf Gallica.

Der Cellist

Auftritte und Repertoire Batta beschränkte sich im Wesentlichen auf Kammermusik. Auf diesem Feld spielte er in erster Linie Klaviertrios, Cellosonaten und ähnliche Formen, in denen das Cello solistisch hervortritt.

Einen enormen, noch Jahrzehnte nachwirkenden ErfolgVgl. Joël-Marie Fauquet: Les sociétés de musique de chambre à Paris de la restauration à 1870. Aux amateurs de livres, Paris 1986, S. 48 und vor allem 182, wo festgehalten wird, dass die Zeitschrift La France Musicale noch 1862 anlässlich eines neuerlichen Triokonzerts mit Batta an diese Konzerte erinnerte. hatten besonders die vier Kammermusiksoireen mit Franz Liszt und Chrétien Urhan im Januar und Februar 1837 in der Salle Érard, in deren Mittelpunkt Beethoven-Werke standen. Batta spielte hier den Cellopart in der Cellosonate A-Dur op. 69, den Trios op. 70,1 D-Dur („Geistertrio“) und op. 70,2 Es-Dur und insbesondere dem op. 97 B-Dur („Erzherzog-Trio“). Diese Auftritte erhielten viele Rezensionen im In- und Ausland, häufig in überschwänglichem Tonfall, und fanden trotz hoher Eintrittspreise ein zahlreiches Publikum. Die vierte Soiree besuchten nicht weniger als 900 Personen.Joël-Marie Fauquet: Les sociétés de musique de chambre à Paris de la restauration à 1870. Aux amateurs de livres, Paris 1986, S. 225, nach Angaben von Ernest Legouvé.

Später trat Batta häufig zusammen mit seinem Bruder Laurent am Klavier auf, gelegentlich mit Joseph Batta, meist aber mit François Seghers an der Violine. 1863 bildete er ein Trio mit Rosa Escudier-Kastner (Piano) und Henri Vieuxtemps (Violine).Joël-Marie Fauquet: Les sociétés de musique de chambre à Paris de la restauration à 1870. Aux amateurs de livres, Paris 1986, S. 213f. Zum Repertoire gehörten neben den Beethoven-Trios auch technisch anspruchsvolle Werke des Cellisten Bernhard Romberg und Trios von Gegenwartskomponisten, etwa Johann Peter Pixis und Napoléon-Henri Reber. Vor allem aber spielte Batta eigene Kompositionen und Transkriptionen für Cello, u. a. von Schubert-Liedern, Fantasien über bekannte Opernmelodien und Ähnliches, insbesondere bei seinen jährlichen Konzerten in der Salle Érard. Dies wurde ihm gelegentlich auch zum Vorwurf gemacht: Er wage sich nicht mehr an schwierigere Werke heran.

Battas Ruf gründete sich aber nicht nur auf solche öffentlichen Auftritte in Konzertsälen. Er gehörte zu denjenigen Künstlern, die privaten Auftritten, oft in den Appartements des Künstlers selbst, aber auch in bekannten Salons der besseren Gesellschaft mindestens dieselbe Aufmerksamkeit schenkten.Joël-Marie Fauquet: Les sociétés de musique de chambre à Paris de la restauration à 1870. Aux amateurs de livres, Paris 1986, S. 32. Über diese intimeren Auftritte gibt es eine Reihe sehr anschaulicher und eindrucksvoller Berichte. So schrieb Hector Berlioz in einem Korrespondentenbericht für die Neue Zeitschrift für Musik 1841:

„Die Matineen von Batta vereinigen eine große Masse distinguirter Personen, Literaten, Künstler, Philosophen, Militairs! Man steigt auf die Tafeln, setzt sich unter das Piano und giebt beinahe dem Spielenden nicht genug Raum zur freien Bewegung. Beethoven und seine göttlichen Trios, Schubert und seine Lieder regieren da ausschließlich. Der bewunderungswürdige Violoncellist Batta wird von seinem Bruder Laurent trefflich begleitet. [...] Ein Stück betitelt: les Accords, von A. Batta componirt, hat großes Aufsehen erregt. Es ist aus den Etudes dramatiques, die der Componist Hrn. Liszt dedicirt hat.“Hector Berlioz: Mitteilungen aus Paris, in: NZfM, Jg. 14 (1841), Nr. 19 (5. März), S. 76–77, dort (S. 77) unter "Concerte".

Der englische Autor und Kritiker Henry Fothergill Chorley beschrieb ebenfalls eine solche Matinee in seinem 1841 erschienenen Buch Music and Manners in France and Germany:

„Ich habe nicht die hübsche kleine Zimmersuite im dritten Stock der Rue Laffitte 42 vergessen, wo ich die posthumen Beethoven-Quartette von einem Ensemble enträtselt gehört habe, das von Monsieur Seghers geleitet wurde, mit Monsieur Alexandre Batta als Violoncellist, und dies mit solcher Gewissenhaftigkeit und Tiefe des Gefühls, dass ich beim Verständnis dieser schwierigen Musik viel weiter gekommen bin als je zuvor. Die Matineen, bei denen diese Werke gespielt wurden, waren charmant. Das Publikum war zugleich gemischt und erlesen: Das atemberaubende Interesse sorgte für eine andere Art von Stille als die forcierte Aufmerksamkeit des Conservatoire-Publikums [bei den sinfonischen Beethoven-Konzerten].“

Chorley merkte an, dass das englische Publikum Battas bemerkenswerte Fähigkeiten in dieser „höchsten Stufe der Musik“ (also der klassischen Kammermusik) noch nie in angemessener Weise erleben habe können.Henry Fothergill Chorley: Music and Manners in France and Germany. Series of travelling sketches of art and society. Longman etc., London 1841. Vol. III, S. 71 (Fußnote). Englischer Wortlaut: „I have not forgot the pretty little suite of apartments, au quatrième, No. 42. Rue Lafitte [sic!], where I heard the posthumous quartetts of Beethoven disentangled by a party led by M. Seghers, and to which M. Alexandre Batta is violoncellist, with a conscientiousness and depth of feeling that brought me far nearer an understanding of that difficult music than I had ever come before. The matinées at which these works were played were charming. The audience was at once miscellaneous and select: the breathless interest there being silence of a quality different from the forced attention of the Conservatoire audience. M. Batta, however, (whose remarkable power in this highest order of music has been never properly exhibited to the English public,) …“

Gesamtbeurteilungen des Stils

Von Battas Cellospiel gibt es keine Tonaufnahmen, da seine aktive Zeit lange vor der Erfindung der ersten Tonwiedergabeapparaturen liegt. Es existiert aber eine große Anzahl an Rezensionen, Kritiken und zusammenfassenden Beurteilungen.