mini|Die einzige gesicherte Darstellung: Medaille von Gian Cristoforo Romano (1495 - Prunkversion 1505) mini|Zeichnung Isabella d’Estes von Leonardo da Vinci (1500); die Identifizierung gilt als generell anerkannt mini|Isabella in Rot von Rubens (ca. 1605), Kopie eines verschollenen Porträts von Tizian (1524–1529) mini|Isabella in Schwarz, interpretiert als Tizians Idealisierung der 62-Jährigen (1536), Kunsthistorisches Museum, unsichere, jedoch weit verbreitete DarstellungSiehe Werkverzeichnis Tizian (inkl. abweichendem Inventar Erzherzog Leopold Wilhelm 1659) und wissenschaftliche Ausstellungskritik 1994: Francesco Valcanover: Das Gesamtwerk von Tizian. Mailand 1969, S. 108f. Jennifer Fletcher: Isabella d’Este, Vienna. In: The Burlington Magazine 136, 1994, S. 399. Die Diskussion betrifft fehlende Ähnlichkeit und fehlende Schönheitsidealisierung. Umgekehrt entsprechen die Merkmale ihrer Nachfolgerin Margherita Paleologa und Bilder mit Balzo wurden später gerne als Isabella vermarktet.

Isabella d’Este (* 18. Mai 1474 in Ferrara; † 13. Februar 1539 in Mantua) war eine Markgräfin von Mantua. Sie ist heute berühmt als bedeutendste Mäzenin und Kunstsammlerin der italienischen Renaissance und galt damals als eine der einflussreichsten Frauen (La prima donna del mondo).Jan Lauts: Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance. Hamburg 1952, S. 320, sowie diverse andere Textstellen. Der Ehrentitel wurde ihr erstmals von Bewunderern 1494 zugesprochen, dann von Gian Giorgio Trissino 1514 in seinen Ritratti schriftlich verbreitet.

Leben Herkunft Isabella d’Este war die älteste Tochter von Ercole I. d’Este, Herzog von Ferrara, und Leonora von Neapel, der Tochter von König Ferdinand I. von Neapel.

Ihre jüngere Schwester war Beatrice d’Este, Ehefrau von Ludovico Sforza und Herzogin von Mailand. Ihre Brüder waren u. a. Alfonso I. d’Este, Herzog von Ferrara, Modena und Reggio nell’Emilia, und Kardinal Ippolito I. d’Este.

Ausbildung Isabella d’Este erhielt – als Frau herausragend in der damaligen Zeit – eine sehr gute Bildung. Unterrichtet wurde sie in Latein, in Musik, in Tanz, in der griechischen und römischen Geschichte und in der klassischen Literatur; u. a. war Antonio Tebaldeo ihr Erzieher.

Ihre Zeitgenossen beschrieben Isabella als sehr redebegabt, intelligent und belesen, sowie auch besonders schön.siehe insbesondere Gian Giorgio Trissino 1514 in seinen Ritratti - als Das (literarisches) Porträt der Isabella d'Este abgedruckt (Ausgabe 1549) in Ferino (1994), S. 99.

Heirat und Kinder Im Alter von 16 Jahren, am 12. Februar 1490, wurde Isabella d’Este mit Gianfrancesco II. Gonzaga verheiratet, dem vierten Markgrafen von Mantua (seit 1484). Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor: Eleonora (31. Dezember 1493 – 13. Februar 1550), ab 1509 Ehefrau von Francesco Maria I. della Rovere und Herzogin von Urbino Margherita (13. Juli – 22. September 1496) Federico II. Gonzaga (17. Mai 1500 – 28. Juni 1540), ab 1519 fünfter Markgraf und ab 1530 erster Herzog von Mantua Livia (1501 – Januar 1508) Ippolita (13. November 1503 – 16. März 1570), Nonne Ercole (23. November 1505 – 2. März 1563), ab 1527 Kardinal Ferrante I. Gonzaga (28. Januar 1507 – 15. November 1557), Feldherr unter Kaiser Karl V. und ab 1539 Graf von Guastalla Livia (August 1508 – 1569), benannt nach ihrer im Januar 1508 verstorbenen Schwester, Nonne und Äbtissin

Isabellas Ehe gilt als sehr glücklich bis zu Gianfrancescos Gefangenschaft 1509 und ihrer langen Weigerung zu seiner Freilassung ihren Erstgeborenen als Geisel herauszugeben.Ferino (1994), S. 37. Ab 1512 wurde die Beziehung zusätzlich durch die Syphilis ihres Gemahls erschwert. Ihre Söhne liebte sie über alles, aber Spötter behaupteten, dass bei ihr noch ihre Hunde vor den Töchtern kämen.

Wirken als Politikerin und Regentin Während der Abwesenheit ihres Ehemanns regierte Isabella wiederholt stellvertretend Mantua, z. B. während seiner Dienste als Militärkommandeur der Republik Venedig (1489–1498), während seiner venezianischen Gefangenschaft (1509–1510), sowie nach seinem Tod anfänglich für ihren Sohn Federico II. Gonzaga (1519–1521). Sie verfolgte das Ziel, die kleine Markgrafschaft Mantua im Kräftefeld zwischen den französischen Königen, den deutschen Kaisern (und Habsburg-Spanien), dem Kirchenstaat mit wechselnden Päpsten, der Republik Venedig und den diversen Kleinstaaten zu behaupten.Lauts (1952), S. 274, sowie diverse andere Textstellen Die Zeit der Italienischen Kriege war allerdings von wechselnden Bündnissen und Verrat geprägt, z. B. setzte Papst Julius II. sich nach Empfang des Erstgeborenen Federico II. Gonzaga als Geisel zwar für die Freilassung ihres Ehemanns ein, nutzte aber die Geisel, um Isabellas Bruder Alfonso I. d’Este zu exkommunizieren und das päpstliche Lehen Ferrara einzuziehen, da seitens Gonzaga/Mantua keine Unterstützung von d’Este/Ferrara drohte. 1512 besiegte wiederum Alfonso mit den verbündeten Franzosen seine Gegner der Heiligen Liga (zu denen dank Erpressung Mantua und Isabella gehörten) und erhielt Kommunion und Lehen zurück.Shaw (2019), S. 92–95. In späteren Jahren setzte sie sich erfolgreich für die Ernennung ihres Sohnes Ercole 1527 zum Kardinal ein und 1530 für die Erhebung Mantuas zum Herzogtum und damit ihres Sohnes Federico zum ersten Herzog.

Überliefert ist auch ihre Organisation des Palazzo Colonna zu einer Verteidigungsbastei während eines Rombesuchs. Dadurch sorgte sie während des Sacco di Roma (Plünderung Roms 1527) für den Schutz von über 2000 Adligen und deren Bediensteten in den Mauern des Palastes. Der Palazzo Colonna blieb der einzige Palast in Rom, der nicht geplündert wurde.Lauts (1952), S. 391 ff.

Wirken als Mäzenin Besondere Bedeutung erhält Isabella d’Este als Kunstmäzenin der Renaissance; ihr Wirken ist durch die in Mantua erhaltene Korrespondenz dokumentiertAlessandro Luzio: La Galleria dei Gonzaga - Appendice B: I ritratti d'Isabella d'Este. Mailand 1913 (Dokumentation der wichtigsten kunstbezogenen Briefe). (ca. 28.000 Briefe an Isabella und Kopien von ca. 12.000 Briefen, die Isabella geschrieben hat).Deanna Shemek: Phaethon’s Children: The Este Court and its Culture in Early Modern Ferrara. Arizona 2005, S. 277.

In der Malerei beauftragte sie die berühmtesten Künstler, z. B. Giovanni Bellini, Giorgione, Leonardo da Vinci, Andrea Mantegna (Hofmaler bis 1506), Perugino, Raffael und Tizian, aber auch Antonio da Correggio, Lorenzo Costa der Ältere (Hofmaler ab 1507), Dosso Dossi, Francesco Francia, Giulio Romano und zahlreiche weitere. So war zum Beispiel ihr Studiolo (Studierzimmer) im Palazzo Ducale von Mantua geschmückt mit Allegorien von Mantegna, Perugino, Costa und Correggio.Ferino (1994), S. 86–425. Isabella beauftragte auch die bedeutendsten Bildhauer und Medailleure der damaligen Zeit, z. B. Michelangelo, Il Antico, Gian Cristoforo Romano und Tullio Lombardo, und sie sammelte römische Skulpturen.Ferino (1994), S. 106, 315, 321; Cartwright (1907), Index In der Architektur konnte sie sich keine neuen Paläste leisten, doch beschäftigte sie Baumeister wie Biagio Rossetti und Battista Covo.Ferino (1994), S. 18. In den Geisteswissenschaften war sie unter anderem in Kontakt mit Pietro Aretino, Ludovico Ariosto, Pietro Bembo, Baldassare Castiglione, Mario Equicola und Gian Giorgio Trissino.Cartwright (1907), Index Sie sammelte u. a. illuminierte Handschriften, illustrierte Bücher, Musikinstrumente und vor allem Gemälde.Éditions des Connaissances Modernes (Hrsg.): Sammeln macht Spaß (Band 12 der Reihe "moderne familie" die praktische Hausbibliothek) Freiburg/Schweiz 1975 S. 29 In der Musik unterstützte sie die Komponisten Bartolomeo Tromboncino und Marco Cara. Sie spielte selbst Laute und sang.Ferino (1994), S. 429–432.

Auch in der Mode galt sie als Ikone ihrer Zeit. Berühmt ist eine ihrer Kopfbedeckungen: Capigliari / Balzo – in Briefen ca. 1509 als ihre Erfindung dokumentiert und in den 1520er/1530er Jahren in Porträts auch mehrfach bei anderen Damen sichtbar.Marek (1976), S. 159.

Porträts Kaum eine andere Persönlichkeit ihrer Zeit wurde gemäß schriftlicher Quellen so oft porträtiert.Ferino (1994), S. 86. Doch sind heute keine Darstellungen im Lebensalter von 26 bis 54 Jahren identifiziert und auch keine Darstellungen von ihren Hofkünstlern (z. B. Mantegna, Costa, Bonsignori, Leonbruno, Il Antico etc.).

Frage der Identifizierung mini|hochkant=1.7| Die drei farbigen Porträts Isabella d’Este im KHM Wien — eventuell inklusive Verwechslung

Da die Mäzenin nach ihrem Tod Berühmtheit behielt, wurden Darstellungen mit dem zu ihrer Lebzeit beliebten, angeblich von Isabella selbst erfundenen Balzo, einer volumösen am Hinterkopf getragenen Kopfbedeckung, irrtümlich als Porträts von Isabella identifiziert. Aufgrund resultierender Konfusion in Haar- und Augenfarbe sowie Erscheinungsbild wurden alle farbigen Identifikationen zurückgezogen.Vgl.:

Royal Collection, London (RCIN 405777): Giulio Romano, Margherita Paleologa (1531) – Abbildung Eremitage, St. Petersburg (INV ГЭ-70): Paris Bordone Mutter mit Sohn (1530er) – Abbildung Pinacoteca del Castello Sforzesco, Mailand (inv. 28): Bernardino Licinio Dama che regge un ritratto di figura maschile (1525-30) – Abbildung Royal Collection, London (RCIN 405762): Lorenzo Costa, Portrait of a Lady with a Lapdog (ca. 1500–05) – Abbildung Currier Museum of Art, Manchester (inv. 1947.4): Lorenzo Costa‚ Portrait of a Woman (1506–10) – Abbildung Louvre, Paris (Inv. 894): Giovanni Francesco Caroto, Portrait de femme (ca. 1505–10) – Abbildung Ausnahme sind drei BilderKHM Wien: Inv. 83, Inv 1534, Inv 5081 im Kunsthistorischen Museum Wien, die keine Wiedererkennung erlauben.Ferino (1994), S. 86. Sie unterscheiden sich z. B. in Haar- und Augenfarbe und in der vermuteten blonden Tizian-Verjüngung wurde wiederholt Schönheitsidealisierung vermisst:Francesco Valcanover: Das Gesamtwerk von Tizian. Rizzoli Editore, Mailand 1969.Wissenschaftliche Kritik der KHM-Ausstellung ‚Isabella d’Este‘ Wien: Jennifer Fletcher, Isabella d’Este, Vienna in: The Burlington Magazine 136, 1994, S. 399. Ambras-Miniatur, 16. Jahrhundert (aus der Sammlung auf Schloss Ambras, heute in Wien) Isabella in Rot von Peter Paul Rubens, ca. 1605 (als getreue Kopie eines verschollenen Tizian-Originals ca. 1529) Isabella in Schwarz von Tizian, 1536 (interpretiert als retrospektive Darstellung der inzwischen über 60-jährigen aufgrund einer barocken Inschrift auf einer Kopie)Inschrift drei Generationen später auf niederländischer Kopie der Kopie, siehe https://www.rijksmuseum.nl/en/collection/RP-P-OB-33.124

Hintergrund ist, dass Isabella 1536, als sie bereits 62 Jahre alt war, von Tizian eine jugendliche Idealisierung verlangte. Als Modell sollte ein Porträt von Francesco Francia dienen, das dieser 25 Jahre zuvor auf Basis einer mündlichen Beschreibung und einer fremden Zeichnung (wahrscheinlich von Leonardo da Vinci) angefertigt hatte – ohne Modellsitzung.Sally Hickson: G. F. Zaninello of Ferrara and the portrait of Isabella d’Este by Francesco Francia. In: Renaissance Studies. 2009 Vol. 23, No. 3, S. 288–310. Als Alternative zur Wiener blonden Tizian-Verjüngung (aber weniger verbreitet) wird auch Tizians La Bella im Palazzo Pitti in Florenz vermutet.Leandro Ozzola: Isabella d’Este e Tiziano. In: Bolletino d’Arte del Ministero della pubblica istruzione. Nr. 11, Rom 1931, S. 491–494. (PDF)

Die einzige derzeit absolut sichere Darstellung Isabellas ist die zu Lebzeiten beschriftete Medaille von Gian Cristoforo Romano (siehe Bilder oben), von der mehrere Exemplare (1495/1505) existieren.KHM Wien, Inv 6.272bß und Ferino (1994) S. 373–378.

Galerie möglicher Porträts