mini|hochkant|Mateusz Morawiecki (2023) Mateusz Jakub Morawiecki [] (* 20. Juni 1968 in Breslau) ist ein polnischer Politiker (PiS, Rozwój Plus) und ehemaliger Bankmanager. Er war von Januar 2025 bis September 2026 Präsident der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR).
Zuvor war er vom 16. November 2015 bis zum 11. Dezember 2017 stellvertretender Ministerpräsident sowie Wirtschafts- und Finanzminister im Kabinett von Beata Szydło und anschließend bis zum 13. Dezember 2023 Ministerpräsident der Republik Polen (Kabinette Morawiecki I, II und III). Seit 2019 gehört er dem Sejm in der IX. und X. Wahlperiode an.
Herkunft, Jugend und Ausbildung Morawiecki ist Sohn des antikommunistischen Dissidenten und Politikers Kornel MorawieckiJeff Wallenfeldt, Mateusz Morawiecki, prime minister of Poland, Encyclopaedia Britannica und engagierte sich als Jugendlicher ebenfalls für die politische Opposition in der damaligen Volksrepublik Polen. Während des Kriegsrechts war er zusammen mit anderen Aktivisten am Druck und Vertrieb von Veröffentlichungen der politischen Untergrundpresse beteiligt. 1986 begann er unter Pseudonymen selbst Artikel zu schreiben, die hauptsächlich im Biuletyn Dolnośląski veröffentlicht wurden.
1987 legte Morawiecki am Juliusz-Słowacki-Lyzeum in Breslau die Reifeprüfung ab.Absolwenci, Nauczyciele i Olimpijczycy. IX Liceum Ogólnokształcące im. Juliusza Słowackiego we Wrocławiu 1954–2004, Wrocław 2004, S. 182. Als Student der Universität Breslau war er im Unabhängigen Studentenverband aktiv und Mitglied der von seinem Vater mitgegründeten „Kämpfenden Solidarność“. Zwischen 1988 und 1989 nahm er darüber hinaus an Besetzungsstreiks teil und war Mitorganisator des Klub Myśli Politycznej „Wolni i Solidarni“ (Klub der Politischen Meinung „Freie und Solidarische“), wofür er mehrmals aus politischen Gründen verprügelt, verhört und verhaftet wurde.
Morawiecki beendete sein Studium der Geschichtswissenschaft 1992 mit einer Magisterarbeit zum Thema Die Genese und die ersten Jahre der ‚Kämpfenden Solidarność‘ (mit Interviews mit 53 Oppositionellen). Ein Jahr später absolvierte er an der Technischen Universität Breslau sowie der Central Connecticut State University ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, wonach er 1995 das Diplom des Master of Business Administration an der Wirtschaftsakademie Breslau erlangte.
Berufliche Karriere Mit Zbigniew Jagiełło, dem späteren Vorstandsvorsitzenden der PKO Bank Polski, verbindet Morawiecki seit dem Wirken in der „Kämpfenden Solidarność“ eine enge Freundschaft. Nach der politischen Wende hatten beide zunächst mit Kleidung gehandelt und Reklametafeln vermietet. 1989 gründeten sie die Handelsgesellschaft Reverentia, die unter anderem medizinische Ausstattung, Brandschutzmittel und Gartenartikel vertrieb und im Jahr darauf in einen Verlag umgewandelt wurde. Nebenbei schrieb Morawiecki als Redakteur für die Zeitschrift Dwa Dni und arbeitete von 1992 bis 1995 als Unternehmensberater für Verlage, Werbeagenturen und Finanzinstitute.
Ab 1995 konzentrierte sich Morawiecki vollständig auf Tätigkeiten im Finanzsektor und absolvierte unter anderem ein Praktikum bei der Deutschen Bundesbank. 1996 bis 1997 führte er Forschungsprojekte im Bereich des Bankwesens und der Makroökonomie an der Universität Frankfurt. Im gleichen Jahr schloss er an der Universität Hamburg ein Aufbaustudium im Bereich des europäischen Rechts und der wirtschaftlichen Integration ab. Danach studierte er von 1995 bis 1997 an der Universität Basel (Schweiz). In Zusammenarbeit mit dem Juristen Frank Emmert veröffentlichte er ferner das Handbuch für europäisches Recht.
1998 bis 2001 war er zudem Mitglied im Aufsichtsrat des städtischen Energieversorgungsbetriebes in Wałbrzych sowie der polnischen Industrie-Entwicklungs-Agentur in Warschau. Zur gleichen Zeit arbeitete er bei der Bank Zachodni und war unter anderem Berater des Vorstandsvorsitzenden. 2001 wurde er nach der Fusionierung mit der Wielkopolski Bank Kredytowy Vorstandsmitglied der neuen Bank Zachodni WBK. Ab Mitte 2007 leitete er für acht Jahre deren Vorstand. Durch die Fusion und den Anschluss an die spanische Banco Santander stieg die Bank Zachodni WBK unter Morawiecki zu Polens drittgrößter Bank auf. 2014 verdiente Morawiecki als Vorstandschef über 1,76 Millionen Złoty (umgerechnet 450.000 Euro).
Politische Karriere Bis 2017 1998 wurde Morawiecki Stellvertreter im polnischen Ausschuss für Europäische Integration in der Abteilung für Beitrittsverhandlungen. Er war Mitglied einer ministeriellen Gruppe, welche die Beitrittsbedingungen Polens in die Europäische Union in mehreren Bereichen zu verhandeln hatte. Als Repräsentant der „Wahlaktion Solidarność“ saß Morawiecki bereits 1998 bis 2002 als Abgeordneter im Regionalparlament der Woiwodschaft Niederschlesien.
2010 wurde er von Ministerpräsident Donald Tusk in den polnischen Wirtschaftsrat berufen. In diesem Amt lobte er in Interviews und bei öffentlichen Auftritten die Wirtschaftspolitik des Kabinetts Tusk.Debata TVP. Morawiecki spotka się z byłym szefem, którego bardzo chwalił onet.pl, 9. Oktober 2023.
Über die ebenfalls aus Breslau stammende Vizevorsitzende und Wirtschaftsexpertin der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS), Aleksandra Natalli-Świat, näherte sich Morawiecki der PiS an. Ihre Rolle übernahm nach dem 10. April 2010 Beata Szydło, für die Morawiecki Analysen und Stichpunkte für Debatten und Auftritte verfasste, noch bevor Szydło Ministerpräsidentin wurde. Am 16. November 2015 wurde er im Kabinett von Beata Szydło zum Wirtschaftsminister ernannt und war ab dem 28. September 2016 auch Finanzminister. Seit 2016 gehört er auch selbst offiziell der PiS an.
Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Finanzminister lag in der Re-Polonisierung der polnischen Banken. In Polen tätige Banken im ausländischen Eigentum wurden auf freiwilliger Basis von staatlich kontrollierten polnischen Unternehmen gekauft.
Amtszeit als Ministerpräsident mini|Mateusz Morawiecki und US-Präsident Joe Biden während eines Gesprächs in Warschau, 2023 Im Zuge einer Regierungsumbildung beschloss die PiS am 7. Dezember 2017, dass Morawiecki die bisherige Ministerpräsidentin Beata Szydło nach ihrem Rücktritt ablösen solle.Mateusz Morawiecki wird Polens neuer Regierungschef. In: Spiegel online vom 7. Dezember 2017, abgerufen am 8. Dezember 2017. Am 11. Dezember 2017 wurde er zum neuen Ministerpräsidenten Polens ernannt.Polens neuer Ministerpräsident Mateusz Morawiecki ist offiziell ernannt. In: NZZ, 8. Dezember 2017, abgerufen am selben Tage. Beata Szydło blieb in der Regierung als seine Stellvertreterin. Nach Berichten der polnischen Presse schloss sie sich mit dem rechtsextremen Justizminister Zbigniew Ziobro, der als Morawieckis politischer Rivale gilt,Ziobryści mieli grozić, że nie poprą Mateusza Morawieckiego. Partia dementuje onet.pl, 31. Oktober 2023. zusammen, um die auf Kompromisse mit der EU abzielende Politik Morawieckis zu hintertreiben.Ziobro atakuje Morawieckiego i chwali Szydło. Poszło o "kamienie milowe" z KPO gazeta.pl, 19. Juni 2022.Gra w durnia trwa w najlepsze. Zwycięzców nie będzie, tylko przegrani onet.pl, 16. Januar 2023. Bei der Sejmwahl 2019 gelang ihm erstmals die Wahl in das Parlament.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 29. März 2025. Anschließend wurde er erneut zum Ministerpräsidenten ernannt.
Im Zuge des Krieges in der Ukraine reiste Morawiecki am 15. März 2022 zusammen mit dem polnischen Vize-Ministerpräsidenten Jarosław Kaczyński zu Gesprächen in die belagerte Hauptstadt Kiew. Ebenfalls an dem Besuch beteiligt waren der slowenische Ministerpräsident Janez Janša sowie der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala.Regierungschefs von Tschechien, Polen und Slowenien reisen nach Kiew. In: tagesschau.de vom 15. März 2021. Abgerufen am 16. März 2022.
Im Dezember 2022 wurde bekannt, dass Morawiecki privat für 700.000 Zloty (rund 150.000 Euro) ein Grundstück aus kirchlichem Besitz gekauft hatte, dessen Marktwert vier Millionen Zloty (rund 850.000 Euro) betrug.Kraj w skróce tygodnikpowszechny.pl, 5. Dezember 2022.
Nach der Parlamentswahl 2023, bei der er erneut in den Sejm gewählt worden war,Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 29. März 2025. machten ihn Parteigänger des Justizministers Zbigniew Ziobro für die Niederlage des Regierungslagers verantwortlich. Es sei Morawieckis fundamentaler Fehler gewesen, überhaupt mit der EU-Kommission über deren Forderungen zur Wiederherstellung der Rechtstaatlichkeit in Polen zu reden.Ziobryści mieli grozić, że nie poprą Mateusza Morawieckiego. Partia dementuje onet.pl, 31. Oktober 2023. Das Magazin Polityka schrieb, dass es Morawiecki nicht gelungen sei, die Vorwürfe zu entkräften; er habe oft faktenwidrige Angaben über angebliche Erfolge seines Kabinetts gemacht. Morawiecki habe deshalb im Volksmund den Spitznamen „Pinocchio“ bekommen.Ciao Pinokio! Ostatnia prosta premiera Morawieckiego. Dlaczego kończy się taką klęską? polityka, 7. November 2023.
Morawiecki trat am 13. November 2023 formal zurück, wurde aber mit der Fortführung der Amtsgeschäfte betraut. Trotz fehlender Mehrheit im Parlament wurde Morawiecki von Staatspräsident Andrzej Duda erneut mit einer Regierungsbildung beauftragt. Sein neues Kabinett (Kabinett Morawiecki III) wurde am 27. November 2023 vereidigt, verlor aber bereits 14 Tage später erwartungsgemäß eine vorgeschriebene Vertrauensabstimmung.Tusk als Regierungschef nominiert. ORF.at, 11. Dezember 2023, abgerufen am 11. Dezember 2023.
Nach der Regierungszeit Im Januar 2025 wurde Morawiecki als Nachfolger Giorgia Melonis zum Vorsitzenden der Partei Europäische Konservative und Reformer (EKR), eines Zusammenschlusses nationalkonservativer und rechtspopulistischer Parteien auf europäischer Ebene, gewählt.Nicoletta Ionta: Former Polish leader Morawiecki elected ECR party president. In: Euractiv, 14. Januar 2025. Im September 2026 wurde Adam Bielan zu seinem Nachfolger gewählt.„Adam Bielan szefem europejskiej partii. Zastąpił Morawieckiego“ auf www.polsatnews.pl, abgerufen am 15. September 2025.
Im April 2026 gründete er die Gruppierung Rozwój Plus innerhalb der PiS, mit der er Wähler der Mitte ansprechen wollte, nachdem der Partei-Rechte Przemysław Czarnek als Spitzenkandidat für die Wahl 2027 vorgestellt worden war. Im Juli 2026 verließ die Gruppierung von mehr als 30 Parlamentsabgeordneten um Morawiecki die Partei, nachdem sie eine von der Parteispitze verlangte Loyalitätserklärung unterlassen hatte. Daraufhin gründete er eine eigene Fraktion und kündigte die Gründung einer neuen Partei bis Mitte Oktober 2026 an.
Familie Morawiecki ist seit Anfang der 1990er Jahre mit seiner Frau Iwona verheiratet. Sie haben zwei Töchter und zwei Söhne. Nach polnischen Presseberichten war er vor seinem Einstieg in die Landespolitik auch in der Immobilienbranche aktiv; nach der Übernahme politischer Posten in Warschau habe seine Frau die Geschäfte fortgeführt. Mehrere Medien veröffentlichten amtliche Dokumentation über den Immobilienbesitz der Familie. Das Privatvermögen des Ehepaars wurde auf 120 Millionen Złoty (rund 27 Millionen Euro) geschätzt.Premier mieszka w willi swojej żony. Ujawniamy skrywany majątek Iwony Morawieckiej onet.pl, 26. September 2023.
Auszeichnungen 2013 wurde Morawiecki für sein Engagement für Bürgerrechte und die Souveränität Polens mit dem Kreuz der Freiheit und Solidarität ausgezeichnet. 2015 wurde ihm der Ritterorden „Polonia Restituta“ für außerordentliche Verdienste verliehen.
Positionen mini|hochkant|Morawiecki während der 54. MSC 2018