Die deutsch-englische Fußballrivalität entwickelte sich vor allem auf der politischen Ebene und durch ihre erbitterte Gegnerschaft in beiden Weltkriegen und wird von diversen englischen Medien immer wieder mit den Kriegsereignissen in Zusammenhang gebracht, wenn zum Beispiel The Sun im Vorfeld eines Spiels dazu aufforderte, sich „für die deutsche Kriegsmaschine“ bereit zu machen.Die Welt: Mutter aller Rivalitäten – England vs. Deutschland (Artikel vom 26. Juni 2010)
Auf sportlicher Ebene bleibt das umstrittene Wembley-Tor unvergessen, das die Vorentscheidung im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 brachte.
Länderspielgeschichte Im Allgemeinen haben der deutsche Fußball und der englische Fußball eine sehr lange Geschichte des Austauschs und der Rivalitäten. Vor 1930 hatte die deutsche Mannschaft insgesamt 13 inoffizielle Spiele gegen England, das erste war 1899.
Die anfängliche Dominanz der Engländer Das erste offizielle Länderspiel zwischen Deutschland und England fand am 10. Mai 1930 im Berliner Deutschen Stadion statt und endete 3:3.
Die erste Begegnung in England wurde am 4. Dezember 1935 an der Londoner White Hart Lane ausgetragen und endete mit einem 3:0-Erfolg der Gastgeber. Auch beim nächsten Aufeinandertreffen am 14. Mai 1938 im knapp zwei Jahre zuvor eröffneten Berliner Olympiastadion behielten die Engländer (diesmal mit 6:3) die Oberhand. Es war nicht nur der letzte Vergleich der beiden Rivalen vor dem baldigen Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, sondern zugleich für mehr als ein halbes Jahrhundert der letzte Vergleich der Engländer mit einer gesamtdeutschen Auswahl vor der 1990 erfolgten Wiedervereinigung.
Der erste Nachkriegsvergleich der Engländer mit der fußballerisch stärkeren Auswahlmannschaft der BRD fand am 1. Dezember 1954 im Londoner Wembley-Stadion statt und wurde von den Gastgebern gegen den amtierenden Weltmeister 3:1 gewonnen. Mit demselben Ergebnis setzten sich die Three Lions auch bei ihrem insgesamt fünften Vergleich mit den Deutschen durch, der am 26. Mai 1956 wieder im Berliner Olympiastadion ausgetragen wurde. Auch die beiden folgenden Duelle (am 12. Mai 1965 im Städtischen Stadion von Nürnberg und am 23. Februar 1966 im Londoner Wembley-Stadion) endeten mit einem Erfolg der Engländer (jeweils 1:0). Somit gewannen die Three Lions sechs von insgesamt sieben Begegnungen, während der deutschen Mannschaft vor der in England ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft 1966 kein einziger Sieg gelungen war.
mini|Mit drei Treffern war Geoff Hurst der „Matchwinner“ des WM-Finals 1966 und Schütze des „Wembley-Tores“. Das unvergessene „Wembley-Tor“ Als beide Mannschaften sich dann im WM-Finale gegenüberstanden, mussten die Engländer – zumal Gastgeber – als Favoriten angesehen werden. Zwar ging die deutsche Mannschaft durch ein frühes Tor von Helmut Haller (12.) in Führung, doch konnte der spätere „Matchwinner“ Geoff Hurst bereits sechs Minuten später ausgleichen. Nachdem Martin Peters in der 78. Minute der Führungstreffer für die Hausherren gelungen war, sahen diese schon beinahe wie der kommende Weltmeister aus. Doch in der Nachspielzeit gelang dem deutschen Verteidiger Wolfgang Weber mit seinem ersten Länderspieltor noch der Ausgleich, so dass eine Verlängerung erforderlich wurde. Die Vorentscheidung fiel in der 101. Minute durch das legendäre Wembley-Tor. Hurst schoss den Ball an die Unterkante der Latte, der von dort senkrecht nach unten prallte, bevor er von Weber ins Toraus geköpft wurde. Nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofiq Bəhramov entschied der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst auf Tor. In der letzten Minute der Verlängerung erhöhte Hurst noch auf 4:2. Obwohl sich bereits Zuschauer auf dem Spielfeld befunden hatten, wurde auch diesem eigentlich irregulären Treffer die Anerkennung nicht verweigert, womit England das Spiel mit 4:2 nach Verlängerung gewann und somit zum ersten und bisher einzigen Mal Fußball-Weltmeister wurde. Dass der Sieg der Engländer trotz des irregulären Tors verdient war, gab Franz Beckenbauer unmittelbar nach dem Spiel zu verstehen: „Die Engländer waren die bessere Mannschaft und haben deswegen auch verdient gewonnen.“International Football Rivalries: Deutschland gegen England (ein Dokumentarfilm von Eurosport)
Die Deutschen gewinnen die Vormachtstellung mini|Beckenbauer (Mitte) und Gerd Müller (links) erzielten entscheidende Tore bei den ersten Erfolgen gegen England. In einem am 1. Juni 1968 im Niedersachsenstadion von Hannover ausgetragenen Testspiel gelang der deutschen Auswahl erstmals ein Sieg gegen England (1:0 durch das „goldene Tor“ von Franz Beckenbauer in der 82. Minute) und zwei Jahre später folgte im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko der erste Pflichtspielsieg der Deutschen. Danach hatte es im Estadio Guanajuato von León allerdings lange nicht ausgesehen, weil die Three Lions durch Treffer von Alan Mullery und Martin Peters (er hatte bereits im Finale von 1966 getroffen) bis zur 68. Minute mit 2:0 in Führung lagen. Ein strammer Schuss von Franz Beckenbauer brachte die deutsche Mannschaft zurück ins Spiel und in der 82. Minute gelang Uwe Seeler mit seinem Hinterkopf der Ausgleich. Wieder ging es in die Verlängerung, in der diesmal die Deutschen das bessere Ende hatten. In der 108. Minute entschied ein halbhoher Volleyschuss von Gerd Müller die Partie und führte Deutschland ins Halbfinale zum Jahrhundertspiel gegen Italien.
Nachdem beide Mannschaften ungeschlagener Sieger ihrer jeweiligen Gruppe geworden waren, trafen sie im Viertelfinale der Qualifikationsrunde zur Fußball-Europameisterschaft erneut aufeinander. Die deutsche Mannschaft düpierte England durch ihren ersten Sieg im Wembley-Stadion überhaupt und der ersten Niederlage der Hausherren dort seit sieben Jahren. Die sogenannte Wembley-Elf überzeugte bei ihrem 3:1-Erfolg insbesondere durch die Tatsache, dass sie ersatzgeschwächt antrat und die Ersatzspieler ihre Chance nutzten. Uli Hoeneß sorgte mit seinem Treffer in der 26. Minute für die Pausenführung. In der zweiten Halbzeit entwickelte sich das Spiel zu einer Abwehrschlacht. Das permanente Anrennen der Engländer auf das Tor von Sepp Maier wurde in der 77. Minute mit dem Ausgleich durch Francis Lee belohnt. Nachdem Sigfried Held gefoult worden war, verwandelte Günter Netzer den fälligen Strafstoß in der 85. Minute. Drei Minuten später sorgte Gerd Müller, wie schon zwei Jahre zuvor in Mexiko, für den Endstand. Im Rückspiel traten die Engländer ohne Hoffnung auf ein Weiterkommen an und trennten sich im Berliner Olympiastadion torlos von den Deutschen, die anschließend die Fußball-Europameisterschaft 1972 gewannen.
Anschließend sollte es bis 1982 dauern, ehe die beiden Mannschaften sich wieder in einem Pflichtspiel gegenüber standen. Dieses fand im ersten Spiel der Zwischenrunde bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 statt und endete torlos. Weil Deutschland sich im nächsten Spiel mit 2:1 gegen den Gastgeber Spanien durchsetzen konnte, England aber im letzten Spiel der Dreiergruppe gegen Spanien ebenfalls nur zu einem 0:0 kam, setzte sich Deutschland wieder einmal gegen die Engländer durch und wurde später Vizeweltmeister (Finalniederlage gegen Italien).
Zwei dramatische Halbfinals Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien trafen die alten Rivalen im Halbfinale aufeinander. Den Führungstreffer der Deutschen durch Andi Brehme (60.) konnte Gary Lineker zehn Minuten vor Spielende ausgleichen. Somit ging es in die Verlängerung, die torlos verlief, weil Chris Waddle und Guido Buchwald nur den Pfosten trafen. Im anschließenden Elfmeterschießen schoss Waddle den entscheidenden fünften Elfmeter über das von Bodo Illgner gehütete Tor, so dass Deutschland sich für das Finale qualifizierte und durch einen 1:0-Erfolg gegen Argentinien seinen dritten WM-Titel feierte.
Sechs Jahre später kam es im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft 1996 zu einer beinahe exakten Wiederholung der Ereignisse. Alan Shearer, der die Gastgeber im altehrwürdigen Wembley-Stadion (30 Jahre zuvor Schauplatz des umstrittenen „Wembley-Tors“) bereits in der dritten Minute in Führung geschossen hatte (für den Ausgleich hatte Stefan Kuntz in der 16. Minute gesorgt), hätte der große „Matchwinner“ sein können, wenn sein Schuss in der Verlängerung im Tor statt nur am Pfosten gelandet wäre. Wieder musste ein Elfmeterschießen den Endspielteilnehmer ermitteln. Diesmal trafen alle fünf englischen Schützen (einschließlich Shearer), zum Leidwesen der Three Lions waren aber auch alle fünf deutschen Spieler erfolgreich. Den sechsten Schuss von Gareth Southgate konnte Andy Köpke parieren und weil Andy Möller anschließend traf, scheiterte England erneut bei dem Versuch, ein Finale zu erreichen. Wieder einmal qualifizierte sich Deutschland für ein Finale. Und gewann es auch: diesmal durch ein Golden Goal von Oliver Bierhoff in der 95. Minute gegen Tschechien in Englands heiliger Fußballstätte, dem legendären Wembley-Stadion.
mini|Michael Owen erzielte drei Treffer beim historischen 5:1-Sieg der Engländer in München.
Neueste englische Erfolge und Wembley-Pleiten In der Vorrundengruppe der Fußball-Europameisterschaft 2000 trafen beide Mannschaften erneut aufeinander. Diesmal siegte England 1:0 durch ein Tor des Kapitäns Alan Shearer. Es war der erste englische Pflichtspielsieg nach 34 Jahren. Doch weil beide Mannschaften in den anderen Gruppenspielen gegen Portugal und Rumänien enttäuschten, schieden sie gemeinsam nach der Vorrunde aus.
Nur wenige Monate später trafen sie erneut aufeinander, weil sie erstmals im Rahmen einer WM-Qualifikation in dieselbe Gruppe gelost worden waren. Das „Hinspiel“ fand am 7. Oktober 2000 statt und war zugleich das letzte Länderspiel der Three Lions im alten Wembley-Stadion. Der Abschied von ihrer traditionellen Kultstätte wurde den Engländern durch eine 0:1-Niederlage vermiest. Schütze des deutschen Siegtreffers war Dietmar Hamann, der zu der Zeit beim FC Liverpool spielte. Außerdem wurde der englische Nationaltrainer und frühere HSV-Star Kevin Keegan nach dieser Niederlage seines Amtes enthoben.
Doch im „Rückspiel“ am 1. September 2001 gelang den Engländern im Münchner Olympiastadion die „perfekte“ Revanche. Obwohl Carsten Jancker die Heimmannschaft bereits in der sechsten Spielminute in Führung geschossen hatte, feierten die Engländer an jenem Tag mit 5:1 ihren höchsten Länderspielsieg gegen Deutschland. „Matchwinner“ war Michael Owen, der zu diesem Triumph drei Treffer beisteuerte. Aufgrund des direkten Vergleichs gewannen die Three Lions die Gruppe vor der punktgleichen deutschen Mannschaft. Bei der anschließenden Fußball-Weltmeisterschaft 2002 scheiterten die beiden Rivalen jeweils am späteren Weltmeister Brasilien (England im Viertelfinale, Deutschland im Finale).
Sechs Jahre später kam es zur nächsten Auseinandersetzung. Obwohl es sich hierbei um ein Privatspiel handelte, war es insofern von Bedeutung, als es für die deutsche Elf ihr erster Auftritt im neuen Wembley-Stadion war. Wie bei ihrem letzten Gastspiel im alten Wembley-Stadion sorgte sie auch diesmal beim Gastgeber für schlechte Stimmung und gewann 2:1 durch Tore von Kevin Kuranyi und Christian Pander bei einem Gegentreffer von Frank Lampard.
Das „umgekehrte“ Wembley-Tor und aktuelle Entwicklung mini|Das neue Wembley-Stadion