mini|hochkant=1.1|Pfarrkirche Hl. Karl Borromäus in Hohenems Die römisch-katholische Pfarrkirche Hohenems steht im Ortsteil Markt der Gemeinde Hohenems im Bezirk Dornbirn in Vorarlberg. Sie ist dem heiligen Karl Borromäus geweiht und gehört zum Dekanat Dornbirn in der Diözese Feldkirch. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz ().
Das Patrozinium des heiligen Karl Borromäus wird jährlich am 4. November begangen. Karl Borromäus ist Stadtpatron von Hohenems.
Lage Die Kirche ist ein fast nach allen Seiten freistehender spätbarocker Steinbau, der das Ortszentrum von Hohenems beherrscht und westseitig an der Marktstraße, süd-ostseitig an der Schlossbergstraße liegt.
Das Pfarrzentrum ist westwärts etwa 110 m Luftlinie entfernt.
Neben dem Rathaus in Hohenems befindet sich die 1617 errichtete Kapelle hl. Karl Borromäus.
Geschichte 1351 bestand in Hohenems eine Kapelle, die einer hl. Katharina geweiht war und die um 1490 erweitert wurde. Seit 1354 bestand in Hohenems eine Lokalkaplanei. Die Pfarre Hohenems war bis ca. 1498 Teil der Pfarre Lustenau und ist seither selbstständige Pfarre. Der heilige Karl Borromäus besuchte Hohenems 1570 (Graf Jakob Hannibal von Hohenems war der Gatte seiner Halbschwester Hortensia).
Die 1467 errichtete und im Jahr 1468 zu Ehren des hl. Sebastian geweihte Kapelle in Dornbirn-Oberdorf wurde von 1471 bis 1771 von einem hohenemsischen Hofkaplan seelsorgerisch betreut.
1576–1580 wurde nach Plänen von Esaias Gruber eine neue Kirche errichtet (Hannibal-Kirche), die 1581 geweiht wurde. Der heutige Kirchenbau aus den Jahren 1796/97 wurde von Jakob Scheiterle ausgeführt. 1806 wurde das Kirchengebäude fertiggestellt und eingeweiht. Die neue Pfarrkirche wurde unter großem persönlichen und finanziellem Einsatz des Pfarrers Joseph Fetz (* 17. April 1751 in Schwarzenberg; † 12. Juni 1832 in Hohenems, begraben in der Kapelle hl. Sebastian und hl. Antonius) neu gebaut.Arnulf Häfele, Peter Mathis, Im San Toni, Friedhof und Kapelle St. Anton in Hohenems, S. 92f. Die Kosten für die Pfarrkirche wurden auf 8565 Gulden berechnet. Pfarrer Joseph Fetz spendete schlussendlich über 3000 Gulden aus privatem Vermögen.Arnulf Häfele, Peter Mathis, Im San Toni, Friedhof und Kapelle St. Anton in Hohenems, S. 17, 37, 49f.
1974 wurde das Pfarrvikariat Herrenried von der Pfarre Hohenems abgetrennt.
Architektur Der Kirchenbau ist ein dominanter, spätbarocker Saalbau mit eingezogenem Chor und geschwungener Westfassade. Das Bodenniveau liegt etwa auf Die Kirche ist nach Südwest-Nordost ausgerichtet, etwa 23 m hoch, etwa 50 m lang, 20 m breit. Der Kirchenbau selbst hat ein steiles Satteldach und große, dominierende Rundbogenfenster, die den Kirchenraum großzügig natürlich belichten. Der nordseitig an das Langhaus angebaute quadratische, etwa 36 m hohe, Turm weist einen Spitzgiebelhelm auf und hat vier Rundbogenschallöffnungen. Er ist nicht öffentlich zugänglich. Im Bereich der Schallöffnungen ist ein offener, umlaufender Gang angebracht.
Der Chor ist nach Nordosten ausgerichtet, baulich tiefer gezogen an das Langhaus angefügt und ist durch den flachgedrückten Chorbogen architektonisch deutlich abgegrenzt.
Esaias Gruber der Ältere († um 1595) und der Jüngere, Bildhauerfamilie, schufen einige Bildwerke in der Pfarrkirche.
Das zweiflüglige, südwestlich befindliche, Haupttor zeigt im oberen Bereich feingliederige Schnitzereien. Über dem Hauptportal mit Sandstein-Rahmen befindet sich eine Statue des Jakob Hannibal von Hohenems. Zwischen Hauptportal und Statue ist eine Inschriftentafel angebracht, auf der in lateinischer Sprache an Jakob Hannibal erinnert wird. Oberhalb der Statue befindet sich ein Sandsteinrelief einer „Pietà“ an der Fassade.
Ein medaillonförmiges Deckenfresko im Langschiff zeigt „Mariä Aufnahme in den Himmel“. Das dominierende quadratische Deckenfresko zum Chor zeigt die Darstellung von König Salomon, der seine Mutter bittet, auf dem Thron Platz zu nehmen. Zur Empore hin befindet sich ein Deckenfresko, welches eine Allegorie des Konzils von Trients darstellt, in welchem am Rand auch weltliche und geistliche Würdenträger aus Hohenems abgebildet sind sowie Wappen der Grafen von Hohenems und der Grafen von Waldburg. Alle Deckenfresken stammen von Andreas Brugger (1737–1812) und aus dem Jahr 1798.
An der rechten Seitenwand zum Chor hin befindet sich ein barockes Gemälde des betenden hl. Karl Borromäus. An der linken Wandseite befindet sich die, heute nicht mehr in Gebrauch befindliche, Kanzel, daneben auf einem kleinen Sims eine Statue des Erzengel Michael.
Die hölzernen Kirchenbänke sind mit kunstvoll-einfachen, sich wiederholenden, geschnitzten Verzierungen ausgestattet.
Der Kirchenbau ist über einen oberirdischen Gang mit etwa 50 m Länge mit dem Palast Hohenems verbunden.
Der Chor wird links (Marienaltar) und rechts (Josephsaltar) von Seitenaltären flankiert und wird mit Stufen zum Chor hin abgegrenzt.
Das Deckenfresko im Chor zeigt das letzte Abendmahl von Andreas Brugger (1798).
Ausstattung Hochaltar mini|Blick aus dem Langschiff auf den Chor. Der hölzerne, geschnitzte Renaissance-Hochaltar aus dem Jahr 1580 von Heinrich Dieffolt steht auf einem dunkelgrauen Steinsockel. Zentrales Detail dieses Altars ist die Krönung Mariens.
Vor dem Hochaltar, einige Treppenstufen niederer, steht auf einem kleinen Podest ein Volksaltar.
Seitenaltäre Der linksseitige, weitgehend schwarz gehaltene, Marienaltar beherbergt ein Altarbild mit der „Rosenkranzmadonna“, vermutlich von Andreas Brugger. Unterhalb des Bildes befindet sich eine Ton-Pietà von 1597, deren Kopie außen an der Fassade in einer Nische oberhalb des Horizontalgesimses angebracht ist. Das Oberbild zeigt den Erzengel Michael.
Der rechtsseitige, weitgehend schwarz gehaltene, Josephsaltar zeigt als Altarbild den „Traum“ des Heiligen Josef von Gebhard Flatz (1846). Das Oberbild ein Schutzengelrelief.
Kreuzwegstationen Die 14 Kreuzwegstationen sind entlang der Wände des Hauptschiffes angebracht. Es handelt sich dabei um Ölgemälde in einem schlichten schwarz-goldenen Holzrahmen.
Orgel mini|Orgelempore. Die geschwungene, echte Empore trägt die eindrucksvolle, 1987 errichtete Gollini-Orgel mit 40 Registern auf drei Manualen und Pedal und hat vom Hauptportal aus beidseitig einen Aufgang.
Epitaph für Graf Jakob Hannibal von Hohenems mini|hochkant=1.1|Epitaph für Graf Jakob Hannibal von Hohenems Das für den Innenraum konzipierte Epitaph für Graf Jakob Hannibal von Hohenems, das dessen Sohn, Graf Kaspar von Hohenems, 1597 bei Esaias Gruber aus Lindau in Auftrag gegeben hatte, ist über dem Hauptportal in die Westfassade eingelassen. Bei der Neugestaltung der Kirche wurde so ein besonders repräsentativer Ort gewählt, um die Erinnerung an den Grafen lebendig zu halten. Stilistisch ist dieses Epitaph üppige späte Renaissance, mit dem Bauherrn in Rüstung, aber barhäuptig und mit niedergelegtem Helm in einer Rundbogennische, flankiert von zwei barbusigen Karyatidenpilastern, die die Hände vor der Brust zusammengelegt haben. Die seitliche Ornamentik besteht aus Roll- und Beschlagwerk, wobei die Elemente sich scheinbar gegenseitig durchdringen, ganz außen blicken zwei kleine menschliche Wesen mit ihrem Kopf durch einen rechteckigen Rahmen und halten in den hinter dem Rahmen gebliebenen Händen je ein Fruchtgehänge. Im oben abschließenden, verkröpften Fries wechseln sich 8 graue Schmuckkonsolen mit ornamentalem Beschlagwerk ab mit 7 gelblichen Kinderköpfen in den Zwischenräumen. Die trapezförmig sich verjüngenden unteren Hälften der seitlichen Pilaster tragen jeweils eine groteske Maske, aus deren Mund je zwei nach außen gezogene Bänder hervorkommen. Oben wird das Epitaph von einem gesprengten Segmentbogengiebel abgeschlossen, in dessen Mitte eine hohe Konsole nach oben wächst, die eine Statue von Maria mit dem Kinde trägt; zwei weitere Figuren stehen auf seitlichen Konsolen an den Bogenabschnitten.
Die lateinische Inschrift lautet: D.(EO) O.(PTIMO) M.(AXIMO) / IACOBO HANNIBALI COM:(ITI) IN ALTO EMBSIO ET GALARATO / PII. IIII. PONT.(IFICIS) MAX:(IMO) EX SORORE NEPOTI, EIVSDEM AC PII. V. SVCCESSORIS / ECC:(LESI)AE MILITIAE GENERALI CAPITANEO. / SVB CAROLO. V. ET FERDINAN:(DO) ROM:(ANORVM) REGE / MILITARIS ARTIS TYROCINIA DIVERSIS IN BELLIS STRENVÈ AVSPICATO. / A PHILIPPO. II. HISPANIARVM REGE. / GERMANORVM PEDITVM DVCI CONSTITVTO. OB VARIAS EXPEDI/TIONES IN GALLIA. NEAPOLITANO REGNO. AFRICANO LITTORE / BVRGVNDIA. TANDEM TRINAS IN BELGIO FELICITER CONFEC/TAS GALLARATI COMITATV COMPENSATO. INTIMI CONSILIARII. AC QVAE PER EXCELSA IN HISPANIS EST. MAGNATIS DIGNITATE DECORATO. / FERDINANDI AVSTRIAE ARCHIDVCIS. / BRIGANTII. VELDKIRCHII. HOHENECHII PRAEFECTO. AC MILITVM / SVMMO DVCI. TERRA MARIQVE MAXIMIS EXANTLATIS LABORIB:(VS) / IMMORTALI GLORIA FAMILIAE COMPARATA IN ALTEMBSIANA DEMV / ARCE; ANNO. M. D. LXXXVII. AETATIS SVAE. LVII. VII. KAL.(ENDIS) IAN.(VARII) PIÈ EXTINCTO / CASPARVS FILIVS MOESTIS / PATRI OPTIMÈ MERENTI / .P(OSVIT).
Das Epitaph ist mit zwei Wappen versehen. Das heraldisch rechte für Graf Jakob Hannibal ist unter einem Schildhaupt geviert und besitzt drei verschiedene Inhalte, die auf fünf Plätze verteilt sind. Die Felder 1 und 4 zeigen das Stammwappen der Grafen von Hohenems, in Blau ein goldener aufspringender Steinbock. Die Felder 2 und 3 tragen jeweils das Wappen der florentinischen de Medici. Jakob Hannibal war der Sohn von Clara bzw. Chiara Medici (gestorben 1560), Schwester von Papst Pius IV. und von Condottiere Gian Giacomo Medici, der im Schatten seines päpstlichen Bruders zum Marchese di Marignano, also Markgraf von Marignano aufstieg. Alle genannten Geschwister waren Kinder von Bernardo Medici. Alle entstammten einer unbedeutenden und verarmten Familie des Namens Medigino oder Medeghino aus Mailand, die ihren Namen in Medici di Melegnano bzw. Medici di Nosigia änderte. Genealogisch haben sie nichts mit den echten de Medici aus Florenz zu tun. Im Schildhaupt sehen wir in Rot zwei schräggekreuzte Schlüssel, der schrägrechte golden, der schräglinke silbern, vor einem golden-rot gestreiften Padiglione, alle drei Schäfte am Kreuzungspunkt von einer Schleife zusammengehalten. Das Band der Schleife ist durch die Griffe der Schlüssel nach außen gezogen und endet mit einer kleinen Quaste. Jakob Hannibal von Hohenems profitierte von seinem Onkel auf dem Papstthron, wurde päpstlicher Gesandter am spanischen Hof und Oberbefehlshaber aller päpstlichen Truppen, und weil er im Jahr 1565 Generalgubernator von Rom und dem Kirchenstaat war, hat er diese Elemente in sein Wappen aufgenommen.