Die Möhren (Daucus) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die Arten sind in vielen Gebieten der Welt verbreitet. In Mitteleuropa heimisch sind nur zwei Unterarten der Möhre (Daucus carota): die Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota) und als Zuchtform die Karotte (Daucus carota subsp. sativus), auch Gartenmöhre oder Kulturmöhre genannt.

Beschreibung mini|Illustration aus Flora Atlantica, sive, Historia plantarum quae in Atlante, agro Tunetano et Algeriensi crescunt, Tafel 65 von Daucus setifolius Bei Daucus s. str. gibt es folgende Merkmale:

Vegetative Merkmale Die Möhren-Arten sind einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden oft Pfahlwurzeln. Die oberirdischen Pflanzenteile sind häufig flaumig oder borstig behaart. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind zwei- bis dreifach gefiedert. Die Endabschnitte sind stets schmal.

Blütenstand und Blüten Die Blüten stehen in zusammengesetzten doppeldoldigen Blütenständen, die endständig oder scheinbar blattgegenständig stehen. Hülle und Hüllchen sind drei- bis vielblättrig. Die Hüllblätter, teilweise auch die Hüllchenblätter sind fiederspaltig. Die Doldenstrahlen neigen sich zur Fruchtreife vogelnestartig zusammen.

Die Blüten sind polygam mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchzähne sind klein und unscheinbar. Die Kronblätter sind reinweiß, rötlich oder gelblich. Oben sind sie ausgerandet und haben ein spitzes, eingeschlagenes Läppchen. Die Kronblätter sind auch oft ungleich groß und das äußerste der Randblüten ist oft zygomorph und vergrößert.

Frucht und Samen Die Frucht ist eiförmig bis ellipsoidisch, auch zylindrisch oder zusammengedrückt. Die Hauptrippen sind faden- oder wulstförmig vortretend sowie borstig behaart. Die Nebenrippen bilden eine Stachelreihe, die beiden seitlichen Nebenrippen bilden den Rand der Teilfrucht. Die Stacheln sind an der Spitze mit Widerhaken besetzt. Diese können an den Früchten der Döldchenmitten zu Warzen verkümmert sein. Ölstriemen gibt es je einen unter jeder Nebenrippe und zwei unter der Fugenfläche.

Ökologie Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Dipteren, Coleopteren, Hymenopteren).

mini|Sektion Anisactis: Daucus glochidiatus mini|Sektion Anisactis: Daucus pusillus mini|Sektion Daucus: Falscher Breitsame (Daucus pumilus) mini|Sektion Melanoselinum: Habitus und Laubblätter von Daucus decipiens

Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung Die Gattung Daucus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 242 aufgestellt. Im klassischen Griechisch wurde das Wort δαυκος (daukos) von Hippokrates sowie Dioskorides verwendet. In der lateinischen Sprache wurde das griechische Wort δαυκος zu daucum oder daucos und wurde von Plinius dem Älteren sowie Aulus Cornelius Celsus für die Karotte verwendet.Vgl. auch Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 35 („Daucus – wilde moren“). Die Bezeichnung als „Möhren“ ist bereits mittelhochdeutsch (als moren)Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 161 (Baucia – moren […] = Daucus carota L.). belegt.

Die Gattung Daucus s. str. ist in Nordafrika, Südwestasien, Europa, Australien, Neuseeland, Nord-, Mittel- und Südamerika weitverbreitet. Kulturformen einer Art werden weltweit in den gemäßigten Gebieten kultiviert und verwildern dort auch.

Die Gattung Daucus gehört zur Subtribus Daucinae aus der Tribus Scandiceae in der Unterfamilie Apioideae innerhalb der Familie Apiaceae.

Nach morphologischen Merkmalen enthält die Gattung Daucus s. str. bei Conchita Sáenz Lain 1980 nur etwa 20 Arten.

Nach molekulargenetischen Untersuchungen wurde der Umfang der Gattung Daucus deutlich erweitert. Nach Banasiak 2016 et al. wird die Gattung Daucus s. l. in mehrere Sektionen gegliedert:

Daucus sect. Agrocharis et al. (Syn.: Agrocharis ): Sie wurde 2016 aufgestellt und enthält nur drei Arten: Daucus incognitus (Syn.: Agrocharis incognita ) Daucus melananthus (Syn.: Agrocharis melanantha ) Daucus pedunculatus (Syn.: Agrocharis pedunculata ) Daucus sect. Anisactis : Daucus arcanus : Sie kommt nur in Spanien vor. Daucus bicolor : Sie kommt in der Türkei vor. Daucus broteri : Sie ist in Südosteuropa und Vorderasien verbreitet. Daucus conchitae : Sie kommt in der Türkei und auf Inseln der Ägäis vor. Daucus durieua : Sie ist in Portugal, Spanien, Nordafrika und Vorderasien verbreitet. Daucus glochidiatus : Sie gedeiht in Australien und Neuseeland. Daucus guttatus : Sie kommt in Italien, Malta, Südosteuropa, Vorderasien, Ägypten und auf der Sinaihalbinsel vor. Vielhüllige Möhre (Daucus involucratus ): Sie kommt in Griechenland, in der Türkei, auf Inseln der Ägäis, auf Kreta und Zypern vor. Daucus montanus Daucus pusillus : Sie ist vom westlichen Kanada über die Vereinigten Staaten bis ins nördliche Mexiko und in Brasilien, Argentinien, Chile sowie Uruguay verbreitet.

Daucus sect. Daucus: Daucus annuus (Syn.: Tornabenea annua ) Daucus aureus : Sie ist in Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien verbreitet. Daucus biseriatus Daucus carota Daucus crinitus : Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, Portugal und Spanien vor. Daucus della-cellae (Syn.: Athamanta della-cellae ): Sie kommt in Libyen vor. Daucus elegans (Syn.: Cryptotaenia elegans ): Sie kommt auf den Kanarischen Inseln vor. Daucus gracilis : Sie kommt nur in Algerien vor. Daucus insularis (Syn.: Tornabenea insularis ): Sie kommt auf den Kapverden vor. Daucus mauritii : Sie kommt im nördlichen Marokko vor. Daucus minusculus (Syn.: Pseudorlaya minuscula ): Sie kommt in Marokko, Portugal und Sardinien vor. Daucus mirabilis (Syn.: Pachyctenium mirabile ): Sie kommt im nordöstlichen Libyen vor. Zackige Möhre (Daucus muricatus ): Sie ist in Südeuropa und Nordafrika verbreitet. Falscher Breitsame (Daucus pumilus , Syn.: Pseudorlaya pumila ): Er kommt im Mittelmeergebiet und auf den Kanaren vor. Daucus rouyi (Syn.: Rouya polygama ): Sie kommt in Algerien, Tunesien, Sardinien und Korsika vor. Daucus sahariensis : Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und auf der Sinaihalbinsel vor. Daucus setifolius : Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, Portugal und Spanien vor. Daucus syrticus : Sie kommt in Tunesien, Libyen und Ägypten vor. Daucus tenuisectus : Sie kommt nur in Marokko vor. Daucus tenuissimus (Syn.: Tornabenea tenuissima ): Sie kommt auf den Kapverden vor. Daucus virgatus : Sie kommt in Algerien und Tunesien vor.

Daucus sect. Melanoselinum & al. (Syn.: Melanoselinum ): Sie wurde 2016 aufgestellt und enthält nur zwei Arten: Daucus decipiens (Syn.: Melanoselinum decipiens ): Sie kommt in Makaronesien vor. Daucus edulis (Syn.: Monizia edulis ): Sie kommt auf Madeira und den Ilhas Selvagens vor.

Oben nicht in die Untersektionen der Gattung Daucus eingeordnet sind (Auswahl Stand 1980; ob es ab 2016 noch akzeptierte Arten und Unterarten sind, ist nicht bekannt): Daucus aleppicus : Sie kommt nur in Syrien vor. Daucus blanchei : Sie kommt im Libanon, in Jordanien und in Israel vor. Daucus carota : Es gibt zahlreiche Unterarten, darunter: Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota, Syn. Daucus foliosus ) Daucus carota subsp. capillifolius (Syn.: Daucus capillifolius ): Sie kommt nur in Libyen vor. Daucus carota subsp. gadecaei : Sie kommt nur in Frankreich vor. Daucus carota subsp. gummifer: Sie kommt in Portugal, Spanien, Frankreich und Großbritannien vor. Riesenmöhre (Daucus carota subsp. maximus ) Karotte, Mohrrübe (Daucus carota subsp. sativus )

Daucus glaber (Syn. Daucus littoralis ): Sie kommt in der Türkei, in Vorderasien, auf Inseln der Ägäis, in Zypern, Libyen, Ägypten und auf der Sinaihalbinsel vor. Daucus jordanicus : Sie kommt in Jordanien und in Libyen vor. Daucus reboudii : Sie kommt in Algerien und in Tunesien vor.

Nicht mehr zur Gattung Daucus gehört die Sektion Daucus sect. Silphiodaucus die 2016 den Rang einer eigenständigen Gattung Silphiodaucus erhalten hat. Mit 2 Arten: Silphiodaucus hispidus : Sie kommt in der Ukraine, in der Türkei und im Kaukasusraum vor. Preußisches Laserkraut (Silphiodaucus prutenicus , Syn.: Laserpitium prutenicum ): Es kommt von Spanien bis Russland vor.

Quellen Verwendete Literatur

She Menglan, Mark F. Watson: Daucus. s. str. In: textgleich online wie gedrucktes Werk. Łukasz Banasiak, Aneta Wojewódzka, Jakub Baczyński, Jean-Pierre Reduron, Marcin Piwczyński, Renata Kurzyna-Młynik, Rafał Gutaker, Agnieszka Czarnocka-Cieciura, Sylwia Kosmala-Grzechnik, Krzysztof Spalik: Phylogeny of Apiaceae subtribe Daucinae and the taxonomic delineation of its genera. In: Taxon. Band 65, Nr. 33, 2016, S. 563–585. doi:10.12705/653.8

Einzelnachweise Conchita Sáenz Lain: Research on Daucus L. (Apiaceae). In: Anales del Jardín Botánico de Madrid. Band 37, Nr. 2, 1980, S. 481–533, PDF-Datei. Ralf Hand: Apiaceae.: Datenblatt Daucus. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. Łukasz Banasiak, Aneta Wojewódzka, Jakub Baczyński, Jean-Pierre Reduron, Marcin Piwczyński, Renata Kurzyna-Młynik, Rafał Gutaker, Agnieszka Czarnocka-Cieciura, Sylwia Kosmala-Grzechnik, Krzysztof Spalik: Phylogeny of Apiaceae subtribe Daucinae and the taxonomic delineation of its genera. In: Taxon. Band 65, Nr. 3, 2016, S. 563–585. doi:10.12705/653.8

Weblinks

The genus Daucus Linnaeus and Daucus carota Linnaeus. Michel Kerguélen: Index synonymique de la flore de France: Daucus. - einige Synonyme der in Frankreich vorkommenden Arten.

Weiterführende Literatur

Carlos Arbizu, Holly Ruess, Douglas Senalik, Philipp W. Simon, David M. Spooner: Phylogenomics of the carrot genus (Daucus, Apiaceae). In: American Journal of Botany. Band 101, 10, 2014, S. 1666–1685. doi:10.3732/ajb.1400106 (Volltext PDF). D. M. Spooner, H. Ruess, M. Iorizzo, D. Senalik, P. Simon: Entire plastid phylogeny of the carrot genus (Daucus, Apiaceae): Concordance with nuclear data and mitochondrial and nuclear DNA insertions to the plastid. In: American Journal of Botany, Band 104, Issue 2, Februar 2017, S. 296–312. doi:10.3732/ajb.1600415 D. M. Spooner: Daucus: Taxonomy, Phylogeny, Distribution. In: P. Simon, M. Iorizzo, D. Grzebelus, R. Baranski (Hrsg.): The Carrot Genome. Compendium of Plant Genomes. Springer, Cham, Mai 2019 .

Kategorie:Doldenblütler