300px|mini|Grabdenkmal für Herzog Albrecht im Königsberger Dom, Ende des 19. Jahrhunderts. Das Grabdenkmal für Herzog Albrecht ist ein Grabdenkmal des Staatsgründers Herzogs Albrecht von Preußen im Königsberger Dom. Lage Es befindet sich in rekonstruierter Form wieder an der gesamten Ostwand im Königsberger Dom.

Geschichte Das Kunstwerk wurde in Antwerpen noch zu Lebzeiten des Herzogs begonnen und zwei Jahre nach dessen Tod vollendet. Herzog Albrecht verstarb 1568. Das Kunstwerk trägt die Inschrift „1570“. Es wurde in den Jahren 1571 bis 1572 aufgestellt. Das Denkmal überstand den Zweiten Weltkrieg „nahezu unbeschädigt“. Aber alle Figuren, Wappen, Säulen kamen in der Nachkriegszeit abhanden. Das Grabdenkmal wurde inzwischen rekonstruiert.

Beschreibung Das Grabdenkmal ist in ein Haupt- und Obergeschoss gegliedert. Die Figuren bestehen aus weißem Alabaster. Die Architektur aus belgischem Kalkstein.

Hauptgeschoss Mittelteil Eine große Rundbogennische bildet den Mittelteil, in dem ein großer Sarkophag steht.vgl. Hagen, S. 179 Marmor-Denkmal vom Albrecht I. Den Sarkophag schmücken verschiedene Karyatiden: Allegorien auf Glaube, Liebe und Hoffnung. Zwischen den Karyatiden befinden sich zwei trauernde Genien mit gesenkter Fackel, darüber der brandenburgische Adler.Ernst August Hagen: Die Beschreibung der Domkirche zu Königsberg und der in ihr enthaltenen Kunstwerke. S. 184.

Der Sockel zeigt eine große Inschriftentafel:

Auf dem Sarkophag kniet der Herzog. Der Herzog ist im Herzogsmantel gekleidet und ohne Kopfbedeckung („barhäuptig“) Vor ihm befinden sich seine Eisenhandschuhe, hinter dem Knienden ruht sein Helm. Der Herzog betet vor einem viereckigen Betpult, auf dem sich das Evangelium befindet. Der Betpult ist bei näherer Betrachtung ein Altar, weil dieser vorragende Widderköpfe an den Ecken zeigt. Über dem Herzog befindet sich in der oberen Hälfte der Rundbogennische ein kreisrundes Relief. Gezeigt wird eine weibliche, verschleierte Figur, eine Allegorie auf die Religion („wie die Römer die Pietàs abbildeten“). Die Frau sitzt in einem Sarg und hält einen unbekleideten Leichnam. Mit ihren Armen umschließt sie zusammen mit dem Leichnam die kleinen Figuren des gekreuzigten und des auferstandenen Jesus als Überwinder von Tod und Teufel, die als Figuren zu Füßen der Pietà sitzen.

In den Bogenzwickeln, die Flächen zwischen dem Rundbogen und seiner rechtwinkligen Umrahmung (Alfiz), werden als Relief zwei geflügelte mädchenhafte Genien dargestellt. Die eine Figur hält einen Palmzweig, die andere Figur einen Kranz.

Seitenteile Die große Rundbogennische wird an den Seiten von vier kleineren Rundbogennischen mit korinthischen Säulen mit Gebälk geschmückt. In den kleinen Nischen stehen vier Könige, darunter König Salomon und König David mit Harfe. Die Bekrönungen der Seitenteile sind kreisrunde Schilde mit den Wappen des Herzogs, das in beiden dasselbe ist. Auf den Schilden stehen oben Urnen.Ernst August Hagen: Die Beschreibung der Domkirche zu Königsberg und der in ihr enthaltenen Kunstwerke. S. 187.

Obergeschoss Im Obergeschoss befindet sich das Relief Das Jüngste Gericht. Zu beiden Seiten stehen Karyatiden, die Gerechtigkeit und Klugheit darstellen. Über dem Giebeldreieck, geschmückt mit Masken und mit der Inschrift 1570, befindet sich ein geflügelter Totenkopf neben einer Sanduhr und Waage.Ernst August Hagen: Die Beschreibung der Domkirche zu Königsberg und der in ihr enthaltenen Kunstwerke. S. 186.vgl. Boetticher, S. 328. Ganz oben befindet sich eine Figur, die Füße auf der Weltkugel. Die Figur hält zwei Attribute, das Schwert und Lilie, als Symbol der Verdammung und der Begnadigung.Ernst August Hagen: Die Beschreibung der Domkirche zu Königsberg und der in ihr enthaltenen Kunstwerke. S. 186–187.

Kunstgeschichtliche Bedeutung Das Denkmal gilt laut Baldur Köster und Georg Dehio/Ernst Gall als eines der HauptwerkeKöster, S. 54.Dehio/Gall, S. 376 von Cornelis Floris. Dehio zufolge wurde das Grabdenkmal nach dem Vorbild römischer und venezianischer Grabmale der Hochrenaissance geschaffen. Anton Ulbrichvgl. Ulbrich, S. 81 und S. 92. sieht darin „italienische Renaissanceformen in niederländischer Übertragung“.Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. 2 Bände, Königsberg 1926, S. 20. Das in Antwerpen bestellte Epitaph wurde in Königsberg aufgestellt, seine Gestaltung war dann „von entscheidendem Einfluß auf die Entwicklung des ostpreußischen Altar- und Epitaphtyps bis in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts“.Dehio/Gall, S. 376

Eugen von Czihak bezweifelt die Urheberschaft von Floris.vgl. Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. 2 Bände, Königsberg 1926, S. 22. A. Hagen und Karl Faber vertreten die Ansicht, dass Jakob Binck aus Köln den Entwurf für das Epitaph schuf.Faber S. 67. Adolf Boetticher bezweifelt Bincks Urheberschaft mit Hinweis auf dessen Tod vor Anfertigung des Epitaphs.Boetticher, S. 327: „Daß Jakob Binck sein Verfertiger gewesen sein soll, wie A. Hagen annimmt, ist des Todes des Meisters um 1569 wegen unwahrscheinlich“.

Literatur

Die Königsberger Gruppe und die Befreiung von der Renaissancegebundenheit. Wandgrabmäler im Königsberger Dom. In: Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. 2 Bände, Königsberg 1926–1929, S. 81–85. Stilverwandte Wandgrabmäler im Dom zu Königsberg …. In: Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. 2 Bände, Königsberg 1926–1929, S. 86–92. Ernst August Hagen: Die Beschreibung der Domkirche zu Königsberg und der in ihr enthaltenen Kunstwerke. Königsberg 1833 (gemeinsam mit A.R. Gebser). Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. 2 Bände, Königsberg 1926.

Weblinks Kneiphof und Dom auf ostpreussen.net

Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in Kaliningrad