Myrhorod (; ) ist eine Stadt in der zentralukrainischen Oblast Poltawa an den Ufern des Flusses Chorol. Myrhorod ist gleichzeitig Verwaltungszentrum des Rajons Myrhorod. Der Name des Ortes bedeutet "friedliche Stadt".

Geschichte Bereits im 11. Jahrhundert soll an der Stelle der heutigen Stadt auf Anweisung des Kiewer Großfürsten Wladimir I. eine Befestigungsanlage errichtet worden sein. Diese war Teil einer Kette von Wachpunkten, welche die östliche Grenze des Reiches der Kiewer Rus beschützen sollten. Die erste urkundliche Erwähnung ist umstritten. Einige Historiker behaupten, sie erfolgte im Jahr 1530, als die Stadt das Magdeburger Recht und ein Wappen erhielt. Andere halten ein Dokument von 1575 für die älteste Erwähnung, als der polnische König Stephan Báthory ihr das Statut einer polnischen Stadt gab. Die Stadt blieb im Besitz Polens, bis 1648 die Kosaken ihre Unabhängigkeit erreichen konnten. In dieser Zeit war Myrhorod für seine Schießpulverherstellung bekannt.

1650 traf sich der ukrainische Hetman Bohdan Chmelnyzkyj mit Abgesandten des Russischen Reiches in der Stadt, um eine mögliche Vereinigung der beiden Staaten zu beraten. Zu dieser Zeit blieben die Verhandlungen aber noch erfolglos. 1654 gelang es dann aber dem Russischen Reich, eine Verbindung mit dem Kosakenstaat unter seiner Führung zu erreichen. Von 1683 bis 1727 wurde das Myrhorodregiment der Kosaken von Danylo Apostol geführt, welcher anschließend von 1727 bis 1734 als ukrainischer Hetman fungierte.

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt, welche ab 1802 Teil des Gouvernements Poltawa war, durch den russischen Schriftsteller Gogol in einigen seiner Kurzgeschichten literarisch verewigt. Gogol kam in der Nähe der Stadt in dem Dorf Welyki Sorotschynzi zur Welt und hatte einen Großteil seiner Jugend in dieser Region verbracht. 1835 veröffentlichte er einen Sammelband mit Kurzerzählungen mit dem Titel Mirgorod. Im 19. Jh. wurde die Entwicklung der Stadt durch Seuchen und Hungersnöte behindert. Wohnten 1802 6.334 Einwohner in der Stadt, so waren es 1897 10.037. Davon waren 82,5 % Ukrainer, 12,4 % Juden und 4,25 % Russen.

Ab 1912 entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden ukrainischen Kurort, auch wenn diese Entwicklung zunächst vom Ersten Weltkrieg und dem Russischen Bürgerkrieg behindert wurde. 1926 lebten bereits 20.834 Einwohner in der Stadt. Nachdem im Zweiten Weltkrieg die meisten Kureinrichtungen zerstört worden waren, wurden sie wieder auf- und weiter ausgebaut. Bis 1989 wuchs die Myrhorod auf 46.663 Einwohner an. Im Zuge der Transitionskrise hat der Ort allerdings fast 10 % seiner Bevölkerung verloren. Die Stadt wird heute überwiegend von Ukrainern bewohnt (2001: 89,6 %), Russen stellen die zweitgrößte ethnische Bevölkerungsgruppe (9,0 %). Nach dem Ort ist auch das Myrhoroder Schwein benannt.

Bei einem Angriff auf den Militärflugplatz Myrhorod mit Iskander-M-Raketen am 1. Juli 2024 wurden nach russischen Angaben fünf Su-27 zerstört und zwei weitere beschädigt.newsweek.com: Multiple Ukraine Fighter Jets Destroyed in Strike on Airfield: Moscow (2. Juli 2024)

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Wappen Beschreibung: In Blau ein goldenes Tatzenkreuz über einen achtzackigen silbernen Stern. Eine dreitürmige silberne Mauerkrone auf mit Goldrand historisierten Schild.

Infrastruktur, Wirtschaft und Verkehr Die vier größten Sanatorien der Stadt verfügen heute zusammen über 3.500 Betten. Myrhorod ist in der Ukraine ein wichtiges Zentrum für die Behandlung von Diabetespatienten. Das in den örtlichen Quellen gewonnene Wasser, welches einen leicht salzigen Geschmack hat, ist ein vielverkauftes Mineralwasser in der Ukraine und wird auch ins Ausland exportiert. Neben der Lebensmittelindustrie ist auch der Maschinenbau von Bedeutung. Die Stadt liegt an der Eisenbahnstrecke Kiew–Poltawa–Charkiw.

Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Myrhorod (Миргородська міська громада/Myrhorodska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 36 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten DörferКабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 721-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Полтавської області", bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Myrhorod (Миргородська міська рада/Myrhorodska miska rada) unter Oblastverwaltung im südlichen Zentrum des ihn umgebenden Rajons Myrhorod.

Am 17. Juli 2020 kam es im Zuge einer großen Rajonsreform zum Anschluss des Rajonsgebietes an den Rajon MyrhorodВерховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX Про утворення та ліквідацію районів.

Folgende Orte sind neben dem Hauptort Myrhorod Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Bijewe Бієве Беево (Bejewo) Bilyky Білики Белики (Beliki) Chomutez Хомутець Хомутец Derkatschi Деркачі Деркачи Dibriwka Дібрівка Дибровка Dowhaliwka Довгалівка Довгалевка (Dowgalewka) Harkuschynzi Гаркушинці Гаркушинцы (Garkuschinzy) Hlyboke Глибоке Глубокое (Glubokoje) Jarmaky Ярмаки Ярмаки (Jarmaki) Jemzi Ємці Емцы (Jemzy) Jerky Єрки Ерки (Jerki) Kotljari Котлярі Котляры (Kotljary) Kusmenky Кузьменки Кузьменки (Kusmenki) Kybynzi Кибинці Кибинцы (Kibinzy) Leschtschenky Лещенки Лещенки (Leschtschenki) Ljubiwschtschyna Любівщина Любовщина (Ljubowschtschina) Mali Sorotschynzi Малі Сорочинці Малые Сорочинцы (Malyje Sorotschinzy) Malyniwka Малинівка Малиновка (Malinowka) Malzi Мальці Мальцы (Malzy) Martschenky Марченки Марченки (Martschenki) Mylaschenkowe Милашенкове Милашенково (Milaschenkowo) Nossenky Носенки Носенки (Nossenki) Ossowe Осове Осово (Ossowo) Petriwzi Петрівці Петровцы (Petrowzy) Pokasowe Показове Показовое (Pokasowoje) Ruda Руда Руда Rybalske Рибальське Рыбальское (Rybalskoje) Schachworostiwka Шахворостівка Шахворостовка (Schachworostowka) Schpakowe Шпакове Шпаково (Schpakowo) Slobidka Слобідка Слободка (Slobodka) Stowbyne Стовбине Столбино (Stolbino) Subiwka Зубівка Зубовка (Subowka) Trudoljub Трудолюб Трудолюб Werchowyna Верховина Верховина (Werchowina) Wessele Веселе Веселое (Wesseloje) Wownjanka Вовнянка Вовнянка

Persönlichkeiten Wirkungs- und Todesort des georgischen Schriftstellers Dawit Guramischwili (1705–1792) Wirkungs- und Todesort des Künstlers und Bandura-Bauers Opanas Slastion (1855–1933)

Söhne und Töchter der Stadt Wladimir Borowikowski (1757–1825), Maler Panas Myrnyj (1849–1920), Schriftsteller und Dramaturg Jakob Gordin (1853–1909), jiddischer Autor Anatolij Dimarow (1922–2014), Schriftsteller Leonid Huberskyj (* 1941), Philosoph und Universitätsrektor der Universität Kiew Boris Pertschatkin (* 1946), russisch-amerikanischer Menschenrechtsaktivist

Literatur N. Gogol: Meisternovellen / Phantastische Novellen / Mirgorod. Könemann, Köln 2001, ISBN 3-8290-4946-3

Einzelnachweise

Weblinks

Eintrag zum Ort in der Enzyklopädie der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR (ukrainisch)

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