mini|Hans Unger: Selbstbildnis im Sweater, um 1899 Hans Unger (* 26. August 1872 in Bautzen; † 13. August 1936 in Dresden; vollständiger Name: Carl Friedrich Johannes Unger) war ein deutscher Maler.
Leben Frühe Jahre miniatur|Plakat für Estey-Orgeln (1896) Hans Unger wurde in Bautzen in eine Familie der unteren Mittelschicht geboren. Sein Vater erkannte zwar schnell die künstlerischen Talente seines Sohnes, aber da er nicht glaubte, Malen würde zu einem florierenden Beruf für den jungen Hans, schickte er ihn auf eine Handelsschule. Dort war Hans Unger aber nicht erfolgreich; 1887 nahm er eine Lehrstelle als Dekorationsmaler in seiner Heimatstadt an. Von 1888 bis 1893 war er Student im Malersaal des Dresdner Hoftheaters. Von 1893 bis 1895 studierte er an der Dresdner Kunstakademie, wo Friedrich Preller der Jüngere und Hermann Prell seine Lehrer waren. 1894 verbrachte Unger den Sommer auf der Insel Bornholm, wo er eine Reihe von Aquarellen malte. 1896 entwarf er ein Plakat für die Dresdner Orgelhandlung Estey (eigentlich ein Harmoniumhersteller), was ihn international bekannt machte und zum Ausgangspunkt für seine Karriere wurde.
Frühe Karriere mini|hochkant|Die Muse (1897) 1897 wurde sein Gemälde Die Muse von der Gemäldegalerie Neue Meister in Dresden erworben. Von Oktober 1897 bis März 1898 studierte er an der Académie Julian in Paris, wo Tony Robert-Fleury und Jules-Joseph Lefebvre seine Lehrer waren. Ein weiterer Impuls für seine Karriere war 1899 ein Auftrag für die Gestaltung des szenischen Vorhangs für das neu erbaute Dresdener Central-Theater (im Februar 1945 zerstört). 1899 nahm Unger an der Deutschen Kunstausstellung in Dresden teil, wo er seinen eigenen Saal hatte, dekoriert mit lila Wänden und einem schwarzen Holzkranz. Unter den ausgestellten Werken waren ein Selbstbildnis im Pullover und Abschied, eine Landschaft.
Hans Unger wurde Mitglied des 1903 gegründeten Deutschen Künstlerbunds; sein Name erschien erstmals im DKB-Mitgliederverzeichnis von 1906.Mitgliederverzeichnis des Ausstellungskatalogs der 3. Deutschen Künstlerbund-Ausstellung, Weimar 1906. S. 58, abgerufen am 21. Mai 2016 Er reiste an die Nordsee, an die Ostsee, nach Italien und Ägypten, wo er Aquarelle und Pastelle malte. Unger war während seines ganzen Lebens ein leidenschaftlicher Reisender in den Süden, und die kräftigen Farben in seiner Arbeit reflektieren dies. Zeugnis dafür findet sich im Buch Reisebilder aus dem Süden.
1905 entwarf Unger das Mosaikbild einer Lichtgöttin für den neuen Ecktrakt der Ernemann-Werke an der Schandauer Straße in Dresden. 1898 und 1910 gestaltete Unger Titelillustrationen für Ausgaben der Zeitschrift Jugend; zudem illustrierte er Ausgaben der Zeitschrift Pan.
Höhepunkt mini|Liegendes Mädchen (1917) Um 1910 änderte sich Ungers Stil merkbar. Seine Striche wurden mutiger, seine Farben verloren ihre Intensität, und motivisch wurde seine Arbeit immer eintöniger. Die traumhaft schöne Frauengestalt, die um die Jahrhundertwende faszinierend und frisch war, wurde ein Klischee. Ihr Gesicht war hart und ohne Ausdruck. Aber in seinen Porträts und Landschaften blieb Unger so mächtig wie er noch nie war.Urteil aus unbekannter Quelle
1912 eröffnete das neu erbaute Stadtmuseum in seiner Heimatstadt Bautzen und feierte Unger mit einem eigenen Saal. Er war auf dem Höhepunkt seiner Berühmtheit und wurde in der Presse „Dresdens letzter Malerfürst“ genannt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 zwang viele junge Künstler zur Armee und zum Kampf an der Front. Unger blieb dieses Schicksal aufgrund seiner Prominenz erspart.
1917 nahm Unger an der Ausstellung der Dresdner Kunstgenossenschaft teil. Er entwarf das Titelbild des Katalogs und präsentierte sechs Gemälde, darunter Salome und Liegendes Mädchen, sowie sechs Zeichnungen. 1918 präsentierte die Dresdner Kunstausstellung Unger mit elf Gemälden und zehn Zeichnungen, ein Beleg für Beliebtheit und seinen Ruf in der künstlerischen Gemeinschaft. Sein Plakat für die Konzerte seines Freundes, des Komponisten und Orchesterleiters Jean Louis Nicodé, brachte ihm in Großbritannien einen Preis für das „Beste Deutsche Plakat“ ein.
Eine verlorene Welt mini|hochkant|Grab von Hans Unger auf dem Loschwitzer Friedhof 1918 verlor Deutschland den Krieg und die Monarchie. Die jungen Künstler kehrten von der Front zurück, waren enttäuscht und wollten Veränderung – noch weiter entfernt vom Impressionismus und dem Kopieren der Realität, wie sie es in den Jahren vor dem Weltkrieg getan hatten. Ungers Welt der idealisierten Frauen in sanften Landschaften war vom Zeitgeist überholt. Seine Arbeit wurde in den Hintergrund gedrängt. Dennoch war er immer noch einer der wohlhabendsten Künstler Dresdens und setzte seine Reisen nach Italien, Dalmatien, Spanien, Portugal und Afrika fort. König Fu'ād I. von Ägypten war einer seiner Gönner. Ungers Besuche Ägyptens führten 1927 zu einer Ausstellung in der Galerie Baumbach in Dresden.
Unger war 1933 in Bautzen auf der letzten Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft der Lausitzer Bildenden Künstler vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit einem Bildnis vertreten.Katalog der 5. Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft der Lausitzer Bildenden Künstler; S. 11 1933 organisierte der Sächsische Kunstverein eine Ausstellung anlässlich Ungers 60. Geburtstags.
Inzwischen verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Was sich später als eine Nierenerkrankung herausstellte, wurde zu spät behandelt, und Hans Unger starb in seinem Haus in Loschwitz, einem bei Künstlern beliebten Dresdner Villenstadtteil. Er wurde auf dem Loschwitzer Friedhof beerdigt, wo sein Grab noch vorhanden ist.Unger, Hans, in The Androom Archives
Erneutes Interesse Das sich wieder stärker ausbreitende Interesse am Jugendstil in den 1960er Jahren brachte Unger erneut Aufmerksamkeit. Im Jahr 1987 organisierte das Stadtmuseum Bautzen eine Gedächtnisausstellung zum 125. Geburtstag von Unger. 1997 fand eine Retrospektivausstellung zu Unger im Stadtmuseum Freital statt. Die Kunsthalle Bielefeld präsentierte 2013 in einer Ausstellung unter dem Titel Schönheit und Geheimnis – Deutscher Symbolismus 1870–1920 mehrere seiner Werke, zusammen mit denen anderer Künstler, die ihn beeinflussten, wie Franz von Stuck, Max Klinger und Arnold Böcklin., Ausstellungsseite der Kunsthalle Bielefeld
Privatleben Unger heiratete 1899 seine Frau Marie Antonia. Sie wurde zu seiner Muse, seinem Modell und das wichtigste Thema seiner Werke. 1902 entwarf Unger seine Villa in Loschwitz, auch die Innenausstattung – diese fiel allerdings einer Renovierung in den frühen 1970er Jahren zum Opfer. Die Villa Kügelgenstraße 6 besteht nach wie vor und bietet einen Blick auf die Elbe und weiter entfernt zur Dresdner Innenstadt. 1903 wurde sein einziges Kind geboren, seine Tochter Maja. Ihr Pate war Sascha Schneider, ein lebenslanger Freund von Unger. Nach Majas Tod im Jahr 1973 wurde Ungers Nachlass verkauft und verteilt.
Werke Es gibt kein vollständiges Werkverzeichnis zu Ungers Schaffen. Einige Gemälde sind nur von Fotos bekannt, gemacht und gesammelt von Unger selbst. Von einigen Gemälden ist ihr derzeitiger Aufenthaltsort unbekannt. Die beste Quelle ist das Buch von Rolf Günther.
Künstlerische Einflüsse, Sujet Unger war Porträtist und Landschaftsmaler. Sein Ruf geht von seinen Gemälden aus, die „schöne Frauen, die von Arkadien träumen“, darstellen. Eigentlich war es immer dieselbe Frau, nämlich seine Ehefrau und Muse. Später sollte seine Tochter Maja die privilegierte Stellung ihrer Mutter teilen. Die Hintergründe seiner „arkadischen Frauen“ waren oft pastorale Landschaften mit hohen Zypressen, ein Garten oder eine Szene am Meer. Unger wird als ein Vertreter des Dresdner Jugendstils gesehen, zu dessen Vertretern auch Sascha Schneider, Selmar Werner und Oskar Zwintscher gehörten.
In seiner Arbeit wurde er von mehreren wichtigen Künstlern des 19. Jahrhunderts beeinflusst, unter ihnen Pierre Puvis de Chavannes (Schönheit als Religion), Gustave Moreau, Joséphin Péladan (der androgyne Typ), Fernand Khnopff (Sphinx-artige Frauen, obwohl Unger auf die laszive Erotik von Khnopff verzichtete), William Strang (ein britischer Graveur, den Unger 1895 in Dresden traf und später in London besuchte) und Dante Gabriel Rossetti. Andere wichtige Einflüsse verdankte er Edward Burne-Jones, Arnold Böcklin (besonders seine Landschaften) und Max Klinger.
Literatur Richard Stiller: Maler Hans Unger – Loschwitz. In: Deutsche Kunst und Dekoration, 30. Jahrgang 1912, S. 80–90. (Digitalisate bei der Universitätsbibliothek Heidelberg) Hans W. Singer: Hans Unger. In: Das Plakat, 10. Jahrgang 1919, Heft 5, S. 349–354. (Digitalisat bei der SLUB) John Knittel: Hans Unger. Sonderausstellung Sächsischer Kunstverein Dresden, 25. Januar–Mitte März 1933 Dresden - Brühlsche Terrasse. Sächsischer Kunstverein, Dresden 1933. Eva Schmidt: Hans Unger. In: Katalog der Gemäldesammlung des Stadtmuseums Bautzen. Bautzen 1954, S. 117–118. Henner Menz: Hans Unger. Reisebilder aus dem Süden. (Ausstellungskatalog) Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dresden 1955.
Hans-Günther Hartmann: Hans Unger. (= Maler und Werk) Verlag der Kunst, Dresden 1989, ISBN 3-364-00165-0. Rolf Günther: Hans Unger. Leben und Werk mit dem Verzeichnis der Druckgraphik. Neumeister Art Auctioneers, Dresden 1997. (veröffentlicht anlässlich der Hans-Unger-Memorial-Ausstellung im Stadtmuseum Freital vom 7. September bis 26. Oktober 1997) A. Dehmer, M. Giebe, K. Krüger: „Die Muse“ von Hans Unger im Klingersaal. Bild und Rahmen im neuen Licht. In: Dresdener Kunstblätter, 4. Jahrgang 2010, S. 239–244. Jutta Hülsewig-Johnen: Schönheit und Geheimnis. Der deutsche Symbolismus. Die andere Moderne. Kerber Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-86678-810-7.
Weblinks
Hans Unger im Stadtwiki Dresden
Einzelnachweise
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