mini|hochkant=1.4|Claude Monet: Impression — soleil levant, 1872, Musée Marmottan, Paris Die Malerei des Impressionismus entstand aus einer Bewegung französischer Maler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Impressionismus verbreitete sich weltweit und wurde vom Post-Impressionismus abgelöst.

Im Impressionismus entstanden wesentliche Voraussetzungen für den neuen Charakter der Bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. In der Kunstgeschichte wird er unterschiedlich eingeordnet. Einige Kunsthistoriker bezeichnen ihn als Beginn der Moderne, andere wiederum als Ende der alten Epoche – wiederum andere als beides zugleich.Peter H. Feist: Französischer Impressionismus, Seiten 10–11.

Die meisten impressionistischen Werke wurden unter freiem Himmel („en plein air“) und in einer skizzenhaften Art gemalt, die es ermöglichte, die Reflexe des Lichts rasch einzufangen. Die Impressionisten bezogen eine zu den Klassizisten entgegengesetzte Position, da sie der Farbgebung deutlich mehr Beachtung schenkten als der Linie.

Begriff Das Wort Impressionismus, abgeleitet von lateinisch impressio ‚Eindruck‘ bzw. französisch impressionnisme, etablierte sich als kunstwissenschaftlicher Begriff um 1874. Schon Anfang der 1860er Jahre beschrieb Théophile Gautier die Malweise Daubignys, die er als zu flüchtig empfand, als eine „Impression“. Schließlich wurde der Begriff von einigen Rezensenten aufgegriffen, um die Werke der jungen Künstler in der Ausstellung am Boulevard des Capucines 35, die am 15. April 1874 eröffnete, zu beschreiben. Der Kunstkritiker Jules-Antoine Castagnary erörterte in seinem Aufsatz unter anderem die Frage, wie die Künstlergruppe zu nennen sei. Mit Verweis auf Monets Gemälde Impression – soleil levant (Impressions – Sonnenaufgang) kommentierte er: „Wollte man sie mit einem erläuternden Wort charakterisieren, müsste man den neuen Begriff Impressionisten schaffen. Sie sind Impressionisten in dem Sinn, dass sie nicht eine Landschaft wiedergeben, sondern den von ihr hervorgerufenen Eindruck.“

Die Namensgebung wurde begünstigt, da die von Monet eingesandten Arbeiten durch ihre monotonen Bildtitel wie Eingang zum Dorf, Ausgang aus dem Dorf, Morgen im Dorf, Edmond Renoir, den Bruder Auguste Renoirs, verärgerten.John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus, Seite 193. Da Monet das von ihm eingesandte Bild nun nicht mehr Ansicht von Le Havre nennen durfte, antwortete er Edmond Renoir: „Schreiben Sie Impression“. Im Katalog erschien die Arbeit als Impression — soleil levant.

In der kunsthistorischen Literatur wird oftmals der Kunstkritiker Louis Leroy als Schöpfer des Begriffs Impressionismus genannt. Dieser veröffentlichte am 25. April 1874 einen Artikel in der Satirezeitschrift Le Charivari und leitete aus Monets Gemälde die abschätzig gemeinte Bezeichnung ab. Wie Ian Dunlop jedoch anmerkt, ist der Begriff des Impressionismus bereits in den 1860er und 1870er Jahren gebräuchlich und vor Monet schon im Zusammenhang mit anderen Landschaftsmalern genutzt worden. In der Folge verwendeten zahlreiche Künstler diese Bezeichnung, die bei den Vorbereitungen zur dritten Impressionisten-Ausstellung im Jahr 1877 dann auch offiziell Verwendung fand.

Charakterisierung miniatur|Kunststudenten beim Aktmalen an der École des Beaux-Arts, spätes 19. Jahrhundert. Der Impressionismus brach mit vielen Regeln malerischer Praxis, welche durch die Kunstakademien, etwa die École des Beaux-Arts, im 19. Jahrhundert gelehrt wurden. Die Farbe wurde entgegen der akademischen Lehrmeinung zum primären Gestaltungsmittel erhoben. Die zeichnerischen Elemente traten in den Hintergrund. Der Impressionismus wurde aus drei Gründen für die Entwicklungsgeschichte der Malerei bedeutsam:

Die Aussage des Bildes ist hinsichtlich der Farbe als auch der zeichnerischen Form des Wirklichkeitsausschnitts relativ, da sie vom Sehenden und Malenden abhängt. Im Impressionismus wird die offene Bildgestalt hervorgehoben, die sich als Ausschnitt aus Raum und Zeit ausweist, wobei Figuren sogar angeschnitten werden wie bei Edgar Degas.

Die Relativität des Bildes und die offene Form motivieren den Betrachter zu eigenen Sehleistungen, Empfindungen und einer Mitarbeit am Zustandekommen der Bildgestalt und ihrer Aussage. Das einzelne Bild verliert an zwingend gültigem, belehrendem Charakter für jeden Betrachter.

Sowohl der Akt des Malens als eine spezifische, lustvolle Tätigkeit, als auch das Kunstwerk als deren bleibende Spur erwuchsen zu einem eigenständigen geistigen Wert. Hierdurch gewann die sich seit längerem anbahnende Auffassung des L’art pour l’art immer mehr Raum. Der ganze Sinn und kulturelle Wert eines Bildes könne darin bestehen, dass es eben ein Bild sei und nichts anderes (siehe hierzu Kunsthistorische Betrachtung).

Die Impressionisten sahen die Welt ausdrücklich durch ihre Maleraugen. Sie bestanden darauf, ihren Zeitgenossen im richtigen Sehen voraus zu sein. So hoben sie hervor, dass sich die farbige Erscheinung eines Gegenstandes je nach Umgebung und Beleuchtung verändert; ebenso dass Schatten durch ihre Umgebung bestimmt sind und verschiedenartige Farbwerte annehmen können. Ferner sei es unerheblich, so behaupteten sie gelegentlich, welchen Gegenstand man male, die Lichtverhältnisse seien entscheidender.Peter H. Feist: Französischer Impressionismus, Seiten 97–99. Oftmals wird in ihren Werken der Effekt einer bestimmten Tages- bzw. Jahreszeit hervorgehoben.

Die Impressionisten malten oftmals en plein air (unter freiem Himmel) und sur le motif (vor dem Motiv). In vielen Bildwerken betonten sie die Reflexion des Lichtes und die Spektralfarben.

Des Weiteren ist der Impressionismus ab den 1860er Jahren ebenfalls durch eine Hinwendung zur klassischen japanischen Kunst, die als Bewegung des Japonismus umschrieben wird, geprägt. Dies wurde durch die allgemeine Öffnung Japans zur Welt (Meiji-Restauration) ermöglicht, als es zum ersten Mal möglich wurde, politische, gesellschaftliche, ökonomische und kulturelle Verbindungen zum Land aufzubauen. Die Einflüsse Japans auf die diversen Strömungen des Impressionismus sind sowohl durch die Einführung neuer Objekte sowie Kleidungsstücke, aber auch durch eine neue Art Dimensionen, Licht- und Schattenverhältnisse sowie Perspektiven darzustellen, erkennbar.

Kunstverhältnisse um 1860 Salon de Paris mini|Édouard Joseph Dantan, Un Coin du Salon en 1880

Für das Kunstleben, das Ausstellungswesen, den Kunsthandel und die Geschmacksbildung war Paris die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts. Entstehung und Ausbreitung der impressionistischen Malerei bedurften der Lebensweise und des kulturellen Klimas von Paris.Peter H. Feist: Französischer Impressionismus, Seiten 15–17.

Nach dem von Baron Haussmann geplanten Stadtumbau der 1850er und 1860er Jahre, durch den die Arbeiterbevölkerung an den Stadtrand gedrängt wurde, und nachdem die Pariser Kommune 1871 niedergeschlagen worden war, wurde Paris zu einer von dem durch Industrialisierung und Handel (neu-)reich gewordenen Bürgertum kulturell bestimmten Stadt.

Diese gesellschaftliche Entwicklung brachte es mit sich, dass Kunstwerke nicht mehr im Auftrag einer dünnen Oberschicht geschaffen wurden, sondern dass ein Kunstmarkt entstand. Zwischen den unabhängigen Künstlern und den Käufern von Werken schalteten sich immer stärker Kunsthändler wie Alexandre Jeune ein, die zur Herstellung der notwendigen Kontakte in ihren Galerien Kunstwerke präsentierten. Die Künstler wurden so zusätzlich in die Konkurrenzkämpfe ihrer Händler hineingezogen. Der Impressionismus nimmt eine Schlüsselposition in der Geschichte des Ausstellungswesens ein. Ohne die Streitigkeiten um Annahme oder Zurückweisung gerade impressionistischer Bilder wäre sie nicht verständlich.

In Frankreich überragte eine Ausstellungsmöglichkeit alle anderen an Bedeutung: der Salon de Paris. Der Salon befand sich im Louvre. In dem politisch und kulturell seit langem besonders zentralistisch orientierten Land ließen sich gültige Wertmaßstäbe nur in der Hauptstadt festlegen. Seit 1673 gab es regelmäßige Ausstellungen von Mitgliedern der königlichen Akademie der Künste. Nach der Revolution von 1789 ließ man 1791 auch Nichtakademiker zu. Über die Zulassung entschied eine Jury, die bis 1863 aus Mitgliedern der Académie des Beaux-Arts bestand, einer Abteilung des Institut de France, des vornehmsten Instruments staatlicher Kulturpolitik.

Die Kunstkritik befasste sich recht ausführlich mit dem Salon. Die Mehrheit des Publikums verließ sich in ihrem unselbständigen Urteil weitgehend auf die Expertenentscheidungen der Jury. Ein auf dem Keilrahmen als refüsiert, als zurückgewiesen markiertes Bild verkaufte sich nur selten.

Überwindung von Klassizismus und Realismus miniatur|Eugène Delacroix: Frauen von Algier, 1834 In der klassizistischen Malerei war das Studium von musterhaften alten Kunstwerken, das Befolgen von Gestaltungsregeln, dem Naturstudium übergeordnet. Auf Farbigkeit konnte ein strenger Klassizist im Prinzip auch verzichten. Hauptvertreter des Klassizismus war Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867), der noch als patriarchalische Autorität wirksam war, als die angehenden Impressionisten ihre künstlerische Auffassung zu profilieren begannen.

Als Gegenpol zu Ingres erschien Eugène Delacroix (1789–1863). Da ihm Farbe und nicht die Linie das ausschlaggebende Gestaltungsmittel war, verweigerten ihm die Klassizisten der Académie Française siebenmal, bis 1857, die Zuwahl in dieses höchste Gremium französischer Künstler. Delacroix wurde zum Vorbild vieler Impressionisten, die sich entschieden von der romantischen Schule und dem Klassizismus abgrenzten. miniatur|links|John Constable, Weymouth Bay, um 1816 Einige Charakteristika impressionistischer Landschaftsmalerei, so u. a. Pleinair (unter freiem Himmel), sur-le-motif (vor dem Motiv), finden sich schon in der Schule von Barbizon, den Werken von William Turner (1775–1851), John Constable (1776–1837), Richard Bonington (1801–1828) und Johan Barthold Jongkind (1819–1891). So wurde die Landschaftsmalerei, die in der herrschenden klassischen Kunstlehre nur einen niedrigen Rang (petit genre) einnahm, bereits salonfähiger. miniatur|Jean-Baptiste Camille Corot, Die Brücke von Narni, 1826 Für die Entwicklung des Realismus in der Malerei waren die Landschaftsmaler der Schule von Barbizon von größter Bedeutung. Die Beobachtung der Natur lenkte die Aufmerksamkeit der Maler auf die wechselnden Phänomene des Lichts und seine Bedeutung für die farbige Erscheinung der Dinge. Derartige künstlerische Interessen traten damals in nahezu allen europäischen Ländern auf. Diese Haltung wurde für den Impressionismus zu einem entscheidenden Motor.

Die Haltung realistischer Maler mit ihrem Hauptstreiter Gustave Courbet wurde ebenfalls grundlegend für den Impressionismus. So vertrauten diese ihrem Augensinn und machten ihre Bilder gleichsam zu Fenstern (siehe hierzu Leon Battista Alberti, finestra aperta). Diese Treue zur Natur, wie man statt Realität auch sagte, die in ihren Augen erst ein wahrhaftiges Bild ergab, musste erlernt und jedes Mal hart erarbeitet werden. Auch das Sehen selbst galt es zu üben und zu verfeinern. So erfuhren die Maler, dass sie erst im Prozess ihres Tuns ein anderes Sehen erlernten. mini|Frédéric Bazille: Porträt von Renoir, 1867 Courbet faszinierte viele jüngere Künstler und keine andere Auffassung kam ohne Definition ihres Verhältnisses zu seiner Kunst aus. „In der freien Natur unter Naturmenschen natürlich malen“, wie es ein Vierteljahrhundert später der deutsche Maler Wilhelm Leibl formulierte, wurde überall zu einer der grundlegenden Maximen realistischer Künstler.

Von den Begründern der impressionistischen Figurenmalerei ist vor allem Frédéric Bazille zu nennen.

Wichtige Vertreterinnen des Impressionismus sind Berthe Morisot und Mary Cassatt.

Beginn der Bewegung nach 1860 Salon des Refusés Hauptartikel: Salon des Refusés