Die französische Präsidentschaftswahl 2017 war die elfte Wahl des Staatspräsidenten der Fünften Französischen Republik. Der erste Wahlgang fand am 23. April 2017 statt; die entscheidende Stichwahl zwischen den Siegern des ersten Wahlgangs, Emmanuel Macron und Marine Le Pen, am 7. Mai 2017. Macron gewann die Wahl deutlich mit 66,1 % der abgegebenen gültigen Stimmen und wurde somit als Präsident für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt.

Verfahren Der französische Staatspräsident wird direkt vom Volk gewählt. Im ersten Wahlgang ist ein Kandidat gewählt, wenn er die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Erreicht dies kein Kandidat – was bisher bei allen Präsidentschaftswahlen seit 1965 der Fall war –, findet eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern statt, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben.

Wahlberechtigt ist jeder französische Staatsbürger, der am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet hat und in die Wahllisten eingetragen ist.

Wählbar ist jeder Wahlberechtigte, der 500 Unterstützerunterschriften gewählter Mandatsträger (überwiegend Parlamentarier auf Europa-, Staats-, Regions- oder Departementsebene sowie Bürgermeister und gewählte Vorsitzende höherer Gebietskörperschaften) aus mindestens 30 Départements nachweisen konnte.

Kandidaten Die folgenden elf Kandidaten wurden vom zur Wahl zugelassen:

Nachfolgend wird die Kandidatenfindung der französischen Parteien dargestellt, soweit sie Bewerber benannt haben oder ihnen, weil sie im Parlament vertreten sind, Bedeutung zukommt, auch wenn sie keinen Bewerber nominiert haben. Die Reihenfolge richtet sich dabei nach dem Wahlergebnis 2012.

Parti Socialiste (PS) mini|hochkant|Mehrheiten nach Départements in der ersten Runde der Vorwahlen: mini|hochkant|Mehrheiten in der zweiten Wahlrunde der Vorwahlen: Für die Parti socialiste, die Partei des amtierenden Staatspräsidenten François Hollande, trat Benoît Hamon an, der unter Hollande 2014 ein halbes Jahr lang Bildungsminister und zuvor beigeordneter Minister in den Regierungen Ayrault war. Hollande selbst gab am 1. Dezember 2016 bekannt, nicht zur Wiederwahl anzutreten. Zuvor war lange damit gerechnet worden, dass er trotz seiner Umfragewerte antreten würde.

Bestimmt wurde der Kandidat in einer offenen Vorwahl (primaire citoyenne), die Ende Januar 2017 stattfand und auch Bewerbern aus anderen linken Parteien, die Mitglied der Belle alliance populaire sind, offenstand. Beim ersten Wahlgang erhielt Hamon 36,3 Prozent, gut 5 Prozentpunkte mehr als Valls. Vor dem zweiten Wahlgang sprach sich der ausgeschiedene Arnaud Montebourg, der in Umfragen kurz vor den Vorwahlen als Mitfavorit gegolten hatte, für Hamon aus; die mit 2 Prozent ausgeschiedene Sylvia Pinel für Valls; Vincent Peillon erklärte, keine Wahlempfehlung abzugeben. Die anderen beiden Kandidaten äußerten sich nicht. Im zweiten Wahlgang, einer Stichwahl, erhielt Hamon 58,9 % der Stimmen.

Ergebnis der offenen Vorwahlen der Belle alliance populaire, für den 2. Wahlgang nach Auszählung von 97 Prozent der WahllokaleKandidat 1. Wahlgang 2. Wahlgang; die Stimmen sind aus den in der Quelle angegebenen Daten errechnet. politischer Hintergrund Stimmen % Stimmen % Benoît Hamon 596.647 36,0 % 1.161.771 58,9 % Parti Socialiste, Abgeordneter, Bildungsminister 2014 Manuel Valls 521.238 31,5 % 811.681 41,1 % Parti Socialiste, Abgeordneter, Premierminister 2014–2016 Arnaud Montebourg 290.070 17,5 % — — Parti Socialiste, Industrie- bzw. Wirtschaftsminister 2012–2014 Vincent Peillon 112.718 6,8 % — — Parti Socialiste, Europaabgeordneter, Bildungsminister 2012–2014 François de Rugy 63.430 3,8 % — — Vorsitzender der Parti écologiste, Vizepräsident der Nationalversammlung Sylvia Pinel 33.067 2,0 % — — Vorsitzende der Parti radical de gauche, Handels- bzw. Wohnungsministerin 2012–2016 Jean-Luc Bennahmias 16.869 1,0 % — — Vorsitzender des Front démocrate Leere Stimmzettel 11.766 0,7 % 26.803 Ungültige Stimmzettel 10.114 0,6 %

Die Wahlleitung der Vorwahlen wies die Bewerbungen von Gérard Filoche und von Fabien Verdier, beide Mitglieder des Parteivorstands der PS, wegen fehlender Unterstützungsunterschriften zurück. Marie-Noëlle Lienemann, Senatorin, erklärte im März 2016 ihre Kandidatur, zog diese aber Anfang Dezember 2016 wieder zurück. Ihre Kandidatur erklärt hatte außerdem Sidi Hamada-Hamidou, Mitglied der Parti radical de gauche, die aber nicht auf der Liste der zugelassenen Kandidaten genannt wird.

Die Parti radical de gauche (PRG) hatte im Juni 2016 ihr Bündnis mit der Parti Socialiste (PS) suspendiert und mitgeteilt, sich wahrscheinlich nicht an deren Vorwahlen zu beteiligen. Im November 2016 nominierte sie ihre Parteivorsitzende Sylvia Pinel zur Präsidentschaftskandidatin, ohne dass diese an den Vorwahlen teilnehmen sollte. Kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist entschied der Parteivorstand der PRG, doch an den Vorwahlen teilzunehmen.

Les Républicains (LR) mini|hochkant|Mehrheiten nach Départements in der ersten Wahlrunde der Vorwahlen: mini|hochkant|Mehrheiten in der zweiten Wahlrunde der Vorwahlen: Für die Republikaner (Les Républicains, LR) trat der ehemalige Premierminister (2007 bis 2012) François Fillon an. Er erhielt im zweiten Wahlgang der offenen Vorwahlen der Rechten und des Zentrums rund zwei Drittel der Stimmen; Alain Juppé erhielt ein Drittel. Bereits im ersten Wahlgang war der bei der Präsidentschaftswahl 2012 nicht wiedergewählte Staatspräsident Nicolas Sarkozy als drittplatzierter Bewerber ausgeschieden. Die weiteren Kandidaten spielten bereits im ersten Wahlgang keine nennenswerte Rolle. An beiden Wahlgängen beteiligten sich jeweils mehr als vier Millionen Bürger, ein Vielfaches der Mitgliederzahl der beteiligten Parteien.

Bei den Vorwahlen konnten sich nicht nur Parteimitglieder der LR, sondern auch Kandidaten anderer Parteien der Mitte und der Rechten bewerben (Primaire ouverte de la droite et du centre, Offene Vorwahl der Rechten und der Mitte), sofern sie gewisse Bedingungen hinsichtlich der Unterstützung durch beteiligte Parteien, Mitglieder oder Amtsträger erfüllten. Die Teilnahme an der Abstimmung stand nicht nur Parteimitgliedern offen, sondern jedem, der im Wahlbüro erschien, zwei Euro Kostenbeteiligung zahlte und eine „Charta des Wechsels“ unterschrieb, durch die erklärt wurde, dass man „die republikanischen Werte der Rechten und der Mitte teilt und sich für den Wechsel einsetzt, damit die Wiederaufrichtung Frankreichs gelingt“.französisch: „partager les valeurs républicaines de la droite et du centre et s’engager pour l’alternance afin de réussir le redressement de la France“.

Ergebnis der offenen Vorwahlen der Rechten und des ZentrumsKandidat 1. Wahlgang 2. Wahlgang politischer Hintergrund Stimmen % Stimmen % François Fillon 1.883.855 44,1 % 2.908.154 66,5 % Premierminister 2007–2012 (Präsident Sarkozy) Alain Juppé 1.220.382 28,6 % 1.466.407 33,5 % Bürgermeister von Bordeaux, Premierminister 1995–1997 (Präsident Chirac) Nicolas Sarkozy 882.687 20,7 % — — Französischer Staatspräsident 2007–2012 Nathalie Kosciusko-Morizet 109.305 2,6 % — — Umwelt-, Transport- und Wohnungsbauministerin 2010–2012 (Kabinett Fillon) Bruno Le Maire 101.766 2,4 % — — Landwirtschaftsminister 2009–2012 (Kabinett Fillon) Jean-Frédéric Poisson 62.135 1,5 % — — Abgeordneter und Präsident des Parti chrétien-démocrate (Frankreich) Jean-François Copé 12.750 0,3 % — — ehemaliger Fraktionsvorsitzender, Generalsekretär und Präsident der UMP Ungültige Stimmen 9.835 12.988

Drei weitere Bewerbungen für die Präsidentschaftskandidatur wies der Vorwahlen -Wahlausschuss zurück, weil die Organisationen, die die Vorschläge einreichten, nicht die Voraussetzungen für eine Beteiligung an den Vorwahlen erfüllen würden: Michel Guénaire (Société Civile 2017), Frédéric Lefebvre (Nouveaux Horizons), ehemaliger Staatssekretär, und Mourad Ghazli (Mouvement pour l’équité et le développement). Geoffroy Didier, Vizepräsident des Regionalrates von Île-de-France, Henri Guaino, Abgeordneter der Nationalversammlung, Nadine Morano, ehemalige beigeordnete Ministerin für berufliche Bildung und Jacques Myard, Abgeordneter der Nationalversammlung, reichten ihre Bewerbungen nicht ein, weil sie nicht die dafür notwendige Zahl von Unterstützern erreichten.

Front National (FN) Für den Front National bewarb sich wie bereits 2012 die Parteivorsitzende Marine Le Pen. Ihre Bewerbung war innerhalb des FN unstrittig.

La France insoumise (FI, Parti de Gauche und Parti communiste) Für die Parti de Gauche trat ihr Parteivorsitzender Jean-Luc Mélenchon an, der 2012 als Kandidat für den Front de gauche, ein Bündnis aus Parti de Gauche und Parti communiste français, Platz 4 im ersten Wahlgang erreicht hatte. Mélenchon äußerte, dass der Front de Gauche nicht mehr bestehe und er selbst überparteilicher Kandidat für die Bewegung La France insoumise sei.

Die Parti communiste français unterstützte trotz des Endes des Bündnisses Mélenchon, führte dabei allerdings eine eigene Wahlkampagne durch. Dem ging eine längere innerparteiliche Diskussion voraus. Vor dem Parteitag der PCF im Juni 2016 sprach sich ihr Vorsitzender Pierre Laurent für einen gemeinsamen Kandidaten einer linken Alternative (einem gemeinsamen Kandidaten der linken Parteien) aus. Laurent ließ dabei eine Präferenz für eine Kandidatur des ehemaligen Wirtschaftsministers Arnaud Montebourg (PS) erkennen; andere Parteimitglieder unterstützten die Kandidatur von Mélenchon. Anfang November 2016 sprach sich ein Parteitag der PCF für einen eigenen Kandidaten aus und überstimmte damit mit knapper Mehrheit die Position des Parteivorsitzenden Laurent, der sich kurz vor dem Parteitag für eine Unterstützung Mélenchons ausgesprochen hatte. Dieser Beschluss wiederum wurde Ende November 2016 in einer Urabstimmung von den Mitgliedern überstimmt, die sich mit 53,6 Prozent für die Unterstützung Mélenchons aussprachen.

Zentristische Parteien Beim Mouvement démocrate (MoDem) war zunächst unklar, ob es eine Präsidentschaftskandidatur geben wird. François Bayrou, der Vorsitzende des MoDem, unterstützte eine Präsidentschaftskandidatur von Alain Juppé für die Republikaner. Sollte dieser nicht nominiert werden, galt eine eigene Kandidatur Bayrous als wahrscheinlich. Im Februar 2017 erklärte Bayrou aber seine Unterstützung für Emmanuel Macron.

Der Vizepräsident des MoDem, Jean Lassalle, erklärte seine Kandidatur im März 2016. Er trat aus der Partei aus und gründete die Bewegung Resistons!.

Die Union des démocrates et indépendants (UDI) erwog eine Teilnahme an der Vorwahl der Republikaner; in einer Urabstimmung lehnten aber zwei Drittel der abstimmenden Mitglieder dies ab. Unklar blieb lange, ob die UDI einen eigenen Kandidaten aufstellen wird, einen Kandidaten der Republikaner oder die Kandidatur von Emmanuel Macron unterstützt. Die meisten Mitglieder der UDI votierten bei den Vorwahlen für Alain Juppé, der viele ihrer politischen Ziele unterstützt, unterstützten aber auch den politisch weiter rechts stehenden François Fillon nach dessen Sieg in den Vorwahlen. Nachdem Fillon trotz einer Vorladung vor Gericht wegen der Korruptionsvorwürfe gegen ihn und seine Ehefrau entgegen früheren Versprechen seine Kandidatur aufrechterhielt, entzog die UDI ihm ihre Unterstützung. Die Alliance centriste, Mitgliedspartei der UDI, gab im Februar 2016 bekannt, an der Präsidentschaftswahl teilnehmen zu wollen. Sie benannte aber keinen Kandidaten.

En Marche (Vorwärts) Emmanuel Macron, ehemaliger Wirtschaftsberater von François Hollande und Wirtschaftsminister von 2014 bis 2016, gründete im April 2016 die Partei En Marche und verließ Ende August 2016 die Regierung, um sich auf den Präsidentschaftswahlkampf zu konzentrieren. Am 16. November 2016 erklärte er offiziell seine Kandidatur. Macron trat mit sozialliberalen und pro-europäischen Positionen an und äußerte, er sei weder links noch rechts. Er wurde bei der Wahl von der zentristischen MoDem unterstützt.

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