La gazzetta ist eine Oper in zwei Akten (Originalbezeichnung: „dramma per musica“) von Gioachino Rossini (Musik). Das Libretto von Giuseppe Palomba basiert auf Gaetano Rossis Libretto Avviso al pubblico, das 1814 von Giuseppe Mosca vertont worden war und auf der 1763 erschienenen Komödie Il matrimonio per concorso von Carlo Goldoni beruht. Die Uraufführung fand am 26. September 1816 im Teatro dei Fiorentini in Neapel statt.
Handlung
Don Pomponio gibt eine Heiratsanzeige für seine Tochter Lisetta auf, um den perfekten Schwiegersohn zu finden. Diese jedoch liebt Filippo, den Wirt des Gasthofes, in dem sich die Bewerber vorstellen sollen. Ebenfalls dort anwesend sind der Reisende Anselmo und seine Tochter Doralice. Ein weiterer Reisender, Alberto, will sich das annoncierte Mädchen ansehen und verliebt sich stattdessen in Doralice, die ihr Vater aber Monsù Traversen verspricht. Die wichtigtuerische Madama La Rose treibt die Handlung zusätzlich voran. Es kommt zu einer Reihe von turbulenten Verwechslungen und Verkleidungsspielen, bis sich die Paare bei einem Maskenball aus dem Staub machen, um zu heiraten. Den Vätern bleibt nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden.
Erster Akt
Lieblicher Garten; auf einer Seite schattige Wege, Statuen, Brunnen und Getränkeläden
Szene 1. Eine Gruppe von Reisenden genießt das Leben in den umgebenden Cafés, unter ihnen Madama La Rose und Monsù Traversen (Introduktion: „Chi cerca il piacere“). Der junge Alberto gesellt sich zu ihnen. Traversen bemerkt einen Zeitungsjungen und ruft ihn herbei. Alle sind wild auf die darin stehenden Neuigkeiten. La Rose erkundigt sich bei Alberto, ob er auf seiner Suche nach einer passenden Frau Erfolg hatte. Alberto verneint. Er habe weder in Italien noch in Deutschland, in Holland oder sonst wo auf der Welt ein perfektes Antlitz gefunden. Ein junger Mann kommt mit der Zeitung, und sie fangen an zu lesen.
Szene 2. Der vornehm und affektiert gekleidete Don Pomponio tritt mit zwei Lakaien auf. Er beklagt sich in neapolitanischem Dialekt bei seinem Diener über die Schwierigkeiten, einen Gatten für seine Tochter Lisetta zu finden (Cavatine: „Co sta grazia, e sta portata“). Er habe bereits vergeblich bei den Franzosen, Russen, Spaniern, Italienern und anderswo gesucht, und auch eine Zeitungsannonce aufgegeben. Unterdessen entdeckt La Rose diese Anzeige in der Zeitung. Alberto liest vor: Ein reicher extravaganter ehemaliger Kaufmann sei eingetroffen und suche einen Ehemann für seine Tochter. Die Bewerber sollen sich im „Aquila“ zum Wettbewerb einfinden. Die Anzeige reizt die Gruppe zum Lachen. Der mithörende Pomponio ist froh, nicht erkannt worden zu sein. Alberto jedoch zeigt Verständnis. Traversen möchte mehr herausfinden und fragt den Zeitungsjungen nach dem Inserenten. Dieser zeigt auf Pomponio. La Rose und Traversen necken ihn, bis Alberto der Szene ein Ende bereitet (Quartett: „Mio signore / Patrò mio“).
Eleganter Saal in Filippos Wirtshaus
Szene 3. Der Gastwirt Filippo weiß, dass Pomponios Suche vergeblich sein wird, da seine Tochter bereits ihm ihre Liebe geschworen hat. Anselmo kommt und bucht zwei Zimmer für sich und seine Tochter Doralice. Nachdem die beiden sich in ihre Zimmer zurückgezogen haben, denkt Filippo weiter über seine Zukunft nach. Lisettas Vater werde sicher nicht damit einverstanden sein, sie einem Gastwirt zu überlassen.
Szene 4. Lisetta kommt elegant gekleidet herein und singt ein Loblied auf die Liebe, die Mode und das Vergnügen (Arie: „Presto, dico“). Sie lässt sich von Filippo ihren guten Geschmack bestätigen.
Szene 5. Alberto erscheint als erster zum Vorstellungsgespräch. Er schaut sich um und sieht, dass Lisetta der Beschreibung in der Annonce entspricht. Filippo jedoch streitet dies ab und behauptet, er sei ihr Ehemann. Er entfernt sich mit Lisetta.
Szene 6. Doralice hat inzwischen ihr Zimmer besichtigt und kehrt zufrieden zurück. Alberto glaubt, sie sei das annoncierte Mädchen und spricht sie darauf an. Doralice ist zunächst überrascht. Da aber die Beschreibung auf sie und ihren Vater passt, bricht sie entsetzt über dessen Tat in Tränen aus. Alberto versucht vergeblich, sie zu beruhigen und erklärt, sich bereits in sie verliebt zu haben. Mit dem Hinweis, dass die Entscheidung bei ihrem Vater liege, geht Doralice.
Szene 7. Alberto ist von seinen Gefühlen überrascht worden. Eigentlich hatte er nur etwas Spaß gesucht, aber nun hat er sich ernsthaft verliebt. Als Pomponio den Saal betritt, bittet er ihn um die Hand seiner Tochter. Pomponio fragt nun kritisch, was Alberto vorzuweisen habe. Aber schon der Name „Alberto“ gefällt ihm nicht. Sein eigener Name „Pomponio Storione“ habe eine ganz andere Wirkung. Pomponio komme von Pompa, das auch in Pompilio, Pompeo und Pompeiano enthalten sei. Alberto weist darauf hin, dass „Storione“ (Stör) der Name eines Fisches sei. Pomponio entgegnet, dass er im Gegenteil von „storia“ (Geschichte) abgeleitet sei. Erst als Alberto seinen eigenen Nachnamen „de Filippi“ erklärt, der von Philipp von Mazedonien, dem Vater Alexanders des Großen, herrühre, lässt sich Pomponio beeindrucken und ist bereit, mit seiner Tochter zu reden. Alberto erwidert, dass er dies bereits getan habe und sie einverstanden sei. Er zieht sich in einen der Räume zurück.
Szene 8. Lisetta kehrt zurück, gefolgt von Filippo und Doralice, die das folgende Gespräch mit anhören. Pomponio teilt Lisetta mit, dass er sie soeben verheiratet habe. Filippo ist entsetzt. Lisetta erklärt ihrem Vater, dass sie auf keinen Fall durch Zeitungsanzeigen und Wettbewerbe verheiratet werden wolle, sondern ihren Mann selbst wählen möchte. Ihr Vater beschreibt ihr dennoch den Bewerber, einen gewissen „Felippo“. Nach dieser Namensverwechslung sind Lisetta und der lauschende Filippo beruhigt. Lisetta erklärt froh ihr Einverständnis mit der Heirat und verlangt Filippo zu sehen. Als dieser hervortritt, verweist Pomponio jedoch auf den soeben hereinkommenden Alberto. Dieser, Lisetta, Filippo und Doralice sind überrascht. Pomponio erläutert, dass Albertos Nachname von Philipp von Mazedonien herrühre und er ihn deshalb so genannt habe (Quintett: „Già nel capo un giramento“). Doralice ist empört, dass Alberto nun eine andere heiraten will, nachdem er ihr eben erst seine Liebe versprochen hatte. Alberto weist Pomponio darauf hin, dass seine Tochter bereits mit Filippo verheiratet sei, und Lisetta und Filippo bekräftigen, nur einander lieben und heiraten zu wollen. Pomponio ist empört. Im folgenden Tutti vergleichen alle ihren Kopf mit einer Schmiede, in der von allen Seiten Hammerschläge dröhnen. Sie gehen.
Szene 9. Madama La Rose betritt die Gaststube. Sie will den Wettbewerb beobachten und sich amüsieren. Auch Traversen will kommen. Inzwischen ist auch Doralice zurückgekehrt. Da sie immer noch Gefühle für Alberto hegt, will sie herausfinden, ob er sie tatsächlich betrogen hat. Auch versteht sie nicht, warum Filippo will, dass sie sich als seine Gattin ausgibt. La Rose erzählt Doralice von dem seltsamen Reisenden Don Pomponio, der hier wohne. Dieser erscheint mit seinen Dienern und beklagt sie bei ihnen über das Verhalten seiner Tochter und der anderen – was La Rose und Doralice amüsiert mit anhören. Er beschließt, Lisetta zu enterben und seinen Diener zum Drucker zu schicken, um ein neues Inserat aufzugeben. Diesmal will er eine Ehefrau für sich selbst suchen. Der Text dieser Anzeige ist gespickt mit anzüglichen Wortverwechslungen. So nennt er die Gallierinnen „galline“ („Hühner“), aus denen er sich „la più grassa“ („die fetteste“) heraussuchen möchte. Nun treten La Rose und Doralice hervor. Pomponio fragt sie, ob sie verheiratet sind. Als La Rose dies bestätigt, wendet sich Pomponio Doralice zu und macht ihr trotz seiner fünfzig Jahre den Hof. Doralice schmeichelt ihm zunächst, erklärt dann aber, dass ihr Herz nicht mehr ihr gehöre und sie seine Werbung daher leider ablehnen müsse. Wenn sie ihre Gefühle erklären könnte, würde sie Mitleid erregen. Sie hoffe aber, dass der Himmel sie eines Tages glücklich machen werde (Arie: „Ah, se spiegar potessi“).
Szene 10. Während Filippo seine Angestellten beim Aufräumen der Zimmer anspornt, versucht Pomponio zunächst vergeblich, mit ihm ins Gespräch zukommen. Schließlich wendet sich Filippo ihm zu und nennt ihn einen Esel, weil er tatsächlich geglaubt habe, dass Lisetta seine Verlobte sei. Er habe dies aber lediglich vorgegeben, weil Lisetta sich für die Zeitungsanzeige rächen wollte. In Wirklichkeit sei er mit La Rose verheiratet. La Rose, die dem Gespräch zugehört hat, bestätigt das. Filippo erklärt den Grund für die Reinigungsarbeiten. Ein reicher Quäker aus Kap-Breton sei auf dem Weg nach Holland, um dort ein Warenhaus zu eröffnen. Er befinde sich gegenwärtig in Paris, wo er die Zeitungsannonce über die übermenschliche Lisetta gelesen habe, und werde nun hier erwartet. Filippo und La Rose gehen.
Szene 11. Lisetta kommt herein, um ihrem Vater über den Antrag des Quäkers zu sprechen. Sie stellt sich ihre Zukunft als dessen Ehefrau in Holland vor. Pomponio weist sie darauf hin, dass ihr Geliebter Filippo ja sowieso bereits verheiratet sei. Lisetta ist empört über Filippos vermeintlichen Verrat. Ihr Vater kann sie nur besänftigen, indem er verspricht, sie tun zu lassen, was immer sie möchte (Duett: „Pe da’ gusto a la signora“).
Szene 12. La Rose, Traversen, Doralice, Anselmo und Alberto unterhalten sich über den geplanten Quäker-Streich. Nur Anselmo ist besorgt über etwaige ernste Folgen. Sie gehen wieder.
Szene 13. Lisetta, Pomponio und der grotesk als Quäker verkleidete Filippo kommen herein, gefolgt von weiteren vermeintlichen Quäkern. Filippo grüßt Pomponio in gebrochenem Italienisch mit holländisch anmutendem Akzent (Finale I: „Bondì te pater“). Pomponio antwortet zunächst auf dieselbe Weise, bestätigt Filippo dann aber, Italiener zu sein und kein Holländisch zu verstehen. Also wird das Gespräch auf Italienisch fortgeführt. Filippo erzählt, wie begeistert er von Lisettas Schönheit ist. Pomponio hört geschmeichelt zu, bis Lisetta dem Gast plötzlich vorwirft, ein Betrüger zu sein. Doralice, Anselmo, La Rose und Traversen erscheinen und der Akt endet in allgemeinem Durcheinander. Alberto weiß immer noch nicht, welches der Mädchen Pomponios Tochter ist. Doralice hat immer noch Gefühle für ihn. Lisetta weiß nicht, was sie von Filippo halten soll – vielleicht ist er ja doch unschuldig. Filippo hat ein schlechtes Gewissen und will sie besänftigen. Gleichzeitig ist er wütend auf Pomponio. Alle wünschen, dieser Schuft und Gauner möge tot umfallen.
Zweiter Akt
Zimmer im selben Gasthof
Szene 1. La Rose freut sich noch immer über den gelungenen Streich (Arie: „Sempre in amore“). Traversen hat neue Pläne und bittet Anselmo um die Hand seiner Tochter Doralice. Dieser und La Rose stimmen erfreut zu. Doralice jedoch ist weniger begeistert. Traversen ergreift Doralices Hand, und alle gehen.
Szene 2. Alberto hat Traversen Hand in Hand mit Doralice beobachtet und fühlt sich betrogen. Er liebt sie, obwohl er inzwischen weiß, dass sie nicht das Mädchen aus der Zeitungsannonce ist. Traversen kehrt zurück und erzählt ihm, dass Anselmo seiner Heirat mit Doralice zugestimmt habe. Er sei nun auf dem Weg zum Notar. Entmutigt will Alberto Filippo um Rat fragen. Beide gehen.
Szene 3. Filippo ist verzweifelt, weil er nicht mehr mit Lisetta sprechen konnte, um das Missverständnis aufzuklären. Er befürchtet, dass sie in Kürze mit ihrem Vater abreist. Lisetta erscheint. Sie ist immer noch verärgert, reagiert wütend auf seine Erklärungen und behauptet, sie habe ihn nie geliebt. Erst als Filippo sich traurig von ihr verabschiedet, kann Lisetta ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken und gesteht ihm ihre Liebe (Duett: „In bosco ombroso e folto“). Die beiden versöhnen sich und verlassen glücklich den Raum.
Szene 4. Alberto klagt über seine unglückliche Liebe zu Doralice (Rezitativ und Arie: „Chi creder mai poteva“).